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Predigtvorschläge zu Apg 9, 1-9 (10-20)
Apg 9, 1-20 (W)
Rev. 2014: Lk 13, 10-17 (II)

"Ich erinnere mich noch genau.", sagte Abidan zu denJugendlichen, die sich um ihn am Feuer geschart hatten. "Er war ein strenger Herr, unerbittlich, aber gerecht. Er ließ keine Nachlässigkeit durchgehen, aber wer seinen Dienst versah, wie er ihm aufgetragen war, wurde auch nicht vergessen, sondern stieg in seiner Achtung und erhielt eine entsprechende Belohnung.
Aber was wir taten - heute weiß ich, dass es falsch war. Doch damals... Er hatte uns so mitgerissen, er war so überzeugend, wir mussten ihm einfach glauben. Saulus war ein angesehener Mann. Seine Familie hatte das römische Bürgerrecht, das war nur wichtigen Persönlichkeiten vorbehalten. Aber er war kein Kollaborateur, sondern hielt sich streng an das Gesetz des Mose. Er bläute es uns immer wieder ein: Wenn nur einmal alle Juden das Sabbatgebot einhalten würden, dann würde der Messias kommen und Israel von allen Unterdrückern befreien. Er hielt das Sabbatgebot und natürlich auch all die anderen Gebote, von denen ich manche gar nicht kenne. Oft hat er uns in der Schrift unterwiesen und uns erklärt, was es mit den Geboten auf sich hatte. Er selbst war sehr gelehrt, er hatte bei angesehenen Rabbinen Unterricht erhalten, seine Eltern hatten keine Kosten und Mühen gescheut.
Die Menschen, die sich Anhänger des Jesus von Nazareth nannten, waren ihm allerdings ein Greuel. Auch sie waren Juden, aber sie wollten keine Autorität anerkennen. Sie ließen sich von den Schriftgelehrten genauso wenig sagen wie von den Pharisäern oder Hohepriestern. Sie zogen umher und verkündigten, dass Jesus der Messias sei. Wie oft hatte uns Saulus gesagt, dass wir den Messias an seiner Macht erkennen würden. Dieser Jesus aber - er war tot! Was für eine Macht sollte der denn haben?
Saulus hatte sich ganz der Verfolgung dieser Menschen verschrieben. Ihren Tod wollte er nicht, auch wenn er der Steinigung des Diakons Stephanus beigewohnt hatte. Als Abschreckung war die Steinigung ganz sinnvoll, aber sie löste nicht das Problem, das wusste er. Er hatte ein Gespür für diese Nazarener, wie man sie anfangs auch nannte, und spürte sie in ihren Verstecken auf. Er ging zu ihren Versammlungen, unbemerkt, als Zuhörer, prägte sich die Gesichter der Redner ein, von denen er meinte, dass sie besondere Bedeutung hatten für die Gemeinde, und verfolgte sie dann. Uns nahm er erst mit, wenn er wusste, wo er sie dingfest machen konnte. Ich vermute mal, dass er Angst hatte, wir könnten durch die Predigt dieser Redner selbst abtrünnig werden. Dabei konnten wir uns das überhaupt nicht vorstellen. Am liebsten wären wir natürlich mit ihm dorthin gegangen und hätten gleich reinen Tisch gemacht. Wer Widerstand leistete, sollte sterben, wer nicht, in die Sklaverei geschickt werden. Das war unsere Devise. Aber Saulus sah das anders. Er wollte die Anführer. Die sollten dann so bearbeitet werden, dass sie diesem Jesus absagten und sich wieder ganz dem Gesetz des Mose hingaben. Dann wollte er, dass sie den Gemeinden mitteilten, dass alles, was sie bisher gelehrt hatten von Jesus, falsch war. Ein Toter kann kein Messias sein, und wenn er von den Toten auferstanden ist - ja, wo ist er denn dann jetzt???"
Abidan hielt inne. Die Jugendlichen starrten ihn gebannt an. "Wenn ich einmal zu diesen Versammlungen gekommen wäre, ich weiß nicht, was mit mir geschehen wäre. Aber Saulus wusste schon, was er tat, indem er uns nicht erlaubte, dorthin zu gehen.
Eines Tages kam er zu uns von solch einer Versammlung und verkündete, dass wir nach Damaskus ziehen würden, dort sollte ein Treffen der Anführer stattfinden. Damaskus war eine große Stadt, es brauchte seine Zeit, bis man sie durchlaufen hatte. Ich hatte sie bis dahin nur vom Hörensagen gekannt. Jetzt sollte ich dorthin kommen! Das war eine Freude!
Wir packten unsere Bündel und zogen los. Von Jerusalem aus erwartete uns eine etwa 5-tägige Reise, je nachdem, wie zügig wir voran kamen. Saulus war guter Dinge. Auf so eine Gelegenheit hatte er immer gewartet! Jetzt war sie da. Wieder eine Gelegenheit, sein Ansehen in der Bevölkerung und beim Hohepriester zu steigern.
Auch unterwegs hörte Saulus nicht auf, nach Nazarenern Ausschau zu halten. In jedem Ort fand er schnell heraus, ob sich dort die Abtrünnigen aufhielten, und prägte sich die Namen ein, die genannt wurden. Doch nahmen wir keine gefangen - das hob er sich für den Rückweg auf. Es wäre ja auch sicher nicht klug gewesen, wenn er schon mit Gefangenen in Damaskus einmarschieren würde.
Am fünften Tag hofften wir, Damaskus in der Ferne zu erblicken. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, es war Zeit für eine Mittagspause, aber die Hoffnung, hinter dem nächsten Hügel vielleicht schon die Stadttore zu sehen, trieb uns weiter. Doch da geschah etwas Merkwürdiges, ja, Erschreckendes. Plötzlich erstrahlte ein grelles, blendendes Licht. Ich hielt sofort die Hand vor meine Augen und blickte auf Saulus, unseren Anführer. Der stand erst wie angewurzelt da, in das grelle Licht blickend. Wir hörten eine Stimme, aber konnten sie nicht verstehen. Sie klang dumpf, wie von ferne, und doch bestimmt und fordernd. Saulus fiel auf seine Knie. Er antwortete auf die Stimme mit einer Frage. Diese Methode hatte er schon immer angewandt, wenn er die Nazarener ausspionierte und jemand auf ihn als Fremdem aufmerksam geworden war. So schaffte er es meist, die Aufmerksamkeit von sich abzulenken und dazu noch die Informationen zu erhalten, die er brauchte. Aber diesmal war es wohl keine Methode, kein gut durchdachter Trick. Er wollte nur wissen, wer da vor ihm stand. Wir hätten ihm die Antwort geben können. Da war niemand. Nur dieses gleißende, strahlende Licht, das wir von unseren Augen abzuschirmen versuchten.
Plötzlich erlosch das Licht. Obwohl die Sonne hoch am Himmel stand, kam es uns dämmrig vor, so als ob es Abend geworden wäre. Wir erwarteten von Saulus, dass er uns nun auffordern würde, weiter zu gehen, doch nichts geschah. Er kniete da, in Richtung Damaskus schauend, dann wandte er seinen Kopf um, befühlte sein Augen und begann, zu rufen: "Ich sehe nichts! Ich bin blind!" Eigentlich kein Wunder. Wenn man lange in die Sonne starrt, erblindet man auch. Saulus hatte seine Augen auf, als er in das grelle Licht sah.
Zwei von uns eilten herbei und griffen unter seine Arme, um ihn aufzurichten. Dann blieben sie an seiner Seite. Nun mussten wir ihn führen. Das war merkwürdig, wir waren es nicht gewohnt, ohne Führer zu sein. Wir hofften, Saulus würde uns gut zureden, uns beschwichtigen, uns wieder Mut machen. Meist kommt das Augenlicht ja nach einiger Zeit wieder. Aber er schien nun völlig im Dunkeln zu tappen. Er war so hilflos wie wir.
Am Abend erreichten wir die Stadttore und suchten uns eine Herberge, in der wir alle unterkommen konnten. Wir verbanden Saulus' Augen, kühlten sie, holten auch einen Arzt, aber es gab keine Hilfe. Wir ließen ihn nicht raus, er sollte im Dämmerlicht in der Herberge seine Augen schonen und letztlich das Augenlicht wieder erlangen. Doch nach drei Tagen waren wir drauf und dran, aufzugeben.
Saulus hatte ich so noch nie erlebt. All seine Entschlossenheit war von ihm gefahren. Wenn er nicht auf seinem Lager lag, dann kniete er und betete. Auch auf seinem Lage faltete er die Hände und betete zu unserem Gott. Auch wir hatten begonnen, für ihn zu beten, aber seine Ausdauer hatten wir nicht. Und am dritten Tag, als wir wussten, dass er kaum jemals wieder sehen würde, gaben wir auf.
Da klopfte es an die Tür. Ein fremder Mann stand dort. "Ich heiße Hananias.", sagte er. "Mein Herr Jesus Christus hat mich hierher gesandt, damit ich Saulus von Tarsus die Hände auflege und für ihn bete." Als wir den Namen 'Jesus Christus' hörten, erschraken wir. Was sollten wir tun? Sollten wir ihn gefangen nehmen? Instinktiv schauten wir zu Saulus rüber und erwarteten Anweisung von ihm. Er richtete sich auf und ging zwei Schritte durch die Dunkelheit, die ihn erfüllte. Als er gegen einen Schemel stieß, eilte einer von uns zu ihm und führte ihn. "Lasst ihn herein.", befahl er uns, und wir machten den Weg frei, so dass Hananias eintreten konnte. Nun schien alles nur noch zwischen diesen beiden zu geschehen, wir waren Außenseiter.
Dementsprechend drängten wir uns in der Nähe der Tür, um fliehen zu können, falls es nötig war - oder um Schutz zu bieten, falls mehr von den Nazarenern kamen. Oder um zu verhindern, dass Hananias floh, falls er Saulus ein Leid zufügen wollte. Ich weiß es nicht mehr. Wir waren verwirrt. Ich erinnere mich, dass ich dachte, ich müsste diesen Mann töten, und schon die Hand am Griff meines Dolches hatte. Doch als ich Saulus ansah, erkannte ich, dass alles gut war. Er war voller Hoffnung und Erwartung, er wusste schon, was geschehen würde. Er kniete nieder, und Hananias trat auf ihn zu, legte seine Hände auf ihn und sprach: "Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist. Du sollst nun wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden."
Saulus erhob seine Augen und blickte uns an. Wir waren alle erschrocken und verängstigt. Wir erkannten, dass er wieder sehen konnte. Einer flüsterte: "Das ist Zauberei!" Ein anderer öffnete die Tür, und nach und nach verließen wir den Raum. Ich blieb und sah, wie Saulus die Briefe des Hohepriesters zerriss, die ihm die Vollmacht gaben, die Nazarener gefangen zu nehmen und nach Jersualem zu führen. Ich blieb bei ihm, als er mit Hananias die Herberge verließ, und ging mit zu den Nazarenern. Allerdings wahrte ich einen gewissen Abstand. Ich wunderte mich, dass er mich nicht fortschickte, denn im Stillen hoffte ich, dass er immer noch der Alte war. Aber ich hatte mich getäuscht. Am nächsten Tag verließ ich Damaskus und kehrte nach Jerusalem zurück. Saulus sah ich nie wieder."
Abidan verstummte.
"Aber warum", fragten die Jugendlichen, "sagst Du, dass du ihn nie wieder gesehen hast? Dort hinten sitzt er doch mit den Ältesten der Gemeinde und diskutiert mit ihnen. Du bist mit ihm hierher gekommen in unsere Gemeinde."
"Was?", antwortete Abidan. "Der? Nein, das ist nicht der, von dem ich Euch erzählt habe. Das ist Paulus, der große Apostel der Heiden. Er könnte keinem Menschen ein Leid zufügen. Das dort ist ein völlig anderer Mensch."
"Das verstehen wir nicht. Er hat uns doch seine Geschichte schon oft erzählt, jedesmal, wenn er in diese Gemeinde kam. Sie stimmt mit dem, was Du erzähltest, vollkommen überein. Vielleicht sind ein paar Details anders, aber das ist ja ganz normal, wenn zwei verschiedene Personen die gleiche Geschichte erzählen. Das macht Deine Erzählung gerade so spannend. Wir sind sicher, dass es derselbe Mensch ist, von dem Du sprichst."
"Und ich", erwiderte Abidan, "ich bin sicher, dass jener dort nicht derselbe ist, von dem ich erzählt habe. Er mag zwar genau so aussehen, aber in seinem Herzen ist er ein völlig anderer Mensch."
Es trat eine Pause ein. Man hörte die Männer im Hintergrund reden, aus einer anderen Richtung erklangen leise Frauenstimmen.
Endlich durchbrach einer der Jugendlichen das Schweigen und sagte: "Ich glaube, Du hast recht. Das dort ist wirklich ein anderer Mensch. Der alte Mensch ist gestorben, und ein neuer Mensch ist auferstanden..."


Liedvorschläge:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
Lob Gott getrost mit Singen (EG 243)
Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren (EG 245)
Treuer Wächter Israel' (EG 248)
Verzage nicht, du Häuflein klein (EG 249)
Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)
Ich habe nun den Grund gefunden (EG 354)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390)
Ein Licht geht uns auf (HN-EG 557)
Herr, wir bitten: Komm und segne uns (HN-EG 590; NB-EG 561)
zu Lk 13, 10-17:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden (EG 66)
Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)
Gib uns Frieden jeden Tag (EG 425)
Gib Frieden, Herr, gib Frieden (EG 430)

Zuletzt überarbeitet: 26 August 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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