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Predigtvorschläge zu Röm 7, 14-25a
Röm 7, 14-25a; (8,2) (W)
Rev. 2014: 1. Joh 2, (7-8)9-14(15-18) (Epistellesung - s. Reihe VI) (IV)

Liebe Gemeinde!
Soll ich den Text noch einmal vorlesen? Jedesmal, wenn ich diesen Text lese, ist die Verwirrung zunächst größer als das Verstehen. Denn es geht darin ja schon etwas durcheinander.
Paulus stellt anfangs das geistliche Gesetz der fleischlichen Sünde gegenüber, aber dann redet er auch vom fleischlichen Gesetz, vom Gesetz der Sünde. Er erklärt, wie gerne er das Gute tun will, aber doch nicht kann, und wie sehr er sich müht, das Böse zu vermeiden, es dann aber tut. Ist das nicht verwirrend?
Paulus sieht sich gebunden von der Sünde, vom Bösen, und kann offenbar davon nicht los kommen. „Ich elender Mensch!” ruft er am Ende aus und scheint an diesem Elend fast zu verzagen. Einzig der letzte Satz des Dankes bringt etwas Licht in diese Trübnis: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!”
Aber wofür dankt er Gott? Paulus bleibt uns diese Antwort im Grunde schuldig. Wenn wir den nachfolgenden Satz noch dazulesen, werden wir auch nicht wirklich schlauer:
„So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.”
Paulus weiß nicht, was er tut, so sagt er.
Manchmal benutzen wir solch eine Aussage als Ausrede: ich wusste nicht, was ich da tat. Mir war es nicht bewusst, was für Folgen das hat – wenn z.B. durch das Spielen mit Streichhölzern plötzlich ein Haus in Brand steht; oder wenn man beim Autofahren mit dem Handy telefonierte und deshalb nicht schnell genug reagieren konnte, als das Kind auf die Straße lief; oder wenn man seinen Hund das Geschäft auf dem Gehweg erledigen lässt, ohne die Spuren zu beseitigen, und ein anderer Passant tritt dann mitten rein.
Immer wieder hören wir es als Entschuldigung: ich wusste nicht, was ich da tat. Man gibt im Grunde damit zu erkennen, dass es ein Ich gibt, das mit dem wahren Ich nichts zu tun hat. Irgendwie ist da noch jemand, der mich handeln lässt, ohne dass ich es mit bekomme.
Ein Psychologe würde das Schizophrenie nennen, aber so weit würde man selbst dann natürlich doch nicht gehen, denn im Grunde wusste man natürlich schon, was man tat. Man war sich nur nicht der Folgen so deutlich bewusst, dass man einsehen konnte, warum man dies oder das besser nicht tut.
Paulus versucht auch erst einmal, die Theorie von den zwei Ichs in einer Person zu entwickeln: So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Natürlich, die Sünde war's.
Aber das ist ja völliger Unfug. Als ob die Sünde eine eigenständige Persönlichkeit wäre. Wenn er wenigstens „Teufel” gesagt hätte. Damit könnte man vielleicht noch klar kommen. Der Teufel ist für uns ein Gegenüber, so wie Gott ein Gegenüber ist. Er handelt eigenständig, er sitzt einem Menschen mitunter im Nacken und treibt seine Späße mit ihm. Da kann man nichts gegen machen – den Teufel abschütteln, das ist nicht so leicht.
Aber auf solch eine Gegenüberstellung lässt sich Paulus dann doch nicht ein, und das sollte uns nachdenklich machen.
Sünde tut man, die Sünde selbst tut nichts. Sie ist das Ergebnis unseres Handelns. Und so sind letztlich doch wir es, die handeln, die tun, was wir nicht wollten, aber dann doch getan haben.
Paulus weiß das, davon bin ich überzeugt, aber er will dennoch mit aller Kraft versuchen, das eine vom anderen zu trennen. Er ist doch ein guter Mensch, er will es durch und durch sein.
Dass es nicht gelingt, kann also nicht an ihm liegen, sondern es muss durch etwas anderes, durch eine fremde Macht, verursacht werden. Aber dabei kann er dann doch nicht stehen bleiben.
Und so geht Paulus doch einen Schritt weiter. Diese böse Macht, so sagt er, wohnt in ihm (Röm 7, 17f). Sie ist ein Teil von ihm.
Aber wo kommt sie her? War sie von Anfang an da? Wenn ja, dann wären wir bei dem Modell der Erbsünde, mit dem sich heutzutage immer weniger Menschen anfreunden können: Der Mensch ist böse von Geburt an – die Überheblichkeit, die Machtgier, der Neid, die Eifersucht, die Habgier, sie alle sind Ausdruck des Verlangens, wie Gott sein zu wollen, seinen Platz einzunehmen, alles und jeden unter Kontrolle zu haben, auch sich selbst. Dieses Verlangen schlummert in jedem Menschen und verschafft sich mehr oder weniger sichtbar Raum.
„Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.”
Wie kommt Paulus nur auf solch einen Gedanken? Er selbst ist doch ein Musterchrist. Wenn nicht er, wer kann dann noch von sich sagen, dass er ein aufrechter und aufrichtiger Mensch ist? Wer kann dann noch hoffen, gerecht genannt zu werden? Schon als Pharisäer hatte Paulus durch seinen Lebenswandel großes Ansehen erlangt, weil er sich treu an die Gebote Gottes hielt, und als Christ war er Vorbild in aller Demut und Aufrichtigkeit.
Weil Paulus also einer ist, dem man solche Selbstvorwürfe noch am wenigsten abnimmt, liegt es nahe, zu vermuten, dass es ihm hier um das Menschsein schlechthin geht. Indem er die „Ich”-Form in diesem Abschnitt verwendet, will er seine Leser dazu ermutigen, sich selbst in diese Überlegungen hinein zu versetzen und sie auf sich selbst anzuwenden.
Aber das fällt schwer. Denn natürlich möchten auch wir nicht von uns sagen: ich will das Gute, aber ich tue es nicht, sondern vielmehr das Böse, das ich nicht tun will. Wir sind doch auch keine bösen Menschen!

Es geht in diesem Abschnitt um unser Verhältnis zu Gott. Dabei meine ich mit Verhältnis nicht etwas Beliebiges, worüber man selbst bestimmen könnte – keine Beziehung zweier Menschen zueinander, die irgendwann auch einmal in die Brüche gehen kann. Wir stehen in einer Beziehung zu Gott, ob wir es wollen oder nicht, denn wir sind Geschöpfe Gottes, er ist der Allmächtige, dem alle Welt untertan ist. Und darum gibt es natürlich auch eine Beziehung zu ihm, unserem Schöpfer. Diese Beziehung, so stellt Paulus fest, ist abgrundtief zerrüttet. Das Gute, das wir tun wollen, tun wir nicht, sondern das Böse, das wir nicht tun wollen – und auch nicht tun sollen.
Paulus antwortet mit unserem Predigttext auf die Aussage anderer, dass das Gesetz in der Lage sei, diese zerrüttete Beziehung wieder herzustellen, nämlich indem man das Gesetz hält und danach tut. Paulus hält dagegen, dass das Gesetz nur das hervorbringt, was schon längst da ist, nämlich die Sünde. Durch das Gesetz wird die Sünde klar erkennbar; ohne Gesetz wäre die Sünde zwar da, aber man würde sie nicht als solche erkennen sondern denken, es wäre menschlich, was man da tut. Nun ist aber das Gesetz da, und darum auch die Sünde.
Folglich ist der Mensch dem Tod verfallen, denn darauf läuft das Gesetz hinaus. Weil es keine Möglichkeit gibt, das Gesetz einzuhalten, darum muss am Ende das Todesurteil stehen.
Das Gesetz ist eine Gabe Gottes, und lange Zeit haben es die Menschen als Geschenk der Gnade angesehen. Vielleicht ist es das auch. Aber das Gesetz kennt keine Gnade, es ist unerbittlich, weswegen wir ja auch manchmal sagen: Gnade vor Recht ergehen lassen, oder mit anderen Worten: einmal nicht nach dem Gesetz urteilen, sondern nach dem Willen zur Gnade, zur Vergebung.
Das Gesetz ist also das unerbittliche, unbarmherzige Ende, und darum ruft Paulus schließlich in seiner Verzweiflung: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leib?” (Röm 7, 24)
Denn auch im Gesetz Gottes ist keine Erlösung da, keine Gnade, keine Vergebung.
Woher also kann Erlösung kommen?
Der Dank, der unmittelbar auf diesen Ruf der Verzweiflung folgt, ist die Antwort: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!” (Röm 7, 25a) Die Erlösung kommt also, genauso wie das Gesetz, das zur Verdammnis führt, von Gott her, durch Jesus Christus.
Unser Verhältnis zu Gott kann nur durch Gott selbst zurecht gerückt werden, denn das Gesetz kann dies nicht leisten. Wer meint, ein unbescholtener Bürger zu sein würde genügen, um vor Gott gerecht zu werden, hat geirrt. Denn Gott schaut in das Herz des Menschen. Er versteht unsere Gedanken von ferne, heißt es im 139. Psalm.
Und das Gesetz Gottes wirkt sich nicht nur auf unsere Taten aus, sondern eben auch auf unsere Gedanken, auf unsere Gefühle und Sehnsüchte. Paulus führt dazu das 9. und 10. Gebot an, in denen es heißt: „Du sollst nicht begehren”. Jesus hatte es in der Bergpredigt schon auf den Punkt gebracht: Ihr habt gehört: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch: wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig. Der Gedanke alleine reicht aus. „Wir sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten”, (Röm 3, 23) sagt Paulus einige Kapitel vorher.
Durch das Kreuz Jesu sind wir nun nicht mehr todgeweiht, wir sind nicht mehr verdammt. Christus ist unser Leben, er holt uns heraus aus diesem Dilemma, das Gute zu wollen, aber das Böse zu tun.
Unser Leben ist jetzt nicht mehr ein Leben nach dem Fleisch, wie Paulus wenig später schreibt. Es ist kein Leben mehr, in dem wir mit allen Kräften versuchen, unsere Erlösung selbst zu erwirken, indem wir ganz nach dem Gesetz handeln, was uns ja sowieso nicht gelingen kann.
Unser Leben ist vielmehr ein Leben nach dem Geist, und das bedeutet: wir vertrauen ganz auf die vergebende Gnade Gottes. Es ist ein Leben im Glauben und durch den Glauben.
Denn eins ist für Paulus klar: ohne Jesus Christus bleiben wir Kinder des Todes. Erst wenn wir im Glauben Gott an uns handeln lassen durch Jesus Christus, erst wenn wir seine Gnade annehmen und auch uns selbst zugeben, dass es Gnade ist und nicht unser eigener Verdienst, erst dann kommen wir zum Leben.
Das Abendmahl ist sichtbares Zeichen der vergebenden Liebe Gottes. Indem wir am Abendmahl teilhaben, vergewissern wir uns der Gnade, die uns erlöst von unserem todverfallenen Leib.
Und so können wir aus ganzem Herzen mit Paulus ausrufen: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!”
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


Stille Nacht, heilige Nacht (EG 46)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 79)
Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
Ein reines Herz, Herr, schaff in mir (EG 389)
Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390)
Mitten wir im Leben sind (EG 518)
Ich rede, wo ich schweigen sollte (EG 585)

Zuletzt überarbeitet: 09 Oktober 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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