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Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr
Der nahende Herr* - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Lk 11, 14-23 (III)

Eine Predigt von mir zu Lk 11, 14-23 finden Sie auf der Webseite des Kaiserdoms in Königslutter.


Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen, der starke Erlöser (EG 66, 3)
Jesu, hilf siegen (EG 373, 1.3-4.6-7)
Ich steh in meines Herren Hand (EG 374)
Es mag sein, dass alles fällt (EG 378)
O Durchbrecher aller Bande (EG 388)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Harre, meine Seele (NB-EG 593)

Predigtvorschläge zu Hiob 14, 1-6 (IV)

Liebe Gemeinde!
Hiob geht es extrem schlecht. Wir alle kennen seine Geschichte: als frommer Mann war er von Gott gesegnet mit Reichtum und einer großen Familie. Aber dann wollte ein Engel Gottes, Satan, ihn auf die Probe stellen, um zu beweisen, dass er nur deswegen fromm war, weil es ihm so gut ging. Hiob verlor seine 10 Kinder, seinen Besitz, zuletzt auch seine Gesundheit. Drei Freunde suchen ihn auf, um ihm beizustehen. Das Gespräch zwischen den dreien ist interessant, aber es bleibt unbefriedigend. Hiob beharrt darauf, dass er sich nichts hat zuschulden kommen lassen und darum eine solche Strafe nicht verdient. Seine Freunde wollen ihm deutlich machen, dass es möglich ist, unbewusst und unwillentlich schuldig zu werden, und dass Hiob vielleicht in seiner Vergangenheit doch Dinge getan hat, die sein jetziges Schicksal rechtfertigen. Hiob lehnt diesen Vorwurf kategorisch ab, und es scheint, als ob er dazu auch das Recht hat. Sein Lebenswandel war, so schreibt es die Bibel, rechtschaffen, es gab also nichts an ihm auszusetzen, er hat die Gebote Gottes genau befolgt.
Der Text, den wir gerade aus dem Buch Hiob gehört haben, ist weniger eine Klage als eine verzweifelte Bitte. Hiob stellt fest, was wir alle schon wissen: unser Leben ist begrenzt, Gott allein weiß, wann es zu seinem Ende kommt, und Gott selbst bestimmt auch, wann es zu Ende sein wird. Das Leben, die Spanne zwischen Geburt und Tod, ist für Hiob kein Zuckerschlecken, und auch hier können wir ihm sicher zustimmen. Es ist voller Unruhe, man macht sich Sorgen, immer wieder liegen plötzlich Hindernisse auf dem Weg, die man nicht erwartet hat. Viel Mühe macht einem das Leben, und sicher ist es so, dass man nicht immer verhindern kann, etwas falsch zu machen. Aber ist das denn meine Schuld? Sind es nicht die Umstände, die mich manchmal dazu zwingen? Und wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann gehe ich doch auch hin und bitte den, dem ich Unrecht tat, um Vergebung. Ich bemühe mich also, alles richtig zu machen. Ist es dann gerecht, dass Gott jede Minute meines Lebens bis ins Detail unter die Lupe nimmt und mir meine Fehler vorhält, ja, mich womöglich sogar noch dafür bestraft? Reicht es nicht, dass ich immer wieder vor neuen Hindernissen stehe, die zu überwinden mich immer viel Mühe kosten? Habe ich so nicht schon genug Strafe erlitten?
In diesen Gedanken Hiobs, die wir leicht nachvollziehen können, kommt ein Gefühl zum Ausdruck, das, so denke ich, in allen Menschen existiert, teilweise wohl nur unterbewusst, teilweise ist dieses Gefühl aber überaus stark und macht manchem das Leben schwer. Es ist schlicht und ergreifend Angst, Angst vor Gott, Angst vor der Allmacht Gottes, Angst vor seiner Allgegenwart.
Wer möchte schon gerne seine geheimsten Geheimnisse preisgeben? Ich bin sicher, dass es in eines jeden Leben Dinge gibt, die sie oder er noch nie einer anderen Person erzählt hat, selbst dem eigenen Ehepartner nicht. Es sind Dinge, die wir lieber mit in unser Grab nehmen, wie es so schön heißt. Wir möchten von diesen Dingen nicht erzählen, weil wir wissen, dass wir da etwas falsch gemacht haben, und wir wissen auch, dass wir diesen Fehler nie wieder begehen werden, soweit es in unserer Macht steht, weil wir ja wissen, dass es falsch war. Wir lernen ja aus unseren Fehlern. Darum: weg damit, Schwamm drüber, vergessen, begraben.
Aber es gibt eben doch einen, dem wir nichts vormachen können und vor dem wir diese Dinge nicht verbergen können: Gott sieht in die dunkelsten Ecken unseres Lebens. Wir sind ihm ausgeliefert, denn er deckt auf, wessen wir uns schämen, er zeigt mit dem Finger drauf. Da kann man sich schon mal wünschen, so wie Hiob, dass Gott einen in Ruhe lässt. Haben wir nicht schon genug Sorgen? Muss er da noch alte Wunden aufreißen und, so scheint es, genussvoll darin wühlen, dass der Schmerz einen zum Wahnsinn treibt?
Ja, er muss es tun. Denn wenn wir diese dunklen Seiten aus unserem Leben verdrängen, werden wir früher oder später glauben, dass wir perfekt sind, dass wir in der Lage sind, alles aus eigener Kraft zu vollbringen und vor allem richtig zu machen. Und das stimmt einfach nicht, denn das Vergangene bleibt ja, es ist Bestandteil unseres Lebens.
Gott deckt die dunklen Seiten auf. Er will, dass wir uns dieser finsteren Ecken unseres Lebens bewusst werden. All die Dinge, deren wir uns jetzt wohl schämen, die wir ungeschehen machen würden, wenn wir es könnten - aber sie bleiben ja - sollen wir nicht vergessen. Wir können sie nicht aus der Welt schaffen. Dazu kommt, dass wir immer wieder mal ungewollt etwas falsch machen, oder dass dann doch einmal das andere ich, das »alter ego«, durchbricht und Dinge tut, die wir später bereuen, in dem Moment aber durchaus willentlich tun. Und schon haben wir anderen Menschen oder der Schöpfung Gottes Schaden zugefügt.
Gott deckt unsere dunklen Seiten auf, aber gerne sehen wir das nicht unbedingt. Mir macht jedenfalls der Gedanke schon Angst, denn wenn Gott dann, für alle hörbar, von all den Dingen redet, die ich lieber ganz hinter mir lassen möchte, vielleicht sogar sie vor den Augen der anderen, die mit mir vor dem Richterstuhl versammelt sind, sichtbar werden lässt... das möchte ich nicht, dagegen sträubt sich alles in mir. Die Vorstellung davon ist schon grausam, ja brutal. Warum also kann Gott mich nicht in Ruhe lassen?
Er lässt uns nicht in Ruhe, weil er will, dass wir erkennen, dass wir Hilfe brauchen. Er will, dass wir uns nicht auf uns selbst verlassen, dass wir uns nicht dem Trugschluss hingeben, wir könnten uns selbst retten. Aber Gott drängt dazu nicht sich uns auf, sondern er drängt uns selbst uns auf. Er hält uns den Spiegel vor, damit wir erkennen: all das bin ich, nicht nur die guten Seiten, die ich gerne von mir in Erinnerung behalte, sondern auch die schlechten Seiten, die ich lieber verdränge, gehören dazu, alles zusammen macht mich zu der Person, die ich bin. Wenn Gott mir diesen Spiegel vorhält, dann tut er es aber nicht in der Öffentlichkeit. Es ist eine Sache zwischen ihm und mir. Und wenn er auf meine Schwachstellen gezeigt hat, dann bietet er mir auch seine Hilfe an. Es ist so einfach, und doch bin ich so oft zu stolz, diese Hilfe anzunehmen: er ist da, Jesus Christus, Gottes Sohn, für alle unsere Schuld ans Kreuz geschlagen, der kommt, zu richten die Lebenden und die Toten, aber nicht so, wie wir es oft erwarten, sondern so, als wäre er selbst schuldig und nicht wir. Denn er ist es, der unsere Schuld auf sich genommen hat. Wenn ich die Hilfe dieses Richters annehmen, dann kann ich getrost sagen: Ja, lass Gott mein Sündenregister hervorholen, all die kleinen und vielleicht auch großen Sünden; denn Jesus Christus nimmt dieses Register und lädt es sich selbst auf. Er nimmt es mir ab. Ich brauche davor keine Angst mehr haben.
Meist geht es uns nicht so wie Hiob. Ein so großes Leid wird selten einem Menschen zugemutet. Auch sichern wir uns nach allen Ecken hin ab, materielle Verluste werden meist durch Versicherungen aufgefangen. Für viele ist es so, dass Gott erst dann die alten Dinge aufdeckt, wenn wir vor seinen Richterstuhl treten. Um zu verhindern, dass wir unser Leben darum, weil es uns gut geht, in Selbstsicherheit verbringen, hatte die alte Kirche die Praxis der regelmäßigen Beichte eingeführt. Durch die Beichte konnte man sich seine eigene Schuld wieder bewusst machen, und man konnte sich der Vergebung durch Jesus Christus versichern. Weil die Praxis der Beichte missbraucht wurde, hat sie die lutherische Kirche zwar übernommen, aber nicht mehr so weiter praktiziert, wie es zur Zeit der Reformation üblich war. In unserer Zeit, in der das Gefühl, alles selbst schaffen zu können und auch schaffen zu müssen, immer stärker wird, halte ich die Beichte für wert, neu entdeckt zu werden. Ich möchte Ihnen Mut machen, diese Möglichkeit zu nutzen; nichts, was der Pfarrer im seelsorgerlichen Gespräch hört, darf an die Öffentlichkeit gelangen, er ist darum die Person Ihres Vertrauens. Natürlich kann man auch im stillen Kämmerlein vor Gott seine Beichte ablegen, aber die Vergebung kann man, so denke ich, leichter annehmen, wenn sie von einer anderen Person zugesprochen wird.
Wenn wir einmal einen Versuch wagen, werden wir erkennen, dass es unendlich erleichtert, sich diese Lasten von der Seele reden zu können.
Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist die Zeit des Heils.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (EG 150)
Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152 - Wochenlied!)
Gott rufet noch (EG 392)
Liebe, die du mich zum Bilde (EG 401)
Die Herrlichkeit der Erden (EG 527)
Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518 - Wochenlied!)
Ach wie flüchtig, ach wie nichtig (EG 528)
Fürchte dich nicht (NB-EG 595)
Wir sind mitten im Leben (EG KHW-651)

Zuletzt überarbeitet: 10 November 2017
© Copyright 1998-2017 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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