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Okuli
Konsequenz der Nachfolge* - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos" (Ps 25, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Okuli" hervorgehoben).
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge". In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.

III - Mk 12, 41-44
Rev. 2014: Eph 5, 1-2.(3-7).8-9 (s. Reihe II)

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. 42 Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. 43 Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. 44 Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluß eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Eph 5, 1-2.(3-7).8-9
So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Das Evangelium vom Scherflein der Witwe ist wohlbekannt. Es auszulegen, ist jedoch nicht so einfach.
Vers 44 ist eine Erläuterung des vorher Gesagten und könnte u.U. vom Evangelisten nachgeschoben worden sein. Ihm mag die knappe Aussage Jesu, "diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben", nicht eindeutig genug gewesen sein. Allerdings erscheint es nicht ganz plausibel, denn wenn es stimmt, dass die Witwe "ihre ganze Habe" eingelegt hat, wovon sollte sie dann leben? Lukas sagt noch krasser, dass sie alles einlegte, was sie zum Leben hatte. Soll die Witwe etwa damit ihr eigenes Todesurteil gesprochen haben? Oder rechnet sie mit Hilfe? Von wem soll dann die Hilfe kommen? Von Gott, dem sie gerade alles gegeben hat? Hätte sie nicht bei sich und zu Gott sagen können: Ich brauche dieses Geld zum Leben, daher kann ich diesmal keine Gabe geben?
Der Vers 42 beschreibt, wieviel die Witwe einlegt. Einen Pfennig. Das ist wahrlich nicht viel. Aber es ist etwas. Dagegen stehen die 10 Mark des Kaufmanns, vielleicht sogar die 100 Mark des Fabrikbesitzers, oder die 1 Mark des Arbeiters - immer noch 100 mal mehr, als die Witwe gibt. Da kann man durchaus auf den Gedanken kommen und sagen, sie habe ja eigentlich gar nichts gegeben. Aber sie hat kein geregeltes Einkommen. Sie erhält keine Pension (auch wenn nach dem Mosaischen Gesetz für die Witwen gesorgt werden soll. 2. Mose 22, 21-23). Wenn sie etwas gibt, dann ist das wahrlich ein Opfer.
Die Frage ist natürlich, wie man dies in unsere Zeit umsetzen kann: Da gibt es Renten, Sozialhilfe, Versicherungen - Armut ist die Ausnahme, auch wenn man seit einiger Zeit von "neuer Armut" spricht. Da gehört auch ein Lebensstandard dazu, von dem Menschen damals noch nicht einmal träumten. Der Verzicht auf einen Fernseher, weil man es sich nicht leisten kann, ist heute schon ein Zeichen von Armut. Vergleichen wir die Situation der Witwe mit der unseren, müßten wir wohl sagen, dass erst dann ein Opfer gegeben wird, wenn mindestens 10% der Einnahmen pro Sonntag gegeben werden. Aber geht es darum, die Situation zu vergleichen? Ist es nicht vielmehr wichtig, die Haltung der Witwe zu bedenken und uns selbst davon inspirieren zu lassen?
Die Witwe weiß nicht, was der nächste Tag bringt. Auch wenn sie noch ein bißchen Geld haben sollte, sie weiß nicht, ob sie am nächsten Tag noch genug haben wird, um sich Essen zu kaufen. Sie lebt in einer beständigen Unsicherheit. In dieser Unsicherheit hat sie sich offensichtlich Gott hingegeben. Sie vertraut Gott, sie verläßt sich auf ihn. Sie gibt ihm, was sie geben kann. Sie behält nichts für sich, weil sie eben darauf vertraut, dass Gott ihr Vertrauen belohnt.
Wir müssen an dieser Stelle innehalten, denn es besteht die Gefahr des Kausaldenkens: Gott hilft mir, weil ich ihm etwas gegeben habe. So funktioniert das freilich nicht. Gott läßt sich nicht erpressen. Es ist anzunehmen, dass die Witwe ihr Opfer bringt, weil sie Gott dankbar ist. Ob sie nun den Pfennig behält oder nicht, spielt für Ihr Leben keine Rolle mehr. Aber sie ist dankbar für all das, was Gott in ihrem Leben gewirkt hat. Aus dieser Dankbarkeit heraus, und aufgrund tiefen Vertrauens, kann sie geben, was sie hat.
Nun können wir die Frage stellen: Haben wir Grund dankbar zu sein, so wie die Witwe? Kann ein Arbeitsloser dankbar sein? Die Witwe hat ihren Mann verloren - warum sollte sie Gott danken? Der Arbeitslose hat seine Arbeit verloren - warum sollte er Gott danken? In jedem Fall kann man darauf hinweisen, dass das Leben länger ist als nur die derzeitige Situation. Was uns jetzt widerfährt, ist längst nicht alles. Im Gegenteil: die Tatsache, dass wir leben, ist schon ein enormes Geschenk. Die Tatsache, dass wir relativ gesichert leben, also nicht plötzlich auf der Straße stehen (im wahrsten Sinne des Wortes), ist Grund zum Danken. Gott wirkt in unserem Leben, auch wenn es nicht immer unmittelbar sichtbar wird. Wie erzeigen wir unsere Dankbarkeit?

Liedvorschläge zur Predigt:

Mein Seel, o Herr, muss loben dich (EG 308, 1.4-7)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369, 1.4-6)
*"Eins ist Not!" Ach Herr, dies eine (EG 386)
Jesu, meine Freude (EG 396)
*Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Wenn das Brot, das wir teilen (KHW-EG 632)

Fürbittengebet

Allmächtiger Gott, du rufst uns in deine Nachfolge. Der Weg ist schwer, und wir sind unsicher, ob wir ihn gehen sollen, denn das Ziel bleibt uns verschwommen und unklar. Wir bitten dich: hilf uns dir vertrauen, damit wir unsere Herzen öffnen und erkennen, dass wir uns auf dich verlassen können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich. (etwa: EG 178.11)
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir denen, die auf Abwegen sind, nachgehen und sie zu dir rufen. Lass nicht zu, dass sie wie mit Scheuklappen durch die Welt laufen, sondern öffne sie für deine Liebe. Lass sie auf ihrem Wege stolpern, wenn es nötig ist, damit sie erkennen, dass es der falsche Weg ist. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir denen, die um der Wahrheit willen verfolgt oder gefangen genommen werden, zu Hilfe eilen. Befreie sie von allem Zweifel und schenke ihnen die Gewissheit, dass sie auf dem rechten Weg sind. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir denen, die durch Krankheit und Tod an deiner Liebe zweifeln, beistehen und sie trösten. Lass sie erkennen, dass auch du den Weg des Leides und des Todes gegangen und ihnen gerade darum ganz nahe bist, auch wenn sie es jetzt nicht spüren. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir denen, die nach Krieg schreien, ins Wort fallen und für Frieden eintreten. Lass nicht zu, dass immer mehr Menschen durch Waffengewalt zu Tode kommen, und lass die Mächtigen in Wirtschaft und Politik erkennen, dass ihre Interessen nicht zwangsläufig dem Wohl der Menschen, für die sie Entscheidungen fällen, dienen. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir denen, die Menschen in den Entwicklungsländern ausbeuten, vorhalten, dass sie Unrecht tun. Ermutige die, denen ihr Recht genommen wird, sich dagegen zu wehren und für ihre Rechte einzutreten. Lass uns zu ihren Fürsprechern werden. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Lass uns deiner Liebe nachfolgen, indem wir für andere Menschen beten. Ihre Namen bringen wir vor dich in der Stille:
Stille. ...
Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Herr, wir sind Licht in dir: so lass uns leuchten und durch uns deine Herrlichkeit in der Welt ausbreiten. Dir gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung in Ewigkeit.
Amen

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Orgelmeditation für die Fastenzeit. Audio-CD v. Pater Dominikus spielt Werke alter Meister. 2003 - 1. Auflage.
  • Passion und Ostern. Agende II/1 v. VELKD (Hg.). Lutherisches Verlagshaus 2011, 344 S. - 1. Auflage.
    Umfassendes Material für Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern.
  • Vom Kreuz zum Leben. Kreative Gottesdienstentwürfe und Andachten für die Passions- und Osterzeit v. Monika Lehmann-Etzelmüller. Neukirchener Aussaat 2014, 144 S. - 1. Auflage.
  • NEU! Aus Trauer wird Freude. Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Passions- und Osterzeit v. Stefan Vogt. Neukirchener Aussaat Verlag 2017, 144 S. - 1. Auflage.
    Das Buch bietet hochaktuelle Gottesdienste und Andachten für eine traumatisierte Welt und macht in ihnen die Liebe Gottesdienst für seine Geschöpfe zum Mittelpunkt. Eine Fundgrube für Gottesdienste in der Fasten- und Osterzeit.

  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
    © Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

    Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
    Alle Rechte vorbehalten.
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