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Palmarum
Der Einzug des Königs - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

IV - Jes 50, 4-9
Rev. 2014: Joh 17, 1-8 (s. Reihe V)

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 5 Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. 7 Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. 8 Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! 9 Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Es handelt sich bei diesem Text um das dritte "Gottesknechtslied". Während man früher diese Gottesknechtslieder gerne als Prophezeiungen auf Jesus hin deutete, geht man heute eher davon aus, dass hier der Prophet in der Tat von sich selbst redet.
Zunächst identifiziert sich der Autor mit einem Jünger, wobei die Bezeichnung wohl eine besondere Gruppe von Menschen bezeichnet, denn offensichtlich sind nicht alle Menschen Jünger. Die Zunge dient dazu, mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Die Ohren sind offen, auf die Weisung Gottes zu hören und nicht davon abzuweichen. Offenbar führt diese Haltung dazu, dass man geschlagen und misshandelt wird. Der Prophet flieht nicht davor, sondern lässt es geschehen. Merkwürdig die Formulierung, dass er sein Angesicht hart machte wie einen Kieselstein (V. 7) - diese Härte past gar nicht zu der anfänglichen Aussage, die Fürsorge und Liebe ahnen lässt. Aufgrund dieses Verses allein dürfte es schon schwer fallen, in den Versen Jesus zu erkennen, denn er hat sein Angesicht nie "verhärtet" vor den Menschen (zumindest nicht nach unserer Vorstellung). Es scheint jedenfalls klar, dass diese Verhärtung eine Art Selbstschutz ist und nicht eine Versteinerung aufgrund dessen, was um den Propheten herum geschieht (im Sinne von 'er stand wie erstarrt', oder 'er starrte entsetzt auf etwas'). Dieser Satz aber steht inmitten der Feststellung, dass Gott, der Herr, bei ihm ist und ihm helfen wird. Wer mit dem Verfasser streitet, streitet mit Gott! Fast höhnisch klingt die Aufforderung, gegen ihn Klage zu erheben. Denn der Prophet weiß sehr genau, dass niemand ihm "am Zeug flicken" kann. Ja, die Ankläger werden wie von Motten zerfressene Kleider zerfallen (Vers 9).
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nur schwer erkenntlich. Hier ist nichts von einem Einzug zu erkennen, auch gibt es keine Parallele zu den Hosianna-Rufen der Menge. Vielleicht kann man einen Zusammenhang da erkennen, wo von der Anklage geredet wird: Jesus wird ja kurz nach seinem Einzug in Jerusalem angeklagt werden - noch ist er der, der zu den Müden spricht, doch bald wird er der sein, der selbst auf der Anklagebank sitzt und sich vor Menschen verantworten muss, wo doch nur Gott richten kann und darf. Aber dieser Zusammenhang ist sehr vage und legt die - falsche - Vermutung nahe, dass dieser Text eben doch auf Jesus hindeutet. Ein anderer Zusammenhang könnte allerdings bei uns hergestellt werden: wie stellen wir uns zu Jesus. Sind wir die, die heute jubeln und ihn morgen "anklagen" bzw. verleugnen, um uns selbst bzw. unseren "Lebensstandard" zu schützen? Können wir uns selbst in dem Text des Propheten erkennen, und wenn ja, an welcher Stelle: als die Jünger, d.h. als jene, die ihre Hoffnung alleine auf Gott setzen und darum viel riskieren, oder als jene, die als Ankläger auftreten? Der Zusammenhang ist immer noch undeutlich, aber ich denke, dem Text angemessener.
Die Predigt könnte dann entsprechend auf diesen Aspekt eingehen. Wo kommen wir in diesem Text vor? Sind wir Jünger, die sich jeden Morgen neu auf Gott einlassen, die bereit sind, sich selbst einem Gericht zu stellen, von dem sie wissen, dass es falsch urteilen wird? Oder klagen wir an - sind wir die, die den anderen ständig ihre Fehler vorwerfen, ohne zu erkennen, dass es um uns geht, um unsere Bereitschaft, ihnen in Liebe und Versöhnungsbreitschaft zu begegnen?

Liedvorschläge zur Predigt:


Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen (EG 81)
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)
Jesu, meines Lebens Leben (EG 86)
Es ist das Heil uns kommen her (EG 342)
Ist Gott für mich, so trete (EG 351)
Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

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  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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