das Kirchenjahr

21. Sonntag nach Trinitatis

Die geistliche Waffenrüstung

Predigtanregungen

Der 21. Sonntag nach Trinitatis wird von der Epistel her bestimmt. Es ist dort die Rede von der "Waffenrüstung Gottes" - Paulus vergleicht die Instrumente des Krieges mit denen des Glaubens. Dem ist das Evangelium von der Feindesliebe entgegengestellt - es handelt sich bei diesem Text allerdings nur um die Zusammenfassung der längeren Liste aus Epheser 6. Der alttestamentliche Text scheint nicht viel mit "geistlicher Waffenrüstung" zu tun zu haben, es sei denn, man betrachtet den Vers 7 als Hinweis auf die Waffe, mit der das jüdische Volk sich im Exil am Leben erhalten hat. Von einer Waffenrüstung zu reden - gleich ob geistlich oder nicht - trifft heute normalerweise auf Befremden. Diese Bilder gehören in eine extremistische Welt, nicht aber in die friedvolle Welt der Kirche. Dabei übersehen wir oft, dass es auch in der Kirche menschlich zugeht und auch dort Waffen benutzt werden - diese sind dann allerdings oft nicht die, von denen Paulus redet.

Zu den Perikopen

  • I: Eph 6, 10-17

    folgt später

  • II: Jer 29, 1.4-7(8-9)10-14

    folgt später

  • III: Mt 10, 34-39

    Dieser Text enthält unglaublich viel Zündstoff. Da ist zunächst der hervorstechend patriarchalische Zug: Der Mann wird als "Mensch" bezeichnet, die Frau als Tochter. Die Erwähnung der Schwiegertochter und Schwiegermutter deutet auf das patriarchalische Prinzip hin, dass die Frau in das Haus des Mannes - und damit zu seiner Familie - zieht, wo sie sich der Mutter das Mannes unterwirft. Dass eine Parallele "Schwiegersohn - Schwiegervater" fehlt, kann leicht missverstanden werden. Diesen Aspekt sollte man allerdings in der Predigt höchstens abzuwerten versuchen, da er zeitlich bedingt ist und nicht das Wesentliche des Predigttextes darstellt.
    Als nächstes sehen wir die kriegerische Wortwahl: Jesus bringt das Schwert. Das deckt sich überhaupt nicht mit dem, was wir vom Evangelium erwarten, nämlich Frieden und Vergebung. Gerade die hier angesprochene Entzweiung zwischen Eltern und Kindern wünschen wir als Christen nicht und versuchen wir um jeden Preis zu verhindern.
    Sicher, Jesus meint nicht das Schwert, das Leben beendet. Er meint das Schwert des Streites, des Kampfes. Er deutet darauf hin, dass es Auseinandersetzungen geben wird, die u.U. zu Trennungen führen, die schmerzlich sein werden.
    Der Anspruch, den Jesus schließlich an das Ende dieser Rede setzt, ist wieder eine Zumutung: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Da fällt einem spontan die Frage ein: was habe ich denn davon, Jesus mehr zu lieben? Schließlich sorgen ja meine Eltern für mich - warum also sollte ich ihnen nicht all meine Liebe geben? Freilich wissen wir, dass eine solche Elternliebe heute ohnehin sehr unwahrscheinlich ist, aber das liegt nun nicht daran, dass die Menschen Jesus "über alles" lieben, sondern schlicht daran, dass sie sich selbst über alles lieben. Und da scheint der letzte Satz zu greifen: Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.
    Wir denken wahrscheinlich gleich an die "Selbstfindung" bei diesem Satz, die in unserer Zeit sehr beliebt geworden ist und für die Persönlichkeitsentwicklung von nicht geringer Bedeutung zu sein scheint. Der Text hält uns vor, dass diese "Selbstfindung" ein fehlgeleiterter Versuch ist. Interessant ist, dass heutzutage die Selbstfindung oft zu einer Entzweiung des jungen Menschen mit dem Elternhaus führt, während es fast so scheint, als sei damals zur Zeit Jesu das Gegenteil geschehen, nämlich dass der junge Mensch sich findet, indem er im Elternhaus bleibt.
    Diese Beobachtung könnte ein Ansatzpunkt für die Auslegung sein: Das Wort vom "Leben finden" kann eigentlich nicht mit Selbstfindung gleichgesetzt werden. Es bezeichnet vielmehr den Versuch, einen Wert in seinem eigenen Leben zu finden, also mit anderen Worten: eine Karriere, die einen zum Erfolg führt. Darüber verliert man sein Leben, weil man es einzig auf materielle Werte ausgerichtet hat. Dann versteht man, warum man sein Leben auf Jesus ausrichten soll: es ist das Leben der Vergebung und Hingabe, des "Füreinander Daseins".
    Es bleibt der offene Widerspruch: Ein solches Leben kann eigentlich keinen Kampf und keine Entzweiung der Familie wollen. Ein solches Leben sucht die Versöhnung, es sucht in Liebe nach dem "Verlorenen". An dieser Stelle dürfen wir den patriarchalischen Aspekt der damaligen Zeit nicht missachten: Jeder Widerspruch gegen die Eltern hätte zu Spannungen geführt, jede Unterwerfung unter den Willen der Eltern führte zum Erfolg. Der Glaube an Jesus als den Messias wird in vielen jüdischen Familien solche Spannungen verursacht haben. Christen wurden in ihrem Glauben unterdrückt, solange sie in ihrem Elternhaus wohnten. Der Besuch der Versammlungen (Gottesdienste) wurde ihnen untersagt. Man musste seinesgleichen suchen, um in Frieden leben zu können.
    Die Gefangenheit des Textes in seiner Zeit macht die Predigt schwierig. Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang würde den Schwerpunkt gerade auf diese Auseinandersetzung legen. Man kann allerdings diesen Schwerpunkt dahingehend verlagern, dass man darauf hindeutet, dass der Einsatz für die christliche Botschaft im Berufsleben ebenso wichtig ist und ebenso zu Spannungen führen kann. Deswegen den Beruf aufzugeben, wird in unserer Zeit niemand verlangen. Sich aber bewusst zu sein dessen, dass Jesus uns durch diese Spannungen hindurch begleitet, ist wichtig. Dabei wäre dann auch möglich, auf die Entwicklung einer "Streitkultur" hinzuweisen; anstatt, wie es heute oft unter Christen üblich ist, jeglichen Ärger hinunterzuschlucken, sollte man es schon wagen, damit auch herauszukommen und evtl. die Konfrontation zu suchen unter dem Vorsatz, eine beiderseitig akzeptable Lösung zu finden.

  • IV: Joh 15, 9-12 (13-17)

    Dieser Abschnitt kann verwirren, vor allem wenn man die eingeklammerten Verse hinzuzieht, aber auch schon in den "Hauptversen" 9-12. In der Klammer wird die anfangs durch die Aufforderung zur Liebe proklamierte Selbständigkeit des Menschen negiert, indem dann die Abhängigkeit des Menschen vom Handeln und Willen Gottes herausgestellt wird (Vers 16). Dies scheint einen Widerspruch darzustellen.
    Dazu kommt, dass einmal die Liebe ein Resultat des Haltens der Gebote (Vers 10), ein andermal die Liebe selbst geboten wird (Vers 12). Diese Spannung entsteht allerdings schon im Hauptteil der Perikope und nicht erst in der Klammer. In der Klammer wird das Liebesgebot untermauert, d.h. die Behauptung, dass der Mensch nicht ohne den Willen Gottes lieben kann. So scheint es zumindest.
    Sicher steht das Liebesgebot aus Vers 12 im Mittelpunkt, es wird in Vers 17 ja noch einmal wiederholt und damit unterstrichen. Nur was es nun eigentlich bedeutet, bleibt bis zu einem gewissen Grade offen.
    Jesus fordert zur Liebe untereinander auf, wobei das Einhalten der Gebote eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheint. Lieben kann man nur, wenn man auf einer festen Grundlage, den Geboten, steht. Nur eines macht uns Probleme: es gibt eigentlich keinen "Gebotekatalog" im Johannes-Evangelium, und wir sollten diesen Zusammenhang nicht verlassen, wenn wir uns bemühen, diesen Text zu verstehen. Hier die Bergpredigt einzubeziehen oder gar Stücke aus den paulinischen Briefen, wäre verfehlt. Dieses Problem hat der Autor wohl auch erkannt oder bewusst geschaffen, denn in Vers 12 kommt ja nun das Gebot Jesu: dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, beginnt nun einzuleuchten: Es gibt nur dieses eine Gebot, und dieses Gebot gilt es natürlich einzuhalten - doch wenn es eingehalten wird, dann bleiben wir auch in der Liebe, die uns von Gott in Jesus Christus gezeigt wird. So schließt sich ein Kreis, der erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang, der von der Epistel her begründet ist, ist schwer nachzuvollziehen. Worin ist hier eine "geistliche Waffenrüstung" zu erkennen? Sicher ist die Liebe die größte und wirklungsvollste Waffe, mit der wir kämpfen können, aber das Bild wird hier nicht ausgeführt oder aufgenommen. Dennoch kann diese Thematik für die Predigt herangezogen werden. Denn tatsächlich ist die Liebe die einzige Waffe, mit der wir uns gegen die Gewalt und den Hass in dieser Welt einsetzen können und die tatsächlich eine Veränderung bewirkt.

  • V: 1. Mose 13, 1-12(13-18) (= Gen 13, 1-12(13-18))

    folgt später

  • VI: Mt 5, 38-48

    folgt später

  • Marginaltexte: Tob 4, 6-9
    Mt 15, 1-11a.18-20

    folgt später



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