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Der Heiden Heiland - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Joh 4, 46-54 (III)

Eine Predigt zu Joh 4, 46-54 finden Sie auf der Webseite des Kaiserdoms in Königslutter


Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289, 1.3.5)
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293 - Wochenlied!)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)
Warum sollt ich mich denn grämen? (EG 370)
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (KHW-EG 572)
Alle Knospen springen auf (KHW-EG 637)

Predigtvorschläge zu den Marginaltexten:
Jes 45, 18-25

Liebe Gemeinde! Es sind starke Worte, sie wirken bedrohlich, aber sie sind zugleich auch werbend, einladend. Diese Worte Gottes, sie drängen alle, die sie hören, dazu, sich ganz Gott zuzuwenden. Denn wenn nicht zu ihm, wohin dann?
Gott ist offensichtlich. Die ganze Schöpfung verkündet sein Tun, und auch wenn man manches so oder anders erklären und der Vernunft unterordnen kann: das Eigentliche, die Frage nach dem Ursprung all dessen, was auf unserer Welt und im ganzen Universum ist, kann trotz aller Theorien eigentlich nur so beantwortet werden: Da ist Gott, der HERR, der dies alles geschaffen hat.
„Ein gerechter Gott und Heiland”. (Jes 45, 21c)
Gerechtigkeit, das ist ein Wort, das in diesem Abschnitt öfter vorkommt und schließlich zentrale Bedeutung erlangt, wenn Gott sagt: „Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören 24 und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke.”
Gott schafft Gerechtigkeit, er schenkt Gerechtigkeit, er ist Gerechtigkeit. All das hören wir aus diesen Worten, die uns der Prophet Jesaja weitersagt.
Aber mit der Gerechtigkeit ist das so eine Sache. Was ist das eigentlich, und worum geht es, wenn wir von Gerechtigkeit reden?

Geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn alle Menschen für den gleichen Lohn arbeiten?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn alle Menschen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn alle Menschen Arbeit haben?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn Lebensmittel so verteilt werden, dass niemand mehr verhungern muss?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn jeder Mensch seine Meinung frei äußern darf und dafür nicht bestraft wird?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn ein Richter dem einen Recht zuspricht und den anderen verurteilt?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn ein Mensch mit Gott versöhnt wird?
Oder geht es um die Gerechtigkeit, die eintritt, wenn überall Frieden ist und alle Konflikte auf friedliche Weise gelöst werden?
Ich glaube, das alles spielt eine Rolle in dem, was Jesaja uns da vermittelt. Wir erinnern uns an die Worte, die wir einige Kapitel weiter hören: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.” (Jes 58, 7)
Gerechtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch des Propheten, und immer wieder hören wir dieses Wort „Gerechtigkeit” aus dem Mund Gottes.
Martin Luther sann viele Jahre über diesen Begriff nach und mühte sich, endlich die Gerechtigkeit Gottes zu erlangen, bis er begriff, dass uns durch Jesus Christus Gerechtigkeit geschenkt wird.
Aber man darf dann nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen, wenn man einmal meint, obenauf zu sitzen und es begriffen zu haben. Denn auch wenn es stimmt: gerecht werden wir nicht aus eigener Kraft, sondern durch das Handeln Gottes an uns in Jesus Christus, so liegt doch in diesem Gerechtwerden auch eine Verantwortung, die weit über unser eigenes Leben hinaus geht.
Denn wenn wir angenommen haben, dass Gott uns gerecht spricht, dann treibt uns die Erkenntnis der Liebe Gottes doch dazu, anderen Menschen davon zu erzählen und sie teilhaben zu lassen an diesem Geschenk der Gnade Gottes.
Und dann wird auch der andere Aspekt der Gerechtigkeit, das ganz irdische, menschliche, bodenverhaftete offenbar: es geht eben auch darum, dass keinem Menschen die Möglichkeiten vorenthalten werden dürfen, die uns hier in diesem Land gegeben sind.
Freilich wird das schwierig werden, angesichts der knapper werdenden Ressourcen unserer Erde. Irgendjemand hat mal ausgerechnet, man bräuchte 6 Planeten wie die Erde, um allen Menschen den gleichen Lebensstandard zu ermöglichen, den wir genießen.
Dann bedeutet es eben, dass wir unsere eigenen Ansprüche auf das Wesentliche reduzieren müssen – denn unser Lebensstandard wäre nicht haltbar ohne den in der Regel ja unbewussten Verzicht der Milliarden anderen.
Wenn wir verzichten würden, würden wir allerdings auch ein erhebliches Maß an Freiheit gewinnen, denn wir müssten nicht immer das Neueste, Schönste, Beste haben, und wir würden erleben, wie immer mehr Menschen teilhaben an der Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit übervorteilt niemanden, sie sieht nicht auf das Äußere, sondern geradewegs ins Herz. Gott hat davon gesprochen, wieder und wieder.
Er hat die Menschheit mit diesem Wort immer aufs Neue herausgefordert, und doch war die Antwort meist nur halbherzig.
Gerechtigkeit vor Gott sehen viele völlig losgelöst von der Gerechtigkeit vor den Menschen. Aber genau darum geht es hier.
Denn es ist ein prophetischer Text, den wir vor uns haben. Ein Text aus der alten Zeit, der Zeit vor Christus. Es ist ein Text, der uns sagt: es geht allein um die Gerechtigkeit zwischen den Menschen; zugleich ist es aber eine Gerechtigkeit, die von Gott ausgeht, weil er sie gegründet hat, und darum auch von ihm eingefordert werden kann.
Damals sollte zuerst die Gerechtigkeit zwischen den Menschen errichtet werden, damit Gott uns wieder anzunehmen bereit sein konnte. Er wartete aber vergeblich darauf.
Und so kam der Punkt, an dem er es selbst nicht mehr aushalten konnte und seinen Sohn sandte, um ein Beispiel zu setzen und um den Spieß umzudrehen: jetzt schaffte er Gerechtigkeit, damit wir seinem Beispiel nachfolgen.
Und: wir haben versagt. Das lässt sich anders kaum sagen. In der Zeit der Globalisierung sind uns zwar auch die Menschen in Afrika, in Lateinamerika, in Indien, in China usw. unheimlich nahe gekommen, denn sie stellen für uns alle möglichen Waren her, angefangen von Blumen über Lebensmittel bis hin zu hochwertigen elektronischen Geräten. Aber wir kümmern uns nur sehr wenig darum, ob es dort wirklich gerecht zugeht, und es wäre wohl kaum auszudenken, was passieren würde, wenn jene Menschen die gleichen Löhne bekämen wie die Arbeiter in unserem Land.
Für uns wäre es bedrohlich, aber für all die anderen?
Vielleicht ist es nur ein Traum – der Traum von einer Welt, in der Gerechtigkeit und Freiheit und Frieden regieren. Aber Gott führt uns auf diesen Weg. Wir haben die ersten Schritte ja längst getan, und nun heißt es weitergehen auf diesem Weg der Gerechtigkeit. Indem wir tun, was uns aufgetragen ist, tragen wir auch dazu bei, dass das Reich Gottes gebaut wird. Gott „will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?” (Jes 43, 19)
So wird uns nur zwei Kapitel vorher zugerufen. Ja, wir sehen es, auch wenn es nur schwer zu erkennen ist.
Dies ist der Weg, den Gott mit uns gehen will: dass wir seine Gerechtigkeit in diese Welt hinein tragen, an alle Enden der Erde, zu allen Menschen.
Denn unser Gott ist der Gott, der von sich selbst sagt: „ich bin der HERR, der von Gerechtigkeit redet und verkündigt, was recht ist.”
So lasst uns mitbauen an seinem Reich.
Amen

Zuletzt überarbeitet: 30 Januar 2017
© Copyright 1998-2017 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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