Der 7. Sonntag nach Trinitatis geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage” bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in ihrer Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.
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II - Hebr 13, 1-3Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 2Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.
Paulus möchte gerne, dass es friedlich in den Gemeinden zugeht.
Darum fordert er dazu auf, dass alle eines Sinnes sind, gleiche Liebe haben, einmütig
und einträchtig sind (Vers 2). Dazu tritt der Aufruf, sich dem anderen unterzuordnen.
Wenn jeder dies tun würde, wäre die Gemeinde sicherlich das Beispiel perfekter
Harmonie, aber... es widerstrebt mir, dieses Ideal hochzuhalten. Es hat wohl seine
Berechtigung, wenn sich die Gemeinde in einer Verfolgungssituation bewähren
muss, denn Uneinigkeit hätte in dieser Situation sicher fatale Folgen. Aus
Neid oder Zorn würde der eine die anderen verraten, und so würde die Gemeinde
schnell aufgerieben.
Offenbar hat es funktioniert, die Gemeinde blieb ja erhalten. Aber als der Aufruf
zur Demut zum Dogma erhoben wurde, weil die Bedrohung geschwunden war, erstanden
einzelne, die sich diese Demut zunutze machten und sich selbst erhöhten. Es
entstand, Verse 3+4 missachtend, eine Hierarchie in der christlichen Gemeinde, die
einzelne zu Herren, viele aber zu Untergebenen machte. Und aus diesem Grunde widerstrebt
mir dieser Aufruf zur Demut. Wer sich daran hält, wird oft nur ausgenutzt.
Er oder sie gibt sich selbst ein Stück weit auf, was zwar in gewissen Situationen
durchaus angemessen sein kann, aber oftmals zu einer Verkümmerung des Selbstbewusstseins
führt. Immerhin hat uns Gott ja als freie Individuen geschaffen, die in Gemeinschaft
miteinander, aber in Freiheit, leben sollen.
Paulus weiß Gutes über die Gemeinde zu sagen: Ermahnung in Christus,
Trost der Liebe, Gemeinschaft des Geistes, herzliche Liebe und Barmherzigkeit, all
dies sind Qualitäten, die man oft suchen muss. Dadurch aber zeichnet sich
die christliche Gemeinde aus, nicht so sehr durch die Demut, die manchen das Rückgrat
gebrochen hat.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang kommt allerdings in diesem
Predigttext gar nicht zum Tragen. Wo wird hier das „Brot des Lebens” sichtbar?
Vielleicht da, wo Paulus dazu ermahnt, das Wohl des Anderen nie zu vergessen: das
Brot des Lebens ist allen zugänglich, nicht nur einer Elite. Es ist jedenfalls
das, was die Gemeinde zusammen und am Leben erhält und dazu befähigt,
so zu sein, wie sie von Paulus in dieser Perikope dargestellt wird.
Für die Predigt würde ich vorschlagen, die Qualitäten der Gemeinde,
die die Predigt hört, aufzuzeigen. Zugleich aber muss sichtbar werden, woher
diese Dinge kommen und wodurch sie erhalten werden. Das Zentrum christlicher Gemeinde
ist die Versammlung um das Wort Gottes und das Sakrament des Altars. Von dort kommt
die Kraft, der Sinn und Zweck allen Bemühens. Bastelkreise und andere Gruppen
können gut auch unabhängig von der christlichen Gemeinde entstehen. Christliche
Gruppen unterscheiden sich von solchen Gruppen. Wenn sie es nicht tun, brauchen
sie nicht den kirchlichen Raum.
Herz und Herz vereint zusammen (EG 251)
Jesu, der du bist alleine (EG 252)
O, dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
Ein wahrer Glaube Gott's Zorn stillt (EG 413)
Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein (EG 417)
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