das Kirchenjahr

Trinitatis

Tag der heiligen Dreifaltigkeit

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist

Predigtanregung

Das Trinitatisfest leitet die unberechtigterweise sogenannte „festlose Zeit” ein. Selbst ist es jedoch ein sehr bedeutendes Fest, geht es bei der Trinität doch um die dogmatische Erklärung zu dem Phänomen der Gottheit Jesu und des Geistes. Während Geister sonst nur Untertanen der Götter sind, wird hier der Geist zur Gottheit erhoben. Viel problematischer für Nicht-Christen ist immer die Behauptung gewesen, dass Jesus Gottes Sohn und damit Gott ist, also keine Sohnschaft im üblichen Sinne. An diesem Sonntag soll diesem Problem nachgegangen werden, wobei freilich grundsätzlich zu sagen ist, dass die Predigt nicht in eine dogmatische Vorlesung verwandelt werden darf. Am Trinitatisfest geht es vielmehr ganz konkret darum, die Vielfältigkeit, in der Gott unter uns Menschen wirkt, zu feiern.
Die Predigttexte gehen alle nicht direkt auf die Dreifaltigkeit ein, da diese dogmatisch erst wesentlich später entwickelt wurde. Nur trinitarische Formeln (wie „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes”) tauchen im Neuen Testament schon auf.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

II - 4. Mose 6, 22-27 (= Num 6, 22-27)

Und der Herrn redete mit Mose und sprach: 23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24Der Herrn segne dich und behüte dich; 25der Herrn lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der Herrn hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. 28Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Dieser Text, der als „Aaronitischer Segen” jedem Gottesdienstbesucher bekannt sein dürfte, bedarf eigentlich keiner Auslegung. Ich will dennoch ein paar Gedanken dazu hier wiedergeben.
Offenbar ist es ganz selbstverständlich, dass „das Volk” gesegnet wird. Dabei scheint es ganz egal zu sein, ob ein einzelner oder eine Gruppe gesegnet wird; es wird aber wohl davon ausgegangen, dass das Volk unter den Segen Gottes gestellt wird. Der Segen gehört zur priesterlichen Handlung dazu. Da die protestantische Kirche das Priestertum aller Gläubigen anerkennt, bedeutet das, dass das Segnen zum Handeln der christlichen Gemeinde dazugehört.
Der Segen ist ein Zuspruch, kein Wunsch. Er sollte deswegen nicht verwässert werden, z.B. indem anstatt der 2. Person die 1. Person verwendet wird (der Herr segne uns...). Dass der Segen ein Zuspruch ist, wird deutlich aus dem nachfolgenden Vers, der nicht mehr zum Predigttext gehört, aber vielleicht doch mit hinzugefügt werden sollte, um des Verständnisses willen. Die Priester sollen den Namen Gottes auf die Israeliten legen, damit Gott sie segnen kann. Also in gewissem Sinne fungiert der Segnende als Vermittler. Durch ihn wirkt Gott.
Man kann den Segen auch so verstehen: Der Name Gottes wird den Gesegneten ins Bewusstsein gerufen. Sie erfahren dadurch seine Nähe. Sie werden bereit und öffnen sich für Gottes Wirken in und durch sie.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist nicht ersichtlich, es lässt sich ahnen, dass die Verantwortlichen den dreiteiligen Aufbau des Segens in Bezug zur Trinität gesetzt wissen wollen. Das wäre aber doch sehr an den Haaren herbeigezogen, zumal da es um den Namen Gottes geht, der ihn als den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs identifiziert. Der Segen lässt von Dreieinigkeit nichts erkennen. Die Predigt kann dennoch versuchen, die Zahl drei aufzunehmen. Es ist die Zahl Gottes, sie stellt das unbedingt Gültige dar, aber es ist auch eine überschaubare Zahl, die eine abgeschlossene „Einheit” bildet. Der Charakter des „Unbedingt Gültigen” ist vielleicht im Blick auf den Segen besonders hervorzuheben (dieser Charakter wird sichtbar z.B. in den Stellen Jes 6,3; Jer 7,4; Jos 18,4).

Liedvorschläge:

Komm, Gott Schöpfer (EG 125)
Brunn alles Heils (EG 140)
Es wolle Gott uns gnädig sein (EG 280)
Ich heb mein Augen sehnlich auf (EG 296)
Nun lasst uns Gott dem Herren (EG 320)
Ach bleib mit deiner Gnade (EG 347)
Segne und behüte uns durch deine Güte (KHW-EG 562)
Herr, wir bitten: Komm und segne uns (KHW-EG 590; NB-EG 561)

Fürbittengebet

Adonai, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir danken Dir für deinen Segen. Du bist der Herr über alle Mächte und Gewalten - und doch bist du uns ganz nah. Du hältst deine schützende Hand über uns. Du umschirmst uns. Wir bitten dich: lass uns erfahren, wie du uns beschirmst. Lass uns nicht im Dunkeln wandeln, sondern hilf uns, dein Angesicht zu erkennen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Es gibt Menschen, die sich alleine fühlen, die unter ihrer Einsamkeit leiden, und denen es doch schwer fällt, auf andere Menschen zuzugehen. Hilf, dass sie deinen Segen erfahren. Lass sie spüren, dass du ihnen nahe bist, damit sie aus der Geborgenheit deiner Nähe heraus neu lernen, auf andere Menschen zuzugehen und anderen Menschen offen zu begegnen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Es gibt Menschen, die dich nicht kennen wollen, denen deine Gegenwart und Macht unvorstellbar ist, für die es keine andere Realität als ihre eigene gibt. Hilf, dass sie deinen Segen erfahren. Lass sie erkennen, dass diese Welt von dir geschaffen wurde. Schenke ihnen Liebe, die sie verwandelt und die ihre Herzen öffnet. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Es gibt Menschen, die es nicht ertragen können, wenn Menschen gleichberechtigt und freundlich miteinander umgehen. Sie suchen den Streit, weil sie Angst haben, ihre eigene Schwäche zu entblößen. Hilf, dass sie deinen Segen erfahren. Lass sie erkennen, dass deine Macht in den Schwachen mächtig ist. Schenke ihnen Mut, ihre eigene Angst zu überwinden. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Es gibt Menschen, die unter Krankheit leiden, denn sie wissen nicht, dass du sie trägst. Sie verzweifeln an ihrem Leben, weil sie den Tod vor Augen sehen. Hilf, dass sie deinen Segen erfahren. Lass sie erkennen, dass du deine starke Hand um sie hältst. Schenke ihnen die Gewissheit, dass du den Tod überwunden hast. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Es gibt Menschen, die keine Zukunft erkennen. Sie können keinen Beruf ausüben, ihr Leben erscheint ihnen sinnlos. Hilf, dass sie deinen Segen erfahren. Lass sie erkennen, dass du der Sinn unseres Lebens bist. Lass sie erkennen, dass du einen Plan für sie hast, der anders aussieht als alles, was sie sich vorstellen können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Du bist groß, du Schöpfer des Himmels und der Erde, und doch wurdest du ganz klein. Als Mensch bist du zu uns gekommen, um selbst zu erfahren, wie wir als Menschen leben, und um den Tod zu überwinden, der uns knechtete. Dein Geist spricht uns den Mut zu, den wir brauchen, um die Grenzen unseres Bewusstseins zu überwinden. Dafür danken wir dir und preisen dich in Ewigkeit.
Amen



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