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10. Sonntag nach Trinitatis
*Die Kirche und das Volk Israel - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Der 10. Sonntag nach Trinitatis bildet den ungefähren Mittelpunkt der Trinitatiszeit und hat daher eine besondere Stellung. Dies wird dadurch unterstrichen, dass er sich dem Verhältnis der Kirche zum Volk Israel widmet, ein Thema, das von großer Bedeutung für die christliche Kirche ist. Die Überlegungen dazu werden selbstverständlich auch den Holocaust und die neonazistischen Strömungen in unserer Gesellschaft beinhalten müssen. Auf der anderen Seite dürfen die Unterschiede nicht übersehen werden.
Allerdings ist es wichtig, dass wir erkennen, dass unsere Wurzeln im Volk Israel, dem Volk Gottes, verankert sind, und nicht ins Leere greifen. Die Erkenntnis des Paulus, dass das Volk Israel nicht verworfen ist (Röm 11, 25-31), muss maßgeblich sein für unser Reden über und vor allem mit diesem Volk.

IV - Jes 62, 6-12 od. Jes Sir 36, 13-19
Früher: Röm 9, 1-5.31 - 10,4
Röm 9, 1-5; 10, 1-4 (W)
Rev. 2014: Röm 9, 1-5 (Epistellesung - s. auch Reihe II)

Jes 62, 6-12: O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, 7 lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden! 8 Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, 9 sondern die es einsammeln, sollen's auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums.
10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! 11 Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her! 12 Man wird sie nennen «Heiliges Volk», «Erlöste des HERRN», und dich wird man nennen «Gesuchte» und «Nicht mehr verlassene Stadt».

[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Röm 9, 1-5
Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im heiligen Geist, 2 dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. 3 Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, 4 die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, 5 denen auch die Väter gehören, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.

So schön es ist, dass man sich endlich dazu durchrang, in der Perikopenauswahl für diesen Sonntag Texte zu berücksichtigen, die positiv über das Volk Israel sprechen, so problematisch kann es sein. Dieser alttestamentliche Text stellt uns zunächst vor die ganz banale Frage, ob er uns überhaupt gilt. Welche Rolle spielen wir, die "Heidenchristen", überhaupt in diesem Text? Wenn ich es richtig betrachte, müssen wir uns außerhalb platzieren. Wir wären diejenigen, die mit dem "Man" des Vers 12 gemeint sind. Bewohnt werden wird diese Stadt Jerusalem vom Volk Israel. Wir staunen nur und wundern uns über diese außerordentlich schöne Stadt.
Ein in unserer Zeit (wir schreiben das Jahr des Herrn 2000) brisanter Text angesichts der fortwährenden Bemühungen um eine Einigung zwischen Palästinensern und Israelis, die nun gerade wieder einmal scheiterten. Wir wissen zwar, dass noch nicht alles verloren ist, sondern die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Der Weg zu einem friedlichen Miteinander kann aber, wenn die Frage, was mit Jerusalem geschieht, nicht für alle befriedigend beantwort wird, zerstört werden.
Es ist exegetisch zwar klar, dass dieser Text damals geschrieben wurde, am Ende des babylonischen Exils, als Jerusalem wieder aufgebaut wurde und in neuer Pracht erstrahlte. Aber die gleiche Situation wie damals hat Israel ja erneut durchgemacht und wurde erst vor relativ kurzer Zeit wieder in sein Land zurückgebracht. Dabei musste das Volk auf vieles verzichten, wozu auch die Stätte gehört, auf der einst der Tempel stand.
Der Text verursacht Ratlosigkeit. Wenn wir dem Volk Israel zusprechen wollen, was hier versprochen wird, verachten wir im Grunde die Palästinenser, die dieses Land ebenfalls lange bewohnt haben. Wenn wir die Prophezeiung missachten bzw. als historisch und damit für unsere Zeit ungültig abtun, würden wir selbst unglaubwürdig in unserer Verkündigung.
Wenn wir mit Luther versuchen, zu finden, "was Christum treibet", dann entdecken wir zunächst einmal schlicht das Versprechen der Erlösung. Gemeint ist die Erlösung von Unterdrückung, von Entfremdung. Diese Erlösung erfährt das Volk Israel schon heute. Es ist sicher nicht die Erlösung durch Christus gemeint, sondern die Erlösung von zuvor geschehenem Unrecht. Die Stadt Jerusalem, auch wenn sie nicht unzweifelhaft dem jüdischen Volk gehört, wird bewohnt von jüdischen Menschen. Sie haben dort wieder ihre Heimat gefunden. Wohl bestehen noch Spannungen mit den palästinensischen Mitbürgern. Die Bemühungen um ein friedliches Miteinander aber geben Raum zur Hoffnung und Freude.Für uns aber heißt es, sich zu freuen an dem Wirken Gottes für dieses Volk.
Der Text enthält noch einen anderen Aspekt, der durchaus lohnenswert ist und bei dem man sicher Halt sucht, wenn einem die eben angesprochene Thematik zu fremd erscheint: Jesaja ruft dazu auf, Gott zu bedrängen, ihm keine Ruhe zu lassen, damit er Jerusalem wieder aufrichte (Verse 6-7). Dieser Aufruf zur Beharrlichkeit im Gebet um Gottes Wirken könnte gut den Mittelpunkt der Predigt darstellen - er würde aber den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang negieren. Wohl darf also dieser Aspekt auftauchen, aber nicht ohne die Zusage an das Volk Israel, die hier gemacht wird, explizit zu berücksichtigen. Dieses Mal darf die Predigt ruhig auch politische Inhalte zur Sprache bringen, denn auch Gott ist "politisch", wenn es um das Recht seiner Kinder geht.

Liedvorschläge zur Predigt:


Und suchst du meine Sünde (EG 237)
Du, des Vaters ewger Sohn (EG 331, 6-11)
Es ist das Heil uns kommen her (EG 342)
Ich steh vor dir mit leeren Händen (EG 382)
zu Röm 9, 1-5:
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
"So wahr ich leben", spricht dein Gott (EG 234)
Treuer Wächter Israel' (EG 248)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 10 Juli 2016
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