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10. Sonntag nach Trinitatis
*Die Kirche und das Volk Israel - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge

Der 10. Sonntag nach Trinitatis bildet den ungefähren Mittelpunkt der Trinitatiszeit und hat daher eine besondere Stellung. Dies wird dadurch unterstrichen, dass er sich dem Verhältnis der Kirche zum Volk Israel widmet, ein Thema, das von großer Bedeutung für die christliche Kirche ist. Die Überlegungen dazu werden selbstverständlich auch den Holocaust und die neonazistischen Strömungen in unserer Gesellschaft beinhalten müssen. Auf der anderen Seite dürfen die Unterschiede nicht übersehen werden.
Allerdings ist es wichtig, dass wir erkennen, dass unsere Wurzeln im Volk Israel, dem Volk Gottes, verankert sind, und nicht ins Leere greifen. Die Erkenntnis des Paulus, dass das Volk Israel nicht verworfen ist (Röm 11, 25-31), muss maßgeblich sein für unser Reden über und vor allem mit diesem Volk.

III - Exodus (2. Mose) 19, 1-6*
Früher: Joh 2, 13-22
Rev. 2014: Lk 19, 41-48 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

Exodus 19, 1-6: 1 Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. 2 Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.
3 Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: 4 Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Früher: Joh 2, 13-22: Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 14 Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um 16 und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! 17 Seine Jünger aber dachten daran, dass geschrieben steht (Psalm 69,10): «Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.»
18 Da fingen die Juden an und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, dass du dies tun darfst? 19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. 20 Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. 22 Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

Achtung!Die nachfolgenden Anregungen beziehen sich auf den alten Text Joh 2, 13-22!
Dieser Text als Predigttext für den heutigen Tag ist äußerst unglücklich gewählt. Es wäre zu überlegen, ob die vorgeschlagene Alternative (Mk 12, 28-34) gewählt werden soll, auch wenn diese Alternative nicht offiziell anerkannt ist. Über diesen Alternativtext folgen später noch ein paar Gedanken.
Die Geschichte von der "Tempelreinigung" macht es leicht, "die Juden" als geldgierig und gottlos abzustempeln. Johannes redet immer pauschalisierend von "den Juden", und die Schar der Geldwechsler und Händler wird so beschrieben, dass man den Eindruck hat, es handele sich um eine große Menge, die sich "im Tempel" durch Geschäfte bereicherten. Man muss aber doch auch sehen, dass diese Händler und Geldwechsler ausschließlich deswegen dort anzutreffen waren, weil sie die Dienste und Waren anboten, die für den vorgeschriebenen Gottesdienst gebraucht wurden: Die Tiere, die dort zum Verkauf angeboten wurden, waren die Opfertiere. Nicht jeder hatte nach der Sesshaftwerdung noch eigene Tiere, die er hätte zum Opfer darbringen können. Die Geldwechsler waren nötig, weil römische Münzen, die damals im Umlauf waren, das Bild des Kaisers, der als Gott verehrt wurde, trugen. Dies wurde als Beleidigung Gottes ausgelegt, daher musste das römische Geld in bildlose Münzen umgetauscht werden. Zu guter Letzt muss man anmerken, dass der Handel nur im äußeren Vorhof des Tempels stattfand, womit man unsere Marktplätze um die Kirche herum vergleichen könnte.
So betrachtet, ist die Reaktion der Jünger gar nicht so verkehrt, die an Ps 69, 10 denken: "Der Eifer um dein Haus wird mich fressen." (Vers 17; im Psalm heißt es: "...hat mich gefressen.") Sie denken daran, dass Jesus vielleicht verrückt geworden ist. Es ist merkwürdig, dass Johannes die Interpretation Jesu weglässt, dass das Haus Gottes ein Bethaus sein soll. Anstelle dessen fügt er Jesu Worte über den Tempel, der in drei Tagen wieder errichtet werden soll, in diese Geschichte mit ein, wodurch diese Worte Jesu tatsächlich völlig unverständlich werden für die jüdischen Zuhörer, die nichts anderes als an den aus Steinen gebauten Tempel denken. Johannes musste denn auch die Erklärung hinzufügen, denn sonst hätte wohl die Gefahr gedroht, dass seine Leser ihn für unglaubwürdig gehalten hätten, da der bereits zerstörte Tempel ja nicht innerhalb dreier Tage wieder errichtet wurde.
Der Text enthält viele Ungereimtheiten, die man durch kleine Kunststückchen wieder klären kann. Aber solche Kunststückchen sind nicht unbedingt zulässig. Es bietet sich wieder an, an den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang zu denken: Es fällt schwer, diesen Text dort einzuordnen. Soll sich die Kirche als Mahnerin an das jüdische Volk sehen? Wohl kaum, schon gar nicht nach dem Holocaust. Vielleicht wäre es nicht verkehrt, den Text so auszulegen, dass deutlich wird, dass Jesus tatsächlich in diesem Moment "ausgerastet" ist, dass er übertrieben reagierte, um auf eine mögliche Fehlentwicklung hinzudeuten: "macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus". Macht keine Geschäfte mit dem Glauben. Der Text aber zeigt ja auf die Worte Jesu, dass er den Tempel nach seinem Niederriss in 3 Tagen wieder aufbauen wird. Wenn man jetzt also Jesus als Metapher für den Tempel in Jerusalem sieht, nachdem dieser Tempel zerstört war, und wenn man erkennt, dass Jesus tatsächlich diesen Tempel wieder auferrichtet hat, indem er auferstand, dann wäre es wohl nicht verkehrt, darin das Angebot Gottes an das jüdische Volk zu sehen, sich diesem Jesus anzuschließen, ihn als ihren Messias anzuerkennen. Aber es wäre verkehrt, den Text zur Grundlage eines Aufrufs zur Judenmission zu machen. Im Gegenteil: Dieses Angebot hat Gott seinem Volk gemacht, und es kann gut sein, dass er uns gar nicht im Spiel haben will. Das Verhältnis zwischen Kirche und dem Volk Israel sollte deswegen geprägt sein von gegenseitigem Verstehen und Annehmen.

Alternativtext: Mk 12, 28-34
Als Alternative wird, wenngleich nicht von der Kirchenleitung, der Text von der Frage nach dem höchsten Gebot vorgeschlagen. In diesem Text wird die Gemeinsamkeit des jüdischen Volkes und der Christen hervorgehoben, basierend auf diesem "höchsten Gebot", das aus dem "Alten Testament" stammt. Vielleicht ist dies zu einfach, zumal man diesen Text auch sehr schnell ohne Bezug auf das Volk Israel auslegen kann. Es wäre also wichtig, den Frager, einen jüdischen Schriftgelehrten, in den Vordergrund zu rücken, dem Jesus auf den Kopf zusagt, dass er nicht fern ist vom Reich Gottes.

Liedvorschläge zur Predigt:

O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)
Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ (EG 246)
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (EG 572)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 10 Juli 2016
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