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Laetare
Für euch dahingegeben - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Joh 12, 20-26
Rev. 2014: Joh 6, 47-51 (s. Reihe V) (I)

Liebe Gemeinde!
Ein Soldat weigert sich, den Befehl auszuführen. Er weiß, dass die Rakete, die der Knopfdruck, der ihm gerade befohlen wurde, starten wird, tausende Menschen töten würde - viele davon haben diesen Krieg nie gewollt., niemand von diesen Menschen hat ihn je angegriffen. Sein Vorgesetzter herrscht ihn an, aber er bleibt dabei, er wird den Knopf nicht drücken. Schließlich wird er abgeführt, wegen Befehlsverweigerung wird ihm der Prozess gemacht werden, die unehrenhafte Entlassung steht ihm bevor, vielleicht auch eine lange Zeit im Gefängnis. Ein anderer drückt an seiner Stelle auf den Knopf.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...
Eine Sozialhilfeempfängerin hat von dem Elend der Kinder in den Entwicklungsländern gehört. Sie vertraut darauf, dass die Organisation der Kindernothilfe gute Arbeit leistet, und ist bereit, monatlich 31 Euro von der Sozialhilfe abzuzweigen, um so einem Kind in einem Entwicklungsland eine gute Zukunft zu ermöglichen. Denn sie weiß, dass es ihr selbst mit der Sozialhilfe noch weitaus besser geht als vielen Kindern in der dritten Welt, die noch nicht einmal die Möglichkeit haben, sich neue Kleidung zu verschaffen, und oft ihren Hunger nicht stillen können.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...
Der Vater ist ein Pflegefall geworden. Als es darum ging, zu entscheiden, ob er in ein Heim kommt, hat sich die Tochter bereit erklärt, ihn in ihre Wohnung aufzunehmen und zu versorgen. Seitdem sind 10 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sie selten einen Tag gehabt, an dem sie selbst ihren Tagesablauf bestimmen konnte. Ihre Freiheit war seitdem drastisch eingeschränkt. Dennoch hat sie ihren Entschluss nie bereut.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...

Millionen Soldaten folgen den Befehlen ihrer Befehlshaber. Dazu sind sie ausgebildet. Sie fragen nicht nach dem Warum, sie fragen nicht, ob es richtig ist, was sie tun. Sie lernen, sich im Kampf zu behaupten, damit sie nicht selbst den Tod finden. Darauf kommt es an - stärker zu sein als der Feind. Der Befehlshaber weiß, was zu tun ist, und darum folgen sie seinen Befehlen. So nur können sie sich aufeinander verlassen, wenn die Befehle strikt befolgt werden.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...
Ein Mann ist dankbar, dass er seine Arbeitsstelle hat - das ist ja heutzutage nichts Selbstverständliches mehr. Aber es reicht nicht für ihn, seine Frau und ihr gemeinsames Kind. Es ist teuer, zwei Autos zu unterhalten, und die Schulden, die sie aufnehmen mussten, um ein eigenes Haus bauen zu können, belasten das Einkommen. So arbeitet die Frau mit. Dafür haben sie ein recht komfortables Leben. Aber natürlich bemüht er sich um eine Gehaltserhöhung, denn selbst jetzt ist es noch nicht genug.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...
Als es darum ging, zu entscheiden, ob die Mutter ins Pflegeheim kommt oder nicht, war es schnell klar: Der Sohn wollte sich seine Freiheit nicht nehmen lassen. Wer weiß, wie lange sie ein Pflegefall sein würde? Und die Mutter wollte ihm natürlich auch nicht zur Last fallen. So kam sie in ein Heim. Die anfänglich täglichen Besuche wurden immer seltener, immer öfter fand man Ausreden. Zuletzt kam er nur noch einmal im Monat, um nach ihr zu sehen.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...

»Wir möchten Jesus gerne sehen«, so fragen einige Griechen den Jünger Philippus. Ja, ich möchte auch gerne Jesus sehen. Nur zu gerne. Denn dann, so stelle ich es mir vor, hätte ich alle Antworten. Es gäbe keine Fragen, keine Zweifel mehr. Ich wüsste: ich bin auf dem richtigen Weg, denn er ist bei mir.
Diese Gewissheit hatten sich die Griechen damals sicher auch gewünscht. Sie waren Suchende, die schon etwas gefunden hatten im jüdischen Glauben, der sonst in der griechischen Welt wenig Ansehen genoss. Der jüdische Glaube war für diese Männer das Risiko wert, in ihrer Umwelt verachtet zu werden. Doch spürten sie, dass sie das Ziel ihrer Suche noch nicht gefunden hatten. Und darum wurden sie hellhörig, als sie von Jesus erfuhren. War er ihr Ziel?
Oft begegne ich Menschen, die ganz klare Ziele vor Augen haben. Sie wissen, was sie wollen. Ganz oben steht natürlich eine gesicherte Existenz, die in unserem Land überhaupt kein Problem darstellt. Aber dann möchte man Karriere machen. Denn es gibt viele Dinge, die man sich kaufen möchte, für die man aber auch Geld braucht. Um Karriere zu machen, muss man sich profilieren, man muss Rückgrat haben, unliebsame Konkurrenten müssen aus dem Weg geschafft werden.
Auch der Wettbewerb mit den Nachbarn spielt meist eine wichtige Rolle: ich bin besser als die oder der, und das werde ich unter Beweis stellen. Das kostet Kraft und meist auch Geld.
Aber was für ein Ziel ist das eigentlich. Wohin führt uns ein solcher Weg? Wenn man es genau betrachtet, basiert dieses Verhalten auf dem Gesetz des Dschungels: der Stärkere überlebt, der Schwächere stirbt. Was im Weg ist, wird aus dem Weg geräumt. Ich muss um alles in der Welt oben mitschwimmen, ich darf nicht untergehen, in der Masse verschwinden.
Ein solcher Weg ist alles andere als menschlich. Er missachtet die, die Hilfe brauchen. Ein Mensch, der einen solchen Weg geht, hat nichts mit dem Ebenbild Gottes zu tun. Er ist ein Ebenbild des Tieres, das nach seinen Instinkten handelt, vielleicht aber noch mehr Mitgefühl zeigt, als es solch ein Mensch tun würde.
Ich möchte Jesus gerne sehen. Seine Antwort an die Griechen, und damit sicher auch an mich, ist nicht: komm her, sonne dich in meiner Gegenwart, lass dir die Sicherheit geben, die du suchst, lass allen Zweifel fallen. Nein, so antwortet Jesu nicht. Seine Antwort ist merkwürdig, sie ist vielschichtig, und doch klar. Er sagt:
Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Das Bild vom Weizenkorn ist schon beeindruckend. Dieses kleine Korn wird zu einem großen Halm, an dem es die vielfache Zahl dessen trägt, was es selbst einmal war. Dazu braucht es nur Wasser, Sonnenlicht, ein paar Mineralien - und schon entsteht diese beeindruckende Pflanze. Das Weizenkorn bringt viel Frucht. Aber damit es dazu kommen kann, muss sich das Weizenkorn selbst aufgeben. Es muss sterben. Und doch stirbt es ja nicht. Es lebt in dem Halm weiter, es vermehrt sich.
Jesus bringt es dann noch einmal auf den Punkt, wendet dieses Wort auf das menschliche Leben an. Wer sein Leben lieb hat, wird's verlieren. Wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten.
Liebe und Hass, das sind starke Gefühle, die man gegen sein eigenes Leben nur schwer hegen kann. Man liebt oder hasst, was außerhalb von einem ist, aber doch kaum das eigene Leben. Auch würde es im Widerspruch zum Gebot der Nächstenliebe stehen, wenn man sich selbt hasst, denn darin heißt es ja, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Wenn man sich selbst hasst, wie kann man dann seinen Nächsten lieben?
Aber das ist es ja nicht. Wir sollen nicht uns selbst hassen, sondern das Leben, das wir leben. Das Leben, das nach dem Gesetz des Dschungels geführt wird: um jeden Preis oben bleiben, beweisen, dass man der Stärkere ist, niemals nachgeben.
Die Alternative zu diesem Leben ist klar: bereit sein, sein eigenes Leben aufzugeben, und nicht darauf zu warten, dass irgend jemand es von uns fordert, sondern alles aufgeben, was uns daran hindert, Frucht zu bringen. Die Sorge für unseren Nächsten, für die Menschen im Irak, für die tausende von Kindern, die in dieser Stunde verhungern, für die Außenseiter in unserer Gesellschaft, und der Einsatz gegen die Herrschaft des Geldes, das ist es, was Jesus gemeint hat.
Sie haben alle am Eingang ein Weizenkorn bekommen. Mit diesem Weizenkorn können Sie nun symbolisch zeigen, dass Sie bereit sind, Jesus zu folgen: Hier vorne steht eine Schale mit Erde, in die Sie ihr Samenkorn legen können. Ich werde uns dann von Zeit zu Zeit an diese Saat erinnern.
Nun kommen Sie nach vorne und legen Ihr Samenkorn in die Erde.
...
Gott segne alles, was ihr in der Nachfolge seines Sohnes Jesus Christus tut.
Amen

(Gehalten am 30.3.2003)

Eine Predigt zu Joh 6, 47-51 sowie weitere Predigten von mir finden Sie auf der Webseite der Stiftskirchengemeinde (Kaiserdom)


Liedvorschläge:

Jesus ist das Weizenkorn (EG 78, 9)
Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Korn, das in die Erde (EG 98)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
O Durchbrecher aller Bande (EG 388)
Kommt Kinder, lasst uns gehen (EG 393)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Wer leben will wie Gott (KHW-EG 546)
Das Weizenkorn muss sterben (KHW-EG 579)
Freunde, dass der Mandelzweig (NB-EG 620)

Predigtvorschläge zu Joh 6, 47-51
Rev. 2014: Jes 54, 7-10* (s. Reihe VI) (V)

Eine Predigt zu Joh 6, 47-51 sowie weitere Predigten von mir finden Sie auf der Webseite der Stiftskirchengemeinde (Kaiserdom)


Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66, 1.4.8)
Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221)
Das Wort geht von dem Vater aus (EG 223)
Herr, gib uns unser täglich Brot (EG 464)
Aus ungewissen Pfaden (KHW-EG 578)
Jesus Brot, Jesus Wein (KHW-EG 581)
Du hast gesagt: "Ich bin das Brot" (KHW-EG 602, 4)

Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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