Adolf Stoecker wurde am 11. Januar 1832 in Halberstadt geboren und wuchs in einem streng christlichen Elternhaus auf. Schon früh war er selbst
im christlichen Glauben verankert und studierte in Halle und Berlin Theologie. Nach drei Jahren als Hauslehrer wurde er Pfarrer einer Bauerngemeinde in der Altmark, später
dann Seelsorger einer Industriegemeinde in der Magdeburger Börde. Hier lernte er die Lebensverhältnisse des Arbeiterstandes intensiv kennen und kam zu der
Überzeugung, dass die Kirche eine Verantwortung habe gegenüber diesen Menschen, indem er zum einen das Volksleben erneuern und zum anderen die sozialen
Verhältnisse verbessern wollte.
1871 wurde er Garnisonspfarrer in Metz, danach Hofprediger in Berlin. Hier hatte er wieder Kontakt mit den ärmsten Menschen, lernte das Wohnungselend kennen und
zugleich den Erfolg der marxistischen Lehre. Er fand die Bevölkerung weitgehend entkirchlicht und fühlte sich verantwortlich dafür, diesem Zustand abzuhelfen.
Seine Verkündigung trug dem Rechnung: das Evangelium solle das ganze Leben durchdringen. Schließlich übernahm er 1877 die Leitung der Berliner Stadtmission,
die daraufhin zu bedeutender Größe heranwuchs. Viel wurde für die arme Bevölkerung getan – stets waren diakonischer Dienst und Verkündigung des
Evangeliums eng miteinander verknüpft. „Die Kirche müsse zu den Menschen gehen, wenn sie nicht zur Kirche kämen“, meinte er, und setzte diesen
Grundsatz in die Tat um. Für ihn war das Evangelium die „Magna Charta“ der Armen. So wurde er schließlich Gründer der Christlich-Sozialen Partei,
die sich aktiv für die Belange der arbeitenden Bevölkerung einsetzte. Dem Marxismus aber redete er nicht das Wort, sondern lehnte ihn deutlich ab.
1890 wurde er aus dem Dienst des Hofpredigers entlassen, da er sich nicht den Anordnungen der Obrigkeit fügen wollte. Seine Popularität nahm indes nur zu, sogar
nach Amerika wurde er eingeladen, allerdings als Prediger und nicht als Politiker. So sehr er beliebt war, so viele Feinde hatte er aber auch.
Seine Kräfte waren schließlich so weit verbraucht, dass ihm ärztlicherseits Schonung verordnet wurde. Auf einer Reise in den Süden, die der Erholung dienen sollte, starb er in dem abgelegenen Ort Bozen-Gries.
Adolf Stoecker wurde von der Liturgischen Konferenz in den Namenskalender aufgrund seines starken Engagements für das Evangelium in einer entkirchlichten
Welt aufgenommen. Der Namenskalender wurde 1966 vom Rat der EKD für den kirchlichen Gebrauch freigegeben. Dabei wurde wohl übersehen oder zumindest nicht
so stark bewertet, dass in seiner politischen Laufbahn eine stark antisemitische Haltung deutlich wurde, die später den Nationalsozialisten als Nährboden diente. Er selbst bezeichnete sich als Gründer und Vater der antisemitischen Bewegung.
Die Synode des Kirchenkreises Minden hat im Zusammenhang mit einer umfassenden Aufarbeitung der Person Adolph Stoecker im Jahr 2006 eine Einbringung des Pfarrers
Eckhardt Hagemeier angenommen, in der es heißt: „Um ihrer Grundlage willen, die in Jesus Christus gelegt ist und allein darin ihre Hoffnung und ihre Zukunft
bestimmt sieht, hält die Synode des Kirchenkreises Minden Adolf Stoecker als Leitbild für evangelische Christen ungeeignet.“ (Ich danke an dieser Stelle Friedrich Lange, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.)
Inzwischen hat die Liturgische Konferenz Adolph Stoecker ab dem Kirchenjahr 2013/2014 aus dem Namenskalender entfernt. Er wird hier nur deswegen noch angeführt, weil sonst der 7. Februar leer bliebe und dies die Frage aufwerfen könnte, ob hier ein Fehler vorliegt.