Informationen zu jedem Sonn- und Festtag im Kirchenjahr


Home
Advent
Christfest (Weihnachten)
Zwölf Heilige Nächte
Epiphanias
Vorfastenzeit
Fastenzeit
Heilige Woche
Ostern
Pfingsten
Trinitatis

Trinitatis
1. nach Trinitatis
2. nach Trinitatis
3. nach Trinitatis
4. nach Trinitatis
5. nach Trinitatis
6. nach Trinitatis
7. nach Trinitatis
8. nach Trinitatis
9. nach Trinitatis
10. nach Trinitatis
11. nach Trinitatis
12. nach Trinitatis
13. nach Trinitatis
14. nach Trinitatis
15. nach Trinitatis
16. nach Trinitatis
17. nach Trinitatis
18. nach Trinitatis
19. nach Trinitatis
20. nach Trinitatis
21. nach Trinitatis
22. nach Trinitatis
23. nach Trinitatis
24. nach Trinitatis

Ende des Kirchenjahres
Feste Januar-August
Feste September-Dezember
Bitt- und Gedenktage




17. Sonntag nach Trinitatis
Sieghafter Glaube - Predigtbeispiele

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten


Wenn Sie eine meiner Predigtvorschläge verwenden wollen, teilen Sie es mir bitte mit. Jegliche Vervielfältigung, auch im Internet, ist nur mit meiner ausdrücklichen, schriftlichen Zustimmung erlaubt. Weisen Sie bei der Verwendung des Materials bitte auf die Quelle hin.

Predigtvorschläge zu Mk 9, 17-27
Mk 9, 17-29 (W)
Rev. 2014: Jos 2, 1-21 (III)

Liebe Gemeinde!
Es ist eine etwas merkwürdige Situation. Gerade zuvor nämlich, so erzählt es uns der Evangelist Markus, war Jesus mit den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg gegangen und vor ihren Augen verklärt worden. Sie hatten nicht nur ihn, sondern auch Mose und Elia gesehen. Dazu hatten sie die Stimme vernommen, die sagte: „Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!”
Angeregt hatten sie sich auf dem Weg zurück über das Erlebte unterhalten.
Als sie zu den übrigen Jüngern stießen, stellten sie fest, dass bei ihnen viele Menschen waren, dazu auch einige Schriftgelehrte, und es wohl ziemlich lautstark zuging. Man stritt sich derart, dass nicht mehr zu verstehen war, worum es ging.
Die drei, Petrus, Jakobus und Johannes treten schlagartig in den Hintergrund, als Jesus von der Menschenmenge wahrgenommen wird. Schnell laufen sie auf ihn zu. Offensichtlich erwarten sie von ihm die Schlichtung des Streits.
Jesus kommt dem zu erwartenden Durcheinander zuvor und fragt seine Jünger: „Was streitet ihr mit ihnen?”
Ob in dieser Frage ein Vorwurf lag, etwa in dem Sinne: „Warum seid ihr so verrückt und legt euch mit denen an? Da müsst ihr doch den Kürzeren ziehen!”, oder ob man in ihr so etwas wie Geringschätzung hören konnte, etwa so: „Warum verschwendet ihr eure Zeit mit denen? Es ist doch völlig nutzlos!”, werden wir wohl nie mit Gewissheit herausbekommen.
Auf jeden Fall wird die Frage als Aufforderung verstanden, Jesus über die Ursache für den Streit aufzuklären. Und sogleich tritt einer hervor, der nicht zu seinen Jüngern gehört. Und dieser Mann sagt:
„Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir.”
Diese Worte verlangen nach Beachtung. Sie sind nicht nur Beiwerk, nicht nur nebenbei erzählt, um zum eigentlichen Kern der Sache zu kommen. Es geht um einen wichtigen Dienst, den dieser Vater für seinen Sohn getan hat. „Ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir.”
Für den Vater ist es wohl die letzte Hoffnung. Er weiß nicht mehr weiter. Er bangt um seinen Sohn – er will ihn wiederhaben, er will, dass er frei wird von diesem Geist, der schon seit langem Besitz von ihm ergriffen hat, der ihn gewissermaßen entführt und gefangen gesetzt hat. Darum bringt er ihn her zu Jesus. Es war kein leichtes Unterfangen.
Die Symptome, die der Vater schildert, würden wir heute wohl als typische Epilepsie-Anfälle wieder erkennen. Damals sah man in solchen Erkrankungen einen Geist, und eigentlich ist es ja auch nichts anderes. Die Krankheit nimmt den Menschen ganz in Anspruch, sie besitzt ihn – er ist besessen. Da macht es kaum mehr einen Unterschied, ob man von einem Geist oder von einer Krankheit spricht.
Damals gab es keine helfenden Medikamente. Wer an Epilepsie erkrankt war, hatte kein einfaches Leben. Er konnte keiner geregelten Arbeit nachgehen. Immer musste jemand da sein und ihm helfen, auf ihn aufpassen. Der frühe Tod war einem solchen Menschen gewiss.
Das hatte den Vater langsam zur Verzweiflung gebracht. Von Kind auf, so sagt er später, musste sein Sohn solche Anfälle erleiden.
Aber nachdem der Vater mit einem Satz diese Symptome geschildert hatte, verweist er zunächst auf die Jünger Jesu. Sie waren ja da gewesen, als er mit seinem Sohn hierher gekommen war. Mit ihnen hatte er geredet, sie gebeten, dass sie den Geist austreiben mögen, aber sie konnten es nicht.
Ob sie es von Anfang an verweigert hatten und sagten, sie könnten es nicht? Oder ob sie es vergeblich versucht hatten? Darauf gibt es keine Antwort.
Jedenfalls hatte dieses Versagen der Jünger wohl den Streit ausgelöst. Vermutlich wurden sie verspottet oder verhöhnt, sicher hat man, da Jesus nicht da war, auch über ihn gleich ein abfälliges Urteil gefällt. Das würde jedenfalls ihr Entsetzen erklären, als sie Jesus sahen.
Es ist ja häufig so, dass man viel lieber über andere redet als mit ihnen. Um so peinlicher wird dann das Schweigen, wenn der Betroffene plötzlich den Raum betritt.
Jesus reagiert auf die Schilderung in recht merkwürdiger Weise. Er klagt: „O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?”
Von wem redet er? Von seinen Jüngern, die nicht vollbringen konnten, was für Jesus mit Leichtigkeit möglich war? Von der Menschenmenge, die sich sogleich über ihn und seine Jünger hergemacht hatte, sobald der Beweis seiner Macht ausblieb?
Die Klage hat eine lange Geschichte. Im Lied des Mose im Buch Deuteronomium im 32. Kapitel heißt es: „Das verkehrte und böse Geschlecht hat gesündigt wider ihn; sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder.” (Dtn 32, 5) Und beim Propheten Jesja lesen wir: „Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist.” (Jes 65, 2)
Gerade eben erst war Jesus auf dem Berg gewesen, mit Mose und Elia, und gleich darauf wird er mit ihrer Realität konfrontiert. Immer hat Gott Grund zur Klage gegen sein Volk, gegen uns, denn es ist ja viel einfacher, nicht nach Gottes Willen zu handeln, und so tun wir es meistens ja auch.
Aber wen hat Jesus nun gemeint mit dem „ungläubigen Geschlecht”?
Zunächst sind es sicher seine Jünger, denn wenig später erfahren wir ja: alles ist möglich dem, der da glaubt. Und Jesus klagt ja nicht über Ungehorsam oder gar Verkehrtheit, so wie Jesaja und Mose, sondern er klagt allein über den Unglauben. Und den müssen sich zunächst einmal seine Jünger vorwerfen lassen, die ihm schon lange gefolgt waren und gesehen hatten, welche Vollmacht Jesus gegeben war.
Aber darauf bleibt die Klage nicht beschränkt. Es geht um das ganze Geschlecht, um alle Menschen, und nicht nur die, die sich da versammelt und auch aufgeregt hatten, weil irgendwie alles nicht so läuft, wie es nach ihrer Vorstellung eigentlich laufen sollte.
Trotz der begründeten Klage wendet sich Jesus aber nicht ab und zeigt dadurch, worum es ihm und worum es Gott, seinem himmlischen Vater, geht: die liebende Zuwendung zum Menschen, trotz aller Boshaftigkeit, trotz aller Engstirnigkeit, trotz aller Selbstsucht und Überheblichkeit. Trotz allen Versagens wendet sich Gott uns immer wieder auf's Neue zu.
„Bringt ihn her zu mir!”
Das ist ein klarer Befehl, und nun wird der Sohn gebracht. Wie alt er ist, darauf gibt es nur zwei ungenaue Hinweise. Denn etwas später wird der Sohn als „Kind” bezeichnet. Das Wort, das Luther später mit „Knabe” übersetzt, könnte auch „Heranwachsender” bedeuten und würde eine Altersspanne von ca. 14-18 Jahren umfassen.
Und das Wort „Kind” ist wohl nur eine liebevolle Bezeichnung für das Verhältnis des Vaters zu seinem Sohn. Auch als Erwachsener ist er noch sein Kind und bleibt es bis ins hohe Alter.
Es ist ja auch so: wir sind alle Kinder des lebendigen Gottes, bedürfen seiner liebenden Zuwendung und dürfen sie auch von ihm als unserem himmlischen Vater erwarten.
Warum der Sohn in diesem Moment nicht in der Nähe seines Vaters gewesen ist, lässt uns darum aufhorchen. Da müssen auch andere gewesen sein, die mit dem Vater und seinem Sohn hierher gekommen waren, und die sich, als der Vater die Geschichte zu erzählen begann, irgendwo im Hintergrund um den Sohn kümmerten.
Von diesen Menschen wird der Sohn nun zu Jesus gebracht. Kann man hier ein Sinnbild für die christliche Gemeinde erkennen? Sie ist selbstverständlich da, wenn einer nicht mehr weiter weiß, und hilft, das Anliegen vor Gott zu bringen. Sind wir gemeint?

Der Anblick Jesu macht den Geist rasend. Wieder wirft er den Sohn nieder, Schaum tritt vor seinen Mund. Davon lässt sich Jesus aber nicht beeindrucken. „Wie lange geht das schon so?” „Von Kind auf.”
Ich kann mir vorstellen, dass der Vater mit den Nerven am Ende ist. Wie lange hatte er sich schon vergeblich mit den Jüngern Jesu beschäftigen müssen, nachdem er voller Hoffnung hierher gekommen war. Es musste ja so kommen, dass er auch an der Macht Jesu zweifelte.
„Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!”
„Wenn du aber etwas kannst”... natürlich hatte er gehört, dass Jesus kann. Aber die Zweifel waren wieder aufgetaucht. Denn wer weiß, was die Menschen so alles erzählen. Getratscht wird viel, und dazugedichtet auch.
Also: „Wenn du aber kannst”. Der Vater scheint diesen Zweifel jedoch sogleich zu bereuen, denn er bittet mit den folgenden Worten um Barmherzigkeit und Hilfe. Er weiß schon, mit wem er es zu tun hat. Aber nun hat er es einmal gesagt. Zweifel und Glaube, sie liegen so dicht beieinander, sie gehören zur menschlichen Existenz.
Ich stelle mir vor, wie Jesus bei seiner Antwort nicht den Vater, sondern die ganze Menge, vielleicht sogar ganz gezielt seine Jünger anschaut und diese Worte sagt: „Alles ist möglich dem, der da glaubt.”
Das ungläubige Geschlecht, über das er sich anfangs beklagt hatte, hatte seinen Unglauben ja bewiesen, indem es den Geist nicht austreiben konnte. Diesen Vorwurf des Unglaubens, den manche der Jünger vermutlich im Stillen von sich gewiesen hatten, unterstreicht Jesus nun noch einmal mit diesem Hinweis. Wenn sie glauben würden, hätten sie auch den Geist austreiben können.
Was für ein Armutszeugnis! Es musste niederschmetternd sein für Petrus, für Jakobus, für Johannes, die gerade erst so Großes erlebt hatten, und für all die anderen der Jünger.
Es muss niederschmetternd sein für uns.
Denn es ist das Urteil, das Jesus auch über uns fällt: es fehlt der Glaube. Sonst sähe diese Welt längst ganz anders aus. Dann wäre schon längst der Himmel auf Erden sichtbar. Christen würden nicht mehr angefeindet, sondern als Boten des Friedens und der Liebe Gottes die Welt verändern.
„Alles ist möglich dem, der da glaubt.”
Die Antwort des Vaters ist widersprüchlich, aber anders geht es nicht: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!”
Er sagt es nicht, er schreit es hinaus. Laut, so dass alle es hören können. Es ist ein Glaubensbekenntnis der ganz besonderen Art. Es ist so, als ob wir am Ende des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, das wir in jedem Gottesdienst sprechen, noch sagen würden: „Ich will es glauben, aber wie kann ich das? Hilf mir, Gott, damit ich es glauben kann!”
Das Merkwürdige ist: Jesus scheint gar nicht auf diesen Ruf zu reagieren, sondern auf die Tatsache, dass das Volk herbeilief. Wollte er nicht, dass sie das nächste Wunder sehen? Und wieso überhaupt lief das Volk herbei? Hatte es das nicht schon vorher getan? Zwei Verse vor unserem Predigttext heißt es:
„Sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn.” Da waren sie doch schon alle versammelt. War ihnen langweilig geworden angesichts dieses Hin und Hers zwischen dem Vater und Jesus, so dass sie sich wieder zurückgezogen hatten?
Ja, die Erzählung ist schon etwas merkwürdig. Aber nicht nur in dieser Hinsicht. Denn über den Vater wird der Sohn ganz vergessen. Er liegt ja immer noch am Boden, Schaum vor dem Mund, wie wild zuckend und mit den Zähnen knirschend. Wer geht da schon weg? Das Schauspiel lässt man sich doch nicht entgehen. Und der Vater wird seinen Sohn auch nicht aus den Augen gelassen haben.
Jesus gebietet dem Geist, auszufahren. Ja, noch mehr: er gebietet ihm, nicht wieder in den Jüngling zu fahren. Das scheint wichtig, und natürlich ist es das auch. Wer Wunder vollbringt, ist immer der Skepsis ausgesetzt. Die Anfälle gingen ja sowieso immer wieder vorüber, vielleicht passten Jesu Worte und das Ende des Anfalls nur zufällig gerade zusammen.
Aber nein, der Geist sollte nicht wieder zurück kehren. Und er tat es auch nicht. So wurde dieses Ereignis ein Wunder.
Das Ende der Erzählung scheint wenig bedeutungsvoll, aber ist es das wirklich?
„Der Knabe lag da wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber griff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.”
Das ist das eigentlich Wichtige an dieser Geisteraustreibung: Jesus richtet den Menschen auf. Er macht ihn gewissermaßen neu. Es ist eine Auferstehung vom Tod, dem er vorher unterlegen war.
Er richtete ihn auf, und er stand auf – das ist beides, das Handeln Gottes und des Menschen. Was sich die ganze Zeit wie ein roter Faden durch diese kurze Geschichte hindurch zieht, taucht auch hier wieder auf: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.
Der Glaube lässt uns teilhaben an Gottes Macht, an seiner Vollmacht. „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen” (Ps 18, 30), alleine aber nicht. „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig” (2. Kor 12,9), aber nicht in den Starken.
Wer sich mit seiner Schwachheit abfindet und in dieser Schwachheit nichts von Gott erwartet, bleibt allein. Wenn wir aber unsere Schwäche erkennen und zugeben, dass nur Gott unserer Schwachheit aufhelfen kann (Röm 8, 26), dann können wir Wunder vollbringen. Ist das wirklich so unglaublich?
Amen

Weitere Predigten zu diesem Predigttext finden Sie auf der Webseite der Stiftskirchengemeinde


Liedvorschläge zur Predigt:

*Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Ohren gabst du mir (EG 236)
Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren (EG 279)
*Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)
*Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
Ich steh in meines Herren Hand (EG 374)
Herr, du hast mich angerührt (EG 383)
O Durchbrecher aller Bande (EG 388)
Meine engen Grenzen (HN-EG 584)
zu Jos 2, 1-21:
Kommt her, des Königs Aufgebot (EG 259)
Meinem Gott gehört die Welt (EG 408)

Zuletzt überarbeitet: 27 September 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
Schreiben Sie mir!

- Heiligenkalender -
- Erläuterungen & Impressum -
- Kalender -
- Monatssprüche -
- Links -
- Buchtipps -
- Lesepläne -
- Thema Gottesdienst -
- Diskussionsforum -
- drmartinus.de -
- Konzertsänger -
- Kirchenmusik/Oratorien -
- Pfarrerrecht -
- Spende -

Aktuelle Predigtreihe: III

 Als ein Wort behandeln


Bitte unterstützen Sie diese Webseite, indem Sie Ihre Bücher und anderes bei Amazon kaufen oder auf die folgende Werbung klicken. Danke!

Gebrauchte Bücher bei booklooker
Hier finden Sie gebrauchte Bücher zum günstigen Preis!


"christliche" Suchmaschinen:

Feuerflamme Suchmaschine
Das Kirchenjahr: Ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de


eXTReMe Tracker