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5. Sonntag nach Trinitatis
Nachfolge - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der 5. Sonntag nach Trinitatis befaßt sich wieder mit der Gemeinde, diesmal ihrer Antwort auf Gottes Ruf. Nachfolge scheint so einfach, so schwierig, so abwegig, weil wir nicht so recht wissen, was Nachfolge ist. Die Lesungen dieses Sonntags wollen uns den Weg leiten.

IV - 1. Mose 12, 1-4a
1. Mose 12, 1-4 (W)
Rev. 2014: Lk 5, 1-11 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.

Dies ist eine Geschichte, die vom nomadischen Hintergrund der Sippe Abrahams aus durchaus leicht zu verstehen ist und nicht unbedingt eine spektakuläre Handlung beschreibt. Wenn das Vieh so zahlreich wird, dass die Weidegründe, die gefunden werden, nicht mehr ausreichen, um alles Vieh zu ernähren, muss sich die Gruppe trennen. Allerdings scheint es, dass Abrahams Sippe zu dem Zeitpunkt nicht nomadisch war. Sie war zwar "umgezogen", nämlich von Ur in Chaldäa nach Haran (11,31), aber dort hatten sie nun schon lange gelebt, und wenn man dies als Nomadentum bezeichnen wolle, dann ist wohl auch die Bevölkerung Deutschlands nomadisch. Das regelmäßige Umherziehen von Weideplatz zu Weideplatz war diesen Menschen jedenfalls offenbar nicht eigen.
So kann man also doch davon sprechen, dass Abraham (übrigens spielt es zumindest bei der Bearbeitung dieses Abschnittes keine große Rolle, ob von "Abram" oder "Abraham" geredet wird, da der Name hier nur eine untergeordnete Rolle spielt) immerhin seine Heimat verließ. Das Motiv kann man allerdings sowohl in dem Ruf Gottes als auch in der Tatsache, dass einfach nicht mehr genug Land für alle da war, finden. In der Perikope wird jedenfalls der Ruf Gottes in den Vordergrund gestellt, dem Abraham bedingungslos folgt. Darin ein besonderes Opfer zu sehen, ist sicherlich unangemessen.
Wichtig am Ruf Gottes ist die Verheißung, die auf Abraham in den Versen 2 und 3 gelegt wird. Sie steht schon im Kontrast zur Feststellung, die in 11,30 gemacht wurde: Sarai war unfruchtbar und hatte kein Kind. Im Zusammenhang mit dieser Tatsache wird der Aufbruch Abrahams nun doch bedeutend: er könnte sich aus seiner Sippe eine andere Frau suchen, mit der er sich Nachkommen schaffen könnte. Dieser Möglichkeit beraubt er sich, indem er seine Sippe verlässt. Also doch ein Wagnis, in das er sich begibt, aber kein materielles. Es geht um die wichtige Nachfolge, die durch den Fortzug zumindest schwerer zu sichern sein würde. Allein die Verheißung Gottes lässt hoffen. Wir wissen, dass Abraham später Gott vorhält, dass sein Knecht alles erben würde, woraufhin Gott seine Verheißung erneuert (Gen 15).
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist deutlich: es geht auch hier um Nachfolge. Abraham folgt Gottes Ruf ohne zu Zögern. Es ist darauf zu achten, dass dadurch die Erbfolge gefährdet wird. Das Verlassen des Elternhauses ist nicht unbedingt so bedeutend.
Für die Predigt wäre darüber nachzudenken, was Nachfolge heute bedeutet und inwieweit der Gehorsam Abrahams etwas für unsere Nachfolge austragen kann. Gott spricht nicht mit uns so, wie damals mit Abraham. Vielleicht aber vernehmen wir auch nur nicht die Stimme Gottes, und er redet tagtäglich zu uns? Die Predigt könnte diesen Aspekt ausarbeiten und danach fragen, wie wir für Gottes Stimme sensibel werden und sie von dem Lärm unserer Umwelt unterscheiden? Wie kommt der Ruf Gottes zu uns?
Die andere Frage wäre, ob wir bereit sind, so wie Abraham das Gewohnte hinter uns zu lassen und einen Neuanfang zu wagen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274)
Singet dem Herrn ein neues Lied (EG 287)
Abraham, Abraham (EG 311)
Gott verspricht: ich will dich segnen (EG 348)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)
Führe mich, o Herr, und leite (EG 445, 5)

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, du rufst uns in deine Nachfolge. Manchmal hören wir die Worte nicht, oder wir verstehen sie nicht, und wir fragen: bin ich gemeint?
Hilf, dass wir deinen Ruf hören und annehmen, damit wir den Weg gehen, den du für uns bestimmt hast.
Dein Weg ist ein Weg des Friedens. So bitten wir dich für die Menschen, die Krieg wollen und Krieg führen, dass du ihnen den wahren Weg des Lebens zeigst, damit die Menschen, die unter Krieg, Hass und Verfolgung leiden, wieder in Freiheit deinen Namen preisen können.
Dein Weg ist ein Weg der Liebe. So bitten wir dich für alle, die Hilfe brauchen, die einsam und allein sind, dass du Menschen zu ihnen führst, die ihnen deine Liebe offenbaren.
Dein Weg ist ein Weg der Gemeinschaft. So bitten wir dich für die Menschen, die uns im Glauben verbunden sind in der ganzen Welt. Lass deinen Geist unter ihnen wirksam sein.
Dein Weg ist ein Weg der Versöhnung. So bitten wir dich für die, die schuldig geworden sind und nicht wissen, wie sie damit umgehen können. Lass sie erkennen, dass du dich dem zuwendest, der seine Schuld bekennt und bereut.
Dein Weg ist ein Weg der Freiheit. So bitten wir dich für alle, die gefangen sind – in den Gefängnissen, aber auch in den sogenannten Sachzwängen, in ihrer eigenen, kleinen Welt, die keinen Raum lässt für deine unermessliche Weite. Hilf, dass sie das Geschenk der Freiheit annehmen an Leib und Seele.
Dein Weg ist ein Weg des Heils. So bitten wir dich für alle Schwachen, für alle Kranken, für die Sterbenden. Lass sie erfahren, dass dein Heil alles durchdringt, auch den größten Schmerz. Gib Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit – Hoffnung auf ein Leben in dir.
Wir preisen dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit. Amen

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Zuletzt überarbeitet: 02 Juli 2015
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