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Predigtvorschläge zu 1. Mose 12, 1-4a
1. Mose 12, 1-4 (W)
Rev. 2014: Lk 5, 1-11 (Evangeliumslesung - s. Reihe I) (IV)

Liebe Gemeinde!
„Ilse Meyer, pack deine Sachen und mach dich auf den Weg! Großes wartet auf dich!”
Ilse Meyer ist verstört. Den Mann, der da vor ihr steht, hat sie noch nie gesehen. Eigentlich wollte sie nur mit den vollgepackten Einkaufstaschen möglichst schnell nach Hause, da stand er plötzlich vor ihr und versperrte ihr den Weg.
Sie versucht, an ihm vorbei zu gehen, aber als er den Weg nicht freigeben will, dreht sie sich um und beginnt, den Weg wieder zurück zu gehen, den sie gekommen war. Sie würde jetzt einen Umweg machen müssen, aber den Umweg nimmt sie unwillig in Kauf, weil ihr dieser Mann doch etwas unheimlich geworden ist.
Als sie sich von dem Mann entfernt, beginnt sie, leise vor sich hin zu schimpfen: „Was ist das denn für eine Art. Was will der eigentlich von mir? Ich kenne ihn doch gar nicht.”
Während ihr diese Gedanken durch den Kopf gehen, versucht sie, die Geräusche hinter sich wahrzunehmen. Wird er hinter ihr herlaufen? Oder sie rufen?
Aber es bleibt still. Erleichtert geht sie zügig weiter. Doch erst als sie um die Ecke gebogen ist, dreht sie sich noch einmal um. Niemand ist ihr gefolgt, so scheint es.
Eilig geht sie nun zu ihrer Wohnung. Es dauert 5 Minuten länger, weil sie einmal fast um den ganzen Block gehen muss.
Etwas Angst bleibt: immerhin kannte der Mann ihren Namen. Würde er vielleicht am Hauseingang auf sie warten?
Aber da ist niemand. Erleichtert holt sie den Schlüssel hervor und schließt die Tür auf. Die eine Treppe bis zu ihrer Wohnung ist schnell bewältigt. Als die Wohnungstür schließlich ins Schloss fällt, kann sie sich entspannen. Mit dem Rücken an die Eingangstür gelehnt, atmet sie tief durch.
Dann beginnt sie kopfschüttelnd, ihren Einkauf auszupacken. Was wollte der Mann von ihr? 'Pack deine Sachen und mach dich auf den Weg...', hatte er gesagt. Was für einen Weg denn? Wohin? Das hätte sie ihn vielleicht noch fragen sollen. Vielleicht hatte sie ja eine Reise bei einem Preisausschreiben gewonnen (sie machte nämlich bei jedem Preisausschreiben mit). Dann war dies vielleicht nur eine etwas skurrile Art des Veranstalters, ihr mitzuteilen, dass sie gewonnen hatte?
Na, dann würde der Mann ja sicher gleich klingeln. Und so wandelte sich die Angst in Spannung und, ja, auch in Hoffnung.
Aber: es rührte sich nichts. Ilse Meyer blieb allein.

Ganz ähnlich ging es einem Mann vor rund 4000 Jahren:
Der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.
(Gen 12, 1-4a) Zugegeben, Gott sprach ein paar mehr Worte zu Abram als zu Ilse Meyer. Aber das Ansinnen ist doch ganz ähnlich: pack deine Sachen und mach dich auf den Weg. In ein Land, das ich dir zeigen will. Großes wartet auf dich – obwohl du selbst es gar nicht erleben wirst. Aber deine Nachkommen – sie werden es erleben.
Warum reagiert Abram nicht so wie Ilse Meyer? Ich denke mal, niemand unter uns würde wie Abram sich einfach auf den Weg machen, weil da irgend jemand ihm sagt: mach dich auf, verlasse deine Heimat, dein Vaterland, deine Sippe, und geh in ein neues Land, das du nicht kennst.
Aber es ist ja auch nicht irgend jemand. Es ist der Herr, der Gott, den das Gottesvolk später Jahwe nennen wird, der „Ich bin da”.
Aber wusste Abram das? Wohl kaum. Mit diesen Versen beginnt die Geschichte des Gottesvolkes. Alles, was sich davor ereignete, versinkt in Dunkelheit. Allein die sogenannten Urgeschichten, die Erzählungen von der Schöpfung, vom Garten Eden, vom Sündenfall, von der Sintflut und vom Turmbau zu Babel sind davor aufgeschrieben.
Und dann beginnt die Geschichte des Gottes, der sich Menschen offenbart, und die Geschichte des Volkes, das sich von Gott immer wieder rufen lässt, ihm aber eben so oft untreu wird.
Wie offenbarte sich Gott, damals, dieses erste Mal? Hatte Abram einen Traum? Stand da plötzlich ein Mann vor ihm – so wie vor Ilse Meyer? Oder war da ein Verwandter, der ihm riet, sich möglichst bald von seiner Sippe zu entfernen, weil ihm Gefahr drohte? Man weiß ja nicht, wie das damals so ablief. Auch da gab es schon Erbstreitigkeiten.
Merkwürdig verschwommen erfahren wir von diesem Beginn des Gottesvolkes, und dabei ist doch alles so einfach, so klar – so wie bei Ilse Meyer. Ein paar Worte nur, die die Welt verändern können – wenn man auf sie hört.
Mach dich auf – geh den Weg, den ich dir zeigen werde.
Und welchen Weg zeigst du mir? Da sind so viele Wege...
Immer weniger Menschen können uns davon erzählen, wie sie damals, nach dem Krieg, gezwungen wurden, sich mit nur wenigen Habseligkeiten auf den Weg zu machen – ins Ungewisse. Viele haben diesen Weg nicht überlebt. Aber wer das erlebt und überlebt hat, wird eine Ahnung haben von dem, was hier von Abram erwartet wird.
Verlasse dein Vaterland – deine Heimat.
Warum wandte er sich nicht einfach ab? Warum versagte er dieser Aufforderung nicht den Gehorsam? War er vielleicht nur ein Abenteurer, der sich schon immer nach dem Neuen, Unbekannten gesehnt hatte? War es vielleicht seine eigene Stimme, die er da gehört hatte – seine Sehnsucht nach dem Abenteuer?
Aber warum sollte er die Geborgenheit und die Sicherheit der eigenen Sippe so einfach aufgeben? Und hätte er dann nicht alleine losziehen müssen, wenn er auf Abenteuer aus ist?
Nein, er nimmt seine Frau, Sarai, die Unfruchtbare, mit, und seinen Neffen, Lot. Außerdem nimmt er all seine Habe mit – Zelte, Mägde, Knechte, Vieh... es ist ein beachtlicher Tross. Nichts für einen Abenteurer. Hier wird ein Umzug geplant, ohne ein Ziel zu kennen.
Und außerdem: Abram ist 75 Jahre alt, wie wir wenig später erfahren. Auch damals war das schon ein ansehnliches Alter. Die Jahre waren nicht kürzer als zu unserer Zeit. Abram war, so kann man sagen, eine gesetzte Persönlichkeit, die eigentlich nichts mehr zu erwarten hatte als den Tod.
Und doch macht er sich auf, um etwas Neues zu beginnen, von dem er nicht weiß, was es ist.
Wir wissen, was aus diesem Aufbruch geworden ist, und es fällt uns darum nicht so sonderlich schwer, das Handeln des Abram zu verstehen. Für ihn jedoch war es ein Aufbruch ins Ungewisse, ein absolutes Wagnis – im Grunde war es eine Selbstaufgabe.
Der Ruf, der damals an Abram erging, war in seiner Konsequenz einmalig. Aus dem einen Menschen und seiner Frau wird, entgegen allem Anschein, ein großes Volk – das Volk Gottes, auf dem eine große Verheißung ruht.
So einmalig dieser Ruf in seiner Konsequenz ist, so ist er doch nicht der einzige. Immer wieder wird von solchem Ruf erzählt, z.B. bei den Propheten.
Der bekannteste Ruf in die Nachfolge Gottes ist wohl dieser:
Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Aber auch das schlichte „Folge mir nach!” aus Jesu Mund.
Unzählige Male ist dieser Ruf erklungen, nicht nur zur Zeit Jesu, sondern auch in den folgenden Jahrhunderten, bis heute.
Und manchen geht es da wohl wie der Ilse Meyer: sie verstehen nicht, worum es geht. Ist es denkbar, dass Gott einen einfachen Menschen, einen Arbeiter, eine Angestellte, eine Rentnerin so mir nichts, dir nichts, in seine Nachfolge ruft und ihnen damit eine besondere Aufgabe zuweist?
Natürlich ist das denkbar. Gott hat eine unscheinbare Frau dazu auserkoren, dass sie die Mutter seines Sohnes wird. Die Apostel waren Fischer oder einfache Arbeiter, einer war Zöllner. Warum sollte er nicht einen Arbeiter oder eine Angestellte oder eine Rentnerin dazu rufen, dass sie mit bauen an seinem Reich?
Denn wenn Gott ruft, dann geht es doch immer darum, dass wir ein Teil werden seines Plans.
Spannend ist, dass der Ruf so unverbindlich ist. Gott wirbt, indem er ein Versprechen gibt, aber es gibt keine Drohung etwa der Art: wenn du nicht folgst, wird es dir so und so ergehen. So wie bei Ilse Meyer bleibt es bei diesem einmaligen Ruf mit einer Verheißung, aber ohne Drohung. Und darum kann sich Ilse Meyer auch so einfach abwenden.
Wenn Abram sich damals nicht aufgemacht hätte, wäre die Bibel schon nach wenigen Seiten zu Ende. Und dann hätte sich wohl kaum jemand die Mühe gemacht, die Geschichte eines Abram aus Ur und dann Haran aufzuschreiben. Wozu auch?
Andererseits: wenn Abram sich nicht aufgemacht hätte, wäre der Ruf an einen anderen ergangen. Gott hätte ihn schon gefunden, den Menschen, der ihm vertraute, so wie Abram es tat – obwohl er keine Ahnung hatte, auf was und auf wen er sich da einließ.
Es braucht Mut, so wie damals die Fischer Mut brauchten, um ihre einzige Einnahmequelle zurück zu lassen und sich auf einen Weg ins Ungewisse zu machen.
Aber ist es nicht so: wenn Gott ruft, dann gibt es keine Reue. Immer wieder erleben die Gerufenen, wie er ihnen beisteht, wie er sie sicher auf ihrem Weg führt, wie er ihnen Kraft gibt in der Not.
Der „Ich bin da” macht seinem Namen alle Ehre. Und darum ist es gut, sich auf das Wagnis einzulassen. Denn auf dem Weg, den er uns weist, wird er sich uns immer auf#39;s Neue zeigen. Auch und vielleicht gerade dann, wenn wir das Gefühl haben, nicht wirklich nützlich sein zu können.
Gott gibt uns die Gaben, die wir brauchen, um auf seinem Weg bestehen zu können. Sein Geist ist mit uns. Von unserer Seite ist nur eines nötig: Glaube.
Sicher gibt es auch Scharlatane, die versuchen, das auszunutzen. Aber wenn wir sicher sein wollen, werden wir uns nicht bewegen. Darum gibt es noch eine Möglichkeit, den Glauben zu festigen und damit Vertrauen in die Weisung Gottes zu gewinnen: das Gebet.
Wenn wir einen Ruf hören, aber nicht sicher sind, ob es Gottes Ruf ist, dann können wir unsere Fragen und Zweifel vor Gott bringen. Er wird antworten, denn unser Herr Jesus Christus hat es uns versprochen, indem er sagte: suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Gott lässt uns nicht allein.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274)
Singet dem Herrn ein neues Lied (EG 287)
Abraham, Abraham (EG 311)
Gott verspricht: ich will dich segnen (EG 348)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)
Führe mich, o Herr, und leite (EG 445, 5)

Zuletzt überarbeitet: 02 Juli 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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