Informationen zu jedem Sonn- und Festtag im Kirchenjahr


Home
Advent
Christfest (Weihnachten)
Zwölf Heilige Nächte
Epiphanias
Vorfastenzeit
Fastenzeit

Aschermittwoch
Invokavit
Reminiszere
Okuli
Laetare
Judika

Heilige Woche
Ostern
Pfingsten
Trinitatis
Ende des Kirchenjahres
Feste Januar-August
Feste September-Dezember
Bitt- und Gedenktage




Judika
Bereit zum Dienst* - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Judika leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta" (Ps 43, 1; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Judika" hervorgehoben)
Von diesem Sonntag an bis zum Karsamstag wird auch die Gloria-Patri-Strophe, die üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird, nicht mehr gesungen, weil mit diesem Sonntag nach altem Brauch die eigentliche Passionszeit beginnt. Das wird in der neuen Agende (dem EGb) nicht mehr so gesehen. Dort schweigt Gloria Patri erst ab dem Sonntag Palmarum.
Nach dem Sonntag Laetare, an dem die Hingabe Jesu bedacht wurde, betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie unseren Gehorsam. Es geht also um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt, die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt.

IV - 4. Mose 21, 4-9
Rev. 2014: Mk 10, 35-45 (s. Reihe I - Evangeliumslesung)

Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege 5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biß, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Das Volk Gottes murrt gegen ihn, und Gott straft. Diese kausale Stereotypie haben wir über die Jahrtausende nicht ablegen können - hier wird sie wieder zum Vorschein gebracht. Dagegen wehren müssen wir uns, aber die Realität der Unbußfertigkeit der Menschen können wir nicht verleugnen.
Kritisch ist auch das Bild, das hier hinzugezogen wird, die eherne Schlange, die nicht nur die tödliche Macht verkörpert, sondern auch das Leben, das aus der Tiefe kommt. Kritisch ist aber nicht das Symbol, sondern die Tatsache, dass hier ein Bild genutzt wird, um den Menschen die Strafe abzunehmen. Ein eklatanter Verstoß gegen das Bilderverbot, oder nicht?
Wohl doch nicht, denn es handelt sich ja, wie schon gesagt, um ein Symbol. Ein Symbol der Erinnerung an die Strafe und an dessen Urheber, und damit das Tor zur Befreiung von dieser Strafe, zur "Erlösung". Somit ist das Symbol, die eherne Schlange, eher Wegweiser als "Bild".
Man könnte den Vorgang so deuten: Das Volk leidet. Aber anstatt sich in seinem Leiden auf Gott zu werfen, will es zurück dorthin, wo es Konstanten gegeben hat, auf die sie sich verlassen konnten. Diese Konstanten waren freilich freiheitsberaubend, denn sie entsprangen den Bedingungen der Gefangenschaft. Die Freiheit, die Gott ihnen schenkt, erfordert mehr "Arbeit", die Konstanzen müssen woanders gefunden werden, nämlich in Gott. Nur lässt sich Gott nicht so leicht manifestieren wie die Ägypter. Das Murren des Volkes veranlasst Gott, sie etwas erleben zu lassen, wogegen auch die Ägypter machtlos gewesen wären. Die Schlangen töten wahllos, sie tauchen unvermittelt auf, man kann ihnen nicht entkommen, außer: man lässt sich ganz auf Gott ein. Dazu dient das "Bild" der ehernen Schlange, das, wie gesagt, hinweist auf die befreiende, erlösende Tat Gottes.
Wir benutzen in unserem Alltag viele Bilder. Das Bild, das wir uns vorhalten, um an die Erlösung "erinnert" zu werden, die Gott für uns gewirkt hat, ist das Kreuz. Es ist, so wie die eherne Schlange, ein Symbol und kein Gottesbild. Ein Symbol der Liebe Gottes, die keine Grenzen kennt.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht offensichtlich: Das Volk ist ungehorsam gegen Gott, darum wird es bestraft. Der Ungehorsam äußert sich allerdings in einer direkten Verweigerung eines klaren Auftrages; es ist vielmehr das latente "Nicht-So-Wollen-Wie-Gott", das den Ungehorsam konstituiert. Das Volk will eben nicht erlöst (=frei) werden und lässt sich erst durch eine noch größere Not davon überzeugen, dass es doch besser ist, erlöst zu werden.
Die Predigt kann hinweisen auf unser Bedürfnis nach Sicherheiten, "Konstanten" in unserem Leben, die uns oft unfrei machen. Das Symbol der ehernen Schlange kann zwar mit dem Kreuz verglichen werden, es hat aber nicht die gleiche Qualität: durch Christus haben wir nicht den Tod gefunden, sondern das Leben. Es ist ein Symbol ohne "Vorgeschichte", also nicht so wie die Schlange, die gefürchtet war aufgrund ihrer Macht, zu töten.
Der Blick auf dieses Symbol hat Konsequenzen: die Loslösung von den Konstanten, die das Leben bestimmt und auch eingeschränkt haben, ist notwendig, um ein Leben in Freiheit, aus Glauben, führen zu können. Es wird ein Leben, das aus Vertrauen heraus geführt wird, Vertrauen auf Gott, den wir nicht für unsere Zwecke vereinnahmen können. Dies sollte in der Predigt deutlich werden.

Liedvorschläge zur Predigt:


Ehre sei dir, Christe (EG 75)
*O Welt, sieh hier dein Leben (EG 84)
*Ich grüße Dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)

Fürbittengebet

Gott, himmlischer Vater, du gibst uns ein Zeichen Deiner Liebe und Barmherzigkeit. Du hast deinen Sohn am Kreuz erhöht, damit wir erkennen, wozu du uns berufen hast. So erhebn wir unsere Augen zu dir und bitten dich: lass uns die Not unserer Mitmenschen erkennen und für sie bitten:
Lass das Zeichen deiner Liebe sichbar werden in dieser Welt. Hilfe denen, die unter ihren Regierungen leiden, die weder genug zu essen haben noch ein Dach über dem Kopf. Gib den Hungrigen ihr tägliches Brot und lass uns erkennen, wie eng unser Schicksal mit dem ihren verknüpft ist, damit auch wir bereit werden zu helfen, so gut es in unserer Macht steht.
Gem.: Herr, erbarme dich
Lass das Zeichen deiner Liebe sichtbar werden den Politikern, wenn sie ihre Entscheidungen fällen. Hilf, dass nicht wirtschaftliche Entwicklung, sondern Gerechtigkeit und Fürsorge füreinander menschlich sind. Ermutige viele Menschen dazu, sich einzumischen, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden, und lass uns mit offenen Augen durch unsere Welt gehen, damit wir eintreten können für die Schwachen und Unterdrückten.
Gem.: Herr, erbarme dich
Lass das Zeichen deiner Liebe sichtbar werden in unserer Gemeinde, dass wir füreinander eintreten und weitersagen, welch große Wunder du an uns getan hast. Lass nicht zu, dass Vorurteile, Enttäuschungen oder Erwartungen das Wachstum unserer Gemeinde hemmen, und hilf, dass wir das Zeichen deiner Liebe dorthin tragen, wo Menschen einander fremd geworden sind und dich nicht kennen.
Gem.: Herr, erbarme dich
Lass das Zeichen deiner Liebe sichtbar werden den Kranken, die unter ihrer Krankheit leiden oder die dem Tod ins Angesicht schauen. Schenke ihnen die Gewissheit, dass du unsere Wunden heilst, dass du den Tod überwunden hast und dass nichts uns von deiner Liebe trennen kann. Lass uns dort sein, wo Menschen sich einsam und verlassen fühlen, damit deine Liebe auch ihnen sicht- und spürbar wird.
Gem.: Herr, erbarme dich
Lass das Zeichen deiner Liebe sichtbar werden den Alten, die in unserer Gemeinde leben. Lass nicht zu, dass die Jüngeren sie vergessen oder gar als Last empfinden. Lass auch nicht zu, dass sie selbst sich überflüssig vorkommen, sondern erfülle sie mit der Gewissheit, dass sie von dir wert geachtet sind. Lass auch uns an ihrem Leben teilhaben, lass uns voneinander lernen, nach deinem Willen zu leben.
Gem.: Herr, erbarme dich
Lass das Zeichen deiner Liebe sichtbar werden uns allen, hier in Wolfenbüttel und in der ganzen Welt, dass wir dich loben und preisen, dem allein die Ehre gebührt, und dir danken für deine Liebe und Treue.
Amen.

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Orgelmeditation für die Fastenzeit. Audio-CD v. Pater Dominikus spielt Werke alter Meister. 2003 - 1. Auflage.
  • Passion und Ostern. Agende II/1 v. VELKD (Hg.). Lutherisches Verlagshaus 2011, 344 S. - 1. Auflage.
    Umfassendes Material für Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern.
  • Vom Kreuz zum Leben. Kreative Gottesdienstentwürfe und Andachten für die Passions- und Osterzeit v. Monika Lehmann-Etzelmüller. Neukirchener Aussaat 2014, 144 S. - 1. Auflage.
  • NEU! Aus Trauer wird Freude. Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Passions- und Osterzeit v. Stefan Vogt. Neukirchener Aussaat Verlag 2017, 144 S. - 1. Auflage.
    Das Buch bietet hochaktuelle Gottesdienste und Andachten für eine traumatisierte Welt und macht in ihnen die Liebe Gottesdienst für seine Geschöpfe zum Mittelpunkt. Eine Fundgrube für Gottesdienste in der Fasten- und Osterzeit.

  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
    © Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

    Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
    Alle Rechte vorbehalten.
    Schreiben Sie mir!

    - Heiligenkalender -
    - Erläuterungen & Impressum -
    - Datenschutzerklärung -
    - Kalender -
    - Monatssprüche -
    - Links -
    - Buchtipps -
    - Lesepläne -
    - Thema Gottesdienst -
    - drmartinus.de -
    - Pfarrerrecht -
    - Spende -

    Aktuelle Predigtreihe: IV

     Als ein Wort behandeln


    Bitte unterstützen Sie diese Webseite, indem Sie Ihre Bücher und anderes bei Amazon kaufen oder auf die folgende Werbung klicken. Danke!

    Gebrauchte Bücher bei booklooker
    Hier finden Sie gebrauchte Bücher zum günstigen Preis!


    "christliche" Suchmaschinen:

    Feuerflamme Suchmaschine
    Das Kirchenjahr: Ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de


    eXTReMe Tracker