Informationen zu jedem Sonn- und Festtag im Kirchenjahr


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Judika
Bereit zum Dienst* - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Judika leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta" (Ps 43, 1; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Judika" hervorgehoben)
Von diesem Sonntag an bis zum Karsamstag wird auch die Gloria-Patri-Strophe, die üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird, nicht mehr gesungen, weil mit diesem Sonntag nach altem Brauch die eigentliche Passionszeit beginnt. Das wird in der neuen Agende (dem EGb) nicht mehr so gesehen. Dort schweigt Gloria Patri erst ab dem Sonntag Palmarum.
Nach dem Sonntag Laetare, an dem die Hingabe Jesu bedacht wurde, betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie unseren Gehorsam. Es geht also um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt, die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt.

III - 1. Mose 22, 1-13*
Rev. 2014: Hiob 19, 21-27

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. 2 Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. 3 Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. 4 Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne 5 und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. 6 Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? 8 Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. 9 Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz 10 und reckte seine Hand aus und faßte das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. 11 Da rief ihn der Engel des HERRN vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. 13 Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes Statt.

[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Hiob 19, 21-27
Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?
23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24 mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen! 25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26 Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. 27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Dieser wohlbekannte Text von Abrahams Opfer wurde früher oft als Allegorie auf Gottes Opfer seines eigenen Sohnes gesehen. Heute ist uns klar, dass dies nicht geht. Beide haben nichts miteinander zu tun, schon deswegen nicht, weil Abraham seinen Sohn eben nicht opfert (daraus zu folgern, dass Menschen eben nicht in der Lage sind, das gültige Opfer für sich selbst zu erbringen, wäre absurd). Es wird aus den einleitenden Worten sehr deutlich, dass es darum geht, Abraham's Gehorsam zu testen. Es kommt darauf an, dass Abraham seine unbedingte Unterwerfung unter Gottes Willen zeigt, indem von ihm verlangt wird, seinen eigenen Sohn zu töten.
Die Grausamkeit dieses Verlangens kann sich nur vorstellen, wer selbst Kinder hat. Nichts geht über die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, oft auch vergleicht die Bibel Gottes Verhältnis zu den Menschen wie das von Vater oder Mutter zu seinen/ihren Kindern. Wenn die Forderung Gottes vollständig durchgeführt worden wäre, dann könnten wir diesem Gott nicht mehr vertrauen.
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was Abraham (und Isaak) wohl auf dem gemeinsamen Weg zur Opferstätte gedacht haben. Deutet nicht die Antwort Abrahams: "Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer" (Vers 8) darauf hin, dass Abraham bis zum Ende hofft, dass Gott selbst eingreifen wird? Dass er aber auch andererseits von niemand anderem ein Eingreifen erwartet? Die Unterordnung Abrahams unter den Willen Gottes scheint schon recht übertrieben, es ist, als handele er wie eine Marionette, ohne Kontrolle über sein eigenes Handeln zu haben. Das wäre nicht der Mensch, den Gott geschaffen hat. Abraham hat die Wahl gehabt. Er hätte sich von Gott abwenden können. Er hätte den Gehorsam verweigern können. Er tat es aber nicht.
Deshalb tauchen Worte auf, die die Einfachheit des Handelns anzweifeln lassen. Das "und gingen die beiden miteinander" kommt zweimal vor, als betonte es das Miteinander der Beiden, des Vaters und des Sohnes, auf ihrem schwersten Gang. Der Text geht nicht sprunghaft vom Auftrag zum Opfer über und bringt dann die Erlösung. Der Autor hat gewußt, dass in Abrahams Herz die Hölle brennen musste, und dass Isaak voller Ahnung war, denn sonst hätte er ihn nicht diese Frage nach dem Opfertier stellen lassen. Noch eine Frage taucht auf: Wird Isaak jemals wieder seinem Vater trauen können?
Im kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang gibt es keine großen Probleme. Es geht um die Antwort auf das Handeln Gottes, um Gehorsam, in diesem Fall um absoluten Gehorsam des Menschen gegenüber Gott. Es werden keine Fragen gestellt, trotz des absurden, grausamen Auftrages. Vielleicht müssen wir als Menschen, die vom Evangelium wissen, darauf hinweisen, dass diese Art Gehorsam nicht von uns gefordert wird, weil Jesus selbst schon diesen Gehorsam geleistet hat. Er hat das getan, was wir nicht tun können, auch wenn wir es wollten.
Darüber hinaus muss deutlich werden, dass es nicht Gottes Intention war, Isaak als Opfer zu empfangen, sondern Abrahams Gehorsam und Hingabe zu prüfen. Diese Art von Prüfungen werden von uns nicht mehr abgenommen. Dennoch gibt es Situationen, in denen es manchmal besser scheint, das Unsinnige zu tun im Vertrauen darauf, dass Gott alles zum Besten wendet. Das ist gewiß keine Freikarte für Unfug. Es ist aber die Einladung, den schweren Gang zu gehen, wenn es sonst keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Am Ende steht nicht das Verderben, sondern der Segen Gottes.

Liedvorschläge zur Predigt:

*Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
*Jesu, meines Lebens Leben (EG 86)
Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)
O Lamm Gottes, unschuldig (EG 190.1)
Treuer Wächter Israel' (EG 248, 1.3-6)
Auf ihn will ich vertrauen (EG 365, 3-5)
zu Hiob 19, 21-27
Christ lag in Todesbanden (EG 101 - enthält "Halleluja", das in der Fastenzeit nicht gesungen werden soll)
Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)
Jesus, meine Zuversicht (EG 526)

Fürbittengebet

Liturg: Barmherziger Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus erkennen wir, wie sehr du uns liebst. Wir haben deine Liebe nicht verdient. Sie ist ein Geschenk, das anzunehmen uns schwer fällt. Darum bitten wir dich: Lass uns deine Liebe annehmen. Lass uns von deiner Liebe lernen, wie wir unser eigenes Leben gestalten können. Lass uns dich suchen, gib uns den Mut zum ersten Schritt heraus aus der vertrauten Umwelt, in der wir uns sicher und geborgen fühlen, hinein in eine Welt, die uns fremd und feindselig erscheint. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (z.B. EG 178.11)
Liturg: Wir bitten dich für die Welt, in der Angst und Misstrauen herrschen. In vielen Ländern werden Menschen verfolgt und gefoltert, weil sie sich für Gerechtigkeit einsetzen. Lass sie erfahren, dass du Menschen durch das Leben, das Leiden und sogar durch den Tod in ein neues Leben trägst. Lass sie nicht resignieren vor der Gewalt, sondern gib ihnen Mut und Hoffnung. Mache uns bereit, für diese Menschen einzutreten und ihnen beizustehen. Lass uns ihr Fürsprecher werden, der du selbst unser Fürsprecher bist. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Liturg: Wir bitten dich: mache den Kriegen in dieser Welt ein Ende. Keiner dieser Kriege ist gerecht, kein Krieg ist heilig. Wir wissen das, und doch ziehen unsere Kinder in den Krieg gegen Völker, die uns nichts getan haben. Die Schuld, die wir so auf uns laden, wird unermesslich. Vergib uns. Hilf uns, aufzustehen gegen das große Unrecht, das dort geschieht, im Irak, in Afghanistan, im Kongo und in vielen anderen Ländern unserer Welt. Lass uns dafür eintreten, dass die Herstellung und der Verkauf von Waffen ein Ende nimmt, damit es nichts mehr gibt, womit man Krieg führen kann; damit sich die Gegner wieder begegnen müssen, um ihre Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Liturg: Deine Kirche verliert manchmal dich aus den Augen und starrt auf das, was ihr Sorgen und Ängste bereitet: den Rückgang der Mitgliederzahlen und damit verbunden sinkende Einnahmen und die stetig steigenden Kosten. Mache deine Kirche zu einer Gemeinschaft, in der Menschen nach deinem Willen leben, in der nach dir gefragt wird, in der in Stille, im Gebet, im Gespräch Menschen deine Nähe suchen. Lass deine Kirche ein Ort sein, in dem mit deiner Gegenwart, gerechnet wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Liturg: Wir bitten dich für die Traurigen und Ängstlichen, die Sorgenvollen und die Kranken. Lass sie erfahren, dass Du da bist, ganz nah bei ihnen. Lass sie spüren, dass deine Liebe sie umgibt, einhüllt wie eine warme Decke, die uns vor der Kälte schützt. Lass sie das Leben spüren, das nur du geben kannst. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Liturg: Wir bitten Dich für alle, deren Namen wir jetzt in der Stille vor dich bringen:
Stille...
Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Liturg: Herr, du schenkst uns Freiheit, weil du uns liebst. Lass uns diese Freiheit dazu gebrauchen, deinen Willen zu erkennen und an zu nehmen, damit wir durch unser Leben dich rühmen und preisen. Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen

Die Anregungen für alle Predigtreihen

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  • Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
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