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Predigtvorschläge zu Hebr 5, 7-9
Rev. 2014: Hebr 13, 12-14 (s. Reihe VI) (II)

Liebe Gemeinde!
Der Hebräerbrief wurde schon kurz nach seiner Entstehung als Brief an die Hebräer bezeichnet, weil man meinte, dass die vielen Anspielungen auf den jüdischen Kult, vor allem die Äußerungen über das Hohepriestertum, eigentlich nur Hebräer verstehen könnten.
Inzwischen weiß man, dass der Brief an Christen gerichtet war, die keinen jüdischen Hintergrund hatten, sondern vielmehr aus dem hellenistischen Raum stammten. Wer damals Christ wurde, begab sich in die Tradition jüdischen Glaubens hinein und musste sich so zwangsläufig auch mit den Riten und Gebräuchen jüdischen Lebens auseinander setzen.
Heute fällt es schwerer, sich diesem Brief an die Hebräer zu nähern, auch wenn die drei Verse, die uns heute als Predigttext vorgegeben sind, eigentlich noch recht leicht nachvollziehbar sind.
Aber ihnen gehen die für den Hebräerbrief typischen Gedanken voraus: Christus wurde zum Hohepriester eingesetzt, heißt es da, und zwar von Gott selbst. Kein Mensch hatte seine Hand im Spiel. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass ein Hohepriester als Mensch mit den Menschen mitfühlen kann, "die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt" (Hebr 5, 2).
Da wird das Amt, das dazu eingesetzt ist, die Gottesferne der Menschen zu überbrücken, auf Jesus übertragen, den Gottessohn. Aber dies geschieht eben nicht in seiner Funktion als Gottessohn, sondern als Mensch. Denn nur so kann er, wie jeder andere Hohepriester vor ihm, mit den Menschen mitfühlen und ihre Not mitleiden.
So erklärt sich dann auch die Aussage, dass Jesus mit lautem Schreien und mit Tränen bittet und fleht. Denn eines Gottessohnes wäre solches Bitten und Flehen wohl kaum würdig.
Darum schränkt der Schreiber des Hebräerbriefes dieses Bitten und Flehen auch auf die Tage seines irdischen Lebens ein.
Wenn wir von Jesus hören, wenn wir von ihm erzählen, geraten wir immer wieder an unsere Grenzen. Wir sprechen von ihm als dem Sohn Gottes, der zur Rechten des Vaters sitzt, der kommen wird, um zu richten die Lebenden und die Toten. Zugleich aber erzählen wir von ihm als von einem Menschen, der all das, was einen Menschen ausmacht, an sich selbst erfuhr. Wir beschreiben ihn als den, der die Begrenztheit menschlicher Erfahrung und die Schwäche selbst erlebt hat.
Wie das zusammenpasst, dieses Gottes-Sohn-Sein und das Menschsein, das hat die Christen der ersten Jahrzehnte genauso beschäftigt wie uns heute, nur mit dem Unterschied, dass wir auf teilweise Jahrhunderte alte Denkmodelle zurückgreifen können. Eines davon wird hier, in diesem Text, erkennbar:
Jesus ist ganz Mensch, obwohl er Gottes Sohn ist. Er muss ganz Mensch sein, damit er das Opfer vollenden kann, das ihm zu vollbringen aufgetragen ist.
In diesem Menschsein und im Bewusstsein der Aufgabe, die vor ihm lag, nämlich, dass er den Menschen ausgeliefert und von ihnen getötet werden würde, hat er natürlich auch tiefe Angst und sogar Zweifel erfahren, die ihn in das Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen hinein führten.
Als Mensch war in ihm immer auch Zweifel, ob das, was er tat, tatsächlich das Richtige sein würde. Den direkten Draht zu Gott, der diesen Zweifel vielleicht hätte ausräumen können, gab es für ihn genauso wenig wie für uns. In diesem Zweifel hat er sich aber nie von Gott abgewandt, sondern immer zu ihm hin. Von ihm erwartete er Führung, Halt, ja sogar Rettung.
Er flehte darum, weil er als Mensch im Tod gefangen war und die Grenze des Todes für sich selbst als unüberwindbar wahrnahm. Dennoch wusste er, oder besser: dennoch glaubte er, dass Gott diese Grenze überwinden kann, und wandte sich darum in seiner Todesnot ihm zu.
Im Hintergrund hören wir dabei die Worte des 22. Psalms, die uns alle von der Kreuzigungsgeschichte her vertraut sind:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Aber bei dieser Bitte bleibt es nicht. Der Psalm lobt in seinem zweiten Teil Gott für seine Treue: "Gott hat nicht verachtet noch verschmäht das Flehen des Flehenden, und da ich zu ihm schrie, erhörte er mich." (nach der LXX)
Der Gottessohn muss die Gottesferne selbst durchleiden, um sie zu überwinden. Dies kann nur gelingen, wenn er ganz Mensch ist, so wie es der Christushymnus im Philipperbrief beschreibt:
"Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." (Phil 2, 12)
Jesus taucht also hinab in die Tiefen des Menschseins, gibt seine Gottessohnschaft auf, erfährt an sich selbst die Gottverlassenheit, obwohl er Gottes Sohn ist, durchmacht die Versuchungen, die auch wir immer wieder erleben, und bringt auf diese Weise Gott den Menschen nahe, nachdem er den Tod durchlitt und von den Toten auferweckt wurde.
Das "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", das Jesus am Kreuz spricht, ist keine Feststellung der Gottverlassenheit, sondern die Hinwendung zu Gott, Ausdruck der Sehnsucht nach ihm.
In dieser Sehnsucht offenbart sich Jesu Gehorsam, der bereit ist, all das zu erleiden, was ihm von Gott auferlegt wurde.
Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:
welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.
Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken. (EG 91, 2-4)

Indem Christus im Gehorsam gegen Gott den Tod am Kreuz durchlitt, so wie wir es auch im Christus-Hymnus des Philipperbriefes gehört haben, ist er der Urheber unseres Heils geworden. Er hat seine Funktion als Hohepriester, von der der Hebräerbrief immer wieder redet, dadurch wahrgenommen, dass er sein Leben für uns hingab.
Sein Tod aber konnte erst dadurch das Heil erwirken, dass Jesus auch von den Toten auferweckt wurde und als Sohn Gottes seinen Platz zur Rechten des Allmächtigen Vaters einnahm. Nun kann sein Blut uns vor Gott gerecht machen in Ewigkeit.
Der Verfasser des Hebräerbriefes knüpft unsere Teilhabe am Heil allerdings an eine Bedingung. Ganz so, wie Christus selbst Gehorsam erlernte in der tiefsten Gottverlassenheit, so sollen auch wir gehorsam sein ihm gegenüber.
Dieser Gehorsam aber erweist sich nicht darin, dass wir eine Liste von Aufgaben erledigen, die uns ausgehändigt wurde, wiewohl natürlich das Doppelgebot der Liebe: "du sollst Gott, deinen Herrn, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst", unsere verbindliche Lebensgrundlage ist.
Es geht vielmehr um den Gehorsam im Blick auf das, was Christus für uns getan hat. So wie Jesus auf die Kraft Gottes vertraute, so sollen auch wir im Glauben dieses Werk annehmen, das Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat.
Das ist Gehorsam, so wie der Verfasser des Hebräerbriefes es meint: In der Gottesferne, in der Gottverlassenheit sich nicht von Gott abwenden, sondern auf das Kreuz blicken und im Vertrauen auf die dort offenbarte Liebe durch das finstere Tal hindurch gehen.
Dieser Gehorsam, dieser Glaube, dieses Vertrauen in die Liebe Gottes führt uns zur Vollendung, so wie Christus selbst vollendet wurde. Denn unsere Bestimmung ist es nicht, zu sterben und begraben zu werden, sondern mit ihm aufzuerstehen und an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben.
Wenn wir das Abendmahl feiern, dann werden wir an all das erinnert, ja, mehr noch: wir erleben es. Wir haben Teil an der Herrlichkeit Gottes, indem wir teilhaben am Leib und Blut Christi, indem wir die Barmherzigkeit und Liebe Gottes durch Jesus Christus leibhaftig erfahren, schmecken und sehen.
Wir stimmen mit unserem "Heilig, heilig, heilig" ein in den Lobgesang der Engel und aller Heiligen, die sich um Gottes Thron scharen, auch wenn sie vermutlich nicht die gleiche Melodie singen.
Und wir erhalten Wegzehrung, die uns Kraft gibt, auch die dunklen Täler zu durchschreiten, die sich auf unserem Weg befinden.

Amen


Liedvorschläge:

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Dein Kampf ist unser Sieg (EG 87, 3.5-6)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92)
*In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-EG 586)
*Vertrauen wagen dürfen wir getrost (NB-EG 607)

Predigtvorschläge zu 4. Mose 21, 4-9
Rev. 2014: Mk 10, 35-45 (s. Reihe I - Evangeliumslesung) (IV)

Liebe Gemeinde!
Ein Volk auf der Wanderung durch die Wüste - ein kaum vorstellbares Ereignis. Und es war ja auch kein kleines Volk: in dem gleichen Buch, das auch Numeri, also "Zahlen", genannt wird, weil darin so viel gezählt wird, ist die Zahl der wehrfähigen Männer über zwanzig Jahre mit mehr als 600.000 angegeben. Etwa das Dreifache, mit den Frauen, Kindern und Alten, dürfte also die Zahl derer gewesen sein, die da durch die Wüste zog. Fast zwei Millionen Menschen. Das können wir uns nicht vorstellen.
Doch nun wandert dieses Volk durch die Wüste, trockenes, dürres Land, wo keine Milch und kein Honig fließen, wo selbst Wasser rar ist. Jeden Tag gibt es das gleiche Essen - Manna, einmal nur unterbrochen durch eine Wachtelschwemme, wenn man so sagen soll.
Dass einseitige Ernährung nicht gerade gesund ist, weiß man noch nicht so lange, und dass die Speise langweilig wurde, kann ich mir kaum vorstellen. In Indien und in vielen anderen Ländern gibt es Millionen von Menschen, die ihr Leben lang Tag für Tag das Gleiche essen und sich darüber nicht beklagen.
Nein, hier steht etwas anderes auf dem Spiel. Hier geht es nicht darum, dass Essen, das anfangs nahr- und schmackhaft erschien, plötzlich ekelhaft wird. Hier geht es um den, der für dieses Essen sorgt, um den, der verantwortlich ist für das, was ihnen da widerfährt.
Wie die kleinen Kinder beschwert sich das Volk wieder und wieder; es ist nicht zufrieden, sehnt sich zurück in das Land, wo es ihnen viel besser zu gehen schien - zurück in die Sklaverei nach Ägypten. Immerhin hatte es dort auch hin und wieder Fleisch gegeben.
Es missfällt ihnen offensichtlich, dass sie so abhängig sind von dem, der sie da aus Ägypten heraus geholt hat, eigentlich ja sogar gegen ihren Willen. Wohin sollte dieser Weg führen? In das Land, in dem Milch und Honig fließen? Danach sah es nun gar nicht aus. Gerade hatten sie Edom erreicht und sollten nun das große Gebiet der Edomiter umgehen. Und die Richtung deutete ja auch schon wieder zurück zum Schilfmeer!
Freiheit - nein, Freiheit ist nun wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Wer frei ist, muss viel zu viele eigene Entscheidungen treffen, muss Verantwortung übernehmen für das, was er tut und was er sich zu eigen gemacht hat.
Das wird einem erst dann bewusst, wenn man tatsächlich frei ist. Und das ist viel zu unangenehm. Wenn einem die Freiheit genommen wird, bitte schön - wenn man nur nicht mehr verantwortlich sein muss für sein eigenes Denken und Tun.
Gott schenkt Freiheit. Und er tut es konsequent. Der Preis der Freiheit ist hoch, Freiheit fordert Opfer, aber sie ist das Ziel unserer Existenz. Das wird im Gottesvolk sichtbar, genauso wie unser Wunsch, eben diese Freiheit nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Und so ist es: das Volk will die Freiheit gar nicht, als es merkt, wie anstrengend sie ist.
Der ganze Weg, wie er im Buch Numeri bis hierher beschrieben wird, scheint ein einziger Weg des Widerstandes gegen die Freiheit zu sein.
Nun gilt es, diese Freiheit zu erhalten. Indem er sie ihnen nimmt, macht Gott deutlich, wie wertvoll sie ist.
Die Schlangen greifen wahllos an, sie töten Männer, Frauen und Kinder. Ihr Gift breitet sich aus, fesselt sie auf's Neue. Und es wird ihnen wieder einmal klar: wir haben gesündigt, indem wir das großartige Geschenk der Freiheit abgelehnt haben. Wir waren nicht bereit, den Preis für die Freiheit zu zahlen. Und so wurden wir wieder Gefangene unseres Kleinmuts.
ist es überhaupt möglich: frei zu sein? Unsere Regierungsform, die Demokratie, wird zwar oft als Ausdruck der Freiheit deklariert, aber auch hier geben wir Verantwortung ab, sind nur froh, wenn wir eben nicht die Entscheidungen fällen müssen, und hoffen, dass es uns nicht allzu schlimm treffen wird. Lieber lassen wir es zu, dass es noch ein paar Gesetze gibt, die unsere Freiheit weiter einschränken, als dass wir selbst in Freiheit die Verantwortung füreinander übernehmen. Ausdruck von Freiheit in einer Demokratie ist das Wahlrecht. Wer dieses Recht nicht wahrnimmt, hat sich selbst seine Freiheit genommen.
Das Volk bittet um Vergebung. Was sich dann ereignet, ist eigentlich merkwürdig: Gott vergibt nicht, ohne eine Bedingung damit zu verknüpfen, sondern er fordert Mose auf, eine Schlange zu machen und diese auf einem langen Stab in die Höhe zu halten, so dass alle sie sehen können: wer die eherne Schlange ansieht, der wird gerettet werden.
Es muss also ein sichtbares Zeichen errichtet werden. Wie schnell könnten die Israeliten nun dahin kommen und sagen: die Schlange ist unser Gott? Sie sehen das Bild an und werden heil. Muss man da nicht einen solchen Schluss ziehen? Daneben tritt das Verbot, ein Bild von Gott zu machen, und man mag sich nun fragen, warum Gott dazu auffordert, ein solches Bild zu machen.
Aber es ist das Unheil, das sie ansehen, das Bild des Todes, das Bild der Gefangenschaft durch den Tod. Das ist nicht ihr Gott. Der Anblick des Todes erinnert sie jedoch an den, der ihnen Leben und Freiheit zu geben bereit ist - und so heilt er sie.
Es ist nicht die eherne Schlange - kein magisches Verständnis, kein Aberglaube, der die Menschen heilt. Dieses Bild erinnert sie nur an den, der sie erschaffen hatte, und der ihnen schon damals die Freiheit zusprach, für sich und für das Leben zu entscheiden.
Warum nimmt Gott dieses Hin und Her auf sich? Wenig vorher noch hatte er zu Mose und Aaron gesagt, sie sollten sich von der Gemeinde entfernen, damit er sie ein für alle mal vernichten könne. (Num 17, 9f)
Eigentlich ist es längst genug. Aber da ist immer wieder Mose, der Fürsprache hält, der für das Volk bittet und mit Aaron alles daran setzt, dass Gott nicht zum vernichtenden Schlag ausholt.
Doch das ist nicht alles. Das Verhältnis zwischen den Israeliten und Gott war gerade in dieser Zeit so wie das eines pubertierenden Jugendlichen zu seinen Eltern. In dem manchmal schon verzweifelten Versuch, von der liebenden Fürsorge der Eltern loszukommen, ist das Kind bereit, sich in viel größere, ja, lebensbedrohliche Abhängigkeiten zu begeben in dem Glauben, erst dann frei zu sein, wenn diese Bande der Liebe, die zwischen Eltern und ihren Kindern bestehen und die niemals durchtrennt werden können, durchschnitten sind. Gott liebt seine Kinder, sein Volk, das er herausrief aus der Menge der Völker, und darum ist er bereit, zu leiden. Aber um sie auf den rechten Weg zu führen, auf den Weg der Freiheit, muss er sie manches Mal zwingen, muss er sie bedrohen und zuweilen auch ihre Freiheit einschränken.
Es brauchte seine Zeit, bis sie erkannten, dass es Liebe ist, die sie dies alles erleiden ließ. Die eherne Schlange: sie ist das Symbol des ewigen Kampfes zwischen Mensch und Gott, das Symbol des Versuchs, sich los zu lösen vom Schöpfer, vom Vater. Wer das erkennt, dem wird das Symbol des Todes zum Zeichen der Hoffnung.
Aber das Symbol ist nicht immer vor Augen. Man muss nach oben schauen, seine Augen aufheben, um es an zu sehen. Und das hat durchaus eine Bedeutung. Denn als sie dort durch die Wüste wanderten, lag ihr Blick auf dem Boden. Die Angst, dass eine Schlange ihren Weg kreuzen könnte, zwang sie dazu, den Blick zu senken. Nun werden sie gezwungen, auf zu sehen, damit sie leben können. Erhobenen Hauptes überleben sie. Allerdings ist ihr Blick nicht in Stolz erhoben, sondern im Aufblicken zu Gott hin.
Denn zwar ist das eherne Bild der Schlange das Ziel ihrer Augen, aber in Wahrheit ist es ja Gott selbst, zu dem sie ihren Blick richten: Gott, von dem sie sich schon hatten lossagen wollen, der sie aber nicht aufgeben wollte.
Es verwundert nicht, dass das Bild später dann doch zum Götzenbild wurde. So sind wir Menschen nun mal. Das, was greifbar ist, lässt sich viel leichter glauben als das, was unsichtbar wirkt. Und immerhin wurde die Geschichte von dieser Schlange, die die Menschen wieder heilte, immer und immer wieder erzählt.
Aber weil sie zum Götzen geworden war, darum ließ sie der König Hiskia rd. 500 Jahre später, im Jahre 719 vor Christus, zerschlagen (2. Kön 19, 5).
Ihre Geschichte blieb lebendig, und im Johannes-Evangelium hören wir dann von ihr durch die Worte Jesu, als er mit Nikodemus spricht: "So wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." (Joh 3, 14f) Eine gefährliche Allegorie, denn man könnte daraus ableiten, dass es eben doch nötig gewesen war, an die Schlange zu glauben, um geheilt zu werden. Aber dieser Satz bezieht sich einzig und allein auf den Vorgang der Erhöhung, der hier in den Mittelpunkt gestellt wird.
So wie die Schlange die Liebe des Vaters offenbarte, so offenbart ja auch Christus diese Liebe, allerdings in noch viel stärkerem Maß, als es die Schlange jemals könnte.
Wieder wird das Symbol des Todes zum Zeichen der Hoffnung. Unzählige Gräber werden durch ein Kreuz markiert - nicht als Zeichen des Todes, sondern als Zeichen der Hoffnung auf die Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes und als Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung. "Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht."
Das gilt uns, die wir auf dem Weg sind. Denn auch wir neigen dazu, so wie damals die Israeliten bei ihrer Wanderung durch die Wüste, unseren Kopf zu senken, nur die unendliche, leidvolle Wanderung mit all ihren Gefahren zu sehen, und nicht das erlösende, heil machende, rettende und bewahrende Kreuz, das für uns errichtet ist, um uns zu erlösen von all dem, was uns bindet.
Dass wir dieses Kreuz immer vor Augen haben, dazu helfe uns Gott.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


Ehre sei dir, Christe (EG 75)
*O Welt, sieh hier dein Leben (EG 84)
*Ich grüße Dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)

Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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