das Kirchenjahr

Pfingstsonntag

Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes

Ausgießung des Heiligen Geistes

Predigtanregung

s. die Erklärungen zu "Pfingsten"

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

IV - Röm 8, 1-2(3-9)10-11

So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, 4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. 5 Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. 6 Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. 7 Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. 8 Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. 9 Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. 10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. 11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Dieser Abschnitt kann nicht ohne den größeren Zusammenhang richtig verstanden werden. Im Vorfeld (Kapitel 7) führt Paulus aus, das der Mensch unter dem Gesetz verloren ist, denn es ist ihm nicht möglich, das Gesetz einzuhalten. In diese Erkenntnis klingt der Ruf: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! (7,25) Denn dem Gesetz der Sünde, das einzuhalten unmöglich ist, steht das Gesetz Gottes gegenüber, das auf der liebenden Vergebung beruht, die uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus anbietet.
Nun setzt unser Predigttext ein: Darum gibt es keine Verdammnis für uns, die wir in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz Gottes endet nicht mit dem Urteil der Verdammnis, sondern es endet mit dem Urteil der Vergebung - wenn man so noch von Urteil sprechen kann.
Problematisch ist wohl die Dialektik von Fleisch und Geist, die hier als sich abstoßende Größen dargestellt werden. Deswegen hat man wohl diesen Abschnitt in Klammern gesetzt. Unter dieser Dialektik ist die Leibfeindlichkeit entstanden, die zeitweise soweit ging, dass gesunde Sexualität verteufelt wurde. Auf der anderen Seite hilft diese Dialektik, die Bedeutung der geistlichen Wahrnehmung gegenüber der sinnlichen, körperlichen oder auch "fleischlichen" Wahrnehmung hervorzuheben. Denn es gibt einen Erfahrungsbereich in unserer Existenz, der nicht von unseren körperlichen Sinnen erfasst werden kann. Paulus geht aber weiter: wer zu Gott gehört, ist geistlich und nicht fleischlich. Dies kann nur so verstanden werden, dass, wer zu Gott gehört, sich nicht von seinem Körper - wie ein Tier - bestimmen lässt, sondern vom Geist Gottes, und dabei dann selbstverständlich die Bedürfnisse des anderen erkennt und darauf eingeht. Es wäre sicher falsch interpretiert, wenn man meinen wollte, dass körperliches Wohlbefinden der Verbindung zu Gott im Wege steht. Wohl ist etwas dran an dieser Feststellung, denn in unserer Gesellschaft ist das Bedürfnis, Gott zu erkennen, viel geringer als in einer Gesellschaft, in der die Menschen nur das nötigste zum Leben haben.
Vers 10 nimmt den Gedankengang noch einmal auf: der tote Leib, das könnte das Gericht meinen, das den Leib verurteilt nach dem Gesetz des Fleisches. Das Leben, wahres Leben, bringt der Geist Gottes. Und genau darauf will Paulus hinaus: Unsere Erfahrung ist, dass der Körper stirbt. Damit scheint unsere Existenz zu erlöschen. Der Geist aber, so sagt Paulus, bleibt, und der wird letztlich sogar unsere sterblichen Leiber, die sterben müssen, wieder auferwecken.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist klar: der lebendig machende Geist steht im Mittelpunkt. Dabei haben wir diesen Geist, weil er uns nach Gottes Gerechtigkeit geschenkt wird, nicht, weil wir es verdient hätten. Um seines Sohnes Jesu Christi willen sind wir Kinder des Geistes!
Die Predigt sollte das Leben verkündigen, fast so, wie es die Osterpredigt tut. Der Geist Gottes, das, was uns lebendig, zu besonderen Geschöpfen macht, gehört zu uns allein darum, weil Gott es so will. Und weil der Geist Gottes das Leben bejaht, darum dürfen wir auch unseren Leib bejahen und müssen nicht so tun, als sei alles "fleischliche" verwerflich. Dass es Grenzen gibt, ist klar - die bedeutendste ist sicher das Wohl des anderen, das man dabei nie aus den Augen verlieren darf.

Liedvorschläge zur Predigt:


Jesus ist kommen (EG 66)
Nun bitten wir den heiligen Geist (EG 124)
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (EG 125)
Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)
O gläubig Herz, gebenedei (EG 318)
Ist Gott für mich, so trete (EG 351)
Jesu meine Freude (EG 396)
Unser Leben sei ein Fest (EG 555)



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