das Kirchenjahr

Pfingstsonntag

Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes

Ausgießung des Heiligen Geistes

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe II - Apg 2, 1-21

Die Jünger saßen alle stumm
in ihrem Kämmerleinchen rum.
Sie wagten kaum sich mal zu rühr'n,
es waren zu auch alle Tür'n,
sie fühlten sich so richtig schwach,
und blieben darum unterm Dach,
denn Jesus war, das wissen wir,
nicht da, ja, er war nicht mehr hier.

Er war auch nicht mal anderswo,
bei Nachbarn, Freunden oder so,
nein, er war gänzlich aus der Welt,
war nicht mehr unterm Himmelszelt.
So saßen sie nur wartend da,
denn Jesus sei ihnen ganz nah,
so hatte er es mal gesagt.
Doch da hat niemand nachgefragt,
denn gar zu heilig war die Stund
in der er da war in der Rund.
Jetzt wusste wirklich keiner mehr,
wo er wohl würde kommen her,
wenn er erneut bei ihnen sei;
sie sehnten ihn wohl sehr herbei.

Doch nun, sie spürten, er war fort,
war eben nicht am gleichen Ort,
und hofften lang und hofften sehr,
dass er den Geist bald schickte her.
Denn so versprach er ihnen mal,
als er sie Gott ganz anbefahl,
den Tröster werde senden er,
von wo nur? Ja, vom Vater her!
Sie warteten, sie saßen dort
und hofften nur in einem fort,
dass es nicht lange würde sein
bis dieser Geist nun kehrte ein.

Und dann, an einem hellen Tag,
so hell, dass man sich freuen mag,
da gab's ein Brausen, wild und laut,
die Jünger es vom Hocker haut!
Durch's Dach hindurch, von oben her,
der Geist erfreut sie alle sehr,
er kommt mit ziemlich lautem Krach,
jetzt sind sie sicher alle wach!

Er ist wie Feuer, doch ihr seht
geteilt er über ihnen steht,
dann rührt er sie von innen an,
nichts hält sie mehr. Es geht voran
der Petrus, den der Herr erwählt
zum Fels, auf den die Kirch' gestellt.
So gingen sie ins Freie raus,
sie gingen alle aus dem Haus,
sie riefen zu den Leuten dort,
die blieben stehen an dem Ort,
und hörten, ja, was hörten sie?
Ob das uns jemand glaubt? Wohl nie!
Denn jeder hörte, mit Gemach,
die Worte in der eig'nen Sprach.
Das galt für Meder, Libyer,
Elamiter und Phrygier,
Auch die aus Kappadozien
verstanden jedes Sätzelchen.
Die Kreter und die Araber,
Die Parter auch vom Osten her,
Von noch ein bisschen weiter denn
dem Land Mesopotamien,
sie alle standen still und leis
und hörten es auf ihre Weis.

Doch hörten sie wohl gar nicht hin,
Die Worte machten keinen Sinn.
Es war schon ziemlich laut und wirr,
ein jeder sprach, solch ein Gewirr
lässt sich gewiss nicht leicht verstehn,
wenn überhaupt! Man sollte gehen.

So manche fanden's nicht so toll:
"Die sind doch wohl des Weines voll!
So früh am Tag! Schon unerhört!"
Gar viele fühlten sich gestört.
Doch Petrus hob die Arme dann
und fing alsbald zu reden an.

"Was ihr hier seht, versteht es wohl,
das ist der Geist, das ist nicht hohl,
es ist der Geist, von Gott gesandt,
er kommt direkt aus Gottes Hand!
Er lässt uns reden frisch und frei,
hört nur gut zu! Lauft nicht vorbei!
Es sind die letzten Tage nun,
da gibt es sicher kein Vertun,
Doch Gott lässt uns jetzt nicht allein,
er lässt den Geist ja bei uns sein,
der gibt uns Kraft, der gibt uns Mut,
der Geist lässt alles werden gut!
Er will nicht nur bei uns allein,
er will bei allen Menschen sein.
Seid ihr bereit? So fragt den Herrn,
er wird ihn zu euch senden gern!"

Die Menschen hörten staunend zu,
so manchem ließ es keine Ruh.
Als Paulus dann von Jesus sprach,
da ging es vielen Menschen nach,
sie fragten ihn, sie baten drum,
sie blieben nun nicht länger stumm,
sie wollten Kinder Gottes sein -
sie baten nicht nur so zum Schein -
so gab es eine Taufe dann,
sie tauften Frauen, Kind und Mann.

Es war zwar alles neu für sie,
doch richtig neu war es wohl nie,
der Geist, der lehrte sie alsbald,
er gab die Kraft, gab ihnen Halt.
Der Geist, den Gott herabgesandt,
so dass ein jeder es verstand,
er machte sie zu Freunden gleich,
zu Kindern für das Himmelreich.
Sie teilten das, was ihres war,
sie teilten mit der ganzen Schar,
sie hörten oft auch auf das Wort,
sie hörten es in einem fort.
Ein jeder sah die immer gern,
die folgten nun dem einen Herrn,
denn freundlich waren sie und nett
und dazu immer auch adrett.

So soll'n die Kinder Gottes sein,
dann bleiben sie auch nicht allein!
Der Geist, er weht zwar, wo er will,
und hält auch sicher keinmal still,
doch ist er sicher denen nah,
die an ihn glauben, das ist wahr.
So ist er jetzt auch mit dabei,
und macht uns alle froh und frei
von jeder Last, von allem Leid
das uns das Leben hält bereit.
So lasst uns alle dankbar sein
und voller Jubel stimmen ein!

Gott ist bei uns, das feiern wir,
drum sind wir alle heute hier,
wir feiern es auch anderswo,
und sagen es jetzt nicht nur so,
Denn heute ist ein großer Tag,
Ein Tag der Freude, ohne Frag,
Die Kirche heut' geboren ist,
Die Kirche unsres Herren Christ!
Drum feiern wir in seinem Namen
und sprechen dankbar unser "Amen!".

oder

Liebe Gemeinde!
Wenn ich die Pfingstgeschichte höre, wie sie uns Lukas erzählt, dann erinnere ich mich an die Bildchen, die immer im Kindergottesdienst ausgeteilt wurden und auf denen die Jünger mit kleinen Feuerflammen über ihren Häuptern zu sehen waren. Anfangs konnte ich damit nicht viel anfangen – wieso brennen die Köpfe der Menschen? Sie sahen für mich aus wie menschliche Kerzen – etwas bedrohlich schien es mir.
Erst viel später wusste ich, dass diese Feuerzungen Symbole sind für den Heiligen Geist. Es ist ja auch so: das Bild selbst kann gar nicht wirklich wiedergeben, was sich da damals in Wahrheit zugetragen hat. Denn in der Geschichte wird ja nur von einer Erscheinung geredet, die wie Feuerzungen aussah.
Ob das wirklich sichtbar gewesen ist, steht gar nicht zur Debatte. Vielmehr werden diese „Feuerzungen“ gleich interpretiert als Erscheinungsform des Heiligen Geistes, der sich dann auf sie setzte und sie erfüllte.
Also war das mit den Feuerzungen wohl nur ein kurzer Moment, wenn es überhaupt sichtbar war. In der nachfolgenden Erzählung, als sie sich dann hinaus begeben, verwundern sich die Menschen ja auch nicht über die Feuerzungen auf ihren Häuptern, sondern über das, was der Heilige Geist in ihnen bewirkt hatte.
Und das ist nun wirklich außergewöhnlich: Menschen aus Galiläa, nicht gerade hoch gebildet, aber natürlich auch nicht völlig dumm, reden so, dass Menschen aus der ganzen damals bekannten Welt sie verstehen können.
Das ist das eigentliche Wunder, das man allerdings auf Bildern nicht darstellen kann, weswegen man sich wohl lieber mit den Feuerzungen begnügt.
Das Pfingstfest, dieses erste Pfingstfest der Christenheit, brachte Einheit, wo sie seit Anbeginn der Menschheit nicht mehr möglich war. Seit dem Turmbau zu Babel gibt es verschiedene Völker und Sprachen.
Die Verständigung untereinander konnte nur dann geschehen, wenn man sich die Mühe machte, die Sprache der anderen auch zu erlernen. Das wird heutzutage bei dem Versuch, Flüchtlinge zu integrieren, in besonderer Weise wieder deutlich.
Sprache grenzt ab. In den letzten Jahrzehnten kam es zu mehreren Staatengründungen, weil sich Bevölkerungsgruppen, die eine eigene Sprache pflegten, von der Regierung nicht ausreichend repräsentiert sahen. Neue Grenzen wurden gezogen.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel, in der davon die Rede ist, wie es zu der Vielfalt der Sprachen kam, musste übrigens auch herhalten für eine theologische Begründung der Apartheid, die bis vor fast 25 Jahren in Südafrika herrschte. Die Trennung der Völker sei gottgewollt, so hieß es – wie könnten wir uns dagegen stellen?
Doch wer so denkt und redet, übersieht völlig das, was sich zu Pfingsten ereignete, wo Gott selbst durch seinen Geist die Verbindung zwischen den Völkern wieder herstellte.
Bemerkenswert ist dabei wohl, dass nicht davon die Rede ist, dass sich die Menschen jetzt plötzlich untereinander verständigen können, sondern nur davon, dass sie die Rede von den großen Taten Gottes verstehen können.
Einigkeit, die kannte die christliche Gemeinde allerdings schon vorher. Christus war in den Himmel aufgefahren – danach zerstreuten sich seine Jüngerinnen und Jünger nicht etwa, sondern sie versammelten sich regelmäßig zum Gebet und zum gemeinschaftlichen Mahl.
Nun war es für sie nicht weiter kompliziert, diese Einheit darzustellen. Sie hatten alle den gleichen Hintergrund, waren etwa drei Jahre lang mit Jesus unterwegs gewesen und hatten sich in dieser Zeit sehr gut kennengelernt. Sie waren gute Freunde, und Freundschaften halten mitunter ein Leben lang, das wissen wir aus eigener Erfahrung.
Aber es hätte auch anders sein können. Denn was für einen Grund gab es nun noch, sich zu versammeln, beieinander zu bleiben? Jesus war fort, und mit ihm das Besondere, die Kraft, die böse Geister auszutreiben und Kranke zu heilen vermochte. Mit ihm war auch die Kraft des Wortes geschwunden, die Vollmacht, mit der er religiöse Oberhäupter provoziert und politische Herrscher ins Grübeln gebracht hatte.
Noch viel wichtiger aber: jetzt fehlte die Ermutigung, der Zuspruch, die Gewissheit, dass es sich lohne, diesen Weg, seinen Weg, mit zu gehen.
Aber dieser ganze Mangel führte nicht etwa dazu, dass sie sich trennten und jeder wieder seine eigenen Wege ging. Im Gegenteil: sie spürten diesen Mangel sehr deutlich, denn sie wussten ja, dass das alles möglich war. So war ein Funke, eine Hoffnung in ihnen geblieben, dass es wieder so werden könnte. Dazu trat, dass Jesus ihnen ja auch den Tröster verheißen hatte, wie wir im Johannes-Evangelium lesen können:
Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.
(Joh 14, 15-20)
Dieser Verheißung – und ihrer eigenen Erfahrung – vertrauten sie. Darum blieben sie beieinander, darum blieben sie eine Gemeinde, kraftlos zwar, aber nicht ohne Hoffnung.
Dass sie damit zugleich eine Bedingung für das Wirken des Heiligen Geistes erfüllten, ist ihnen vermutlich nicht einmal bewusst gewesen. Aber es ist so: der Geist weht zwar, wo er will, aber er wirkt besonders da, wo Menschen sich im Gebet und im Vertrauen auf die Liebe Gottes versammeln.
Denn der Geist Gottes bildet Gemeinschaft, und er sucht Gemeinschaft: wir finden diesen Gedanken auch im Glaubensbekenntnis wieder, wenn im dritten Artikel, in dem es ja um den Heiligen Geist geht, auch von der Gemeinschaft der Heiligen und der einen christlichen Kirche geredet wird. Dies wird durch den Heiligen Geist gewirkt.
Und plötzlich ist das, was für sie schon selbstverständlich gewesen war: das Füreinander-Da-Sein, das Zueinander-Gehören, das Sich- Unter-Dem-Evangelium-Versammeln, nicht mehr nur für sie von Bedeutung: es wirkt sofort hinaus in die Welt. Die Einigkeit, in der sich die ersten Christen durch den Heiligen Geist offenbaren, vereint sogleich auch all die Menschen, die eigentlich gar nicht zusammen gehören können, weil sie sich untereinander nicht verstehen.
Die christliche Gemeinde, die Einheit der christlichen Gemeinde ist es, die nun die Brücke schlägt. Durch das Evangelium – es sind die „großen Taten Gottes“ (Apg 2, 11), von denen sie reden – werden Parther, Meder, Elamiter, Ägypter, Römer, Kreter, Araber und all die anderen plötzlich eins.
Der Geist verbindet, er führt zusammen.
Verwundert es, dass die Welt draußen das nicht versteht? Ist es wirklich verwunderlich, dass die, die immer ihre Grenzen gezogen haben und lieber für sich allein leben als in der Gemeinschaft mit anderen, da, als sie bemerken, dass es auch anders geht, dass Gemeinschaft möglich ist, einen Rückzieher machen und behaupten: sie sind voll von süßem Wein?
Denn das, was hier durch den Heiligen Geist in Gang gesetzt wird, gefährdet etwas, was in unserer Gesellschaft längst zum Gott erhoben wurde: den wirtschaftlichen Erfolg, der im Kleinen wie im Großen das Leben aller Menschen zu bestimmen scheint.
Der Heilige Geist schafft dagegen Gemeinschaft, die füreinander da ist. Wenig später schon, noch im gleichen Kapitel, ist in der Apostelgeschichte davon die Rede, wie diese Gemeinschaft aussieht:
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. (Apg 2, 42-45)
Wenn man genau hinsieht, dann wird einem klar: das ist Kommunismus in seiner reinsten Form. Nur dass wir dieses Wort nicht so gerne hören, denn uns sind die Auswirkungen des politischen Kommunismus nur allzu deutlich vor Augen – wir wissen, dass das nicht funktioniert hat.
Aber wie sollen wir es nennen? Christliche Kirche? Christliche Gemeinde? Christliche Gemeinschaft? Kommunität?
Oder tun wir das Ganze ab und sagen, es sei doch alles nur ein Traum? In Wahrheit habe das doch nie funktioniert, es könne gar nicht funktionieren, genauso wenig wie der politische Kommunismus? Oder ist dieser Bericht tatsächlich Zeugnis der Entstehung einer Gesellschaftsform, die sich abhebt von dem Rest dieser Welt und diese Welt verändern könnte, wenn sie nur Bestand gehabt hätte? Fest steht, dass die etablierte, institutionalisierte Kirche nur wenig davon widerspiegelt. Spätestens seit der christliche Glaube zur Staatsreligion erhoben wurde, dürfte diese Gesellschaftsform, die hier Ausdruck fand, in den Hintergrund getreten und vergessen worden sein.
Aber doch hat es immer Gemeinschaften gegeben, die genau das leben: klösterliche Gemeinschaften, im protestantischen Bereich oft Bruderschaften oder Kommunitäten genannt, versuchen, diese Gesellschaftsform wirklich werden zu lassen.
In unserem Predigttext wird der Geburtstag der Kirche geschildert, wie sie gemeint ist: eine Gemeinschaft der Heiligen, die aus der Vergebung der Sünden heraus lebt und wirkt in einer Welt, die Macht und Geld als die wichtigsten Güter menschlicher Existenz ansieht.
Dagegen setzt die christliche Gemeinde ihr Wissen von der Allmacht Gottes, der letztlich alle Dinge in der Hand hat und vor dem es egal ist, ob man reich ist oder nicht.
Aber dieses Wissen glaubhaft zu machen, fällt uns heute schwer. Das liegt schon daran, dass die Kirche in viele Kirchen zersplittert ist, und geht weiter bis dahin, dass Menschen, ja, sogar Kinder, in ihr missbraucht wurden.
Es geht manchmal, so kann man wohl sagen, allzu menschlich zu in der christlichen Kirche. Und darum stellt sich die Frage: Wer will einer solchen Kirche noch glauben? Wer kann ihr Zeugnis von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes noch ernst nehmen?
Nun, der Heilige Geist macht es möglich. So wie damals Hunderte sich sogleich taufen ließen, obwohl der Zweifel noch viel mehr Menschen davon abhielt, so kann es auch heute sein. Der Geist wirkt auf eine Weise, die sich uns nicht ohne Weiteres erschließt. Aber seine Kraft sollten wir niemals unterschätzen; wir dürfen nie aufhören, mit ihm zu rechnen.
Beten wir also darum, dass Gott, der Vater, sich in seiner Kirche als der Allmächtige und der Barmherzige offenbart;
Beten wir darum, dass Gott durch seinen Geist die Einheit schafft, die wir Menschen nicht herstellen können;
Beten wir darum, dass Gott durch seinen Sohn die Schuld vergibt, die uns belastet und unglaubwürdig macht.
Damit die Kirche sei, wie sie von Anfang an gemeint ist: eine Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinde der Auserwählten Gottes, die Versammlung derer, die sich Kinder Gottes nennen dürfen.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (EG 125)
Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell (EG 127)
O Heilger Geist, kehr bei uns ein (EG 130)
Zieh ein zu deinen Toren (EG 133)
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
O dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Sonne der Gerechtigkeit (EG 263)
Zu Ostern in Jerusalem (KHW-EG 556)

Predigtvorschläge zu Reihe V - 1. Kor 2, 12-16

Liebe Gemeinde!
Wenn ich diese Worte des Apostels Paulus höre, dann gehen mir viele Dinge durch den Kopf.
Ich denke z.B. an manche Konfirmanden, denen man ansehen kann, dass sie eigentlich überhaupt keine Lust haben, etwas über den christlichen Glauben zu erfahren.
Ich erinnere mich an die vielen Male, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Botschaft von der Auferstehung und vom ewigen Leben bei den Gästen ener einer Beerdigung ungehört verhallte.
Ich denke an die Gespräche, in denen ich mich immer wieder bemühe, das Wesentliche der Taufe zu erklären, und am Ende doch nicht sicher sein kann, dass es verstanden wurde.
Ich denke auch daran, dass für manche Brautpaare bei der Trauung die Äußerlichkeiten das Wichtigste sind – alles muss perfekt sein, aber dieser Anspruch bezieht sich eben nur auf das Äußere: das Hochzeitskleid, die Musik, der Ort.
Mir wird bewusst, wie wenig wir von dem reden, was uns eigentlich selbstverständlich sein sollte, und wie viel wir von dem reden, was uns nichts oder wenigstens nicht so viel bedeuten dürfte.

Aber es kommen mir auch die anderen Dinge in den Sinn.
Die Konfirmanden, denen plötzlich klar wird, dass es im Unterricht um mehr geht als nur darum, die Zeit abzusitzen, und die darum engagiert und gerne mitmachen.
Die Trauernden, die durch das Evangelium echten Trost erfahren.
Die Brautpaare, die sich durchaus ihres Mangels bewusst sind und wissen, dass sie den Segen Gottes brauchen, damit das gemeinsame Leben gelingen kann.
Die überraschenden Begegnungen mit Menschen, denen nicht nur das Äußerliche am Herzen liegt, sondern die nach Nahrung für ihre Seele suchen.
Kurz gesagt: Es ist beides da, die enttäuschenden und die ermutigenden Erfahrungen. Der Predigttext scheint sich insoweit zu bestätigen, dass man den Eindruck hat, sogenannten „natürlichen“ und „geistlichen“ Menschen zu begegnen.
Doch der zweite Blick auf unseren Predigttext lässt dann gleich schon die Frage aufkommen: geht es überhaupt darum? Geht es hier um die Unterscheidung von geistlichen und natürlichen Menschen, oder geht es nicht doch noch um etwas anderes?
Paulus stellt jedenfalls diese zwei Arten von Menschen einander gegenüber. Es ist aber gar nicht mal klar, dass das zwei verschiedene Menschengruppen sind. Könnte es nicht vielmehr sein, dass in einem Menschen beides existiert – der natürliche und der geistliche Mensch?
Doch gehen wir erst mal zurück an den Anfang. Da spricht Paulus von dem, worum es an diesem Festtag ja überhaupt geht: dem Geist Gottes, der ausgegossen wurde über die Menschen. Dieser Geist aus Gott wird durch die Taufe vermittelt; das steht zwar nicht in unserem Predigttext, finden wir aber an vielen anderen Stellen in unserer Bibel wieder.
Es gibt aber zum Geist aus Gott gleich ein Gegenüber, den Gegenpol gewissermaßen, nämlich den Geist der Welt. Und hier ist es wohl so, dass beide miteinander unvereinbar sind. Geister im biblischen Sinn sind wesensbestimmend, sie könnten sich nicht miteinander vermischen, sie können höchstens gegeneinander kämpfen.
Der Geist Gottes nun hat eine ganz bestimmte Aufgabe, nämlich uns deutlich zu machen, „was uns von Gott geschenkt ist“. (1. Kor 12, 2b)
Und das ist nötig. Es ist doch in der Tat so, dass man so etwas nicht selbstverständlich weiß, auch nicht durch Lernen oder gar Logik erfassen kann. Welcher natürliche, also von der Vernunft bewegte und überzeugte Mensch, versteht es schon, wenn von Vergebung geredet wird oder von Liebe?
Vielleicht schafft er es ja bis zu einem gewissen Grad; aber die Bedingungslosigkeit, mit der Gott uns seine Gnade erweist und zuspricht, die kann niemand mit dem Verstand erfassen.
Der natürliche Mensch sträubt sich ja schon gegen nahezu alles, was im Glaubensbekenntnis bekannt wird, weil es ihm schlicht unvernünftig erscheint. Nichts von alledem, was da gesagt wird, lässt sich beweisen.
Damit die Menschheit also dieses Geschenk Gottes, seine Liebe, erkennen kann, ist der Geist Gottes nötig, der diese Erkenntnis vermittelt.
Nur dieser Geist lässt auch das Glaubensbekenntnis wahr werden, und er macht wahr, was beim Abendmahl gesprochen wird: „Christi Leib, für dich gegeben“, und: „Christi Blut, für dich vergossen“.
Die tiefere Bedeutung dieser Worte kann nur der nachvollziehen, der den Geist Gottes hat. Niemand sonst wird aus diesen Worten Kraft schöpfen können.
Doch müssen wir, um Paulus besser zu verstehen, noch einmal zurück gehen in die Zeit, als er diesen Brief schrieb. Denn es gibt ja wie immer bei den Briefen einen ganz konkreten Anlass, warum der Text geschrieben wurde.
Es ging in Korinth nicht gerade ruhig zu. Ständig gab es Auseinandersetzungen. Man war sich uneins, es hatten sich Parteien gebildet, abhängig von den jeweiligen Predigern, die die Gemeinde aufgesucht hatten.
Dieser Entwicklung stellt sich Paulus entgegen, indem er sagt: „Wir haben den Geist aus Gott empfangen.“ Nicht den Geist aus Paulus, oder den aus Apollos, oder den aus Kefas; nein, den Geist aus Gott!
Das ist wichtig! Denn wer den Geist aus Gott empfangen hat, kann sich doch nicht mehr streiten, weil einem die Predigt des einen besser gefallen hat als die des anderen. Der Geist Gottes kann doch nicht unterschiedlich wirken! Es ist doch immer ein und derselbe Geist!
Wenn man diesen Gedanken weiterführt, wird einem schnell klar: Unterschiede müssen von woanders her kommen. Und da kommt der natürliche Mensch ins Spiel, der, der den Geist Gottes nicht empfangen kann, wie Paulus sagt, also der, der den Geist der Welt hat.
Und dieser natürliche Mensch ist genauso in uns wie der geistliche Mensch, so dass es zu einem Wettstreit zwischen den Beiden kommt.
Schön, wenn man sich dann auf irgend einen anderen Menschen berufen kann, der es dem natürlichen Menschen bequem gemacht hat, so wie es die Korinther damals taten: die Predigt des Apollos war vielleicht angenehmer, sie forderte den natürlichen Menschen nicht so konsequent heraus wie die Predigt des Paulus. Also hörte man auf Apollo. Aber genau das ist der falsche Weg.
Paulus geht es darum, das Selbstbewusstsein der jungen Christen zu stärken. Christen sind eben nicht die Produkte der Überredungskünste einzelner Personen, sondern sie sind Kinder des lebendigen Gottes, der sie selbst berufen und mit seinem Geist erfüllt hat. Da darf man nicht hinter zurückfallen.
Kind Gottes zu sein, das ist nicht nur eine großartige Auszeichnung, sondern auch eine Verpflichtung, eben die, dem Geist aus Gott treu zu bleiben und nicht dem Geist aus der Welt.
Wer den Geist Gottes hat, stellt sich dem Kampf gegen den Geist der Welt. Er sucht das Reich Gottes und nicht das Vergängliche, nicht seine eigene Ehre und Herrlichkeit.
Darum kann Paulus dann auch sagen: Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Das geht nur deswegen, weil es letztlich der Geist Gottes selbst ist, der dieses Urteil fällt, und nicht der Mensch. Aber in solch einer Aussage steckt auch eine enorme Gefahr. Wie schnell kann es dazu führen, dass man in selbstherrlicher Arroganz sein Gegenüber aburteilt, ohne die eigenen Unzulänglichkeiten zu erkennen oder zuzugeben, dass man selbst nicht viel oder auch gar nicht besser ist.
Die Unterscheidung zwischen dem natürlichen Menschen und dem geistlichen Menschen ist da schon hilfreich, auch wenn sich beide im gleichen Menschen vereinen: der geistliche Mensch mag noch so fehlerfrei sein, weil er vom Geist Gottes geleitet wird, aber da ist eben noch der natürliche Mensch, der ganz andere Interessen hat und immer wieder versucht, die Schritte in eine andere Richtung zu lenken.
Anders wäre es ja auch gar nicht zu erklären, dass in so vielen Menschen, denen durch die Taufe der Geist Gottes ja längst geschenkt ist, dieser Geist gar nicht sichtbar wird. Der natürliche Mensch hat sich über den geistlichen Menschen erhoben.

„Wir aber haben Christi Sinn!“ - mit diesen Worten schließt unser Predigttext ab. Das „aber“ macht es schon deutlich: Dies ist eine trotzige Aussage. Es geht gegen den Strich.
Niemand anders als Christus ist es, dem wir folgen. Und Christus hat in aller Konsequenz das Leben aus dem Geist Gottes sichtbar gemacht. Er war gehorsam bis zum Tod – da hat sich kein natürlicher Mensch in den Weg gestellt.
Das ist unser Vorbild. Darum: in aller Vielfalt, die wir untereinander erleben, muss es letztlich doch Einheit geben durch den Geist, der aus Gott kommt. Die Gespaltenheit, die wir in der Christenheit erfahren, darf nicht bestimmend sein. Vielmehr müssen wir alles tun, damit wir eins sein können, und so freue ich mich auch, dass wir am Pfingstmontag schon seit vielen Jahren einen ökumenischen Gottesdienst feiern.
Wie schön wäre es, wenn es endlich auch möglich wäre, gemeinsam das Heilige Abendmahl zu empfangen. Denn gerade im Abendmahl wird die Einheit im Geist sichtbar. Wir trinken aus einem Kelch, wir essen das eine Brot – den Leib und das Blut Christi, das uns untereinander eint.
So lasse Gott seinen Geist groß werden in uns, damit dies sichtbar wird: wir sind die Gemeinde Christi!
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Komm, Feuer Gottes (EG 127, 1.4-5)
Zieh ein zu deinen Toren (EG 133)
Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
O dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263)
Zu Ostern in Jerusalem (KHW-EG 556)