das Kirchenjahr

2. Sonntag nach dem Christfest

Der Gottessohn

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe I - 1. Joh 5, 11-13


Liedvorschläge zur Predigt:
Also hat Gott die Welt geliebt (EG 28)
Also liebt Gott die arge Welt (EG 51)
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
*Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
*O lieber Herre Jesu Christ (EG 68)
*O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
*Auf, Seele, auf und säume nicht (EG 73)
*Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (EG 227)

Predigtvorschläge zu Reihe M - Joh 1, 43-51
Joh 7, 14-18
Röm 16, 25-27

Zu Joh 1, 43-51:
"Folge mir nach!" - und er folgt ihm nach. Wie kommt Jesus dazu, nun gerade diesen Philippus zur Nachfolge aufzurufen? Das erklärt sich wohl aus der Angabe, dass Philippus aus dem gleichen Ort stammte wie Petrus und Andreas, die bereits an der Seite Jesu waren. Sie mussten ihn auf Philippus aufmerksam gemacht haben: schau mal, der würde gut zu uns passen.
Und das "Folge mir nach!" hat sogleich einschlagende Wirkung. Vielleicht auch deswegen, weil Philippus die beiden Bekannten - oder sind es vielleicht sogar Freunde? - in der Gesellschaft Jesu sieht. Das nimmt natürlich schon eine Menge Zweifel.
Aber es nimmt nicht unbedingt den gesunden Menschenverstand! Wohin sollte es denn gehen? Für wie lange galt dieser Ruf? Konnte sich Philippus das leisten, einfach so mit zu gehen mit diesem ja doch zu dem Zeitpunkt noch völlig Fremden?
Fragen, die wir uns wohl stellen würden, wenn jemand zu uns käme und sagte: "Folge mir nach!" Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass überhaupt jemand einem solchen Ruf folgen würde. Penner vielleicht, die sowieso nichts zu verlieren haben. Aber gut situierte Menschen doch wohl eher nicht.
Philippus gehörte zu solch gut situierten Menschen - zumindest für die damalige Zeit. Er hatte offenbar keine Zweifel und auch keine Fragen. Er hatte keine Angst um seine Existenz, obwohl er nicht wusste, wie sie in Zukunft gesichert werden würde. Er folgte dem Ruf ohne Zögern.
Nun sollte man meinen, dass sich Philippus erst einmal zu der noch kleinen Gruppe hält und in Erfahrung bringt, worum es überhaupt geht. Denn er konnte noch nicht viel von Jesus gehört haben. Erst am Tag zuvor war Jesus vom Täufer Johannes getauft worden, und kurz danach erst waren Andreas und Petrus zu Jesus gestoßen. Also alles geschah innerhalb von 24 Stunden. Noch kein Wunder war geschehen, nichts, außer den Worten des Täufers: "Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Dass Philippus diese Worte auch mitbekommen hatte, ist eher unwahrscheinlich. Er hatte also nichts, worauf er seine Nachfolge begründen konnte, außer diesem Ruf: "Folge mir nach!". Vielleicht ist es ja die Persönlichkeit Jesu, die ihn so beeindruckt hat. Aber auch dann wäre ein Kennenlernen dieses Menschen sicher der nächste Schritt, bevor er tun würde, was er tut:
Nahezu ohne Zögern macht er sich selbst auf und ruft den Nächsten, Nathanael. Es muss ein Freund des Philippus sein. Und schon offenbart Philippus, dass er doch eine ganze Menge über Jesus weiß: "Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth." Woher hat Philippus diese Gewissheit? Ist es allein der Ruf gewesen?
Es klingt, als habe er ihn schon lange gesucht. "Wir haben den gefunden" - es fehlt nur das "endlich", um den Eindruck zu festigen. Und in der Tat war ja die Hoffnung auf den Messias groß, damals, zur Zeit der Besatzung durch die Römer. Aber Philippus scheint dennoch recht oberflächlich in seinem Urteil.
Nathanel ist jedenfalls nicht so leichtgläubig. Vielleicht, weil es nicht Jesus ist, der ihn ruft. Viel wahrscheinlicher aber wohl deswegen, weil das, was Philippus sagt, weder Hand noch Fuß hat.
Wieso sollten Mose oder die Propheten von Jesus geschrieben haben? Der Name taucht in den Heiligen Schriften jedenfalls nicht auf.
Und Nazareth? Auch dieser Ort findet in den Schriften des ersten Bundes keine Erwähnung. Wie kommt der Philippus also auf die Schnappsidee, dieser Jesus könnte schon von Mose und den Propheten beschrieben worden sein?
Ganz so deutlich drückt sich Nathanel in seiner Antwort nicht aus, aber er sagt: "Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" Es ist eine rhetorische Frage, deren Antwort ist klar: Nichts.
Es gibt in der damals bekannten Bibel absolut keinen Hinweis darauf, dass dieser Jesus der Messias, der Verheißene Retter, ist.
Der Evangelist Johannes beweist Mut, wenn er diese Kritik, die es sicher auch in der damaligen Zeit gegeben hat, aufnimmt und sogar einem der Jünger in den Mund legt. Für ihn bedarf es keiner Beweisführung aus den Schriften, um Jesu Herrschaft deutlich zu machen. Stattdessen lässt er Philippus sagen: "Komm und sieh!"

Du kannst nicht wissen, wer Jesus ist, wenn Du Dich nicht selbst auf den Weg machst. Das ist die erste Botschaft, die aus diesen Worten folgt. Und die andere lautet: wenn Du Jesus begegnest, dann hast Du Beweis genug. Also: Komm und sieh!
Dieses "Komm und sieh!" war übrigens schon vorher erklungen, da aber aus dem Munde Jesu, als Andreas und Simon Petrus ihm begegneten. Sie hatten nach seiner Herberge gefragt, und Jesus sagte zu ihnen: "Kommt und seht!".
Der sich entwickelnde Dialog zwischen Jesus und Nathanael hat dann natürlich auch etwas Kurioses. Jesus sagt über Nathanael: "Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist." Jeder normale Mensch würde heutzutage wohl bescheiden einen Schritt zurücktreten und solches Lob nicht ohne Widerspruch annehmen.
Nicht so Nathanael. "Woher kennst du mich?", fragt er zurück. Als ob die Feststellung, dass er ein rechter Israelit sei, das Selbstverständlichste von der Welt ist. Dabei sind diese Worte eine besondere Auszeichnung, die Nathanael sonst selten, wenn überhaupt, gehört hat.
Ist das Überheblichkeit auf der Seite des Nathanael? Oder wusste er, dass Jesus von seinen ehrlich ausgesprochenen Zweifeln beeindruckt war? Dann wäre die Frage allerdings berechtigt: "Woher kennst du mich?", denn sie hätte den Sinn: "Woher weißt du, was ich vorhin gesagt habe, als du weder in Hör- noch in Sichtweite warst?"
Dazu passt dann auch Jesu Antwort: "Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich."
Hier offenbart sich Jesu Majestät, seine Göttlichkeit. Es ist durchaus ein Wunder, das auch die anderen Jünger, die ja gerade erst in die Nachfolge Jesu eingetreten waren, beeindruckt haben muss.
Nathanael ist sofort überzeugt: "Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel." Er war gekommen und hatte gesehen, alle Zweifel waren beiseite gewischt, ganz offensichtlich bedarf es keines Schriftbeweises, um Jesu wahre Gestalt zu erkennen.
Dabei müsste es dem Nathanael gar nicht ganz so leicht fallen. Er hätte immer noch zweifeln können. Jesus hätte seinen Begrüßungssatz auch aus dem ableiten können, was etwa Philippus zuvor über ihn erzählt hatte.
Umso wahrscheinlicher ist es wohl, dass Jesus direkt auf den kurzen Dialog zwischen Philippus und Nathanael anspielt, und kein generell gültiges Urteil über Nathanael fällt. Es geht einzig um seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, die er in seiner Antwort bewiesen hat.
Jesus nimmt Nathanael in den Kreis seiner Jünger auf und kündigt den Vieren noch größere Wunder an, vor allem aber dies: "Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn."
Der Glaube ist da, nun wird dem Glauben noch Größeres offenbart werden, als das, was den Glauben geweckt hat. Es wird offenbar werden, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dass in ihm der Vater, der Schöpfer aller Dinge, zu den Menschen gekommen ist.
"Komm und sieh!", das sind die Worte, die uns heute zugeworfen werden. Mache dich auf und sieh, wer Jesus ist.
Wir sind gekommen, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen - dort in der Krippe, am Kreuz, am offenen Grab. Seine Herrlichkeit wurde uns offenbar.
Wir sind die Gerufenen, und zugleich sind wir die Rufenden.
Philippus ist uns ein Beispiel. Ohne lange zu überlegen, geht er hin und verkündet, was ihm wiederfahren ist: ich habe ihn gefunden, den Messias. Nun komm und sieh!
Wir müssen nicht anfangen, lange und komplizierte Diskussionen zu führen darüber, was wahr ist und was nicht. Jesus spricht für sich selbst. Es kommt nur auf die Begegnung an: Komm und sieh!
Gewiss gibt es Zweifel, berechtigte Zweifel. Und noch viel mehr wird es wohl die Frage geben: was habe ich davon? Es gibt doch kein Anzeichen dafür, dass ich irgendetwas gewinne.
"Komm und sieh!" Das ist die Antwort auf alle Fragen, auf alles Zweifeln.
Natürlich wäre es schön, Jesus dann auch leibhaftig vor sich zu haben. Aber die Begegnung mit ihm wird ja auf vielfältige Weise ermöglicht, etwa im Gottesdienst oder in der Feier des Heiligen Abendmahls.
Komm und sieh!
Wer dazu bereit ist, der darf sich auf eine Überraschung gefasst machen. Denn die Begegnung mit dem Gottessohn, mit dem fleischgewordenen schöpferischen Wort, ist etwas ganz Besonderes.
Uns werden in dieser Begegnung Einsichten geschenkt, die wir vorher nicht hatten und von denen wir auch nicht zu träumen wagten. Und wir werden einen Weg geführt, den wir so zu gehen selber nie geplant hätten. Einen Weg, der uns den Reichtum der Gnade und Barmherzigkeit Gottes offenbart.
Es lohnt sich also, diesem Ruf zu folgen!
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Zu Joh 1, 43-51:
Jesus ist kommen (EG 66)
Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70, 1-2.4.7)
O König aller Ehren (EG 71, 1.3-6)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
"Mir nach", spricht Christus, unser Held (EG 385)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)
Zu Joh 7, 14-18:
Herr, für dein Wort sei hochgepreist (EG 196)
Herr, dein Wort, die edle Gabe (EG 198)
Ach bleib mit deiner Gnade (EG 347)
Zu Röm 16, 25-27:
Wunderbarer Gnadenthron (EG 38)
Kommt und lasst uns Christus ehren (EG 39)
Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
Allein Gott in der Höh sei Ehr (EG 179)
Laudate omnes gentes (EG 181, 6)
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293)