das Kirchenjahr

4. Sonntag vor der Fastenzeit

Vertrauen in Gottes Macht*

Predigtanregung

Der vierte Sonntag vor der Fastenzeit entspricht dem früheren 4. Sonntag nach Epiphanias. An diesem Sonntag steht Gottes Macht über die Naturmächte im Vordergrund. Jesu Sturmstillung, die Sintflut, die Worte Gottes durch den Propheten - alles führt uns vor Augen, dass Gott den Weltenlauf mit Leichtigkeit verändern. Doch während die Sintflut dazu diente, den "Versuch" mit der Menschheit noch einmal neu anzufangen, zielen die anderen Geschichten schon eher darauf ab, dass der Mensch sich ändern soll, um solche Katastrophen abzuwenden. In der Sturmstillung tadelt Jesus den kleinen Glauben der Jünger. Der Prophet rät dem Volk Israel, Gott zu fürchten und nicht die Menschen, deren Macht ja doch sehr begrenzt ist. Die Epistellesungen gehen in die gleiche Richtung.

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III - Jes 51, 9-16 (s. Reihe II/V am 24. S. n. Trinitatis

Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat? 10 Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der großen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, dass die Erlösten hindurchgingen? 11 So werden die Erlösten des HERRN heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.
12 Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen, 13 und hast des HERRN vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegründet hat, und hast dich ständig gefürchtet den ganzen Tag vor dem Grimm des Bedrängers, als er sich vornahm, dich zu verderben? Wo ist nun der Grimm des Bedrängers? 14 Der Gefangene wird eilends losgegeben, dass er nicht sterbe und begraben werde und dass er keinen Mangel an Brot habe. 15 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der das Meer erregt, dass seine Wellen wüten - sein Name heißt HERR Zebaoth -; 16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen, auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe und zu Zion spreche: Du bist mein Volk.

Wie immer stehen wir bei alttestamentlichen Texten vor dem Problem der Adressaten. Diesmal sind es die nach Israel zurückkehrenden Juden, die nun endlich die Nähe und Macht Gottes wieder erfahren, nachdem sie jahrzehntelang im Exil gelebt hatten. Auf diesen Hintergrund sollte in der Predigt hingewiesen werden. Darüber hinaus ist es aber durchaus möglich, den Text auf die christliche Gemeinde zu beziehen, zumal Teile dieses Textes schon lange mit christlichem Inhalt gefüllt werden (z.B. der Vers 11, der im Deutschen Requiem von Johannes Brahms vertont wird). Die Aneignung alttestamentlicher Texte darf nur nicht so geschehen, dass die ursprünglichen Adressaten völlig ausgelassen werden.
Die Macht Gottes wird deutlich spürbar, endlich zwar, aber steht es nicht Gott frei, zu handeln, wann er es will? Auch hatten sie ja das Elend, in das sie geführt worden waren, selbst verschuldet. Der Vorwurf klingt mit: 'warum hast du Angst vor Menschen, die doch sterben? Warum hast du den Herrn vergessen?' (Verse 12-13) Denn letztlich wird doch Gott den Sieg behalten. Ja, nun kann man wieder jauchzen und jubeln - niemand denkt mehr an die, die im Exil starben und deren Sehnsucht nach Zion niemals gestillt wurde. Spätestens in den folgenden Versen wird deutlich, dass Gott eben nicht an einen Ort gebunden ist. Er war bei seinem Volk, auch und gerade, als sie Gefangene waren. Hätte er ihr Elend nicht gesehen, er hätte ihnen auch nicht geholfen.
Es sind schöne Worte in dieser Perikope enthalten, es lohnt sich, diesen Worten nachzugehen, vielleicht auch dadurch, dass Vertonungen dieser Worte erklingen könnten (Vers 12a im Elias-Oratorium v. Mendelssohn-Bartholdy, Vers 11 im Deutschen Requiem von Brahms, Vers 9 im Lied "Zieh an die Macht, du Arm des Herrn" EG 377). Zentral für diese Perikope ist sicherlich Vers 11, auch wenn der Tadel in den Versen 12-13 durchaus ein guter Start wäre. Es geht hier um die Befreiung, die Gott wirkt, und die Frage taucht wieder auf: was ist mit denen, die diese befreiende Kraft in ihrem Leben nie erfahren haben? Bleibt ihre Sehnsucht, oder wurde sie dann doch gestillt? Wir glauben, dass uns ewiges Leben geschenkt ist, der Tod wird als Befreiung angesehen. Vielleicht genügt dies, auch wenn es unbefriedigend zu sein scheint, zumal es ja heißt, der Gefangene werde nicht sterben und begraben, sondern losgegeben (Vers 14). Jedenfalls sollte der Hinweis auf die Befreiung durch den Tod nicht derart klingen, als wollte man den Tod dem Leben vorziehen. Vielmehr soll das Wissen um die Befreiung dazu verhelfen, auch diesem Leben Gutes abzugewinnen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt nahe, den Text so zu interpretieren, dass man an der Not und dem Elend dieser Welt und des eigenen Lebens nicht verzweifelt, sondern die Hoffnung erhält, dass Gott eingreifen wird. Wie gesagt: Menschen sterben, vor ihnen brauchen wir darum keine Angst zu haben. Gott wird kommen, ja er ist schon da. Er kann eingreifen, aber vor allem will er ja, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben und dies beweisen, indem wir aus unserer Hoffnung heraus handeln, Menschen helfen, denen es schlechter geht, die den Trost nicht spüren, die an Gott verzweifeln. Dies sollte in der Predigt wohl vor allem anderen deutlich gesagt werden.

Liedvorschläge zur Predigt:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich bist du (EG 270)
Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält (EG 297)
Danket Gott, denn er ist gut (EG 301)
Zieh an die Macht, du Arm des Herrn (EG 377)
*Vertrauen wagen (NB-EG 607)



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