das Kirchenjahr

Christfest II

Die Geburt des Herrn

Predigtanregung

Das Christfest II ist zugleich der Tag des Erzmärtyrers Stephanus. Inhaltlich ist dieser Tag, wenn er als "Tag nach der Geburt des Herrn" gefeiert wird, nur noch ein Abglanz. Seine Existenz geht auf das Verlangen zurück, die Weihnachtsbotschaft immer und immer wieder zu hören, gewissermaßen das Geschehen der Christnacht zu einem andauernden Erlebnis werden zu lassen. Eine besondere Stellung erhält dieser Tag jedoch durch das Evangelium, das den Prolog des Johannes-Evangeliums enthält und so die Geburt Jesu in den Kontext der Schöpfung stellt. Von daher ist dieser Tag vielleicht gerade heute von besonderer Bedeutung.

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IV - Jes 7, 10-14

Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach: 11 Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12 Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche. 13 Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14 Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Eigentlich gehört dieser Text zum Heiligabend, nun hat die letzte Perikopenrevision von 2018 ihn auf den zweiten Christtag gelegt. Er stellt das Zitat, das wir in Mt 1, 23 (Reihe II) finden, in seinen Kontext. Wir erfahren, dass die Prophezeiung bereits im 8. Jahrhundert vor Christus zur Zeit des Ahas ausgesprochen wurde, noch bevor das Nordreich den Assyrern zum Opfer fiel. Dabei scheint Gott genervt zu sein angesichts der Tatsache, dass man immer wieder Zeichen sehen wollte, ob Gott seinem Volk (in Juda) nun wirklich treu bleiben würde.
Wichtig und wesentlich für das Christfest ist aber natürlich die Prophezeiung selbst. Und hier habe ich die eindringliche Bitte, nicht die „Erkenntnis”, es handele sich im Matthäusevangelium um einen Übersetzungsfehler, wodurch die ganze Problematik der Jungfrauengeburt gelöst wäre (nämlich, dass es gar keiner Jungfrau bedurft hätte), zu bemühen. Denn es ist keine Sensation und auch in keiner Weise hilfreich, es sei denn, man legt Wert darauf, die Tatsache, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, zu widerlegen. Aber auch das wird einem mit solchen Spitzfindigkeiten kaum gelingen - abgesehen von der Verunsicherung, die man seinen Predigthörern damit antut. Zum einen kann „Jungfrau” und „junge Frau” durchaus im gleichen Sinn verwendet worden sein. Zum anderen sind Übersetzungen immer fehlerhaft - auch die vom Hebräischen ins Deutsche. Denn keine Übersetzung kann auch die Kultur der Sprache lebendig werden lassen, sondern wird immer Elemente der eigenen Kultur, die der ursprünglichen mitunter völlig fremd ist, mit einfließen lassen.
Also beschäftigt sich die Predigt vorzugsweise mit dem Text, wie er uns von Martin Luther (und den nachfolgenden Revisoren) in deutscher Sprache überliefert wurde.
Es kann durchaus hilfreich sein, den historischen Zusammenhang mit zu bedenken. Es ist eine unruhige Zeit, wobei man festhalten kann, dass Ahas sich bemühte, dem recht kleinen Land Juda, dem Südreich, irgendwie zwischen den großen Mächten seiner Zeit die Selbständigkeit zu erhalten.
Was verwunderlich wirkt, ist die Prophezeiung. Sie erfolgt, obwohl Ahas bewusst darauf verzichtete, um den Herrn nicht zu versuchen. Jesaja kann aber die ihm geschenkte Prophezeiung nicht zurückhalten und sagt sie trotzdem. Diese Prophezeiung wird in der Erzählung von der Geburt Jesu nach Matthäus aufgenommen.
Besonderes Gewicht mag der genannte Name bekommen: „Immanuel”, „Gott mit uns”. Dass sich dieser Name gut auf Jesus beziehen lässt, leuchtet ein, aber es ist nicht der Name, den Jesus erhält. Vielmehr verwirklicht sich dieser Name in Jesus leibhaftig. Er ist der „Gott-Mit-Uns”, so kann man es sagen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang besteht in der Verbindung zu der Erzählung von der Geburt Jesu mit dem Vers 14 des Predigttextes, und in der Bedeutung des hier genannten Namens. Darum sollte auch die Predigt diese beiden Aspekte in den Vordergrund stellen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Gelobet seist du, Jesu Christ (EG 23)
Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel (EG 41)
Also liebt Gott die arge Welt (EG 51)
O lieber Herre Jesu Christ (EG 68)
Zieh an die Macht, du Arm des Herrn (EG 377)



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