Der Vorletzte Sonntag im Kirchenjahr befasst sich mit dem Weltgericht, wie es vielfach im Neuen Testament angekündigt wird. Viele Menschen unterliegen der Gefahr, das Kommen des Weltgerichtes in den Zeichen dieser Zeit zu sehen: in Verwüstungen, Naturkatastrophen, Kriegen usw. Dabei machen sie sich zu Beobachtern, obgleich sie doch selbst Betroffene sein müssten. Andere meinen, dass es kein Weltgericht geben wird, höchstens einen - dann aber menschengemachten - Weltuntergang. Doch gerade der Glaube daran, dass es einen Tag (nicht im Sinne eines 24-Stunden-Tages) geben wird, an dem Gott das Leben eines jeden Menschen betrachten und auch richten wird, hilft doch, uns mit der Ungerechtigkeit, wie sie in unserer Welt immer wieder deutlich sichtbar wird, in gewisser Weise zu versöhnen. Denn wir wissen, dass nicht Menschen, sondern Gott das letzte Wort hat. In diesem Glauben können wir darum auch unverzagt dem Tag des Weltgerichts entgegen sehen, weil wir darauf vertrauen, dass Gott barmherzig und gnädig ist und durch Jesus Christus dem vergibt, der sich ihm in Vertrauen zuwendet. Somit ist es wohl angebracht, das Weltgericht als ein positives Geschehen zu erwarten und nicht als etwas, das Zerstörung und damit Leid bringt.
Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)
II - Lk 16, 1-8(9)Er [Jesus] sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher
Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er
verschleudere ihm seinen Besitz.
2Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm:
Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn
du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
3Der Verwalter sprach bei sich selbst:
Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch
schäme ich mich zu betteln.
4Ich weiß, was ich tun will, damit sie
mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
5Und
er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und
fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
6Er sprach: Hundert
Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin
und schreib flugs fünfzig.
7Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel
bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm
deinen Schuldschein und schreib achtzig.
8Und der Herr lobte den ungetreuen
Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter
ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9(Und ich sage euch: Macht
euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch
aufnehmen in die ewigen Hütten.)
Ein Text, mit dem wir unsere Schwierigkeiten haben dürften.
Ganz vordergründig erkennen wir das geschickte Ausnutzen der Macht, die
einem gegeben wurde, zum eigenen Vorteil. Kurz: Korruption. Das Erschreckende:
Jesus empfiehlt uns scheinbar, so zu handeln, d.h. korrupt zu sein. Kann er das
wirklich meinen?
Wir müssen uns zunächst deutlich machen, dass
wir es hierbei mit einem Gleichnis zu tun haben. Bei Gleichnissen aber kommt es darauf
an, die Aussage, die im Text verborgen ist, zu bergen. So nähern wir uns der Kernaussage, indem
wir die Umstände feststellen und das Handeln des Haushalters als Bild erkennen für das,
was uns durch das Gleichnis aufgetragen wird.
Offenbar drängt die Zeit, dem Verwalter wird
angekündigt, dass er seinen Job bald los sein wird; interessanterweise,
weil er seine Macht missbraucht hatte. In dieser Zeit „kurz vor dem Ende”
gerät der Verwalter nun nicht in Panik, sondern macht sich einen Plan, wie
er am besten aus dieser Situation herauskommen könne. Er entscheidet sich
dafür, seinen Herrn erneut zu betrügen und die Schuldner seines Herrn sich selbst gegenüber
freundlich zu stimmen: sie sollen nur noch die Hälfte ihrer Schulden zahlen müssen. Stiftet er
sie zum Betrug an dadurch, dass er sie auffordert, die Schuldscheine selbst zu
ändern? Oder macht er später die Änderungen rechtsgültig
durch sein Siegel?
In jedem Fall stehen wir in dem Dilemma, dass hier
betrügerisches Verhalten scheinbar als positives Handeln bewertet wird. Aber wenn
man diesen Aspekt in den Vordergrund stellte, hätte man wohl den Sinn des
Gleichnisses verfehlt. Es geht vielmehr und vor allem anderen darum, dass
dieser Verwalter klug gehandelt hat, wie ihm ja auch sein Herr bescheinigt. Er wird für
dieses Handeln ausdrücklich gelobt (Exegeten sagen,
dass das Gleichnis eigentlich schon mit Vers 8a aufhört, also mit den
Worten: Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt
hatte.).
Wenn wir nun nur auf diesen Punkt achten, wird auch der
kirchenjahreszeitliche Zusammenhang deutlicher: Dem Verwalter
blüht sein nahes Ende als Verwalter. Er überlegt, wie er dafür
sorgen kann, dass er in Zukunft weiter gut lebt, und gewinnt schnell durch sein
betrügerisches Handeln neue Freunde. Wichtig ist also die Tatsache, dass
er sich auf das bevorstehende Ende seiner Laufbahn als Verwalter vorbereitet.
In gleicher Weise steht auch uns ein „nahes Ende” bevor: sei es im Tod, oder im
Kommen des Reiches Gottes. Dieses Ende ist kein absolutes Ende, denn danach
geht, wie wir glauben, das Leben weiter. Das Gleichnis stellt die Frage, wie
wir uns diesem Ende, das ein neues Leben im Angesicht Gottes bedeutet, stellen,
oder besser: wie wir uns darauf vorbereiten.
Denn im Angesicht Gottes können wir nichts verbergen, wir können
daher auch nicht mehr mit den uns zur Zeit noch zur Verfügung stehenden
Mitteln das Leben verschönern. Wir müssen letztlich doch Rechenschaft
ablegen für das, was wir getan haben. Und wenn es zum Schaden anderer war:
mit diesen Mitteln werden wir nicht weiter existieren können.
Diese Stimmung „rüberzubringen” ist nicht einfach, schon deswegen nicht, weil
wir den barmherzigen und gnädigen Gott predigen und von Gericht-und-Rechenschaft-ablegen
nur selten etwas wissen wollen. In unserer Gesellschaft neigt man
mehr und mehr dazu, dieses Leben an seinem Erfolg zu messen und nicht daran,
wie man vor dem höchsten Richter bestehen wird.
Die Predigt sollte wohl
darauf hinwirken, dass eben dies wieder in den Vordergrund rückt: wir
werden uns verantworten müssen für das, was wir in diesem Leben getan
haben. Darum, und das ist auch die wesentliche Aussage dieses Textes, sollen
wir uns darauf vorbereiten, dass wir im Gericht bestehen können. Dies
vermögen wir nur durch die Furcht Gottes und die Liebe zum Nächsten. Das ist es,
was auch im Handeln des Verwalters zum Ausdruck kommt. Er fürchtet seinen Herrn und wendet
sich fürsorglich seinen Mitmenschen zu, indem er ihnen (Teil-)Schulden erlässt. So sollen auch wir unseren
Mitmenschen Gutes tun und nicht am Mammon festhalten.
Wichtig ist, dabei das Evangelium nicht zu vergessen: das „Zu-Spät” ist
nur durch unseren Tod bzw. das Kommen Jesu definiert. Wann immer wir uns Gott zuwenden, wird er uns
also auf- und annehmen. Man hüte sich allerdings davor, dies als Freibrief
dafür zu nehmen, bis ins Alter rücksichtslos zu bleiben, denn wann
das Leben endet bzw. wann unser kommt, liegt nicht in unserer Hand.
Du solltest bringen gute Frucht (EG 145, 4-5)
Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149 - Wochenlied)
Gott rufet noch (EG 392)
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497)
Sein sind die Güter (EG 513, 6-7)
Himmlischer Vater, wir sehnen uns nach dem neuen Himmel und der neuen Erde, die du verheißen hast.
Wir wissen, dass wir vor deinem Richterstuhl offenbar werden müssen, und vertrauen auf
deine Barmherzigkeit, nicht auf unsere Gerechtigkeit.
Du willst uns in Liebe begegnen, darum fassen wir Mut, dich zu bitten...
...für die Menschen, die sich von dir abgewandt haben und die keine Hoffnung über den Tod
hinaus kennen, dass sie den Ernst der Vergänglichkeit erfassen und deine Liebe für sie
spürbar wird, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
…für die Menschen, die einsam und verlassen sind, dass sie nicht alleine bleiben,
sondern Menschen auf sie aufmerksam und ihnen Freunde werden, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
...für die Menschen, die krank sind, dass sie deine heilende Kraft erfahren, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
...für die Menschen, die im Sterben liegen, dass ihnen dein Licht leuchte bis in Ewigkeit, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
...für die Menschen, die verfolgt werden um deines Namens willen, dass sie fest bleiben im Glauben und von dir gestärkt werden, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
...für die Menschen, die von Krieg oder Naturkatastrophen heimgesucht wurden, dass sie dennoch deine Nähe spüren, und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
...für die Menschen, die mit ihrer kleinen Kraft tun, was ihnen möglich ist, um etwas offenbar
werden zu lassen von deiner Liebe in einer Welt, die von Hass, Neid und Missgunst geprägt ist,
und rufen:
Gem.: Ja, komm, Herr Jesus!
Wir bitten dich, sei bei denen, die uns besonders nahe sind und an die wir jetzt in der Stille
denken:
Stille ….
Wir preisen dich mit allen Engeln und allen, die uns vorausgegangen sind im Glauben. Mit
ihnen verbindet uns die Hoffnung, dass du dich offenbaren wirst, wie du es verheißen hast.
So rufen wir zu dir:
Ja, komm, Herr Jesus.
Amen
Buchempfehlungen:
- Gottesdienstpraxis, Serie A, II/2Wenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!. Estomihi bis Kantate 2026 - Mit CD-ROM v. Sigrun Welke-Holtmann (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2026, 160 S. - 1. Auflage.
mit CD-ROM! Die Gottesdienstpraxis Serie A ist die Arbeitshilfe zur Vorbereitung und Gestaltung von Gottesdiensten. Pfarrerinnen und Pfarrer erhalten damit vielfältige Materialien und Anregungen, Formulierungshilfen und Aktionsideen. Die zugehörige CD-ROM ermöglicht die individuelle Weiterbearbeitung der Texte, so dass jede Predigt eine ganz persönliche Ansprache der Gottesdienstbesucher erlaubt. - Predigtstudien II/1 für das Kirchenjahr 2025/2026Wenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!. Perikopenreihe II, 1. Halbband, vom 1. Advent bis Rogate v. Birgit Weyel, Johann Hinrich Claussen, Wilfried Engemann (Hg.) u.a.. Kreuz-Verlag 2025, 272 S. - 1. Auflage.
Eine gute Predigt lebt davon, den vorgegebenen Bibeltext in die Sprache der Menschen heute zu übersetzen. Seit mehr als 50 Jahren sind die Predigtstudien bei dieser Herausforderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jeder Predigttext wird jeweils von zwei Autoren im Dialog bearbeitet.