das Kirchenjahr

Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr

Der nahende Herr*

Predigtanregung

Der Drittletzte Sonntag im Kirchenjahr hatte das Kommen des Herrn zum Thema. Mit der Perikopenrevision von 2018 wurde versucht, eine Verbindung zur üblicherweise in dieser Zeit gehaltenen Friedensdekade herzustellen, wobei die Lesungstexte nach wie vor das nahende Reich Gottes im Blick haben. Während das Evangelium selbst nur davor warnt, dieses Kommen vorhersagen zu wollen, betont die Epistel die Vergänglichkeit der Schöpfung und das Warten auf die Erlösung von eben dieser Vergänglichkeit. Die Worte des Propheten Micha in der alttestamentlichen Lesung weisen hin auf die letzten Tage, in denen alle Völker sich versammeln werden, um vor Gott zu treten. Dabei wird nun der Bezug zur Friedensdekade hergestellt, denn hier sind die Worte zu finden, die für die Friedensdekade zum Motto wurden: Schwerter zu Pflugscharen machen. Die 1. Perikope (Lk 6) stellt ebenfalls einen Bezug zur Friedensdekade her, während die 2. Perikope aus dem 1. Thess geprägt ist von der Erwartung der nahen Wiederkunft (Parusie) des Herrn.

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IV - Lk 17, 20-24(25-30)

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. 25 Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: 27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.

Die Einklammerung der Verse 25 bis 30 scheint mir dieses Mal gerechtfertigt, da diese Ausführungen mehr wie ein hilfloser Versuch des Evangelisten erscheinen, nun doch etwas von der Offenheit des zuvor Gesagten aufzulösen und eine klarere Vorstellung vom kommenden Ende zu vermitteln. Dabei weiß er so wenig davon wie wir alle.
Wichtig an dieser Stelle ist sicher unsere Vorstellung von Existenz. Wir begreifen sie linear, d.h. von einem Punkt bis zu einem anderen fortschreitend, wobei die Einteilung der Linie durch die Zeit erfolgt. Für Gott ist diese Vorstellung aber völlig abwegig. Gott wird nicht durch Linearität beeinflusst, sondern er ist ewig. Und in dieser Ewigkeit ist auch unsere Zeit geborgen. Das bedeutet aber, dass das hier bezeichnete Kommen des Gottesreiches schon längst erfolgt ist, weil es in der Ewigkeit existiert; nur erfahren wir nichts oder nur wenig davon, weil wir in der Zeit gefangen sind. Die Zeit, unser lineares Empfinden, trennt uns von der Ewigkeit, die uns aber doch eigentlich bewusst sein müsste, weil sie die Zeit umfasst und die Zeit nur ein ein Teil von ihr ist.
Wenn die Lesung des Textes mit dem 24. Vers aufhört, könnte man das plötzliche Auftreten des Reiches Gottes wie die plötzliche Erkenntnis nicht nur im Sinne von theoretischem Verständnis, sondern im Sinn von existenzieller Betroffenheit interpretieren. Nimmt man die Verse 25-30 hinzu, muss man allerdings auch den Gerichtsgedanken mit einbringen. Vor Vers 24 wäre das Gericht klar und eindeutig: wer es nicht erkennt, ist schon im Gericht, weil er in der Zeit gefangen bleibt. Sein Leben bleibt vom Tod beherrscht und darum letztlich sinnlos.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht deutlich, wenn auch das Nahen des Herrn nicht ganz den Punkt trifft. Es geht aber wohl um die Begegnung mit ihm, die Erfahrung, dass er auf uns zukommt und dieser Prozess ewig ist insofern, als wir, solange wir zeitgebunden sind, nie die Ewigkeit in ihrer Gänze erfahren können.
Die Predigt wird schwierig, weil es schwer ist, etwas Unvorstellbares zu vermitteln. Ein Blick auf das Leben der Hindus wäre denkbar, sofern man damit vertraut ist: ihnen ist die Ewigkeit gewissermaßen in die Wiege gelegt, was aber nicht immer nur gute Konsequenzen hat. Es hat dort eher zu einem ungesunden Fatalismus geführt. Für die gottesdienstliche Gemeinde kann man sich überlegen, Zeitgebundenes dem Zeitlosen gegenüber zu stellen. Der Begriff "zeitlos" ist uns durchaus vertraut und kann im Sinne von "ewig" Anwendung finden. Man vergisst auch die Zeit, indem man sich verplaudert, oder etwas so spannendes beobachtet, dass alles um einen herum nebensächlich wird. Vielleicht könnte so etwas Spannendes Aufhänger der Predigt werden.

Liedvorschläge zur Predigt:


Ihr lieben Christen, freut euch nun (EG 6)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16, 1.4.5)
Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)
Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152 - Wochenlied!)
Der Himmel, der ist (EG 153)
O Lebensbrünnlein tief und groß (EG 399)



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