Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König
oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd
zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem
einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der
sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in
Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später
wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde
vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder
von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung
nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger?
Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer
und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.
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II - Mk 14, (1-2)3-9Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. 2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe. 3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Die Erzählung von der Salbung Jesu in Bethanien ist eine schöne
Geschichte, wenngleich sie durch die Unwilligkeit der Jünger (der Männer!)
etwas gestört wird. Ein Text, in dem so sehr deutlich wird, dass die Frau
Jesu Weg besser versteht als jeder Mann, ist leider selten in den Evangelien.
Es ist eindeutig: Die Jünger sind jetzt völlig überzeugt von Jesu
Predigt, sie wissen, was zu tun ist: den Armen helfen, so gut es geht, irdische
Schätze zurücklassen für diesen Zweck, und das bis in alle Ewigkeit.
Sie haben noch nicht verstanden, dass Jesus jetzt kurz vor seinem Ende, das
den Neuanfang für die ganze Menschheit darstellt, steht. Die Ankündigungen
seines Leidens sind verdrängt worden.
Dementsprechend fahren sie die Frau, die tut, was richtig ist, an, und sagen, sie
hätte mit dem Geld, das dieses Öl gebracht hätte, vielen Armen helfen
können. Vorsicht ist allerdings geboten: Judas wird hier mit keinem Wort herausgestellt,
auch wenn man schlußfolgern könnte, dass er der „Rädelsführer”
ist. Hier sind alle männlichen Jünger beteiligt, ohne Ausnahme!
Die Frau kommt aus dem Nichts, sie wird namentlich nicht identifiziert. Dass
sie Jesus nicht kennt, ist kaum wahrscheinlich; ihr Handeln wäre dann kaum
zu erklären (denn gesalbt wurden Gäste damals nicht, sondern ihnen wurden
nur die Füße gewaschen, und selbst das war schon eine Ehre; es reichte
als Zeichen der Gastfreundschaft, eine Schüssel zum Waschen der Füße
bereit zu stellen). Könnte dies ein Hinweis sein auf eine größere
Schar von Jüngerinnen, die Jesus nachfolgte und deren Namen sich die Evangelisten
nicht gemerkt haben? Vielleicht eine reichere Frau, die dieses Öl immer mit
sich herumgetragen hat, für den Tag, an dem es gebraucht würde? Vielleicht
deswegen der Aufruhr unter den Jüngern, weil sie es für schändlich
empfanden, dass die Nachfolgerin solch kostbares Gut noch (heimlich) behalten
hatte, während sie selbst ja schon längst alles aufgegeben hatten.
Jesus wehrt ihnen, denn er weiß, dass die Frau damit einen einmaligen
Akt vollzogen hat. Es ist schon merkwürdig, wenn er dann sagt „Arme habt
ihr allezeit bei euch”, so als ob es eh nichts ausmacht, ob man sich nun für
die Armen einsetzt oder nicht. Aber das ist natürlich nicht gemeint. Vielmehr
will Jesus damit nur verdeutlichen, dass das Handeln der Frau einmalig war
und genau zum richtigen Zeitpunkt geschehen ist.
In der Predigt kann nach der Bereitschaft zur Spontaneität gefragt werden.
Auch wenn die Frau das Salböl lange aufgehoben hatte, so ist doch die Entscheidung,
Jesus jetzt zu salben, spontan gefallen, weil sie spürte, dass jetzt die
Zeit gekommen war. Es ist die Bereitschaft, aus dem Trott des Alltags auszubrechen
(in diesem Fall das ständige Konzentriertsein der Jünger auf das „Den-Armen-Helfen”).
Es ist die Bereitschaft, plötzlich das zu tun, das nötig und richtig ist
in diesem Moment.
Die Geschichte eignet sich aber auch dazu, in einer Predigt dem Gedanken der Jüngerinnenschaft
nachzugehen. Was war da? Was ist immer wieder unterdrückt worden? Man muss
freilich aufpassen, sich nicht von Spekulationen leiten zu lassen. Auf der anderen
Seite ist sicher, dass es mehr Frauen in der Nachfolge Jesu gab, als in den
Evangelien erwähnt werden. Der Kontrast zwischen der materiellen Haltung der
Jünger und der liebevollen Haltung der Frau darf auch nicht dazu benutzt werden,
Klischees zu fördern. Es ist offensichtlich, dass die Handlung der Frau
von Jesus höher geschätzt wird als die Haltung der Jünger, die unserem
Ideal sozialer Fürsorge und Hilfe ja doch näher ist.
Der kirchenjahreszeitliche Ort ist durch die Nähe zum Einzug
in Jerusalem gegeben. Man gibt sich gerne der Illusion hin, dass Jesus nach
dem Einzug auch in Jerusalem geblieben sei, aber weit gefehlt, Betanien ist doch
noch etwas außerhalb von Jerusalem. Warum er nach Betanien ging, bleibt unklar.
Es erscheint fast, als sei der Text nachträglich eingefügt worden, um
ihn zeitlich näher an Jesu Begräbnis zu bringen; dann aber wäre die
Frage zu stellen, warum er nicht vor dem Einzug in Jerusalem steht. Das kann wohl
dadurch begründet sein, weil der Einzug in Jerusalem ja noch einmal Jesus als
König feiert, und erst danach die eigentliche Leidenszeit beginnt. Der Text
stellt allemal einen Kontrast dar zum feierlichen Einzug in Jerusalem, denn er zeigt
wieder direkt auf das bevorstehende Sterben Jesu.
Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 2)
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90, 1)
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Meinen Jesus lass ich nicht (EG 402)
Zieh, Ehrenkönig, bei mir ein (NB-EG 537)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-/HN-EG 586)
Herr Jesus Christus, wir danken dir für deine Liebe, die du
uns durch deinen Tod am Kreuz bewiesen hast, und das neue Leben, das uns durch deine
Auferstehung geschenkt ist. Wir wollen unseren Dank zum Ausdruck bringen, indem
wir für die bitten, die selbst keine Kraft mehr haben, die keinen Ausweg mehr
kennen, die den Tod vor Augen haben. Hilf uns, diese Menschen zu erkennen und auf
sie zu zu gehen, dass ihnen durch uns deine Liebe erfahrbar wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (z.B. EG 178.11)
Herr, unser Gott, unsere Welt ist voll von Not und Elend. Wir können uns fast
nicht vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren,
dass du bei uns bist als der Gott, der mit uns leidet. Lass uns daran glauben, dass du
keines Menschen Leid vergisst, und lass deine Nähe sichtbar werden in der Güte,
die wir Menschen einander schenken. Lass uns vor Augen haben, dass Du dieses Leid nicht
willst, und zeige uns Wege, wie wir mitbauen können an deinem Reich,
in dem Du alle Tränen von den Angesichtern abwischst. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die von Unsicherheit und von Zweifel geplagt werden
und deren Glaube an dich nachlässt; für alle, die nichts mehr vom Leben erwarten;
für alle, die nur noch schwarz sehen für ihre Zukunft, weil ihnen das Nötigste
zum Leben fehlt; für die, die ihren Glauben an die Menschen verloren haben, weil sie immer
und immer wieder enttäuscht worden sind; für die, die nicht mehr an sich glauben
und die es schwer mit sich selbst haben. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die in Gefahr sind, sich gegen ihre Mitmenschen zu verschließen
und zu vereinsamen. Für die Eheleute, die einander fremd geworden sind und
sich nichts mehr zu sagen haben; für die Eltern, die ihre Kinder nicht mehr verstehen;
für die Kinder, die ohne die Liebe ihrer Eltern aufwachsen müssen; für die Jungen
und Mädchen, denen das Leben bereits nichts mehr zu sagen hat und die Zuflucht zu Drogen nehmen;
für die, deren Kindheit durch Krieg zerstört wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Herr unser Gott, du kennst einen jeden mit Namen, du lässt keinen von uns verloren gehen. Darum
bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du ein Gott der Lebendigen
bist und dass du das Glück der Menschen willst. Gib uns allen Kraft, das sichtbar werden zu
lassen in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott, du bist der König unseres Lebens, wir bitten dich: gib uns eine
unerschütterliche Bereitschaft, uns so zu nehmen, wie wir sind. Bleibe uns nahe,
damit wir Kraft bekommen, einander beizustehen, und in Frieden miteinander zu leben, durch Jesus
Christus, unsern Herrn.
Amen
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