das Kirchenjahr

Palmarum

Der Einzug des Königs

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

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IV - Joh 17, 1-8

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Das hohepriesterliche Gebet, wie das 17. Kapitel des Johannes-Evangeliums genannt wird, steht an ähnlicher Stelle wie das Gebet Jesu im Garten Gethsemane: unmittelbar vor seiner Festnahme. Aber der Inhalt und vor allem der Charakter dieses Gebetes steht in krassem Gegensatz zu jenem Gebet der Synoptiker. Denn Jesus zeigt hier nicht seine menschliche Gestalt, sondern seine göttliche. Er ist der Sohn Gottes, der vor Anbeginn der Welt war und ewig bleiben wird. Die Kreuzigung wird angedeutet als "Verherrlichung" und nicht als Opfertod. Es ist die Tür zum Reich Gottes.
Dieses Gebet ist eigentlich ein Fürbittengebet, aber dieser Charakter wird in unserer Perikope nicht deutliche. Dafür sagt Jesus etwas über die Jünger aus (man könnte wohl fragen, ob es wirklich nur die Jünger sind, wenn Jesus in recht unpersönlicher Form von einer Mehrzahl von Menschen spricht; vom Umfeld und der Situation her ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass Jesus nur seine Jünger meint). Sie haben das Wort empfangen und bewahren es, sie haben also die Herrlichkeit Gottes gesehen, er ist ihnen in Jesus Christus offenbart worden, denn sie haben das Wort Jesu angenommen als ein Wort, das von Gott kommt. Interessant ist wohl der Gedanke, dass die Jünger schon zuvor von Gott auserwählt waren ('du hast sie mir gegeben' - Vers 6b). Der Prädestinationsgedanke (die Vorherbestimmung) wird bedrückend, weil er den Menschen ihre Freiheit raubt. Diese Vorherbestimmung ist aber offenbar nicht vollkommen, denn immerhin müssen die so zu Jesus gekommenen Menschen noch aus eigenem Willen das Wort annehmen (Vers 8).
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang scheint zu fehlen. Hier besteht keine Verbindung mit dem Einzug in Jerusalem. Man kann aber doch eine Brücke schlagen: Während bei den Synoptikern der Einzug in Jerusalem im Grunde Jesu Verherrlichung und Erhöhung unter den Menschen ist, ist es bei Johannes der Tod am Kreuz. Insofern gibt es also doch einen Zusammenhang: hier wird der König offenbar. Allerdings wird bei Johannes durch das hohepriesterliche Gebet bereits auf Jesu wahre Identität hingewiesen - beim Einzug in Jerusalem glauben die Menschen, er sei ein irdischer König.
An diesem Punkt könnte die Predigt ansetzen. Wofür halten wir Jesus? Was erwarten wir von ihm? Soll er Funktionen eines Politikers übernehmen und dafür sorgen, dass es in unserer Welt, in unserem Umfeld, besser wird? Oder sehen wir ihn als den Schöpfer, der uns die Freiheit schenkt, unser Leben selbst zu getalten, und dabei Wegweiser setzt? Denn er hat uns ja schon alles offenbart. Mehr können wir nicht erwarten, mehr brauchen wir nicht erwarten. Alles Weitere liegt an uns.

Liedvorschläge zur Predigt:


Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken (EG 88)
Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92)
Holz auf Jesu Schulter (EG 97)
Jesus Christus herrscht als König (EG 123)
Wohl denen, die da wandeln (EG 295)

Fürbittengebet

Angesichts unseres gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus kann uns das Leid so vieler Menschen in unserer Welt nicht ungerührt lassen. Lasst uns darum beten für alle Menschen, die in Not sind, für die Opfer der Kriege und Katastrophen, für die Arbeitslosen, für die wegen ihrer Rasse, ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Religion Verachteten und Verfolgten. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (EG 178.x oder gesprochen)
Herr, unser Gott, unsere Welt ist voll von Not und Elend und wir können uns fast nicht vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du bei uns bist als der Gott, der mit uns leidet. Stärke unser Vertrauen, dass du keines Menschen Leid vergisst, und lass deine Nähe sichtbar werden in der Güte, die wir Menschen einander schenken. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die von Unsicherheit und von Zweifel geplagt werden und deren Glaube an dich nachlässt, für alle, die nichts mehr vom Leben erwarten, für alle, die nur noch schwarz sehen für ihre Zukunft, weil ihnen das Nötigste zum Leben fehlt, für die, die ihren Glauben an die Menschen verloren haben, weil sie immer und immer wieder enttäuscht worden sind, für die, die nicht mehr an sich glauben und die es schwer mit sich selbst haben. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich.
Herr unser Gott, du kennst einen jeden mit Namen, du lässt keinen von uns verloren gehen. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du ein Gott der Lebenden bist und dass du das Glück der Menschen willst. Gib uns allen Kraft, das sichtbar werden zu lassen in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (EG 178.11)
Wir bitten für alle, die in Gefahr sind, sich gegen ihre Mitmenschen zu verschließen und zu vereinsamen. Für die Eheleute, die einander fremd geworden sind, für die Eltern, die ihre Kinder nicht mehr verstehen, für die Kinder, die ohne die Liebe ihrer Eltern aufwachsen müssen, für die Jungen und Mädchen, denen das Leben bereits nichts mehr zu sagen hat, und für die, deren Kindheit durch Krieg zerstört wurde und wird. Wir rufen zu dir:
Gem: Herr, erbarme dich. (EG 178.11)
Herr, unser Gott, du bist der König über alle Welt, du bist der König unseres Lebens, wir bitten dich: gib uns eine unerschütterliche Bereitschaft, einander so zu nehmen, wie wir sind. Hilf, dass wir auf Deine Gegenwart vertrauen, damit wir Kraft bekommen, einander beizustehen, und in Frieden miteinander zu leben, durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen



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