das Kirchenjahr

Pfingstmontag

Ausgießung des Heiligen Geistes

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe I - Mt 16, 13-19

Liebe Gemeinde!
Ich kann mir denken, dass eine Predigt über diesen Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium ganz anders klingen würde, wenn sie in einer katholischen Kirche gehalten würde. Aber mal sehen, was wir für die Ökumene aus diesem Text gewinnen können.
Jesu Frage an seine Jünger ist etwas merkwürdig. Es hat etwas von Eitelkeit an sich, eine solche Frage zu stellen. Weiß er nicht selbst, wer er ist? Kümmert ihn wirklich die Meinung der anderen?
Im Grunde hat er doch schon bewiesen, dass es ihm völlig egal ist, wie er bei den Menschen ankommt. Er ist, wer er ist. Er folgt dem Weg, den ihm sein himmlischer Vater vorgegeben hat. Er zeigt Unrecht auf und prangert Machtmissbrauch an. Er wendet sich den Armen und Außenseitern zu.
Vielleicht will er ja auf diese Weise ganz bewusst provozieren, aber ich glaube eher, dass er kein Unruhestifter ist, sondern dass ihm einzig und allein der Wille Gottes am Herzen liegt.
Also handelt er entsprechend und stört sich nicht an dem, was die Menschen über ihn denken, denn Gott ist über allem, ihm muss man mehr gehorchen als den Menschen.
Wozu also diese Frage?
Die Motivation Jesu wird uns wohl ein Rätsel bleiben. Vielleicht will er seine Jünger prüfen, vielleicht will er wissen, wie deutlich geworden ist, dass er der Sohn Gottes ist? Vielleicht liegt ihm auch nur daran, die Verhältnisse unter den Jüngern zu ordnen. Alles ist möglich, und es kann auch eine Mischung aus verschiedenen Motiven sein.
Vielleicht aber liegt Jesus nur daran, Klarheit für seine Jünger zu schaffen.
Dabei steht am Anfang eine ganz unverfängliche Frage, die zu beantworten nicht so schwer fallen dürfte, die aber nichts für die Gemeinschaft der Jünger austrägt:
Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ (Mt 16, 13)
Offenbar kann Jesus voraussetzen, dass seine Jünger ihn als Menschensohn identifizieren und kennen. Nun wissen wir aber noch nicht einmal genau, was ein „Menschensohn“ ist. Da haben uns die Jünger damals schon einiges Voraus.
Der Begriff „Menschensohn“ wird im neuen Testament recht häufig gebraucht und ist ein Hoheitstitel, so wie man etwa „König“ oder „Herzog“ sagen würde.
Aber es ist eben nicht „König“ oder „Herzog“, denn sonst hätte Jesus das ja so gesagt. Es ist „Menschensohn“, und dieser Titel verbindet ihn in gewisser Weise mit Gott, denn auch im Alten Testament taucht er immer wieder mal in einem solchen Zusammenhang auf.
Aber die Antwort auf diese erste Frage, die Jesus gewissermaßen bei den Propheten einreiht, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Jesus hält sich damit auch nicht lange auf, fängt nicht an, darüber zu diskutieren, welche Antwort denn nun der Wahrheit am nächsten kommt. Er scheint vielmehr etwas ungeduldig zu werden und fragt:
Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ (Mt 16, 15)
Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Diese Frage ist nicht nur den Jüngern damals vor fast zweitausend Jahren, sondern auch uns heute gestellt. Wer sagt denn ihr, dass dieser Jesus sei?
Ob unsere Antwort so direkt wie die des Petrus wäre: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“? (Mt 16, 16)
Viele haben damit heute ihre Probleme. Auf der Webseite der EKD liest man in dem Glaubens-ABC unter dem Abschnitt Jesus:
„Die Eltern Jesu waren Maria und Josef.“ (http://www.ekd.de/glauben/abc/jesus.html) Das Bekenntnis des Petrus spielt da überhaupt keine Rolle, und dass das wahrhaft ökumenische Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel und das meist von uns gesprochene Apostolische Glaubensbekenntnis von Jesus Christus als dem eingeborenen Sohn Gottes spricht, scheint auch ohne Bedeutung zu sein.
Wie würden wir auf diese Frage Jesu antworten:
Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ (Mt 16, 15)
Ich bin dankbar und froh, dass wir die Antwort auf diese Frage nicht von der Webseite der EKD ablesen müssen, sondern aus den durch jahrzehntelange Diskussion, Beratung und vor allem Gebete entstandenen Bekenntnissen der alten Kirche entnehmen können. „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Mt 16, 16)
Nicht umsonst reagiert Jesus auf die Antwort des Petrus mit einer so fundamentalen Aussage:
Selig bist du, Simon, Jonas' Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Mt 16, 17)
Es ist also keine Erkenntnis, die wir aus uns selbst heraus gewinnen könnten. Diese Erkenntnis erwächst aus dem Glauben, den Gott uns zu schenken bereit ist.
Mit diesem Bekenntnis fängt die Kirche an. Das ist, so kann man sagen, der Grundstein der Kirche. Wenn die Kirche nicht bekennen kann oder will, dass Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes, kann sie auch nicht Kirche sein.
Denn Kirche ist nicht nur ein Verein, der sich überwiegend im sozialen und ethischen Bereich auf vielfache Weise engagiert.
Kirche ist zuallererst die Gemeinschaft der Heiligen, die sich zu Christus als dem Sohn des lebendigen Gottes bekennen. Er ist das Haupt, sie sind die Glieder. Wir sind die Glieder, denn durch die Taufe im Namen des dreieinigen Gottes sind wir zu einem Leben in Heiligkeit berufen.
Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16, 16)
Die Tragweite dieser Aussage hatte vermutlich Petrus zu dieser Zeit noch gar nicht recht begriffen.
Es war auch zu der Zeit, als das Matthäus-Evangelium geschrieben wurde, noch nicht so, dass alle Christen dies auch glaubten. Vielmehr stritt man mitunter recht heftig über der Frage, wer denn Jesus wirklich sei. Und so ist es eine Errungenschaft der ersten Jahrhunderte christlicher Kirche, dass dieses Bekenntnis den Grund legt für alles, was wir über Gott und sein Handeln in dieser Welt sagen können.
Dies zu glauben, eint uns als Christen, ob wir nun römisch-katholisch, lutherisch, baptistisch, reformiert oder einer anderen Denomination angehörig sind. Das ist der Grundstein, den niemand wegnehmen kann.
Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Dieser Glaube ist es, der uns Halt gibt in scheinbar ausweglosen Situationen, der uns neue Wege zeigt und neue Möglichkeiten, der uns Trost schenkt, wenn wir traurig sind, der uns Mut macht, wenn wir niedergeschlagen sind, der uns reich macht, auch wenn wir nur gerade genug verdienen, um ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu haben.
Denn weil Jesus Christus der Sohn Gottes ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass er unsere Lebenssituation kennt. Denn Jesus Christus hat alles durchlitten. Er hat das Menschsein gewissermaßen durchgemacht, er ist an unserer Seite und weiß, wie uns zumute ist, ganz gleich, was uns widerfährt.
Dieser Glaube schenkt uns Gemeinschaft untereinander, auch über die verschiedenen Denominationen hinweg, er macht es möglich, dass wir miteinander, dass wir ökumenisch Gottesdienst feiern, heute, hier, und uns nicht voneinander abwenden.
Ich bin dankbar, dass wir uns so nahe gekommen sind, und hoffe und bete, dass so, wie es der Wille Gottes ist, wir wieder zur Einheit der Kirche finden werden.
Jesus hat noch mehr Worte für Petrus, die ganz deutlich auf die Aufgabe der Kirche hinweisen:
Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben:Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.” (Mt 16, 19)
An einer anderen Stelle im Johannes-Evangelium wird diese Vollmacht, die hier dem Apostel Petrus allein zugesprochen wird, allen Jüngern übertragen:
Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“. (Joh 20, 22b-23)
Ich erinnere mich daran, dass ich diese Formulierung als junger Mensch nie ganz verstanden hatte. Jesus überträgt damit seinen Jüngern die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Aber nicht nur das: es gehört auch die Vollmacht dazu, den Menschen an seine Sünden zu binden. Und das bedeutet mit anderen Worten, dass es für den Menschen keine Möglichkeit mehr gibt, von seinen Sünden los zu kommen. Allein die Kirche kann das tun, und Gott, so kann man auch daraus ablesen, respektiert die Entscheidung der Kirche.
Aber die Kirche, das sind nun nicht nur die Würdenträger, nicht nur die Pfarrer, Priester und Bischöfe, sondern das sind alle Menschen, die getauft sind und zu einer christlichen Kirche gehören. Und darum darf man wohl folgern, dass jeder Christ Sünden vergeben oder behalten kann.
Doch hat man das vor allem im Mittelalter und in den folgenden Jahrhunderten anders gesehen. Auch heute noch ist die Vergebung der Sünde in der römisch-katholischen und in der orthodoxen Kirche ein Sakrament, das nur von einer entsprechend berufenen und geweihten Person gespendet werden darf.
Lange Zeit wurde die von Jesus Christus erteilte Vollmacht missbraucht, um Politik zu treiben oder manchmal auch nur um des Geldes willen. Das war dann auch der Anlass für Martin Luther, die Praxis der Kirche, nämlich Sündenvergebung gegen Geld zu erteilen, in Frage zu stellen.
Heute ist das anders. Es werden keine Ablassbriefe mehr verkauft, und die Menschen gehen mit ihrer Schuld anders um als noch vor 50 Jahren.
Viele tragen ihre Schuld lieber mit sich herum wie einen mit Steinen gefüllten Rucksack, anstatt um Vergebung zu bitten und sich dann auch zusprechen zu lassen.
Die wenigsten Protestanten wissen, dass Martin Luther die Beichte, die durch diese Worte unseres Herrn ja im Grunde eingesetzt wird, als gut und hilfreich angesehen hat. In den lutherischen Bekenntnisschriften wird die Beichte und die damit verbundene Sündenvergebung auch als ein Sakrament neben der Taufe und der Feier des Heiligen Abendmahls bezeichnet.
Aber nicht nur deswegen ist es für alle Christen gut und richtig, die Möglichkeit der Beichte zu nutzen. Denn durch die Beichte erfahren wir auf besondere Weise die vergebende Liebe Gottes, wir bekommen die Vergebung unserer Sünden ausdrücklich zugesprochen. Und dieser Zuspruch tut gut.
Liebe Gemeinde,
Petrus ist einer der beiden Namenspatrone dieser Kirche. Die Schlüssel, mit denen er häufig dargestellt wird, sind Symbole der Vollmacht, die ihm in unserem Predigttext übergeben wurde: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ (Mt 16, 19a)
So wollen wir uns das immer wieder bewusst machen: Schuld muss uns nicht unser Leben lang begleiten und niederdrücken. Wir dürfen sie ablegen. Der Zuspruch der Versöhnung befreit uns zu einem Leben in der Gegenwart Gottes. Mögen wir das heute in besonderer Weise spüren.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
O heiliger Geist, o heiliger Gott (EG 131)
O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)
Herr, wohin sollen wir gehen (EG 261)
Singt das Lieder der Freude, Freunde (EG 306)
Such, wer da will (EG 346)

Predigtvorschläge zu Reihe IV - 4. Mose 11, 11-12.14-17.24-25(26-30) (=Num 11, 11-12.14-17.24-25(26-30))

Liebe Gemeinde!
Pfingsten – das ist ein schönes Fest. Die Gärten stehen in voller Blüte, und wenn die Sonne scheint, kann es eigentlich keinen mehr in der Stube halten. Man muss ins Grüne, das frische Grün der erwachenden Natur ist anregend, der Beginn neuen Lebens, den man überall wahrnimmt, ist überwältigend.
Dabei ist die Natur ja eigentlich schon weit fortgeschritten. Die Obstbäume sind verblüht und bilden nun ihre Früchte aus, viele Vogelkinder sind schon ausgeflogen, die ersten Erdbeeren werden bald reif sein, Pfingstrosen blühen, endlich mal am Tag, der ihnen den Namen gab, und die bunte Vielfalt der Insekten kann auch uns erfreuen.
Das überwältigende Erwachen der Natur, das wir in diesem Jahr etwas früher erlebt haben als meist, das aber noch längst nicht zu Ende ist, ist zugleich ein Symbol für das, woran wir an Pfingsten besonders denken: die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Wir haben gestern in der Epistellesung gehört, wie es da zu sich ging, wie sich neue Wege eröffneten, wie Menschen angerührt wurden – mehrere Tausend – und sich taufen ließen, weil sie erkannten: da ist etwas Neues, etwas Großartiges, da ist Gott am Werk und bewegt die Menschen, und nicht nur das: es war deutlich erfahrbar, dass der lebendige Gott durch seinen Geist mitten unter ihnen war.
Pfingsten – das Pfingstfest der Christenheit geht zurück auf ein jüdisches Fest (Lev 23), das aber nichts mit der Ausgießung des Heiligen Geistes zu tun hat. Am Pfingsttag feierte und feiert auch heute das Volk Israel sein Erntedankfest. Darum waren damals so viele aus verschiedenen Ländern in der Stadt Jerusalem, um gemeinsam zu feiern und Gott für eine gute Ernte zu danken.
An diesem einen Pfingstfest nun machte sich der Geist Gottes bemerkbar, indem er die verzagten Herzen der Jünger verwandelte, indem er ihnen das Leben einhauchte, sie teilhaben ließ an der Herrlichkeit Gottes auf einzigartige Weise. Sie redeten in verschiedenen Sprachen, fanden den Mut, von all dem zu erzählen, was sie mit Jesus Christus erlebt hatten, und fühlten sich getragen von der Kraft Gottes.
Dieser Geist blieb bei ihnen, war die tragende Kraft der jungen, wachsenden Kirche, gab ihr immer neue Impulse und Wegweisungen.
Heute feiern wir dieses Fest, nach rund 2000 Jahren, etwas gelassener als damals. Nicht nur das: rund drei Viertel der deutschen Bevölkerung wissen laut einer aktuellen Umfrage gar nicht, warum wir Pfingsten feiern. Für sie ist es nur ein willkommenes verlängertes Wochenende, mehr nicht. Und Konfirmanden können mit dem Begriff „Heiliger Geist“ zunächst auch gar nichts anfangen. Wenn sie ihn malen wollen, erscheint auf dem Papier oft ein Gespenst.
Haben Sie schon mal mit Ihren Nachbarn darüber gesprochen, warum Pfingsten gefeiert wird? Tun Sie es.
Heute ist uns ein Predigttext vorgegeben, der mit Pfingsten nichts zu tun hat – zumindest nicht direkt. Es ist kein Pfingstfest, von dem die Rede ist, wohl aber vom Geist Gottes. Aber auch dies erscheint zumindest merkwürdig, ganz anders, als wir uns den Geist Gottes eigentlich vorstellen. Hört aus dem 4. Buch Mose, dem Buch Numeri, im 11. Kapitel:

„Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? 12 Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? 14 Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. 15 Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.
16 Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, 17 so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.
24 Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. 25 Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.“


Mose klagt darüber, dass ihm die Aufgabe, das Volk Israel zu führen und die Verantwortung für sie zu tragen, zu schwer geworden ist, und möchte lieber sterben als es weiterhin alleine tun zu müssen. Er hat Angst, zu versagen.
Gut, dass er sich mit diesem Anliegen an Gott wendet, denn der weiß, was zu tun ist. Er nimmt von dem Geist, der auf Mose ruht, und verteilt ihn auf 70 von Mose auserwählte Älteste.
Das Merkwürdige dabei ist die Art und Weise, wie der Geist Gottes hier dargestellt wird. Es scheint, als könne man ihn quantitativ bewerten.
Gott nimmt von dem Geist – das bedeutet ja, dass er einen Teil wegnimmt – und diesen Teil verteilt er dann auf die 70 Personen. Jeder der 70 Ältesten bekommt also ein Siebzigstel von dem Teil, wobei nicht ganz klar ist, wieviel am Ende für Mose übrig bleibt. Ziemlich sicher mehr als ein Einundsiebzigstel.
Was ändert sich dadurch? Wenn man es genau nimmt, doch eigentlich gar nichts. Es sind siebzig Menschen mehr, die an der Führung des Volkes beteiligt sind, aber der Geist, der dazu befähigt, ist nicht mehr geworden. Jeder hat nur noch ein bisschen davon, und wer weiß, was das für Auswirkungen haben kann.
Immerhin wird es eine Entlastung für Mose sein. Nicht jeder wird mehr mit seinem Anliegen zu Mose kommen. Aber zugleich mag man sich fragen, ob nicht Mose es mit der Menge Geist, die ihm vorher zur Verfügung stand, nicht auch alleine hätte schaffen können? Schließlich ist der Geist, der auf ihm ruht, jetzt ja weniger geworden, und wer weiß, ob nicht die verbliebene Menge so wenig ist, dass er am Ende wieder darüber klagt, es sei ihm alles zu viel...
Ich möchte das Ganze durch ein Experiment verdeutlichen, das wir uns allerdings in der Durchführung nur vorstellen können, weil zu einer Vorführung die Mittel fehlen.
Nehmen wir 1 kg Salz. Das tun wir in ein Gefäß mit einem Liter Wasser. Das Ergebnis wird ganz schön salzig sein, wohl kaum trinkbar. Jetzt stellen wir 71 Gefäße mit je einem Liter Wasser auf – eins für Mose und die übrigen 70 für die Ältesten. Da wir das Salz aus dem Wasser im ersten Behälter nicht mehr rausbekommen (Gott würde das schon hinkriegen), müssen wir nun mit einem kg Salz von vorne anfangen. Nehmen wir 500 gr für Mose, und auf die übrigen 70 Gefäße verteilen wir den Rest: das macht etwa 7 Gramm pro Liter. Da kann man das Wasser sogar noch trinken. Es ist kaum etwas zu spüren von dem Salz.
Und doch merkt man, dass es da ist, vielleicht nur dadurch, dass das Wasser plötzlich einen Geschmack entwickelt, woher, weiß man gar nicht so genau.
So ähnlich verhält es sich mit dem Geist Gottes. Es ist egal, ob man viel oder wenig davon hat: man spürt seine Existenz.
In dem Experiment ist von einem Kilo Salz die Rede – ich vermute mal, dass der Geist Gottes in größeren Mengen vorhanden ist und nicht so schnell erschöpft werden kann. Aber auch dann, wenn in jeden Liter Wasser weit weniger als ein Gramm käme: das Salz würde dieses Wasser durchdringen, so wie der Geist Gottes die Menschen durchdringt.
In der Erzählung unseres Predigttextes wird es ganz deutlich erkennbar durch die Art und Weise, wie sich die Ältesten plötzlich verhalten: wie die Propheten geraten sie in Verzückung und hören damit nicht auf. Es ist ein Zustand der Ekstase, sie sind außer sich, vielleicht tanzen sie wild herum oder beginnen zu singen.
Der Geist Gottes ist zwar unsichtbar, aber er macht sich bemerkbar, er ist spürbar. Das muss nun nicht unbedingt dadurch erkennbar werden, dass man wie ein Derwisch umhertanzt. Der Geist wird auf vielfache Weise erfahrbar.
Paulus nannte das Geistesgaben. Und er konnte eine Menge davon aufzählen: Prophetie, Heilung, Weisheit, Glaube, Geister unterscheiden, Erkenntnis, Zungenrede – die Liste ist damit längst nicht erschöpft. Gott schenkt diese Gaben durch seinen Geist.
Vielen mag es so scheinen, als habe der Geist ihnen nichts zugeteilt, als seien sie leer ausgegangen. Immerhin scheint das zu Moses Zeiten ebenso gewesen zu sein. Insgesamt 71 Personen hatten den Geist, die übrigen, viele tausend, nicht.
Ist es so? Sollen wir uns damit zufrieden geben?
Wenn ja, müssten wir uns wohl auf die Suche begeben nach denen, die den Geist haben bzw. in denen der Geist Gottes wirkt. Denn was wäre die Kirche ohne ihn?
Aber es ist ja nicht so. Vielmehr wird Gottes Geist einem jedem zuteil durch die Taufe. Das ist Gottes Geschenk an uns.
Wie gehen wir mit diesem Geschenk um? Damals, zur Zeit des Mose und beim ersten Pfingstfest, schien es so, als ob man sich gar nicht gegen die Auswirkungen des Geistes wehren könne. Er überwältigte einen, drängte die Menschen nach draußen, ließ sie auffallen. Der Geist predigte durch sie.
Heute hat man das Gefühl, dass der Geist wegrationalisiert wurde. Wenn man eine Regung in sich spürt, unterdrückt man sie lieber, um ja nicht aufzufallen. Aber was für eine Kirche ist das, wenn sie nicht dem Geist Gottes Raum gibt? Wenn sie ihm nicht erlaubt, die Kontrolle zu übernehmen?
Fragen wir anders herum: was für eine Kirche ist es, die dem Geist Gottes Raum gibt? Nun, ich glaube, dass das eine lebendige, bewegte Kirche ist. Eine Kirche, in der sich Menschen gegenseitig spontan und ohne Aufforderung helfen. Eine Kirche, in der man anderen mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine Kirche, in der man füreinander betet, auch in der Öffentlichkeit, wenn es nötig ist. Eine Kirche, in der man sich nicht auf Geld, sondern auf den Geist Gottes verlässt. Eine Kirche, die nicht dreißig Jahre oder mehr in die Zukunft plant, sondern die darauf vertraut, dass der Herr der Kirche für das Morgen sorgt.
Es ist Pfingsten, das Geburtsfest der Kirche, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Finden wir den Mut, uns auf diesen Geist einzulassen, der auch heute derselbe ist, wie er damals war.
Amen

oder

Liebe Gemeinde!

Es war einmal, man glaubt es kaum,
ein kleines Volk auf großem Raum,
doch hatten sie, das ist schon schade,
fast nie Gelegenheit zum Bade,
denn wüst und öde war das Land
in das ihr Gott sie hat gesandt.
Es ist noch gar nicht lange her,
von gar nicht weit kamen sie her.
Im Land Ägypten wohnten sie,
dort hatten sie auch eignes Vieh,
und gut zu essen, das ist wahr,
so zartes Fleisch - ganz wunderbar!
Und jetzt gab's nur noch Einerlei
aus Manna - Und sie machten Brei
und Fladen und auch leckre Kuchen
die durfte jeder mal versuchen,
Doch irgendwann war's dann vorbei
mit all der Kuchenbäckerei.
»Es muss doch auch was andres geben,
als nur das Manna, das wir eben
an jedem Morgen fleißig sammeln -
doch nicht zu viel, sonst wird's vergammeln -
nein, nur das eine ist nicht gut,
das bringt uns noch zur Zornesglut,
wir wollen wieder, was wir hatten,
die saft'gen Rindfleischlendenbraten
dazu Kartoffeln und Gemüse
und vor dem Haus 'ne grüne Wiese.
Wir wollen wieder nach Ägypten,
das Land, das wir doch so sehr liebten.«
So klagten sie in einem fort
seitdem sie wohnten hier am Ort.
Ja, alle hatten sie vergessen,
dass sie als Sklaven dort gesessen,
und dass ihr Gott mit seiner Kraft
die Freiheit ihnen hat verschafft.
So klagten sie's dem einz'gen Mann,
der ihnen hier noch helfen kann.
Doch der, der hörte gar nicht zu,
er wollte endlich seine Ruh.
Und dieser Mann, der Mose hieß,
Ein Stoßgebet gen Himmel ließ,
denn dieses Murren und die Klagen,
die ließen ihn nun auch verzagen.
So bat er Gott um seine Gnade,
dass er nicht solche Last ihm lade
auf seinen schwachen, schmalen Rücken.
Das würde ihn zu sehr erschüttern.
Sie waren ja nicht seine Kinder,
dass er nun stopfen müsst' die Münder,
und alle in den Armen tragen,
das wollte er dem Gott nun sagen
und fügte an zum guten Schluss:
»Was ich dir auch noch sagen muss:
Dies Unglück lässt mich ganz verderben,
da will ich lieber schnell jetzt sterben,
anstatt ganz langsam und in Raten;
ich kann nicht tun, worum sie baten.«
Gott hörte Mose und begann
sogleich mit einem guten Plan,
und gab dem Mose den Befehl:
»Erwähle vom Volk Israel
mir 70 Mann, die möglichst weise,
und tu es schnell und auch schön leise,
ich will sie alle überraschen
und ihnen auch die Ohren waschen,
sie haben mich so ganz vergessen
und denken nur ans gute Essen.
Doch du, mein Lieber, denke dran,
du bist und bleibst der beste Mann,
der meine Kinder führen soll,
denn du machst das schon richtig toll.
Du hast jetzt nur ein großes Tief
weil du des Nachts zu wenig schliefst.
Ich will dich wieder ganz erheitern
dir soll in Zukunft nichts mehr scheitern.
Ab morgen wird es anders werden,
dann kommen schon in großen Herden
die Wachteln alle angeflogen
von ferne, von den Meereswogen,
ich werd' sie alle zu euch senden,
so wird sich euer Leid bald wenden.
Doch tue nun, was ich dich bat,
und schreite eiligst bald zur Tat,
die 70 Mann will ich nun sehen,
vor meinem Zelt sollen sie stehen.
Und sprechen will ich dort zu dir,
an meiner eignen, großen Tür.
Dann will ich nehmen, pass gut auf,
vom Geist, der jetzt schon auf dir drauf,
ich nehme also und verteile,
von diesem Geist für eine Weile,
das heißt genau: den siebzig eben,
die du erwählt, will ich ihn geben.
Die werden dann zum Volke sprechen,
wenn es mal kommt zu 'nem Verbrechen,
oder wenn zwei sich wieder streiten,
und ärgern sich mit Eitelkeiten,
dann kannst du deine Kräfte sparen,
die siebzig werden dich bewahren
vor allen diesen Nichtigkeiten.«
Zur Tat der Mose wollte schreiten.
Und gleich er ging und sprach zum Volke
nicht wie der Herr aus einer Wolke,
er sprach ganz so wie Menschen tun
und stand dort fest in seinen Schuhn.
Er sagte: hört mir alle zu!
Da ihr mir gebt ja keine Ruh
hab ich zu Gott, dem Herrn, gesprochen,
der hat den Braten längst gerochen,
und mir gesagt: ich sollte wählen -
damit ihr mich nicht mehr könnt quälen -
mir 70 Männer, gut und weise,
aus diesem bunten, frohen Kreise.«
Er wählte siebzig - alt und schlau -
es waren siebzig ganz genau.
Und als sie vor dem Zelte standen,
und selber nichts zu tuen fanden,
Da kam der Herr in einer Wolk
das konnte sehn das ganze Volk.
Und flugs nahm jener von dem Geist,
den Mose hatte allermeist,
und gab ihn denen, die da standen
ums Zelt herum bei den Girlanden,
die rings umher das Zelte schmückten,
und aller Augen so entzückten.
Und kaum war dieses nun geschehn,
als man den Geist nicht konnte sehn,
geschah etwas verwunderlich
für manche sogar ärgerlich:
die siebzig hüpften vor Entzücken
und beugten munter ihre Rücken,
sie tanzten so ganz wie von Sinnen,
sie schauten nur noch ganz nach innen
und hörten nichts, was außen war,
und sahen nichts, wie sonderbar.
Sie sangen nur in fremder Weise
mit fremden Worten, sanft und leise.
Man sagte: »Die sind wie Propheten,
die reden nur, nachdem sie beten,
sie sagen Gottes Wort uns weiter,
und das ist manchmal gar nicht heiter,
doch besser ist es, wenn wir ihnen
glauben, so wie sie's verdienen.«
Man sah die siebzig munter hüpfen
den Geist sah man nicht in sie schlüpfen,
denn der lässt sich ja gar nicht sehn,
was manche Menschen nicht verstehn,
doch wirkt er in den Menschen weiter,
und macht sie mutig und auch heiter,
er tröstet, die in Trauer leben,
und hilft der Seel, sich zu erheben.
Der Geist, er schenkt uns Zuversicht
und hilft, dass wir verzagen nicht.
Er lässt uns alle friedlich werden,
damit die Menschen hier auf Erden
nicht länger nur sich selber sehn
sondern auf andre auch zugehn.
Der Geist, der weht doch, wo er will,
er kommt ganz heimlich und ganz still,
er ist mal hier und auch mal dort,
er wandert auch von Ort zu Ort,
er kommt zu denen, die Gott lieben,
die ihm ihr Leben ganz verschrieben.
Doch halten können wir ihn nicht,
denn Jesus ihn uns zwar verspricht,
nur bleibt er frei und ausgelassen,
drum können wir ihn gar nicht fassen,
er ist ja frei, frei wie der Wind,
so frei wie wir als Gottes Kind.
Die Menschen, die ihn nötig haben,
die werden sich an ihm schon laben,
bei ihnen wird der Geist still ruhn,
und dann sein Werk bei ihnen tun.
So feiern wir heut froh und frei
das Pfingstfest mit dem Geist dabei,
wir freuen uns, dass Gott uns nah,
und so im Geiste immer da.
So freun wir uns in Gottes Namen
und sprechen fröhlich unser
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (EG 125)
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126)
Heilger Geist, du Tröster mein (EG 128)
Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)
O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)