das Kirchenjahr

1. Sonntag im Advent

Der kommende Herr

Predigtanregung

Der 1. Sonntag im Advent steht unter dem Zeichen des Evangeliums vom Einzug Jesu in Jerusalem. Vordergründig hat diese Erzählung nichts mit Advent und schon gar nicht mit dem Christfest zu tun. Wenn man aber etwas weiter darüber nachdenkt, fällt gerade in unserer Zeit auf, dass wir selbst unseren Herrn ja so begrüßen wie damals die Menschen in Jerusalem - als den Sohn Davids, den Messias - um ihn dann wenig später zu verachten und ans Kreuz zu bringen. Heute ist es wohl unser Konsumverhalten, das unseren Herrn ans Kreuz bringt.
Als Anfang des Kirchenjahres wird dem 1. Advent liturgisch eine hervorgehobene Bedeutung gegeben, was sich vor allem in den Gebeten niederschlägt. Ebenso kann an diesem Sonntag auch das „Gloria in excelsis Deo” gesungen werden.
Lesen Sie mehr über die Adventszeit.
Der originale Name des 1. Adventssonntags lautet „Ad te levavi”, was sich von dem früheren lateinischen Introitus ableitet („Zu dir erhebe ich meine Seele”, Ps 25,1).

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

V - Offb 3, 14-22

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: 15 Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! 16 Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. 17 Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. 18 Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. 19 Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! 20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. 21 Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. 22 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Das Sendschreiben an Laodicea könnte gut an nahezu jede Gemeinde unserer Zeit gerichtet sein. Die Sendschreiben sind gewissermaßen „Beispielschreiben”, sie wenden sich eigentlich an die Leser/innen der Offenbarung. Alle sind aufgefordert, sich selbst wiederzuerkennen, ohne dabei überheblich oder am Boden zerstört zu sein. Die Sendschreiben wollen ermutigen, je nachdem in was für einer Situation man sich befindet. Wer in der Verfolgung (aufgrund seines Glaubens) lebt, soll standhaft bleiben. Wer meint, dass das, was gepredigt wird, nicht dem Willen Gottes entspricht, soll das auch sagen. Wer in seiner Gemeinde Menschen duldet, die einem anderen Weg folgen, sollte sehr genau hinschauen und nötigenfalls handeln. Wer das Gebot der Nächstenliebe ausübt, soll damit nicht aufhören. Wer sich Christ nennt, aber gleichgültig ist gegenüber der Gemeinde und dem Gottesdienst, soll Buße tun und sich in Acht nehmen, denn der Name allein reicht nicht aus.
Das Sendschreiben an Laodicea ist nicht ohne Grund das letzte in der Reihe der sieben. Denn die Sendschreiben zuvor wenden sich (fast) alle an Menschen, die sich aktiv mit ihrem Glauben auseinandersetzen und daraus Konsequenzen gezogen haben, vielleicht auf dem Holzweg, aber doch aus einer Überzeugung heraus. Das Sendschreiben an Laodicea nun richtet sich an die Menschen, denen der Glaube gleichgültig ist oder eine Art Luxus, den man sich aus irgendwelchen Gründen leistet, der aber in keiner Weise von existenzieller Bedeutung ist. Vermutlich hat es in vielen Gemeinden in den letzten Jahren umfangreiche diakonische Tätigkeiten gegeben, vor allem im Blick auf die Asylsuchenden, die bei uns Zuflucht suchen. Aber oft hat dieser Einsatz nichts mit dem Glauben zu tun, sondern ist eher humanistisch motiviert, vor allem, wenn man in der Begegnung mit anderen geflissentlich seinen Glauben verschweigt oder gar verleugnet.
In der Predigt muss man schon genau hinschauen, damit man niemandem auf die Füße tritt, man sollte aber auch den Mut haben, den Duktus der Sendschreiben deutlich zu machen: Christsein heißt mehr als freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein. Christsein ist eine existenzielle Herausforderung, die Konsequenzen fordert. Und dazu gehört auch: von seinem Glauben zu reden und andere Menschen dazu einzuladen.
Die Lauheit der Gemeinde wird an vielen Dingen erkennbar, vor allem aber am Gottesdienstbesuch. Es besteht auch in den Kirchenleitungen eine Tendenz, den Gottesdienstbesuch abzuwerten, indem man duldet, dass in manchen Gemeinden nur noch einmal im Monat Gottesdienst gefeiert wird (die letzte Perikopenordnung bietet explizit für diese Situation eine eigene Perikopenreihe an, um so doch noch irgendwie das ganze Kirchenjahr abzudecken). Dies ist sicher der Situation - dem Mangel an Pfarrpersonen - geschuldet. Allerdings scheint es auch mit einer falschen Prioritätensetzung in Verbindung zu stehen. Der Verwaltungsaufwand ist in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen und immer mehr auf die Pfarrpersonen abgewälzt worden, indem die Zuweisungen für unterstützende Kräfte (Küster/in, Sekretär/in, Diakon/in, Gemeindehelfer/in) drastisch reduziert wurde. Weil so wenig Menschen in den Gottesdienst kommen, neigt man dann dazu, den Gottesdienst abzuwerten, denn es lohne nicht den Aufwand...
Es wäre aber verkehrt, dies in der Predigt zu sehr zu betonen, denn diejenigen, die sie hören, sind ja zum Gottesdienst gekommen. Es wäre aber durchaus richtig, dazu aufzufordern, andere mitzunehmen, d.h. die Nachbarn einzuladen. Es kommt nicht darauf an, dass es der Gemeinde finanziell gut geht. Es kommt vielmehr darauf an, dass wir bereit sind, auf unseren Herrn zu hören und ihm die Tür zu öffnen, wenn er anklopft. Es kommt darauf an, Gottesdienst zu feiern, denn in ihm hören wir und machen uns bereit, ihn zu empfangen in der Feier der Eucharistie (des Abendmahls).
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird allein im Vers 20 erkennbar, wo das Kommen des Herrn direkt angesprochen wird. Es wird gut sein, in der Predigt die Verantwortung jedes Einzelnen gegenüber den Nachbar(inne)n zu betonen, sie einzuladen zur Teilnahme am Gottesdienst und am Leben der Gemeinde, denn es gilt, die Sinne wach zu halten für das Kommen des Herrn, was wohl kaum gelingt, wenn man sich nur mit sich selbst beschäftigt. Dabei soll sich das Leben der Gemeinde aber nicht in Kaffeetafeln u.ä. erschöpfen, sondern z.B. in Bibelkreisen u.ä. erkennbar werden.

Liedvorschläge zur Predigt:

Mit Ernst, o Menschenkinder (EG 10)
Dein König kommt in niedern Hüllen (EG 14)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)
Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Ach Gott und Herr (EG 233)
„So wahr ich lebe”, spricht dein Gott (EG 234)

Fürbittengebet

Himmlischer Vater, du lässt dein Heil kund werden allen Völkern. In Barmherzigkeit wendest du dich deiner Schöpfung zu, vergibst, wo Schuld unüberwindbare Mauern errichtet hat, und lässt einen Neuanfang zu. Hilf uns, dass wir dessen bewusst werden, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Weil du uns dein Heil erkennen ließest, darum bitten wir dich für die, die es nicht wahrhaben wollen: begegne ihnen auf eine Weise, dass ihre Augen und ihre Herzen aufgetan werden. Erbarme dich über ihre Hartherzigkeit und Gleichgültigkeit. Rufe sie in deine Gemeinde.
Wir bitten dich für die, die glauben, ihre Zukunft selbst in der Hand zu haben. Lass sie straucheln, damit sie erkennen, wer die Geschicke aller Menschen in der Hand hat. Doch lass sie nicht ins Bodenlose fallen. Lass sie den Weg finden in die Gemeinschaft derer, die sich geborgen wissen in deiner Liebe.
Wir bitten dich für die Sprachlosen unter uns: rühre ihre Lippen an, damit sie von dem erzählen können, was du an ihnen getan hast. Erfülle sie mit der Gewissheit, dass du unsere Zeit in deinen Händen hältst, und lass sie Frieden verkünden.
Wir bitten dich für die Kranken und Sterbenden unter uns: lass sie dein Heil erfahren durch die Nähe deines Sohnes Jesus Christus. Stelle Menschen an ihre Seite, die deine Liebe kundtun durch ihr Handeln und Reden.
Gott, wir danken dir, dass du uns teilhaben lässt an deiner Güte und Barmherzigkeit. Wir freuen uns an deinem Heil und hoffen auf dich. Komm bald, Herr, und erfülle unsere Herzen mit dem Glanz deines Lichtes.
Amen



Buchempfehlungen:
  • In tiefster Nacht erschienenWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Advents- und Weihnachtszeit v. Christiane Nadjé-Wirth. Neukirchender Verlag 2018, 132 S. - 1. Auflage.
    Sorgfältig ausformulierte Gottesdienstentwürfe und Predigten von Advent bis Epiphanias werden in diesem Band angeboten. Es enthält auch eine Auswahl an Texten zum Vorlesen oder für den Gemeindebrief.
  • NEU!
    Die Lesepredigt 2022/2023 - Perikopenreihe V. Mit CD-ROMWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . 56. Jahrgang v. Horst Gorski, VELKD (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2022, 576 S. - 1. Auflage.
    Loseblattausgabe mit CD-ROM. »Die Lesepredigt«, das hilfreiche Instrument für die Vorbereitung und Gestaltung von Gottesdiensten und Predigten, stellt für die V. Perikopenreihe in bewährter Form Materialien und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die beiliegende CD-ROM ermöglicht die individuelle Bearbeitung der Texte, so dass Pfarrer/innen, Lektor(inn)en und Prädikant(inn)en ihre Gottesdienstvorbereitung verbessern und optimieren können.
  • Gottesdienstpraxis, Serie BWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Advent, Weihnachten, Jahreswende v. Christian Schwarz (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2021, 176 S. - 2. Auflage.
    Fünf, sechs besondere Wochen im Jahr. Undenkbar ohne die gemeinsame Feier des Lichts, das an den dunkelsten Tagen des Jahres aufgeht. Undenkbar ohne Gottesdienst. Für diese festliche Zeit bietet der vorliegende Band Arbeitshilfen vom Anspiel über meditative Elemente, Krippenspiele, Liedpredigten und Andachten bis hin zu Entwürfen für die »klassischen« Gottesdienste im Advent, zu Weihnachten und zum Jahreswechsel.
  • NEU!
    Mit den Kleinsten durch das KirchenjahrWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Religionspädagogik mit Kindern von 0 bis 3 Jahren. Grundlagen und neue Praxismodelle v. Maike Lauther-Pohl. Gütersloher Verlagshaus 2022, 176 S. - 1. Auflage.
    Advent und Weihnachten, Ostern und Erntedank - wie kann man schon die ganz Kleinen im Kindergarten an den Zauber dieser Feste heranführen? Dieser Band bietet 14 fertig ausgearbeitete Einheiten, mit denen die religiöse Elementarerziehung im Kindergarten durch das Kirchenjahr hindurch zum Kinderspiel wird. Neben einer klaren fachlichen Hinführung und religionspädagogischen Hintergrundinformationen, finden sich hier eine Fülle von Ideen, Spiel-, Lied- und Praxisvorschlägen, die nicht nur die klassischen Feste näherbringen, sondern auch Feiertage wie den Reformationstag, Epiphanias, Trinitatis oder den Ewigkeitssonntag zum Erlebnis machen. Ein fundiertes Praxisbuch zum Ausprobieren, lernen und mitgestalten.
Weitere Buchvorschläge rund um den Gottesdienst...