das Kirchenjahr

1. Sonntag im Advent

Der kommende Herr

Predigtanregung

Der 1. Sonntag im Advent steht unter dem Zeichen des Evangeliums vom Einzug Jesu in Jerusalem. Vordergründig hat diese Erzählung nichts mit Advent und schon gar nicht mit dem Christfest zu tun. Wenn man aber etwas weiter darüber nachdenkt, fällt gerade in unserer Zeit auf, dass wir selbst unseren Herrn ja so begrüßen wie damals die Menschen in Jerusalem - als den Sohn Davids, den Messias - um ihn dann wenig später zu verachten und ans Kreuz zu bringen. Heute ist es wohl unser Konsumverhalten, das unseren Herrn ans Kreuz bringt.
Als Anfang des Kirchenjahres wird dem 1. Advent liturgisch eine hervorgehobene Bedeutung gegeben, was sich vor allem in den Gebeten niederschlägt. Ebenso kann an diesem Sonntag auch das „Gloria in excelsis Deo” gesungen werden.
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Der originale Name des 1. Adventssonntags lautet „Ad te levavi”, was sich von dem früheren lateinischen Introitus ableitet („Zu dir erhebe ich meine Seele”, Ps 25,1).

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III - Sach 9, 9-10

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Wenn wir als Christen einen prophetischen Text aus dem Buch des ersten Bundes auslegen, müssen wir behutsam an den Text herangehen. Die Geschichte der Christenheit hat diese Texte durch die Jahrhunderte auf Jesus Christus hin gedeutet, und darum liegt uns auch heute ein solcher Text vor. Aber es wäre vermessen, wollten wir es darauf beruhen lassen und so tun, als gäbe es das Volk Israel nicht, dem diese Verheißung in gleicher Weise gilt wie uns.
Sacharja beschreibt den König, den Messias, in Ambivalenzen. Denn seine Attribute passen nicht so recht zu einem König. Da ist von Armut die Rede, dabei sollte ein König doch reich sein. Ob aber der Esel als Reittier wirklich ebenfalls ein Zeichen der De- oder Armut ist, wage ich zu bezweifeln, denn zur damaligen Zeit waren Esel das übliche Reittier, das auch von angesehenen Personen (etwa Königstöchtern) genutzt wurde.
Dem verheißenen König wird allerdings kein kriegerisches Geschick prophezeit, sondern vielmehr die Abwesenheit von Krieg, also Frieden. Das war nicht selbstverständlich, ja, eigentlich unmöglich, denn immer waren die Grenzen bedroht und ohne Krieg kein Frieden zu haben.
Insofern ist es also kein gewöhnlicher König, und die Nähe zu Jesus wächst, denn er hat jedes kriegierische Handeln abgelehnt. Die Predigt muss dennoch sich damit auseinandersetzen, dass mit diesem Text zunächst ein politischer König gemeint ist. Man könnte allerdings sagen, dass auch der Prophet das ihm vermittelte Wort nicht in seiner ganzen Tiefe verstehen und wiedergeben konnte. Dadurch entsteht zwar der Eindruck, dass ein politischer König gemeint sei, in Wahrheit müssen wir aber darüber hinaus denken und schon Jesus als den Gekreuzigten sehen, der uns allen durch sein Leben und seinen Tod einen Frieden geschenkt hat, der höher ist als alle Vernunft.
Wichtig ist der Aspekt, dass dieser König ein Friedensbringer erst, der den Frieden nicht durch siegreiche Kriege, sondern durch das Vernichten der Waffen schafft. Dabei ist das Zerbrechen der Kriegsbogen wohl eher ein Bild dafür, dass gänzlich auf Waffen verzichtet wird, weil sie nicht mehr nötig sind.
Es ist schon bemerkenswert und darf auch in eine Predigt mit einfließen, dass zweitausend Jahre nach dem Kommen dieses Königs es kein Land gibt, das ohne Waffen auskommt (selbst die neutrale Schweiz nicht).
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist ziemlich offensichtlich, denn es geht um die Ankunft des Königs, so wie Jesus selbst einzog in Jerusalem - genauso, dass es nach Mt den Anschein hat, Jesus hätte sich auf beide, die Eselin und ihr Füllen, gesetzt. Dabei gibt der Text des Propheten dieses Bild gar nicht unbedingt her.

Liedvorschläge zur Predigt:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit (EG 1)
Es kommt ein Schiff geladen (EG 8)
Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9)
Tochter Zion, freue dich (EG 13)
Dein König kommt in niedern Hüllen (EG 14)
Gloria sei dir gesungen (EG 535)



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