das Kirchenjahr

Aschermittwoch

Der Weg zum Kreuz

Predigtanregung

Der Name dieses Tages entstand dadurch, dass sich die Menschen zum Zeichen der Buße Asche auf ihre Häupter streuten. In der römischen Kirche werden die Gemeindeglieder auch heute noch mit dem Aschekreuz gezeichnet. Asche erinnert an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Öffentliche Büßer wurden früher in der gallischen Kirche am Aschermittwoch aus der Kirche vertrieben (Vertreibung aus dem Paradies) und wurden durch ein Büßergewand und Asche deutlich kenntlich gemacht.
In der protestantischen Kirche wird Asche nicht verwendet, weil zu dem Zeitpunkt der Reformation alle Handlungen zum Aschermittwoch und in der Fastenzeit derart materialisiert worden waren, dass darin kein geistlicher Gehalt mehr zu erkennen war. Darum wandte sich die Reformation zunächst ganz von der gottesdienstlichen und rituellen Begehung des Aschermittwoch ab. Inzwischen hat man erkannt, dass eine Fastenzeit durchaus auch evangelisch sein kann. Gott ermahnt uns zu einem Fasten, das die Not der Armen und Unterdrückten lindert und das Gerechtigkeit und Frieden hervorbringt bzw. fördert. Es ist also durchaus nicht das leibliche Fasten damit gemeint (s. auch die Ausführungen zur Fastenzeit). Auf dieser Ebene ist es aber möglich, den Aschermittwoch wieder ernster zu nehmen und diesen Feiertag auch in protestantischen Kirchen gottesdienstlich zu begehen. Welche Riten dabei wieder aufgenommen werden können, ergibt sich aus dem Schwerpunkt des Gottesdienstes.
Der Aschermittwoch führt das Thema des Sonntags Estomihi fort. Allerdings wird hier jetzt zu Beginn der Fastenzeit das Evangelium aus der Bergpredigt zum Fasten gewählt, d.h. also der Einstieg in die Fastenzeit wird hiermit vollzogen. Der Schwerpunkt liegt auf der "rechten Frömmigkeit", d.h. auf dem, was Gott von uns will.

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IV - Ex 32, 1-6.15-20 (= 2. Mose 32, 1-6.15-20)

1 Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. 2 Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. 3 Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. 4 Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! 5 Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest. 6 Und sie standen früh am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar. Danach setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um ihre Lust zu treiben.
15 Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand; die waren beschrieben auf beiden Seiten. 16 Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben. 17 Als nun Josua das Geschrei des Volks hörte, sprach er zu Mose: Es ist ein Kriegsgeschrei im Lager. 18 Er antwortete: Es ist kein Geschrei wie bei einem Sieg, und es ist kein Geschrei wie bei einer Niederlage, ich höre Geschrei wie beim Tanz. 19 Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn, und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berge 20 und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gabs den Israeliten zu trinken.

Diese Geschichte vom goldenen Kalb ist natürlich sehr bekannt, aber sie enthält interessante Details, auf die man oft weniger achtet.
Es ist klar, dass die Geduld des Volkes irgendwann einmal am Ende ist. Mose ist verschwunden, der Berg, auf dem er verschwand, in Wolken gehüllt - er musste ja tot sein, denn er hatte nichts . oder nur sehr wenig - zu essen mitgenommen. Offenbar besteht aber ein sehr starkes Bedürfnis nach einem Gott, und dieses Bedürfnis macht sich immer deutlicher bemerkbar, denn der Gott, den Mose ihnen immer wieder verkündigt hatte, lässt sich ja nicht blicken! Also muss ein sichtbarer Gott her, und wer könnte dafür besser sorgen als der Priester Aaron. Nun ist bemerkenswert, dass sich Aaron noch nicht eimal ein zweites Mal bitten lässt, bevor er den Wunsch des Volkes erfüllt, sondern sogleich Anweisungen gibt, was geschehen soll, um das Götterbild zu erschaffen. Ist das nun ein Priester, wie ihn sich Gott wünscht? Es sieht eher so aus, als ob Aaron sein Fähnchen nach dem Wind dreht, obwohl er es ja gar nicht mal bräuchte.
Das Volk reißt also die Ohrringe und anderen Schmuck ab - ob es sich hierbei um einen bewusst schmerzhaften, Blut vergießenden Vorgang handelt, ist unklar, denn die Ohrringe müssen durchaus nicht mittels Löchern in den Ohrläppchen befestigt gewesen sein. Es ist aber möglich und soll hier wohl so sein, denn der Schmerz, den sich die Menschen zufügen, um ihrem neuen Gott dienstbar zu sein, erfordert ja auch eine versöhnende Geste des Gottes - die Kausaltheologie ist wieder da: Gott handelt nach meinen Taten.
Wichtig ist nun, dass das Götterbild den Namen "Jahwe" trägt und offenbar selbst die Heilstat vollbracht, nämlich das Volk Israel aus ägypten geführt hat. Dass so ohne Weiteres dieses offenbar wesentliche Merkmal des Handelns Gottes auf das goldene Kalb übertragen wird, ist vermutlich daraus zu erklären, dass das Volk Israel immer davon ausgegangen ist, dass Gott auch sichtbar (und fühlbar) sein muss - sonst könnte er ja gar nicht handeln. Gewissermaßen haben sie wohl erwartet, dass Moses auf seinen Armen ein Bild Gottes zu ihnen bringt.
Nun hatten sie jedenfalls einen Gott, dem man Opfer darbringen konnte, was sie dann auch gleich taten. Vieles von dem, was sie aus ägypten mitgenommen hatten, war nun schon für diesen Gott draufgegangen. Man hat viel investiert - das verbindet.
übersprungen wird in unserer Perikope der Abschnitt, in dem Gott selbst Moses zurückschickt, weil er die Untreue des Volkes Israel bemerkt hat und es vernichten will, aber auf Bitten Moses hin sich gnädig stimmen lässt. Eigentlich ist dieser Abschnitt schon bemerkenswert, und er würde auch einiges austragen in Bezug auf den Aschermittwoch.
Doch es geht weiter mit der Rückkehr des Mose, und merkwürdigerweise taucht hier aus dem Nichts Josua auf, der zuvor nicht mit Mose auf den Berg gestiegen war. Aber seine Rolle ist nicht von Bedeutung, er äußert nur die Vermutung, dass ein Kampf im Gange ist, während Mose richtig erkennt, dass es sich hier nicht um Kampfgeschrei, sondern um Rufe beim Tanzen handelt. Das goldene Kalb wird schließlich zermahlen und und den Israeliten in Wasser aufgelöst zum Trinken gegeben. Die tiefere Bedeutung dieses Handelns lässt sich nicht erschließen, aber es ist möglich, dass hier einfach zum Ausdruck gebracht werden soll, dass dieses Götterbild völlig machtlos ist, denn es wird von seinen Machern verzehrt. Auf der anderen Seite kann es ein Versuch sein, das Material, aus dem das Bild gemacht ist, völlig zu vernichten, denn sicher wird niemand versuchen, das fein zerriebene Gold aus den Exkrementen zu waschen - schon gar nicht in der Wüste. So wäre das Volk der Möglichkeit beraubt, ein neues Götterbild zu machen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wäre leichter nachvollziehbar, wären die Verse 7-14 Bestandteil des Predigttextes. So bleiben wir stehen bei der Feststellung, dass sich das Volk Israel ein Götterbild machte und dafür bestraft wird - eine Kausaltheologie, die wir seit dem Kommen Jesu nicht mehr nachvollziehen können, und die eigentlich auch hier nur durch die Verkürzung um das Gnadenhandeln Gottes so erscheint. Denn Mose bestraft das Volk, und nicht Gott. Wir werden nun mit der Frage konfrontiert, wo wir goldene Kälber errichten, und es bedarf keiner großen Mühe, diese Kälber zu finden. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Und es könnte durchaus sinnvoll sein, die Verse 7-15 doch in die Predigt mit einzuschließen, um deutlich zu machen, dass Gott bereit ist, uns unseren Mangel an Vertrauen zu vergeben.

Liedvorschläge zur Predigt:


O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76)
Wenn meine Sünd mich kränken (EG 82)



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