das Kirchenjahr

Quinquagesimae

Estomihi

Der Weg zum Kreuz

Predigtanregung

Der Name des Sonntags leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: esto mihi in lapidem fortissimum et in domum munitam ut salves me (Ps 31, 3b; deutsch s. unten, die wörtlich übersetzten Worte hervorgehoben).
Der Sonntag Estomihi oder Quinquagesimae (der Fünfzigste) beginnt nun, die Spannung wieder zu steigern, indem er auf das Leiden als einen wichtigen Bestandteil der Erlösung und der Nachfolge betont. Das Evangelium des Sonntags enthält zwei wichtige Aussagen: die Leidensankündigung Jesu und der Aufruf zur Nachfolge unter dem Kreuz: "Wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten." (Mk 8, 35b). Wichtig in dieser Woche ist, dass die Fastenzeit am Aschermittwoch beginnt. In manchen Gegenden ist der Karneval jetzt im vollen Schwung, was sicher auch im kirchlichen Geschehen ein Echo finden kann.

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IV - Mk 8, 31-38

Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. 36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Es ist dies die erste Leidensankündigung Jesu, auf die Petrus recht naiv reagiert, dann aber von Jesus agressiv zurückgewiesen wird. Die Anrede "Satan" muss Petrus zutiefst verunsichert haben. Vielleicht folgt deswegen dann die etwas ausführlichere Rede von der Nachfolge, die darlegt, dass Nachfolge eben auch bedeuten kann, dass man sein Leben aufgibt und durch Leiden hindurchgehen muss, um zur Vollendung zu gelangen.
Der Einwand des Petrus könnte auch unser Einwand sein. Denn es ist immer wieder ein Problem: Der Gott, an den wir glauben, scheint von seiner Allmacht nicht sonderlich viel zu halten. Er setzt sie zumindest nicht ein - oder wenn, dann immer an der falschen Stelle. Es kann doch nicht angehen, dass ausgerechnet die ärmsten Länder jährlich von schrecklichen Naturkatastrophen überrollt werden, die tausenden Menschen das Leben kosten. Solche Fragen werden immer wieder gestellt, und hinter diesen Fragen steht die Erkenntnis, dass Gott seine Allmacht nicht oder falsch nutzt. Dabei wäre es so wichtig, dass er sie - nicht nur einmal - an der richtigen Stelle zum Einsatz bringt. Für den Frieden, z.B., indem er alle Massenvernichtungswaffen der Welt unschädlich macht sowie allen Menschen das Verlangen nach Frieden ins Herz pflanzt. Das wäre es doch!
Oder wenigstens, dass es wieder solch einen Menschen gibt wie damals Jesus, der klar und deutlich sagt, was Sache ist, und die Menschen wieder auf den richtigen Weg weist. Aber damit wären wir auch wieder bei unserer Perikope: Hier ist dieser Mann, und alle erwarten von ihm genau das, was gerade dargelegt wurde, natürlich dem Kontext angepasst.
Jesus erkennt dieses Verlangen und zeigt auf, worauf es ankommt. Der Messias wird das Böse nicht mit Bösem vernichten. Er wird sich dem Bösen in den Weg stellen - wobei all das Böse ist, das Leben vernichtet, so erfahren wir es im Evangelium - und dieses Böse so überwinden, obwohl ihn zunächst das Böse selbst überwinden wird. Aber weil er nicht selbst das Böse zum Einsatz bringt, kann es so nicht bleiben, das Böse kann nicht die Oberhand behalten. Er überwindet das, was das Leben vernichtet. Er überwindet das Böse mit seiner Liebe selbst für die, die ihm das Leben nehmen.
Jesus ruft uns auf, diesem Beispiel zu folgen. Nimm dein Kreuz auf dich und trage es als einer, der Jesus nachfolgt. Die Nachfolge ist ein Nachfolgen unter dem Kreuz, im steten Bewusstsein, dass das Böse noch freie Hand hat und wir es nicht mit Bösem überwinden können bzw. dürfen. Wenn wir es täten, hätten wir das Kreuz schon abgelegt oder zu einer Waffe umgewandelt.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus der Leidensankündigung, und er legt nahe, das Leiden des Kreuzes in den Vordergrund zu rücken. Dabei sollte man aber nicht vergessen und dies in der Predigt dann auch berücksichtigen, dass das Kreuz durch das Kreuz überwunden wird. Es bleibt nicht beim Leid, sondern das Leid wird überwunden
In der Predigt könnte man versuchen, die aktuelle politische Situation mit aufzunehmen: der Starke, nach dem sich manche sehnen, scheint in Gestalt eines George W. Bush zu erscheinen, das Böse, gegen das er antritt, ist von ihm benannt. Der Predigttext spricht in gewisser Weise auch in diese Situation und warnt davor, das Kreuz zur Waffe zu machen. Der, dem wir folgen, hat das Kreuz auf sich genommen und nicht damit um sich geschlagen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Wenn meine Sünd mich kränken (EG 82)
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Jesu, deine Passion (EG 88)
Es mag sein, dass alles fällt (EG 378)
Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384)
Mir nach, spricht Christus, unser Held (EG 385)
Jesu, geh voran (EG 391)
Kommt, Kinder, lasst uns gehen (EG 393)
Halt im Gedächtnis Jesus Christ (EG 405)
O Gott, du frommer Gott (EG 495)
Kreuz, auf das ich schaue (NB-EG 598)



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