das Kirchenjahr

Letzter Sonntag im Kirchenjahr

Die ewige Stadt

Predigtanregung

Der Letzte Sonntag im Kirchenjahr kann in zweifacher Weise begangen werden: als Ewigkeitssonntag oder als Gedenktag der Entschlafenen (Totensonntag). Eine Kombination beider ist nicht abwegig. Hier wird noch getrennt, weil dies auch vom neuen Evangelischen Gottesdienstbuch so vorgesehen wird.
Als Ewigkeitssonntag schauen die Perikopen dieses Tages in die Zukunft, die jenseits unserer Vorstellungen liegt, weil sie ebenso Vergangenheit und Gegenwart ist. Denn es geht um die Ewigkeit, die sich zeitlich nicht fassen lässt, an der wir durch Jesus Christus schon zeichenhaft teilhaben dürfen und einst ganz teilhaben werden. Dabei ist dieses „einst” als jenseits unserer Zeit zu verstehen und nicht in einer von uns aus gesehen fernen Zukunft, die sich erst in einer unbekannten Zahl von Jahren ereignet.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

V - 2. Petr 3, (3-7)8-13

Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen 4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. 5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; 6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet. 7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.
8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. 13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Ich halte es wieder für angebracht, trotz ihrer mangelnden Popularität die Verse 3-7 mit in die Predigt einzuschließen, denn mehr denn je brauchen wir heute das mahnende Wort, das in diesen Versen erklingt. Auch wenn die geschichtlichen bezüge für uns längst nicht mehr nachvollziehbar sind (die Sintflut ereignete sich vermutlich nur in einem kleineren Bereich und überflutete mit Sicherheit nicht die ganze Welt), so ist doch die Intention des Textes klar und durchaus vertretbar.
Man könnte mit diesem Text schöne Fronten aufbauen, denn offensichtlich lässt er sich gut auf unsere gegenwärtige Situation beziehen. Als Christen sind wir Wartende. Wir erwarten das Kommen des Herrn. Wenn wir aber heute auf Jesus Christus hinweisen als den, der kommen wird, nicht nur als niedliches Kindlein in der Krippe, sondern auch als der Richter dieser Welt, dann werden wir meist nur müde belächelt. Wer so etwas glaubt, ist doch selbst Schuld, dass er sich das Leben schwer macht. Die individuelle Freiheit will sich niemand nehmen lassen, schon gar nicht aufgrund vager Drohungen, die sich seit 2000 Jahren nicht bewahrheitet haben. Viele Menschen stimmen gerne in die modern gewordene Kritik mit ein, die Kirche habe die Lehre von Hölle und Fegefeuer nur darum entwickelt, um die Menschen besser kontrollieren zu können.
Tatsächlich wurde dieser Teil christlicher Lehre auch so genutzt. Die Frage ist, ob es richtig ist, dann auf ihn zu verzichten. Die Antwort, die unser Predigttext gibt, ist klar: Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Nun kann man auf verschiedene Art und Weise warten. Manche sagen, das Warten ist dann am einfachsten, wenn man seinen alltäglichen Aufgaben nachgeht. Andere legen die Hände in den Schoß, denn sie wollen die Ankunft ja nicht verpassen. Und wieder andere gehen dem Kommenden entgegen, obwohl sie gar nicht genau wissen, aus welcher Richtung er oder sie kommen wird. Es gibt sicher noch andere Formen des Wartens, oder Vermischungen dieser drei "Grundformen".
Der Predigttext macht uns deutlich, dass wir unser Leben in der ständigen Erwartung des Kommens Christi führen und gestalten müssen. Im Kommen Jesu ist auch das Gericht inbegriffen, weswegen wir uns sicher bemühen werden, seinen Willen zu erfüllen. Nur dass es eben nicht so sein kann, dass, wenn wir alles richtig gemacht haben, der Freispruch automatisch folgt - es muss jeder, der dieses Urteil erhofft, zu der Erkenntnis gelangt sein, dass er dazu nur durch die Gnade Gottes kommen kann.
Aber gerade darum muss unser Warten ein aktives Warten sein. Wir erkennen die Unvollkommenheit unserer Welt und sehnen uns nach einer vollkommenen Welt. Dieses Sehnen ist da und muss vielleicht nur artikuliert werden. Es wird deutlich in der Klage über erlittene Not, nicht nur eigene, sondern auch die anderer Menschen. Wir erkennen die Ungerechtigkeit dieser Welt und sehen uns nach der gerechten.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich, es geht um die ewige Stadt, nach der wir uns sehnen und auf die hin unser Predigttext zielt, auch wenn nicht explizit von ihr die Rede ist. Die ewige Stadt ist hier die neue Erde und der neue Himmel - eine Welt der Gemeinschaft mit Gott, so wie sie auch in der Offenbarung, der Epistellesung für diesen Sonntag, beschrieben ist. Es ist eine Welt der Gerechtigkeit.
Die Predigt kann zunächst die Unvollkommenheit unserer Welt vor Augen führen und die Sehnsucht, die jede(r) hegt, diese Unvollkommenheit zurückzulassen. Die überwiegend älteren Besucher werden sich schon intensiver mit dem Tod beschäftigt haben - ihnen gilt es, die Verheißung von der Gnade Gottes ins Herz zu legen.

Liedvorschläge zur Predigt:

Wach auf, wach auf, du deutsches Land (EG 145)
Wachet auf, ruft uns die Stimme (EG 147)
Herzlich tut mich erfreuen (EG 148)
Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (EG 150)
Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152)
Ist Gott für mich, so trete (EG 351, 1.9-13)
Menschliches Wesen (EG 449, 7-12)
Valet will ich dir geben (EG 523)
Die Herrlichkeit der Erden (EG 527)



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