das Kirchenjahr

Letzter Sonntag im Kirchenjahr

Die ewige Stadt

Predigtanregung

Der Letzte Sonntag im Kirchenjahr kann in zweifacher Weise begangen werden: als Ewigkeitssonntag oder als Gedenktag der Entschlafenen (Totensonntag). Eine Kombination beider ist nicht abwegig. Hier wird noch getrennt, weil dies auch vom neuen Evangelischen Gottesdienstbuch so vorgesehen wird.
Als Ewigkeitssonntag schauen die Perikopen dieses Tages in die Zukunft, die jenseits unserer Vorstellungen liegt, weil sie ebenso Vergangenheit und Gegenwart ist. Denn es geht um die Ewigkeit, die sich zeitlich nicht fassen lässt, an der wir durch Jesus Christus schon zeichenhaft teilhaben dürfen und und einst ganz teilhaben werden. Dabei ist dieses "einst" als jenseits unserer Zeit zu verstehen und nicht in einer von uns aus gesehen fernen Zukunft, die sich erst in einer unbekannten Zahl von Jahren ereignet.

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III - Jes 65, 17-19(20-22)23-25

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. [20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.] 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Eine wunderschöne Vision des Propheten Jesaja, kurz vor dem Ende seines Buches. Die Klammer um die Verse 20-22 ist dadurch gerechtfertigt, dass der Inhalt dieser 3 Verse im 23. Vers nochmals aufgenommen wird, allerdings in wesentlich komprimierterer Form. Es tut dem Verständnis keinen Abbruch, diese Verse wegzulassen, aber es kann nützlich sein, sie beizubehalten.
Die Vision sieht Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, ein Vorgang, den wir zweifelsfrei noch nicht erlebt haben. "Himmel und Erde" meint immer die Erlebniswelt der Menschen, und darum hätten es schon alle merken müssen, wenn diese Erschaffung einer neuen Welt erfolgt wäre.
Diese neue Welt kennzeichnet sich besonders durch Gerechtigkeit aus: alle Menschen leben in Frieden miteinander, keiner lebt auf die Kosten anderer, es gibt keinen plötzlichen, frühen Tod mehr, ja sogar wilde Tiere, die sonst einander Feind sind, leben friedlich miteinander. Das schönste an allem mag sein, dass Gott sofort hört, wenn wir ihn bitten, und dass es so nie mehr die Frage geben kann: Warum lässt Gott so etwas zu?
Der Predigttext verstärkt, was wir empfinden: dass diese Welt ungerecht ist. Man neigt leicht dazu, diesen Zustand Gott in die Schuhe zu schieben, zumal Gott ja immer wieder verspricht, dass sich der, der sich ihm zuwendet, nicht zu sorgen braucht. Die Erfahrung lehrt, dass es keine Rolle spielt, ob man fromm ist oder Atheist; die Ungerechtigkeit dieser Welt nimmt ihren Lauf.
Nun beginnt eine Gratwanderung: Der Text lässt sich leicht dazu nutzen, aufs Jenseits zu vertrösten. 'Gebt euch zufrieden mit dem, was ihr hier habt, erduldet und erleidet, und freut euch auf das, was Gott für euch bereithält - nur leider nicht in dieser Welt.' Es stimmt zwar, aber das alleine kann es nicht sein. Die Hoffnung auf diese neue Welt, die Gott für uns bereit hält, ändert auch unser Leben. Gott weiß, wonach wir uns sehnen; er hat seine Gründe, warum er unser Sehnen jetzt noch nicht erfüllt, aber wir wissen auch, dass er es tun wird. Und darum begegnen wir der Ungerechtigkeit dieser Welt anders, wir können sie gelassener hinnehmen. Weil das nicht immer und ohne weiteres gelingt, ist Grund für unsere Predigt. Denn die Predigt soll die Tatsache, dass Gott unser Leid kennt und darum damit ein Ende machen wird, deutlich in die Herzen der Hörer einprägen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hilft uns weiter: die "Ewige Stadt" ist ja nicht erst ein Gebilde der Zukunft. 'Ewig' bedeutet ohne Ende und ohne Anfang. Gott hat sie schon längst gebaut. Darum ist unsere Hoffnung nicht vage, sondern klar und deutlich, sie schaut nicht nur auf einen Plan, sondern auf die Realität Gottes.

Liedvorschläge zur Predigt:

Herzlich tut mich erfreuen (EG 148)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (EG 150)
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
Welch hohe Lust, welch heller Schein (EG 503, 10-15)



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