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Bereit zum Dienst* - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Hebr 5, (1-6)7-9(10) (V)

Liebe Gemeinde!
Der Hebräerbrief wurde schon kurz nach seiner Entstehung als Brief an die Hebräer bezeichnet, weil man meinte, dass die vielen Anspielungen auf den jüdischen Kult, vor allem die Äußerungen über das Hohepriestertum, eigentlich nur Hebräer verstehen könnten.
Inzwischen weiß man, dass der Brief an Christen gerichtet war, die keinen jüdischen Hintergrund hatten, sondern vielmehr aus dem hellenistischen Raum stammten. Wer damals Christ wurde, begab sich in die Tradition jüdischen Glaubens hinein und musste sich so zwangsläufig auch mit den Riten und Gebräuchen jüdischen Lebens auseinander setzen.
Heute fällt es schwerer, sich diesem Brief an die Hebräer zu nähern, auch wenn die drei Verse, die uns heute als Predigttext vorgegeben sind, eigentlich noch recht leicht nachvollziehbar sind.
Aber ihnen gehen die für den Hebräerbrief typischen Gedanken voraus: Christus wurde zum Hohepriester eingesetzt, heißt es da, und zwar von Gott selbst. Kein Mensch hatte seine Hand im Spiel. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass ein Hohepriester als Mensch mit den Menschen mitfühlen kann, "die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt" (Hebr 5, 2).
Da wird das Amt, das dazu eingesetzt ist, die Gottesferne der Menschen zu überbrücken, auf Jesus übertragen, den Gottessohn. Aber dies geschieht eben nicht in seiner Funktion als Gottessohn, sondern als Mensch. Denn nur so kann er, wie jeder andere Hohepriester vor ihm, mit den Menschen mitfühlen und ihre Not mitleiden.
So erklärt sich dann auch die Aussage, dass Jesus mit lautem Schreien und mit Tränen bittet und fleht. Denn eines Gottessohnes wäre solches Bitten und Flehen wohl kaum würdig.
Darum schränkt der Schreiber des Hebräerbriefes dieses Bitten und Flehen auch auf die Tage seines irdischen Lebens ein.
Wenn wir von Jesus hören, wenn wir von ihm erzählen, geraten wir immer wieder an unsere Grenzen. Wir sprechen von ihm als dem Sohn Gottes, der zur Rechten des Vaters sitzt, der kommen wird, um zu richten die Lebenden und die Toten. Zugleich aber erzählen wir von ihm als von einem Menschen, der all das, was einen Menschen ausmacht, an sich selbst erfuhr. Wir beschreiben ihn als den, der die Begrenztheit menschlicher Erfahrung und die Schwäche selbst erlebt hat.
Wie das zusammenpasst, dieses Gottes-Sohn-Sein und das Menschsein, das hat die Christen der ersten Jahrzehnte genauso beschäftigt wie uns heute, nur mit dem Unterschied, dass wir auf teilweise Jahrhunderte alte Denkmodelle zurückgreifen können. Eines davon wird hier, in diesem Text, erkennbar:
Jesus ist ganz Mensch, obwohl er Gottes Sohn ist. Er muss ganz Mensch sein, damit er das Opfer vollenden kann, das ihm zu vollbringen aufgetragen ist.
In diesem Menschsein und im Bewusstsein der Aufgabe, die vor ihm lag, nämlich, dass er den Menschen ausgeliefert und von ihnen getötet werden würde, hat er natürlich auch tiefe Angst und sogar Zweifel erfahren, die ihn in das Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen hinein führten.
Als Mensch war in ihm immer auch Zweifel, ob das, was er tat, tatsächlich das Richtige sein würde. Den direkten Draht zu Gott, der diesen Zweifel vielleicht hätte ausräumen können, gab es für ihn genauso wenig wie für uns. In diesem Zweifel hat er sich aber nie von Gott abgewandt, sondern immer zu ihm hin. Von ihm erwartete er Führung, Halt, ja sogar Rettung.
Er flehte darum, weil er als Mensch im Tod gefangen war und die Grenze des Todes für sich selbst als unüberwindbar wahrnahm. Dennoch wusste er, oder besser: dennoch glaubte er, dass Gott diese Grenze überwinden kann, und wandte sich darum in seiner Todesnot ihm zu.
Im Hintergrund hören wir dabei die Worte des 22. Psalms, die uns alle von der Kreuzigungsgeschichte her vertraut sind:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Aber bei dieser Bitte bleibt es nicht. Der Psalm lobt in seinem zweiten Teil Gott für seine Treue: "Gott hat nicht verachtet noch verschmäht das Flehen des Flehenden, und da ich zu ihm schrie, erhörte er mich." (nach der LXX)
Der Gottessohn muss die Gottesferne selbst durchleiden, um sie zu überwinden. Dies kann nur gelingen, wenn er ganz Mensch ist, so wie es der Christushymnus im Philipperbrief beschreibt:
"Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." (Phil 2, 12)
Jesus taucht also hinab in die Tiefen des Menschseins, gibt seine Gottessohnschaft auf, erfährt an sich selbst die Gottverlassenheit, obwohl er Gottes Sohn ist, durchmacht die Versuchungen, die auch wir immer wieder erleben, und bringt auf diese Weise Gott den Menschen nahe, nachdem er den Tod durchlitt und von den Toten auferweckt wurde.
Das "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", das Jesus am Kreuz spricht, ist keine Feststellung der Gottverlassenheit, sondern die Hinwendung zu Gott, Ausdruck der Sehnsucht nach ihm.
In dieser Sehnsucht offenbart sich Jesu Gehorsam, der bereit ist, all das zu erleiden, was ihm von Gott auferlegt wurde.
Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:
welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.
Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken. (EG 91, 2-4)

Indem Christus im Gehorsam gegen Gott den Tod am Kreuz durchlitt, so wie wir es auch im Christus-Hymnus des Philipperbriefes gehört haben, ist er der Urheber unseres Heils geworden. Er hat seine Funktion als Hohepriester, von der der Hebräerbrief immer wieder redet, dadurch wahrgenommen, dass er sein Leben für uns hingab.
Sein Tod aber konnte erst dadurch das Heil erwirken, dass Jesus auch von den Toten auferweckt wurde und als Sohn Gottes seinen Platz zur Rechten des Allmächtigen Vaters einnahm. Nun kann sein Blut uns vor Gott gerecht machen in Ewigkeit.
Der Verfasser des Hebräerbriefes knüpft unsere Teilhabe am Heil allerdings an eine Bedingung. Ganz so, wie Christus selbst Gehorsam erlernte in der tiefsten Gottverlassenheit, so sollen auch wir gehorsam sein ihm gegenüber.
Dieser Gehorsam aber erweist sich nicht darin, dass wir eine Liste von Aufgaben erledigen, die uns ausgehändigt wurde, wiewohl natürlich das Doppelgebot der Liebe: "du sollst Gott, deinen Herrn, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst", unsere verbindliche Lebensgrundlage ist.
Es geht vielmehr um den Gehorsam im Blick auf das, was Christus für uns getan hat. So wie Jesus auf die Kraft Gottes vertraute, so sollen auch wir im Glauben dieses Werk annehmen, das Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat.
Das ist Gehorsam, so wie der Verfasser des Hebräerbriefes es meint: In der Gottesferne, in der Gottverlassenheit sich nicht von Gott abwenden, sondern auf das Kreuz blicken und im Vertrauen auf die dort offenbarte Liebe durch das finstere Tal hindurch gehen.
Dieser Gehorsam, dieser Glaube, dieses Vertrauen in die Liebe Gottes führt uns zur Vollendung, so wie Christus selbst vollendet wurde. Denn unsere Bestimmung ist es nicht, zu sterben und begraben zu werden, sondern mit ihm aufzuerstehen und an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben.
Wenn wir das Abendmahl feiern, dann werden wir an all das erinnert, ja, mehr noch: wir erleben es. Wir haben Teil an der Herrlichkeit Gottes, indem wir teilhaben am Leib und Blut Christi, indem wir die Barmherzigkeit und Liebe Gottes durch Jesus Christus leibhaftig erfahren, schmecken und sehen.
Wir stimmen mit unserem "Heilig, heilig, heilig" ein in den Lobgesang der Engel und aller Heiligen, die sich um Gottes Thron scharen, auch wenn sie vermutlich nicht die gleiche Melodie singen.
Und wir erhalten Wegzehrung, die uns Kraft gibt, auch die dunklen Täler zu durchschreiten, die sich auf unserem Weg befinden.

Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Dein Kampf ist unser Sieg (EG 87, 3.5-6)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92)
*In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-EG 586)
*Vertrauen wagen dürfen wir getrost (NB-EG 607)

Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
© Copyright 1998-2018 by Martin Senftleben

Bibeltexte, soweit nicht anders angegeben: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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