das Kirchenjahr

Judika

Bereit zum Dienst*

Predigtbeispiele

Wenn Sie eine meiner Predigtvorschläge in einem Gottesdienst verwenden wollen, teilen Sie es mir bitte mit. Eine Genehmigung müssen Sie dafür aber nicht abwarten.
Jegliche andere Form der Vervielfältigung, auch im Internet, ist nur mit meiner ausdrücklichen, schriftlichen Zustimmung erlaubt. Weisen Sie bei der Verwendung des Materials bitte auf die Quelle hin.

Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe II - Hebr 13, 12-14

Liebe Gemeinde!
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, pflegt man zu sagen. Das wird schon am regelmäßig wiederkehrenden Tagesablauf deutlich:
Morgens aufstehen, dann frühstücken, wobei auch das meist einem bestimmten Muster folgt. Jeden Tag etwa ein Ei, weich oder hart gekocht, vielleicht aber auch nur an ein oder zwei Tagen in der Woche, die allerdings auch festgelegt sind; oder eine Schale Müsli, oder ein Brötchen mit Marmelade, dazu die für viele obligatorische Tasse Kaffee, vielleicht kommt der ja sogar aus dem fairen Handel: so ist es ein guter Start in den Tag.
Und dann geht’s, frisch gestärkt, zur Arbeit oder an das Tagewerk. Die Aufgaben für den Tag sind meist schon klar. je nachdem, wo man arbeitet, ergeben sie sich. Ob zu Hause oder bei einer Firma oder auch selbständig: es gibt auch hier eine gewisse Routine, an die man sich gewöhnt hat, die hilft, alles richtig zu machen und nichts zu vergessen. So vergeht der Tag in gewohnter Umgebung.
Am Abend kann man dann gemütlich entspannen, und auch dieser Abschnitt des Tages hat seine Routine. Man sitzt am Fernseher, oder spielt ein Spiel. Manche lesen ein Buch oder hören Musik. Vielleicht steht auch ein Besuch im Kino an – manche haben sogar das als regelmäßiges Ereignis in den Wochenablauf eingeplant.
So gibt die Routine des Tagesablaufs einen gewissen Grad an Verlässlichkeit, man braucht sich nicht wegen unerwarteter Dinge beunruhigen, weil man das meiste ja schon mit eingeplant hat.
Nur wenn dann mal was dazwischen kommt, kann es sein, dass der Tag dann anstrengender wirkt, weil man sich erst darauf einstellen und die Routine durchbrechen musste.

Am Wochenende sieht der Tagesablauf dann etwas anders aus, und man freut sich in der Regel schon darauf: Länger schlafen, gemütlich im Garten sitzen oder auch etwas im Garten arbeiten, oder jemanden besuchen. Vielleicht macht man einen Spaziergang.
Am Sonntag geht es dann morgens erstmal in die Kirche. Vielleicht fängt ja ein Gottesdienst etwas später an, damit man nicht so früh aufstehen muss.
Und der Nachmittag kann dann mit Kaffeetrinken, gemütlichem Beisammensein, Lektüre, Fernsehen oder Spazierengehen gestaltet werden.
Meist haben auch die Wochenenden ihren mehr oder weniger festen Rahmen, der sich Woche für Woche wiederholt. Selbst wenn man sich jede Woche erst überlegt, was man am Wochenende tun will: es gibt Dinge, die tut man am Wochenende einfach nicht, und andere, die man in die Planung einbeziehen kann.
Routine eben. Dinge, die einem vertraut sind, die man kennt, die dort ihren Platz haben und nirgendwo anders und so einem das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit geben.
Um solche Routine geht es in unserem Predigttext aus dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes:

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. (13) So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. (14) Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.” (Hebr 13, 12-14)

Nun gut, ganz offensichtlich ist der Zusammenhang nicht. Von Tagesablauf ist da nicht die Rede, und auch nicht von entspannten Wochenenden.
Aber ich bleibe dabei: es geht um Routine. Um das deutlicher zu machen, lassen Sie mich die zwei vorausgehenden Verse mit einbeziehen. Diese Verse machen aufmerksam darauf, dass im ersten Bund das Blut der Tiere, die zum jährlichen Sündopfer geschlachtet wurden, im Tempel geopfert wurde, während ihre Körper aus dem Lager herausgebracht und dort dann verbrannt wurden. Sie waren Abfall.
Das ist die Routine, um die es in unserem Predigttext geht. Das regelmäßige gottesdienstliche Handeln, das den Vorschriften des ersten Bundes folgt und darum ja auch richtig ist, aber dadurch, dass es zur Gewohnheit und vielleicht sogar lästigen Pflicht wurde, seine Aufgabe nicht mehr erfüllt.
Da ist nun etwas Neues, vor dem Tor außerhalb des Lagers, aber es ist nicht deswegen neu, weil es schön ist und glänzt, im Gegenteil. Es ist deswegen neu, weil es nicht hineinpasst in die Tradition, ja, weil es alles umkehrt und quer steht. Plötzlich wird das Sühneopfer da, wo der Abfall hin kommt, also auf der Müllhalde, vollzogen.
Diese Umkehrung ist nötig, um deutlich zu machen: dieses Sühneopfer ist ein anderes als das, das wir Menschen darbringen können. Dieses Opfer ist einzigartig. Durch dieses Opfer wird Sühne ein für allemal bewirkt. Gott selbst bringt dieses Opfer dar auf einem Altar, den er selbst ausgewählt hat. Wer dieses Opfer für sich in Anspruch nimmt, der muss sich nicht mehr von seiner Schuld erdrücken lassen, denn alle Schuld ist von ihm genommen.
Aber durch die Tatsache, dass dieses Opfer draußen vor der Stadt, auf der Müllhalde, vollzogen wird, ist es natürlich auch zum Anstoß geworden, nicht nur für die, die sich ihr gottesdienstliches Handeln nur im Zentrum der Stadt, im Tempel, vorstellen konnten.
Das, was viele Menschen ablehnen, soll nun also der Ort sein, zu dem wir uns aufmachen sollen. Wer das Kreuz vor dem Tor zum Zentrum seines Glaubens macht, wird fast automatisch zum Außenseiter.
Es geht um etwas völlig Neues, das war den Menschen, die damals den Brief an die Hebräer gelesen hatten, sofort klar. Denn sie wussten längst, was es bedeutet, Außenseiter zu sein.
Für Sie war das Leben als Christen absolut nicht einfach. Sie waren eine verschwindend kleine Minderheit, die auf verschiedenste Weise angefeindet wurde. Sie litten unter Verfolgung, wurden ausgelacht, oder schlicht nicht beachtet. Man nahm ihnen ihre Rechte, verbreitete verleumderische Gerüchte über sie. Das hatte die Gemeinschaft stark gemacht. Sie waren sich bewusst, Teil des einzigartigen zweiten Bundes Gottes zu sein. Mit diesem Bewusstsein ließ es sich auch dann leben, wenn man um sein Leben fürchten musste.
Über die Jahrhunderte ist aber das Neue zum Alten geworden. Die Menschen gehen nicht mehr hinaus vor die Stadt, sie haben es sich bequem gemacht. Es sind Traditionen entstanden, die gut und wichtig sind, solange sie mit Leben gefüllt werden können, denn sie vermitteln Vertrautheit und Sicherheit. Die Grenzen des Lagers haben sich verschoben, und das, was damals außerhalb der Tore geschah, findet sich nun inmitten der Tore wieder.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir dieser Beobachtung wohl zustimmen. Wir fühlen uns in unserer Umgebung sehr sicher.
Nun ist aber der Predigttext noch nicht ganz erschöpft. Der Schreiber des Hebräerbriefes schließt unseren Abschnitt mit dem Satz: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.”
Das gilt auch heute. Es ist dabei ganz wichtig, dass wir den Satz genau lesen. Wir haben hier keine bleibende Stadt, da denkt man ja zunächst an einen Ort, zu dem man sich begeben, in dem man wohnen kann. Es könnte also sein, dass es woanders diese bleibende Stadt gibt, folglich wohl draußen vor dem Tor, da, wo das Sühneopfer vollzogen wurde.
Aber der zweite Teil des Satzes belehrt uns eines anderen: die zukünftige suchen wir, nicht die andere irgendwo anders, sondern die, die sein wird, also in der Zukunft liegt.
Noch ist sie nicht. Und das heißt für uns: es ist immer noch nötig, den Weg nach draußen vor die Tore der Stadt zu gehen, um teilzuhaben an diesem Geschenk Gottes, dem Opfer Christi, das uns ein für allemal mit ihm versöhnt.
Damit ist natürlich nicht gemeint, dass wir uns aufmachen sollen in den Park hinter dem ehemaligen Kaisertor, oder nach außerhalb der Grenzen der Stadt Wolfenbüttel. Es geht vielmehr um die Stadt, die wir uns in unserem Herzen gebaut haben. Denn da kann man es sich schon ganz gemütlich machen. Da ist der geregelte Tageslauf, der Wochenrhythmus, der den Gottesdienstbesuch mit einschließt, und wenn das alles so schön zusammenpasst und hilft, unser Gewissen zu beruhigen, fühlen wir uns sicher und geborgen.
Aber christlicher Glaube erfordert eben, dass wir uns hinaus begeben in die Unsicherheit, in das Ungewohnte, in das, was allgemein nicht akzeptiert wird. Hier gibt es keine Stadt, die uns schützen kann, weder vor Gott noch vor Menschen. Das einzige, was uns schützt, ist das Kreuz, das so wenig Schutz zu bieten scheint. Es schützt uns vor dem Zorn Gottes. Vor den Menschen kann es uns nicht schützen.
In diesem Zusammenhang wird auch dieses Wort Jesu lebendig: „Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.”
Leben ist nicht gleich Leben. Das Leben, zu dem das Opfer Jesus Christus uns befreit, führt uns letztlich zu der zukünftigen Stadt, von der der Hebräerbrief redet. So sind wir nicht etwa solche, die wie Vagabunden umher ziehen; wir sind Menschen, die bereit sind, Risiken einzugehen. Wir sicherun uns nicht ab, wenn wir hinausgehen und unseren gewohnten Alltagstrott verlassen, weil wir wissen, dass wir auf diesem Weg unser Leben finden werden. Wir ziehen hinaus, um in dieser Welt zu verkündigen, welches Wunder unser Gott durch Jesus Christus vollbracht hat: dass er uns frei macht von aller Schuld durch sein Kreuz.
Dass wir dieses Wunder selbst erfahren, und dass wir den Mut finden, hinaus zu gehen und es weiter zu sagen, dazu gebe uns Gott Mut und Kraft.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Also liebt Gott die arge Welt (EG 51)
O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76)
O hilf, Christe, Gottes Sohn (EG 77, 8)
Du großer Schmerzensmann (EG 87)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (EG 150)
Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384)

Predigtvorschläge zu Reihe V - Hebr 5, (1-6)7-9(10)

Liebe Gemeinde!
Der Hebräerbrief wurde schon kurz nach seiner Entstehung als Brief an die Hebräer bezeichnet, weil man meinte, dass die vielen Anspielungen auf den jüdischen Kult, vor allem die Äußerungen über das Hohepriestertum, eigentlich nur Hebräer verstehen könnten.
Inzwischen weiß man, dass der Brief an Christen gerichtet war, die keinen jüdischen Hintergrund hatten, sondern vielmehr aus dem hellenistischen Raum stammten. Wer damals Christ wurde, begab sich in die Tradition jüdischen Glaubens hinein und musste sich so zwangsläufig auch mit den Riten und Gebräuchen jüdischen Lebens auseinander setzen.
Heute fällt es schwerer, sich diesem Brief an die Hebräer zu nähern, auch wenn die drei Verse, die uns heute als Predigttext vorgegeben sind, eigentlich noch recht leicht nachvollziehbar sind.
Aber ihnen gehen die für den Hebräerbrief typischen Gedanken voraus: Christus wurde zum Hohepriester eingesetzt, heißt es da, und zwar von Gott selbst. Kein Mensch hatte seine Hand im Spiel. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass ein Hohepriester als Mensch mit den Menschen mitfühlen kann, "die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt" (Hebr 5, 2).
Da wird das Amt, das dazu eingesetzt ist, die Gottesferne der Menschen zu überbrücken, auf Jesus übertragen, den Gottessohn. Aber dies geschieht eben nicht in seiner Funktion als Gottessohn, sondern als Mensch. Denn nur so kann er, wie jeder andere Hohepriester vor ihm, mit den Menschen mitfühlen und ihre Not mitleiden.
So erklärt sich dann auch die Aussage, dass Jesus mit lautem Schreien und mit Tränen bittet und fleht. Denn eines Gottessohnes wäre solches Bitten und Flehen wohl kaum würdig.
Darum schränkt der Schreiber des Hebräerbriefes dieses Bitten und Flehen auch auf die Tage seines irdischen Lebens ein.
Wenn wir von Jesus hören, wenn wir von ihm erzählen, geraten wir immer wieder an unsere Grenzen. Wir sprechen von ihm als dem Sohn Gottes, der zur Rechten des Vaters sitzt, der kommen wird, um zu richten die Lebenden und die Toten. Zugleich aber erzählen wir von ihm als von einem Menschen, der all das, was einen Menschen ausmacht, an sich selbst erfuhr. Wir beschreiben ihn als den, der die Begrenztheit menschlicher Erfahrung und die Schwäche selbst erlebt hat.
Wie das zusammenpasst, dieses Gottes-Sohn-Sein und das Menschsein, das hat die Christen der ersten Jahrzehnte genauso beschäftigt wie uns heute, nur mit dem Unterschied, dass wir auf teilweise Jahrhunderte alte Denkmodelle zurückgreifen können. Eines davon wird hier, in diesem Text, erkennbar:
Jesus ist ganz Mensch, obwohl er Gottes Sohn ist. Er muss ganz Mensch sein, damit er das Opfer vollenden kann, das ihm zu vollbringen aufgetragen ist.
In diesem Menschsein und im Bewusstsein der Aufgabe, die vor ihm lag, nämlich, dass er den Menschen ausgeliefert und von ihnen getötet werden würde, hat er natürlich auch tiefe Angst und sogar Zweifel erfahren, die ihn in das Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen hinein führten.
Als Mensch war in ihm immer auch Zweifel, ob das, was er tat, tatsächlich das Richtige sein würde. Den direkten Draht zu Gott, der diesen Zweifel vielleicht hätte ausräumen können, gab es für ihn genauso wenig wie für uns. In diesem Zweifel hat er sich aber nie von Gott abgewandt, sondern immer zu ihm hin. Von ihm erwartete er Führung, Halt, ja sogar Rettung.
Er flehte darum, weil er als Mensch im Tod gefangen war und die Grenze des Todes für sich selbst als unüberwindbar wahrnahm. Dennoch wusste er, oder besser: dennoch glaubte er, dass Gott diese Grenze überwinden kann, und wandte sich darum in seiner Todesnot ihm zu.
Im Hintergrund hören wir dabei die Worte des 22. Psalms, die uns alle von der Kreuzigungsgeschichte her vertraut sind:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Aber bei dieser Bitte bleibt es nicht. Der Psalm lobt in seinem zweiten Teil Gott für seine Treue: "Gott hat nicht verachtet noch verschmäht das Flehen des Flehenden, und da ich zu ihm schrie, erhörte er mich." (nach der LXX)
Der Gottessohn muss die Gottesferne selbst durchleiden, um sie zu überwinden. Dies kann nur gelingen, wenn er ganz Mensch ist, so wie es der Christushymnus im Philipperbrief beschreibt:
"Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." (Phil 2, 12)
Jesus taucht also hinab in die Tiefen des Menschseins, gibt seine Gottessohnschaft auf, erfährt an sich selbst die Gottverlassenheit, obwohl er Gottes Sohn ist, durchmacht die Versuchungen, die auch wir immer wieder erleben, und bringt auf diese Weise Gott den Menschen nahe, nachdem er den Tod durchlitt und von den Toten auferweckt wurde.
Das "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", das Jesus am Kreuz spricht, ist keine Feststellung der Gottverlassenheit, sondern die Hinwendung zu Gott, Ausdruck der Sehnsucht nach ihm.
In dieser Sehnsucht offenbart sich Jesu Gehorsam, der bereit ist, all das zu erleiden, was ihm von Gott auferlegt wurde.
Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:
welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.
Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken. (EG 91, 2-4)

Indem Christus im Gehorsam gegen Gott den Tod am Kreuz durchlitt, so wie wir es auch im Christus-Hymnus des Philipperbriefes gehört haben, ist er der Urheber unseres Heils geworden. Er hat seine Funktion als Hohepriester, von der der Hebräerbrief immer wieder redet, dadurch wahrgenommen, dass er sein Leben für uns hingab.
Sein Tod aber konnte erst dadurch das Heil erwirken, dass Jesus auch von den Toten auferweckt wurde und als Sohn Gottes seinen Platz zur Rechten des Allmächtigen Vaters einnahm. Nun kann sein Blut uns vor Gott gerecht machen in Ewigkeit.
Der Verfasser des Hebräerbriefes knüpft unsere Teilhabe am Heil allerdings an eine Bedingung. Ganz so, wie Christus selbst Gehorsam erlernte in der tiefsten Gottverlassenheit, so sollen auch wir gehorsam sein ihm gegenüber.
Dieser Gehorsam aber erweist sich nicht darin, dass wir eine Liste von Aufgaben erledigen, die uns ausgehändigt wurde, wiewohl natürlich das Doppelgebot der Liebe: "du sollst Gott, deinen Herrn, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst", unsere verbindliche Lebensgrundlage ist.
Es geht vielmehr um den Gehorsam im Blick auf das, was Christus für uns getan hat. So wie Jesus auf die Kraft Gottes vertraute, so sollen auch wir im Glauben dieses Werk annehmen, das Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat.
Das ist Gehorsam, so wie der Verfasser des Hebräerbriefes es meint: In der Gottesferne, in der Gottverlassenheit sich nicht von Gott abwenden, sondern auf das Kreuz blicken und im Vertrauen auf die dort offenbarte Liebe durch das finstere Tal hindurch gehen.
Dieser Gehorsam, dieser Glaube, dieses Vertrauen in die Liebe Gottes führt uns zur Vollendung, so wie Christus selbst vollendet wurde. Denn unsere Bestimmung ist es nicht, zu sterben und begraben zu werden, sondern mit ihm aufzuerstehen und an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben.
Wenn wir das Abendmahl feiern, dann werden wir an all das erinnert, ja, mehr noch: wir erleben es. Wir haben Teil an der Herrlichkeit Gottes, indem wir teilhaben am Leib und Blut Christi, indem wir die Barmherzigkeit und Liebe Gottes durch Jesus Christus leibhaftig erfahren, schmecken und sehen.
Wir stimmen mit unserem "Heilig, heilig, heilig" ein in den Lobgesang der Engel und aller Heiligen, die sich um Gottes Thron scharen, auch wenn sie vermutlich nicht die gleiche Melodie singen.
Und wir erhalten Wegzehrung, die uns Kraft gibt, auch die dunklen Täler zu durchschreiten, die sich auf unserem Weg befinden.

Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Dein Kampf ist unser Sieg (EG 87, 3.5-6)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92)
*In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-EG 586)
*Vertrauen wagen dürfen wir getrost (NB-EG 607)