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Für euch dahingegeben - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Joh 6, 47-51 (I)

Liebe Gemeinde!
1. Glaube
„Wer glaubt, der hat das ewige Leben!”
Ist das nicht wunderbar? Ich glaube, also habe ich das ewige Leben!
Doch schon während ich diese Worte ausspreche, regt sich in mir die Frage: kann das denn sein? Und wenn es so ist – ist mein Glaube stark genug, oder glaube ich das Richtige, oder glaube ich richtig?
Und schon ist es weg, dieses wunderbare Gefühl, das einem durch das Wissen, das ewige Leben zu haben, vermittelt wird.
„Wer glaubt, der hat das ewige Leben.”
Es scheint so einfach, womöglich zu einfach.
Vermutlich darum fangen wir an zu deuteln, zu hinterfragen, zu zweifeln. Denn das kann doch nicht stimmen, es kann nicht so einfach sein!
Und was ist ewiges Leben? Wir sehen doch ständig den Tod vor Augen. Liebe Menschen sterben, es geschehen Unfälle, Kriege führen uns immer wieder deutlich vor Augen, dass nichts unendlich ist, und Naturkatastrophen beweisen, wie hilflos wir manchmal sind. Wo ist da das ewige Leben?

Nicht umsonst stellt Jesus dagegen eine Bedingung, die der Erfahrung des ewigen Lebens vorausgeht: „Wer glaubt, der hat das ewige Leben.”
Glaube ist also die Bedingung – der Glaube an Jesus Christus.
Glaube, so heißt es im Hebräerbrief, ist „eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.” (Hebr 11, 1)
Glaube rechnet mit dem, was eigentlich nicht möglich zu sein scheint oder sogar nach unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht möglich ist.
Wer glaubt, muss in unserer aufgeklärten Welt damit rechnen, wenigstens etwas misstrauisch beäugt oder wenigstens mitleidsvoll belächelt zu werden, denn Glaube spielt in unserer Gesellschaft eine immer geringere Rolle.
Es gehört also schon etwas Mut zum Glauben.
Man muss sich einlassen auf das Unbekannte, auf das, was unsere Vorstellungskraft sprengt und weit über alles Vernünftige hinaus geht.
Glaube ist neben der Zuversicht auf das, was man hofft, und dem Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht, auch ein Fürmöglichhalten dessen, was eigentlich unmöglich erscheint. Denn der Glaube rechnet mit Gott; er rechnet mit seiner Fähigkeit, völlig Neues zu schaffen und damit auch die Naturgesetze, die uns so unumstößlich scheinen, auszuhebeln.
Gott kann das. Wer diesen Satz aus seinem Herzen heraus sprechen kann, der glaubt. Aber er begibt sich mit einer solchen Aussage in den Augen seiner Mitmenschen mitunter auf recht dünnes Eis, das nur dann tragfähig bleibt, wenn der Glaube tragfähig ist.
2. Brot des Lebens
Das 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums, aus dem unser Predigttext stammt, dreht sich überwiegend um das eine Stichwort: Brot. Man könnte es überschreiben mit:
„Jesus – das Brot des Lebens”.
Nachdem er mit 5 Gerstenbroten und zwei Fischen eine Menge von 5000 Männern (Frauen und Kinder wurden also nicht mitgezählt) gesättigt hatte, sollte er zum König ernannt werden. Weil er das nicht wollte, entzog er sich der Menge und überquerte später den See Tiberias, um dann nach Kapernaum zu gehen. Dort wurde er wieder von den Menschen gefunden, die am Tag zuvor das sogenannte Brotwunder erlebt hatten.
Jesus stellt die Motivation dieser Menschen in Frage. Warum sucht ihr mich? Doch nur, weil ich 5000 Menschen mit so wenigen Broten gespeist habe. Ihr wollt, dass ich das immer wieder tue. Aber das könnt ihr doch auch selber machen. Verschafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. (Joh 6, 27)
Und dann beginnt er, von sich als dem Menschensohn zu reden, der diese unvergängliche Speise geben kann.
Obwohl die Menschen das Brotwunder gesehen hatten, begannen sie nun zu zweifeln; sie wollten noch mehr Wunder sehen. Doch dann begehren sie von ihm diese ewige Speise: „Herr, gib uns allzeit solches Brot.” (Joh 6, 34)
Und Jesus erwidert darauf dies:
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.” (Joh 6, 35)
Wieder folgt der Zweifel: wie kann das möglich sein? Er ist Jesus, der Sohn Josefs, aus Nazareth. Wie kann er sagen, er sei vom Himmel gekommen? Denn genau das hatte er über das Brot des Lebens gesagt.
Auf diesen Zweifel folgt die Antwort aus unserem Predigttext: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Wer das Unmögliche für möglich hält, dem öffnet sich der Himmel.
Und noch einmal erklingen die Worte: „Ich bin das Brot des Lebens.” (Joh 6, 48)

Es ist ziemlich offensichtlich, dass der Evangelist Johannes mit diesem Kapitel auf die Praxis und das Verständnis des Abendmahls anspielt, die sich zu der Zeit, als er das Evangelium schrieb, schon gefestigt hatte.
Brot des Lebens – lebendiges Brot – Jesu Fleisch, hingegeben für das Leben der Welt – das sind die Kernworte aus unserem Predigttext.
Vielen Menschen fällt es schwer, nachzuvollziehen, was es bedeutet, wenn wir sagen: „Christi Leib, für dich gegeben”, und damit das Brot meinen, das beim Abendmahl ausgeteilt wird.
Wie kann das, diese dünne, platte, geschmacklose Hostie, Christi Leib sein?
Die Theologen haben sich über viele Jahrhunderte noch ausführlich mit dieser Frage befasst, und auch zur Zeit der Reformation bewegte diese Frage die Gemüter. Man hat sich dabei einer Lehre des griechischen Philosophen Aristoteles bedient, der erklärte, dass jedes Ding eine Substanz habe, die im Grunde den Kern der Sache ausmache, aber sinnlich nicht wahrnehmbar sei. Es geht also nicht um die Farbe oder die Form, sondern um das ganz Wesentliche, das, was die Sache im Kern bestimmt. Für uns Lutheraner gilt, dass sich die Substanz des Leibes Jesu während des Abendmahls mit der Substanz des Brotes verbindet, und wir so den Leib Christi in der Gestalt des Brotes zu uns nehmen.
Der Leib Christi nimmt die Form des Brotes an, er verbirgt sich gewissermaßen im Brot – und damit wir nicht durch den Geschmack des Brotes abgelenkt oder irritiert werden, ist das Brot, das zum Abendmahl gereicht wird, weitgehend ohne Geschmack.
Aber man könnte noch immer fragen, wie denn der Leib Christi in das Brot kommt. Doch diese Frage lässt sich leicht beantworten, wenn wir glauben, dass Jesus als der Sohn Gottes überall gegenwärtig ist, so wie er zugesagt hat, und sein Leib nach der Auferstehung und Himmelfahrt in der gleichen Weise allgegenwärtig sein kann.
Letztlich wird Jesus gegenwärtig in den Gaben des Abendmahls durch die Zusage Jesu, die in den Einsetzungsworten gesprochen wird. Dies ist mein Leib – dies ist mein Blut, für euch gegeben. Aber das sind alles theoretische Überlegungen, mit denen man versucht hat, das Wesentliche des Abendmahls dem Verstand zugänglich zu machen.
Für Jesus scheint es viel einfacher zu sein: „Wer glaubt, der hat das ewige Leben”. Wer glaubt, dass er im Abendmahl das Brot des Lebens, den Leib Christi, zu sich nimmt, der hat auch Teil an der Ewigkeit. Denn Jesus ist das Brot des Lebens, und wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. (Joh 6, 51b) Das muss man nicht verstehen, man muss es glauben.
Manchen ist es genug, im Abendmahl eine Feier der Gemeinschaft und der Erinnerung an das damalige Abendmahl zu sehen. Das würde es auch viel einfacher machen. Man müsste nichts zu erklären versuchen.
Dies ist vielleicht auch darum die Position Johannes Calvins und Ulrich Zwinglis gewesen, aus deren Verkündigung dann die Reformierte Kirche erwachsen ist.
Zwingli war so weit gegangen, zu sagen, dass es sich nur um die Gemeinschaft der Christen untereinander handele, um eine Erinnerungsfeier gewissermaßen, ganz im Sinne der Aufforderung: solches tut zu meinem Gedächtnis. Calvin meinte dann aber ergänzend, dass die Gemeinde natürlich auch die Gemeinschaft mit Jesus genieße, indem die Seelen während des Abendmahls durch den Heiligen Geist in den Himmel gehoben würden und dort die Gemeinschaft mit Christus erlebten.
Aber mehr konnten beide nicht im Abendmahl erkennen.
Es ist natürlich wahr, dass das Abendmahl auch eine Feier der Gemeinschaft und der Erinnerung ist. Aber so wie hier bei Johannes hatte Jesus während des Abendmahls mit seinen Jüngern gesagt: „Dies ist mein Leib” und „Dies ist mein Blut”, und damit auf Brot und Wein hingewiesen. An diesen Worten hat Martin Luther festgehalten.
Vielleicht hilft tatsächlich die philosophische Sichtweise des Aristoteles. Aber Jesus hat sicher nicht an den Philosophen gedacht, als er so das Abendmahl einsetzte. Für ihn ist nur eins wichtig: der Glaube. Und so mögen wir wohl mit dem Vater, der sein besessenes Kind zu Jesus brachte, rufen: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!” (Mk 9, 24) Denn immer werden wir unbeantwortete Fragen haben, und immer wird sich der Zweifel regen. Die Antwort auf unsere Fragen und unseren Zweifel kann nur von Gott selbst her kommen. Und darum würde ich Glaube selbstverständlich auch in dem Menschen erkennen, der bei Gott Antworten auf seine Fragen sucht.
„Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben!”
Ich glaube – vielleicht nur ein kleines bisschen, aber wer kann Glauben schon messen? Und außerdem genügt ja auch schon ein kleines bisschen Glaube, um Berge zu versetzen, wie Jesus gesagt hat.
3. Ewiges Leben
„Wer glaubt, der hat das ewige Leben.”
Jesus Christus verbindet mit dem Heiligen Abendmahl das Geschenk des ewigen Lebens: „Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.” (Joh 6, 51b)
Ja, wie ist das mit dem ewigen Leben? Die Lebenserwartung ist in unseren Breiten zwar in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen, aber von ewigem Leben kann man da beim besten Willen nicht sprechen. Denn das wissen wir sicher: jeder Mensch wird sterben.
Und darüber hinaus ist es mit dem ewigen Leben ja ohnehin nicht so einfach. Man kann es sich gar nicht so richtig vorstellen.
Wie sollen die Milliarden von Christen, die seit damals, als Jesus Christus die Botschaft vom Reich Gottes verkündigte, gestorben sind, noch Platz finden? Und wie will Gott den Überblick behalten? Und wäre es nicht schrecklich langweilig, ewig zu leben? Viele Menschen in hohem Alter wünschen sich den Tod, weil sie müde geworden sind. Der Tod wird da zu einer Erlösung. Und nun soll das in die Ewigkeit hinein verlängert werden?
Und was wäre das für ein Leben, das man mit Milliarden von Menschen irgendwo in der himmlischen Sphäre, im Reich Gottes, verbringt?
Solche Fragen wurden mir schon öfter gestellt, und nicht nur von Kindern oder Konfirmandinnen oder Konfirmanden, sondern auch und besonders von Erwachsenen.
Es sind Fragen, die durch den Verstand ausgelöst werden, der wiederum nur das gelten lässt, was man mit seinen Sinnen wahrnehmen oder wenigstens berechnen, auf jeden Fall aber beweisen kann.
Und da hört es mit der Ewigkeit auf. Wir können sie uns beim besten Willen nicht vorstellen, weil alles, was wir kennen, zeitlich ist. Es gibt Zeiten, von denen wissen wir nichts mehr. Ewigkeit würde aber bedeuten, dass alles präsent ist, alles ist gegenwärtig. Es gibt kein gestern und kein Morgen, weil es keine Zeit gibt. Und dann ist die Ewigkeit natürlich auch nicht langweilig, weil sie nicht ewig dauert, so wie eine zu lange Predigt. Denn das wäre mit der Zeit gemessen. Ewigkeit ist alles in allem, Ewigkeit ist die Vollkommenheit. Ewiges Leben bedeutet, in Gottes Gegenwart zu leben, oder vielleicht besser: in Gottes Gegenwart zu sein. Und so können wir etwas von der Ewigkeit auch in diesem Leben schon erfahren, dann nämlich, wenn wir die Nähe Gottes erleben, so wie z.B. in der Feier des heiligen Abendmahls, oder in der stillen Meditation, oder im Gebet. Es gibt Dinge, die müssen geglaubt werden, damit sie wahr werden können. Da hilft kein Deuteln, keine noch so schöne, vernünftige Konstruktion, die sogar ein Atheist nachvollziehen könnte, wenn er sich dem Philosophen Aristoteles nicht verschließt.
Denn da ist mehr als die Vernunft. Und dieses Mehr erschließt uns der Heilige Geist, um den wir nicht aufhören sollten zu bitten.
Und darum gilt für uns: „Wer glaubt, der hat das ewige Leben.”
Amen


Liedvorschläge:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66, 1.4.8)
Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221)
Das Wort geht von dem Vater aus (EG 223)
Herr, gib uns unser täglich Brot (EG 464)
Aus ungewissen Pfaden (KHW-EG 578)
Jesus Brot, Jesus Wein (KHW-EG 581)
Du hast gesagt: "Ich bin das Brot" (KHW-EG 602, 4)

Predigtvorschläge zu Joh 12, 20-24 (III)

Liebe Gemeinde!
Ein Soldat weigert sich, den Befehl auszuführen. Er weiß, dass die Rakete, die der Knopfdruck, der ihm gerade befohlen wurde, starten wird, tausende Menschen töten würde - viele davon haben diesen Krieg nie gewollt., niemand von diesen Menschen hat ihn je angegriffen. Sein Vorgesetzter herrscht ihn an, aber er bleibt dabei, er wird den Knopf nicht drücken. Schließlich wird er abgeführt, wegen Befehlsverweigerung wird ihm der Prozess gemacht werden, die unehrenhafte Entlassung steht ihm bevor, vielleicht auch eine lange Zeit im Gefängnis. Ein anderer drückt an seiner Stelle auf den Knopf.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...
Eine Sozialhilfeempfängerin hat von dem Elend der Kinder in den Entwicklungsländern gehört. Sie vertraut darauf, dass die Organisation der Kindernothilfe gute Arbeit leistet, und ist bereit, monatlich 31 Euro von der Sozialhilfe abzuzweigen, um so einem Kind in einem Entwicklungsland eine gute Zukunft zu ermöglichen. Denn sie weiß, dass es ihr selbst mit der Sozialhilfe noch weitaus besser geht als vielen Kindern in der dritten Welt, die noch nicht einmal die Möglichkeit haben, sich neue Kleidung zu verschaffen, und oft ihren Hunger nicht stillen können.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...
Der Vater ist ein Pflegefall geworden. Als es darum ging, zu entscheiden, ob er in ein Heim kommt, hat sich die Tochter bereit erklärt, ihn in ihre Wohnung aufzunehmen und zu versorgen. Seitdem sind 10 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sie selten einen Tag gehabt, an dem sie selbst ihren Tagesablauf bestimmen konnte. Ihre Freiheit war seitdem drastisch eingeschränkt. Dennoch hat sie ihren Entschluss nie bereut.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt...

Millionen Soldaten folgen den Befehlen ihrer Befehlshaber. Dazu sind sie ausgebildet. Sie fragen nicht nach dem Warum, sie fragen nicht, ob es richtig ist, was sie tun. Sie lernen, sich im Kampf zu behaupten, damit sie nicht selbst den Tod finden. Darauf kommt es an - stärker zu sein als der Feind. Der Befehlshaber weiß, was zu tun ist, und darum folgen sie seinen Befehlen. So nur können sie sich aufeinander verlassen, wenn die Befehle strikt befolgt werden.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...
Ein Mann ist dankbar, dass er seine Arbeitsstelle hat - das ist ja heutzutage nichts Selbstverständliches mehr. Aber es reicht nicht für ihn, seine Frau und ihr gemeinsames Kind. Es ist teuer, zwei Autos zu unterhalten, und die Schulden, die sie aufnehmen mussten, um ein eigenes Haus bauen zu können, belasten das Einkommen. So arbeitet die Frau mit. Dafür haben sie ein recht komfortables Leben. Aber natürlich bemüht er sich um eine Gehaltserhöhung, denn selbst jetzt ist es noch nicht genug.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...
Als es darum ging, zu entscheiden, ob die Mutter ins Pflegeheim kommt oder nicht, war es schnell klar: Der Sohn wollte sich seine Freiheit nicht nehmen lassen. Wer weiß, wie lange sie ein Pflegefall sein würde? Und die Mutter wollte ihm natürlich auch nicht zur Last fallen. So kam sie in ein Heim. Die anfänglich täglichen Besuche wurden immer seltener, immer öfter fand man Ausreden. Zuletzt kam er nur noch einmal im Monat, um nach ihr zu sehen.
Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren...

„Wir möchten Jesus gerne sehen”, so fragen einige Griechen den Jünger Philippus. Ja, ich möchte auch gerne Jesus sehen. Nur zu gerne. Denn dann, so stelle ich es mir vor, hätte ich alle Antworten. Es gäbe keine Fragen, keine Zweifel mehr. Ich wüsste: ich bin auf dem richtigen Weg, denn er ist bei mir.
Diese Gewissheit hatten sich die Griechen damals sicher auch gewünscht. Sie waren Suchende, die schon etwas gefunden hatten im jüdischen Glauben, der sonst in der griechischen Welt wenig Ansehen genoss. Der jüdische Glaube war für diese Männer das Risiko wert, in ihrer Umwelt verachtet zu werden. Doch spürten sie, dass sie das Ziel ihrer Suche noch nicht gefunden hatten. Und darum wurden sie hellhörig, als sie von Jesus erfuhren. War er ihr Ziel?
Oft begegne ich Menschen, die ganz klare Ziele vor Augen haben. Sie wissen, was sie wollen. Ganz oben steht natürlich eine gesicherte Existenz, die in unserem Land überhaupt kein Problem darstellt. Aber dann möchte man Karriere machen. Denn es gibt viele Dinge, die man sich kaufen möchte, für die man aber auch Geld braucht. Um Karriere zu machen, muss man sich profilieren, man muss Rückgrat haben, unliebsame Konkurrenten müssen aus dem Weg geschafft werden.
Auch der Wettbewerb mit den Nachbarn spielt meist eine wichtige Rolle: ich bin besser als die oder der, und das werde ich unter Beweis stellen. Das kostet Kraft und meist auch Geld.
Aber was für ein Ziel ist das eigentlich. Wohin führt uns ein solcher Weg? Wenn man es genau betrachtet, basiert dieses Verhalten auf dem Gesetz des Dschungels: der Stärkere überlebt, der Schwächere stirbt. Was im Weg ist, wird aus dem Weg geräumt. Ich muss um alles in der Welt oben mitschwimmen, ich darf nicht untergehen, in der Masse verschwinden.
Ein solcher Weg ist alles andere als menschlich. Er missachtet die, die Hilfe brauchen. Ein Mensch, der einen solchen Weg geht, hat nichts mit dem Ebenbild Gottes zu tun. Er ist ein Ebenbild des Tieres, das nach seinen Instinkten handelt, vielleicht aber noch mehr Mitgefühl zeigt, als es solch ein Mensch tun würde.
Ich möchte Jesus gerne sehen. Seine Antwort an die Griechen, und damit sicher auch an mich, ist nicht: komm her, sonne dich in meiner Gegenwart, lass dir die Sicherheit geben, die du suchst, lass allen Zweifel fallen. Nein, so antwortet Jesu nicht. Seine Antwort ist merkwürdig, sie ist vielschichtig, und doch klar. Er sagt:
Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Das Bild vom Weizenkorn ist schon beeindruckend. Dieses kleine Korn wird zu einem großen Halm, an dem es die vielfache Zahl dessen trägt, was es selbst einmal war. Dazu braucht es nur Wasser, Sonnenlicht, ein paar Mineralien - und schon entsteht diese beeindruckende Pflanze. Das Weizenkorn bringt viel Frucht. Aber damit es dazu kommen kann, muss sich das Weizenkorn selbst aufgeben. Es muss sterben. Und doch stirbt es ja nicht. Es lebt in dem Halm weiter, es vermehrt sich.
Jesus bringt es dann noch einmal auf den Punkt, wendet dieses Wort auf das menschliche Leben an. Wer sein Leben lieb hat, wird's verlieren. Wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten.
Liebe und Hass, das sind starke Gefühle, die man gegen sein eigenes Leben nur schwer hegen kann. Man liebt oder hasst, was außerhalb von einem ist, aber doch kaum das eigene Leben. Auch würde es im Widerspruch zum Gebot der Nächstenliebe stehen, wenn man sich selbt hasst, denn darin heißt es ja, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Wenn man sich selbst hasst, wie kann man dann seinen Nächsten lieben?
Aber das ist es ja nicht. Wir sollen nicht uns selbst hassen, sondern das Leben, das wir leben. Das Leben, das nach dem Gesetz des Dschungels geführt wird: um jeden Preis oben bleiben, beweisen, dass man der Stärkere ist, niemals nachgeben.
Die Alternative zu diesem Leben ist klar: bereit sein, sein eigenes Leben aufzugeben, und nicht darauf zu warten, dass irgend jemand es von uns fordert, sondern alles aufgeben, was uns daran hindert, Frucht zu bringen. Die Sorge für unseren Nächsten, für die Menschen im Irak, für die tausende von Kindern, die in dieser Stunde verhungern, für die Außenseiter in unserer Gesellschaft, und der Einsatz gegen die Herrschaft des Geldes, das ist es, was Jesus gemeint hat.
Sie haben alle am Eingang ein Weizenkorn bekommen. Mit diesem Weizenkorn können Sie nun symbolisch zeigen, dass Sie bereit sind, Jesus zu folgen: Hier vorne steht eine Schale mit Erde, in die Sie ihr Samenkorn legen können. Ich werde uns dann von Zeit zu Zeit an diese Saat erinnern.
Nun kommen Sie nach vorne und legen Ihr Samenkorn in die Erde.
...
Gott segne alles, was ihr in der Nachfolge seines Sohnes Jesus Christus tut.
Amen

(Gehalten am 30.3.2003)


Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist das Weizenkorn (EG 78, 9)
Ich grüße dich am Kreuzesstamm (EG 90)
Korn, das in die Erde (EG 98)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
O Durchbrecher aller Bande (EG 388)
Kommt Kinder, lasst uns gehen (EG 393)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Wer leben will wie Gott (KHW-EG 546)
Das Weizenkorn muss sterben (KHW-EG 579)
Freunde, dass der Mandelzweig (NB-EG 620)

Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
© Copyright 1998-2018 by Martin Senftleben

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