das Kirchenjahr

Okuli

Konsequenz der Nachfolge*

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos" (Ps 25, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Okuli" hervorgehoben).
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge". In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

IV - 1. Kön 19, 1-8 (9-13a)

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. 5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des HERRN kam zum zweitenmal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. 9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? 10 Er sprach: Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übriggeblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen. 11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. 12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. 13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

Diese Erzählung aus der großen Geschichte des Propheten Elia ist schon beeindruckend. Zugleich aber ist sie auch erschreckend: die Tatsache, dass Menschen umgebracht werden um Gottes willen, ist etwas, was uns eigentlich fremd sein müsste - und doch heute wieder ungeheuer aktuell ist.
Die Perikope wurde etwas eingeschränkt, was im Blick auf den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang wohl sinnvoll ist, denn die Begegnung mit Gott spielt hier nur eine sekundäre Rolle. Aber für das Verständnis der Verse 1-8 sind die Verse 9-13a schon notwendig - von daher empfiehlt sich eine Einbeziehung dieser Verse, ohne in der Predigt den Schwerpunkt auf diesen Abschnitt zu legen.
Elia hatte alle Propheten Baals getötet - 450 Mann (18, 22)! Als Isebel, die Frau des Königs und Protagonistin des Gottes Baal, das hört, ist sie empört und droht Elia dasselbe Ende an. Der flieht (eigentlich merkwürdig, denn sollte er nicht in Gott vertrauen und seine Hilfe erwarten?). Nachfolgend klagt er zu Gott: 'nimm meine Seele, ich kann nicht mehr.' In dieser Klage wird vielleicht doch deutlich, warum er vor Isebel flieht: Er hatte erwartet oder zumindest gehofft, dass das Urteil, das auf dem Karmel vollzogen wurde, auch die Herzen der anderen, also auch Isebels, bekehren würde. Die Worte der Königin zeigen ihm aber, dass da nichts zu erwarten ist. Im Gegenteil, niemand ist da, der sich auf seine Seite stellt. Der Beweis der Macht Gottes hat überhaupt nichts verändert. Unter diesen Umständen ist auch sein Leben sinnlos.
Gott erhört seine Bitte, seine Seele zu sich zu nehmen, nicht. Anstelle dessen wird er ihm deutlich machen, dass der Kampf noch nicht beendet ist, im Gegenteil. Aber davor hat Gott eine lange Reise gesetzt. 40 Tage und Nächte wanderte er zum Berg Gottes, dem Horeb, nachdem er durch einen Engel gespeist worden war.
An dem Berg angekommen, legt sich Elia in einer Höhle schlafen. Interessant ist nun die Frage Gottes an Elia, was er hier mache. Gott muss es doch wissen! Warum also die Frage? Sie zeigt, dass Gott dem Menschen nie seine Würde nimmt. Gott will es von Elia hören, was ihn bedrückt - Elia aber könnte sich zurückziehen und schweigen, wenn er wollte. Gott würde ihn dann nicht mehr belasten, er würde sich ihm nicht aufdrängen.
Elia ergreift die Gelegenheit und klagt Gott sein Leid. Er ist allein übriggeblieben, niemand hilft ihm.
Gott antwortet darauf auf schlichte Art und Weise. Er macht keine langen Worte, sondern zeigt sich Elia - nicht als ein Zerstörer, sondern im sanften Säuseln. Damit macht er deutlich, dass er nicht durch Macht überzeugen will - über die er wohl verfügt - sondern durch einen Wandel der Herzen. Man könnte dieses Auftreten Gottes sogar als leise Kritik an der Tötung der Priester des Baal interpretieren.
Aber das ist nicht so wichtig für die Predigt, denn der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang erfordert doch, dass wir uns enger mit der Person des Elia befassen. Er lebt konsequente Nachfolge, er setzt sein Leben ein, indem er Gott bittet, ihn zu sich zu nehmen, mit anderen Worten also, ihn sterben zu lassen. In seiner Verzweiflung wendet er sich also nicht von Gott ab, sondern sucht alles bei Gott, selbst sein Ende.
Die Predigt kann versuchen, Beispiele aufzuzeigen, in denen Menschen in aussichtslose Situationen geraten waren, dann aber Hilfe erfuhren. Das halte ich aber für zu oberflächlich. Die Hilfe, die Elia erfährt (die Wegzehrung), holt ihn ja nicht aus seiner Situation heraus, sondern führt ihn durch die Wüste. Es liegt also nach der Bitte noch eine lange Wüstenwanderung vor, für die er aber genug Wegzehrung erhält (recht kärglich, wenn man es genau betrachtet). Wichtiger wäre wohl, die Konsequenz zu betonen, mit der Elia seinen Auftrag wahrnimmt; dass er in der Verzweiflung sich Gott zuwendet, von ihm aber gar nicht mal Hilfe erwartet, sondern das Ende - denn er hat ja, so meint doch das "ich bin nicht besser als meine Väter", versagt. Da können wir dann auch zahlreiche Ansatzpunkte für die Predigt finden. Das eigene Versagen treibt viele Menschen in die Verzweiflung - Gott aber liebt doch gerade den Versager, und kommt ihm besonders nahe. Und in der Person des Elia erkennen wir, dass wir die Entscheidung fällen müssen, ob Gott uns nahe kommen kann oder nicht.

Liedvorschläge zur Predigt:


Bewahre uns, Gott (EG 171)
In dich hab ich gehoffet, Herr (EG 275)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
Wenn wir in höchsten Nöten sein (EG 366)
Warum sollt ich mich denn grämen (EG 370)
Es mag sein, dass alles fällt (EG 378)
Herr, du hast mich angerührt (EG 383)
Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384)
Du kannst nicht tiefer fallen (EG 533)



Buchempfehlungen:
  • Predigtstudien IV/1 für das Kirchenjahr 2021/2022Wenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Perikopenreihe IV, 1. Halbband v. Johann Hinrich Claussen, Wilfried Engemann, Wilhelm Gräb (Hg.) u.a.. Kreuz-Verlag 2021, 304 S. - 1. Auflage.
    Eine gute Predigt lebt davon, den vorgegebenen Bibeltext in die Sprache der Menschen heute zu übersetzen. Seit mehr als 50 Jahren sind die Predigtstudien bei dieser Herausforderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jeder Predigttext wird jeweils von zwei Autoren im Dialog bearbeitet.
  • Gottesdienstpraxis Serie B - PassionWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Mit CD-ROM v. Christian Schwarz (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2017, 168 S. - 3. Auflage.
    In den Wochen zwischen Aschermittwoch und Karsamstag wird der Passion, der Leidensgeschichte Jesu bis hin zu seinem Tod, gedacht. Trauer und Leiden, das eigene, aber auch das anderer, stehen dabei im Mittelpunkt der kirchlichen Verkündigung. Zugleich strahlt in diese Zeit aber auch schon Hoffnung hinein, die Ahnung und das Wissen, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern dass daraus Neues entstehen kann. Der vorliegende Band bietet in bewährter Weise klassische und kreative Andachts- und Gottesdienstentwürfe für die Passionszeit.
  • Zwischen Abschied und AnfangWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Andachten, Gebete, Gedichte und Segenswünsche zur Passionszeit und Ostern v. Tina Willms. Neukirchener Verlag 2020, 151 S. - 1. Auflage.
    Mit inspirierenden Andachten, Gebeten, Gedichten und Segenswünschen begleitet Tina Willms ihre Leserinnen und Leser durch diese besonderen Wochen des Kirchenjahres. Dabei zeigt sie auf, dass sich in dieser Zeit die ganze Bandbreite des Lebens entdecken lässt: Finsternis und Licht, Leid und Trost, Schrecken und Schönheit.
  • Aus Trauer wird FreudeWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Passions- und Osterzeit v. Stefan Vogt. Neukirchener Aussaat Verlag 2017, 144 S. - 1. Auflage.
    Das Buch bietet hochaktuelle Gottesdienste und Andachten für eine traumatisierte Welt und macht in ihnen die Liebe Gottesdienst für seine Geschöpfe zum Mittelpunkt. Eine Fundgrube für Gottesdienste in der Fasten- und Osterzeit.
Weitere Buchvorschläge rund um den Gottesdienst...