das Kirchenjahr

Okuli

Konsequenz der Nachfolge*

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos" (Ps 25, 15; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Okuli" hervorgehoben).
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge". In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.

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I - Jer 20, 7-11a (11b-13)

HERR, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. 8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien; «Frevel und Gewalt!» muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. 9 Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen. 10 Denn ich höre, wie viele heimlich reden: «Schrecken ist um und um!» «Verklagt ihn!» «Wir wollen ihn verklagen!» Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: «Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.» 11 Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. [Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden.
12 Und nun, HERR Zebaoth, der du die Gerechten prüfst, Nieren und Herz durchschaust: Lass mich deine Vergeltung an ihnen sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen. 13 Singet dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet!
]

Es gibt kaum einen Grund, die in Klammern gesetzten Verse nicht auch in den Predigttext mit einzubeziehen, denn sie gehören inhaltlich zu dem übrigen Text dazu und sind wohl nur deswegen in Klammern gesetzt, weil sie ein unrühmliches Verlangen des Propheten nach Rache erkennen lassen.
Der Prophet beklagt sich zunächst darüber, dass Gott ihn "überredet" hat (Jer 1) und er sich überreden ließ. Schon wird sichtbar, dass es nie nur Gott ist, der handelt - es gehört der Mensch, den Gott anspricht, immer dazu, und dieser Mensch hat die Freiheit, nicht zu hören bzw. auf Gottes Ruf nicht zu achten oder ihn abzulehnen. Aber der Prophet ist enttäuscht. Vielleicht hat er erwartet, dass ihm alle andächtig zuhören, wenn sie wissen, dass er im Auftrag Gottes spricht - anstelle dessen wird er verhöhnt und ausgelacht. So hat er sich das Prophet-Sein nicht vorgestellt, und darum wirft er Gott vor, er habe ihn überredet. Immerhin hat Gott ihm ja auch viel Macht versprochen, von der nun gar nichts zu spüren ist.Worte können bei der stumpfen Zuhörerschaft nichts ausrichten.
Aber der Versuch, nicht mehr im Namen Gottes zu predigen und seinen Willen zu verkündigen, schlägt fehl, denn das Wort will raus, er kann es nicht für sich behalten, er weiß ja, auf welches Ziel die Menschen zusteuern. Da kann er sie nicht einfach ohne Warnung in ihr Unglück rennen lassen. Also predigt er weiter und muss um so mehr Spott und Hohn ertragen. Sogar töten wollen sie ihn!
Jeremia tröstet sich dann doch mit der Macht Gottes (Vers 11). Immerhin ist Gott an seiner Seite, denn er hat immer den Auftrag Gottes ausgeführt. Also wird Gott ihn vor seinen Verfolgern beschützen. Eher werden seine Verfolger fallen, als dass er selbst sterben muss. Darum bittet er Gott, ihn die Vergeltung sehen zu lassen, die Gott an den Ungerechten zweifellos üben wird. Schön ist der abschließende Satz (Vers 13): Singet dem Herrn, rühmet den Herrn, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet. Leider deckt sich dieser Satz ebensowenig mit unserer Erfahrung wie die fast selbstverständlich angenommene Rache Gottes an den Frevlern. Gott lässt die Sonne aufgehen über Böse und Gute - es liegt am Menschen, dem Bösen entgegenzuwirken.
Darum ist Jeremias Handeln als Prophet ja so wichtig. Ohne sein Reden, ohne seine Predigt können sich die Menschen nicht ändern. Ob sie es mit seiner Predigt tun, liegt vielleicht nicht ganz nur an den Menschen - Gott kann ihre Herzen anrühren, dass sie sich zu ihm bekehren.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang stellt die Person des Propheten Jeremia in den Mittelpunkt. Er hat den Autrag Gottes angenommen, wider Willen zunächst, und ihn dann auch eine Zeit lang abzulehnen versucht. Aber dann brannte das Wort, das er verkündigen sollte, in ihm.
Die Predigt kann sich an dieser Person Jeremias orientieren, denn wir befinden uns oft in einer ähnlichen Situation. Berufen wurden wir zwar nicht wie Jeremia, aber die Taufe kann als Berufung angesehen werden. Auf jeden Fall haben wir als Christen den Auftrag, das Wort Gottes in die Welt hinauszutragen, so wie es durch Jesus Christus verkündigt wurde und wie es in uns selbst gewirkt hat. Oft erleben wir, wie wir aus Scham, Angst oder auch Abgestumpftheit zu Dingen schweigen, auf die eigentlich mit dem Finger gezeigt werden müsste. Das Wort brennt in uns, die Frage ist, ob wir es mit den uns gegebenen Mitteln löschen (kann man es eigentlich jemals wirklich löschen?), oder ob wir es herauslassen.
Es ist sicher auch richtig, sich den Gedanken Jeremias zuzuwenden, wonach er die Rache Gottes herbeiwünscht. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Gott sich so (als Racheinstrument) nicht gebrauchen lässt, sondern dass er auf unseren Einsatz angewiesen ist, damit das Wort sich in Kraft ausbreiten und unter den Menschen wirken kann.

Liedvorschläge:

Mein Kreuz und meine Plagen (EG 82, 6-7)
Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273)
Erhebet er sich, unser Gott (EG 281)
O gläubig Herz, gebenedei (EG 318)
Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)
Nun aufwärts froh den Blick gewandt (EG 394)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)



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