das Kirchenjahr

3. Sonntag nach Epiphanias

Der Heiden Heiland

Predigtanregung

Der 3. Sonntag nach Epiphanias geht auf Jesu Zuwendung zu den Heiden, also den Nicht-Juden, ein. So wie selten sind die Predigttexte diesem Thema eindeutig zugeordnet, auch wenn der alttestmanetliche Text natürlich nicht von Jesus reden kann. Dafür spricht aber auch dieser Text davon, wie Gott sich den Heiden zuwendet. Dabei müssen wir uns vor Pauschalisierungen hüten: der Umstand, dass der heidnische Hauptmann im Evangelium gelobt wird für seinen Glauben, rechtfertigt nicht die Verdammung der jüdischen Mitmenschen, denn sie bleiben Glieder des Volkes Gottes.

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III - Rut 1, 1-19a

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon, sodass die Frau beide Söhne und ihren Mann überlebte. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einen Mann zu nehmen. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einen Mann nehmen und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch so lange einschließen und keinen Mann nehmen? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand ist gegen mich gewesen. 14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber blieb bei ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Das Buch Rut ist nicht so sehr vertraut, obwohl sich Rut als Stammmutter des David auch im Stammbaum Jesu wiederfindet (Mt 1, 5f). Und mit schöner Regelmäßigkeit wünschen sich Brautpaare den Vers 16b aus dieser Perikope als Trauspruch. Es ist ratsam, bevor man sich an die Predigtvorbereitung setzt, einmal das ganze Buch Rut zu lesen. Denn so wird erst richtig deutlich, worum es eigentlich geht: Gott geht mit uns ganz eigene Wege, die mitunter auch durch Leid und Schmerz hindurch führen, aber letztlich auf das Leben vieler Menschen einen nachhaltigen Einfluss haben.
Noomi und Elimelech sind so wie ihre Söhne Teil der Heilsgeschichte, ohne jemals zu ihren Lebzeiten davon erfahren zu haben. Sie haben nur das Leid erlebt, den Verlust ihrer Heimat, den Tod der Söhne.
Die Hauptperson des Buches ist aber Rut, eine Moabiterin, sprich: eine Heidin, die bereit ist, sich nicht nur zum Gott Noomis zu halten, sondern auch mit ihr zu ziehen, in ein Land, das für sie die Fremde ist, weit weg von ihrer Familie. Es war wohl nicht unüblich, dass die Schwiegertochter nach dem Tod ihres Mannes bei ihrer Schwiegermutter blieb, und die Worte Noomis deuten die damals übliche Praxis der Schwagerehe (s. Dtn 25, 5-10) an. Aber Noomi bot ihr ja ebenfalls an, sich einen moabitischen Mann zu suchen, und es wäre Rut sicher einfacher gefallen als dieser Aufbruch, der ihr Leben veränderte.
Rut hat keine Ahnung, was sie erwartet. Sie lässt sich ein auf das völlig Unbekannte. Wobei man wohl zugestehen darf, dass ihr das Leben als Jüdin nicht völlig fremd war, da sie ja in einer jüdischen Familie gelebt hatte. Was ihre Zukunft betrifft, so ist sie ahnungslos, und nur wir wissen, dass sie auf Boas treffen wird, der sie schließlich heiratet und mit ihr den Isai zeugt, den Vater Davids. Gott geht manchmal merkwürdige (Um)Wege.
In der Predigt kann man sich diese „Umständlichkeit” zunutze machen, indem man entweder aus eigener Erfahrung oder mit Beispielerzählungen, die dem Leben der Hörer näher sind, verdeutlicht, dass Dinge, die einem anfangs als Schicksalsschläge, also negative Ereignisse, erschienen, sich später zu etwas Gutem wandelten. Sicher ist es nicht immer so (und auch das darf und soll natürlich zur Sprache kommen), aber über dieser Geschichte von Rut steht ja auch das große Fragezeichen: Warum das alles? Und es bleibt die Tatsache, dass Elimelech und seine Söhne das, was sich aus ihrer Geschichte entwickelt, in ihrem Leben nicht mehr erfahren konnten.
Leider wird es heutzutage nicht gerne gesehen, wenn man auf eine ungewisse Zukunft vertröstet, die sich uns (noch) nicht erschließt. Die Geschichte von Rut ist allerdings ein Beleg dafür, dass wir manchmal nicht anders können. Wenn es nach Noomis Willen gegangen wäre, dann wäre Rut in Moab geblieben und David wäre nicht geboren worden. So einfach ist es, und zugleich so bedeutungsschwer und wichtig ist die Entscheidung Ruts.
Das jüdische Volk wusste darum und hat deshalb ihre Geschichte niedergeschrieben. Das Erstaunliche ist, dass sie diesen Makel im Stammbaum Davids nicht ausmerzen wollten. Sie erkannten das Handeln Gottes in diesem Geschehen und haben es darum für die Nachwelt erhalten.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus dem Umstand, dass Rut als Stammmutter Davids eine Heidin ist und Gott sich hier nicht nur den Heiden zuwendet, sondern sie auch für seine Geschichte mit dem Volk Israel in Anspruch nimmt. Rut lässt sich darauf ein, sie ist nicht gezwungen, eher im Gegenteil - und das macht sie zu einem Werkzeug Gottes.
Andererseits geht die Erzählung nicht wirklich in die Richtung, in die uns dieser Sonntag führen will. Denn es geht ja doch darum, dass sich Gott auch den Heiden zuwendet, ihnen ihr Heil offenbart und sie daran teilhaben lässt, und nicht nur darum, dass er sie zu Gunsten des Volkes Israel in Anspruch nimmt, „gebraucht”. Es wird nötig sein, darauf einzugehen. Evtl. ist es tatsächlich auch sinnvoll, zu verdeutlichen, dass wir zu den Heiden gehören, dass wir „Heidenchristen” sind und so im Grunde eine ganz ähnliche Situation erleben wie Rut.

Liedvorschläge zur Predigt:

Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
In allen meinen Taten (EG 368)
Jesu, geh voran (EG 391)



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