das Kirchenjahr

3. Sonntag nach Epiphanias

Der Heiden Heiland

Predigtanregung

Der 3. Sonntag nach Epiphanias geht auf Jesu Zuwendung zu den Heiden, also den Nicht-Juden, ein. So wie selten sind die Predigttexte diesem Thema eindeutig zugeordnet, auch wenn der alttestmanetliche Text natürlich nicht von Jesus reden kann. Dafür spricht aber auch dieser Text davon, wie Gott sich den Heiden zuwendet. Dabei müssen wir uns vor Pauschalisierungen hüten: der Umstand, dass der heidnische Hauptmann im Evangelium gelobt wird für seinen Glauben, rechtfertigt nicht die Verdammung der jüdischen Mitmenschen, denn sie bleiben Glieder des Volkes Gottes.

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IV - Mt 8, 5-13

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's. 10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Bei diesem Hauptmann handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Syrer, der also "Heide"ist und somit von jedem frommen Juden gemieden werden sollte. Nicht nur das, er ist dazu ein Repräsentant der Besatzungsmacht, die das Volk Israel seit vielen Jahren unterdrückt.
Ein solcher Heide also wendet sich Jesus zu. Zunächst einmal ist schon zu beachten, dass Jesus sich nicht von ihm abwendet. Er hört die Bitte für einen Knecht, der dem Hauptmann offensichtlich viel bedeutet, was nicht selbstverständlich war. Diese Sorge für den Untergebenen ist es vielleicht schon, was Jesus veranlasst, die Bitte anzuhören. Es gibt keinen anfänglichen Widerstand, im Gegenteil: Jesus will sogleich in das Haus des Hauptmanns kommen, der aber abwehrt. Er kennt die Fähigkeiten Jesu, er weiß, dass dieser über die dunklen Mächte Gewalt hat und darum auch dem Geist, der seinen Knecht gelähmt hat und nun schwer plagt, aus der Ferne gebieten kann, den Knecht zu verlassen.
Die Erzählung legt offenbar den Schwerpunkt auf die Tatsache, dass der Hauptmann ein Heide ist. Jesus äußert seine Verwunderung über den Glauben des Heiden im Gegensatz zum mangelnden Glauben im Volk Israel. "Die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis": Die Kinder des Reichs sind die Glieder des jüdischen Volkes.
Natürlich darf man daraus kein pauschales Urteil ableiten, aber es wird offensichtlich, dass durch Jesus eine Öffnung geschieht, die es bisher nicht gegeben hat. Bisher war es alleine Israel, das mit dem lebendigen Gott rechnen durfte - nun ist es plötzlich die ganze Welt! Die Frage ist, wie sich das Volk Israel zum Messias stellt, und während wir glauben, dass er in Jesus bereits gekommen ist, aber dass mit diesem Kommen das Reich Gottes noch nicht erfüllt ist, sondern "nur" nahe herbeigekommen, so glaubt auch das jüdische Volk, dass der Messias kommen wird, und verwirft dabei nicht die Möglichkeit, dass dieser Messias Jesus sein kann.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang verstärkt diese Grundaussage unserer Perikope. Jesus ist der Heiland der Heiden. Dabei sollte uns bewusst bleiben, dass mit Heiden wir gemeint sind, die wir nicht zum jüdischen Volk gehören, und nicht etwa die Nicht-Christen. Das wird heute oft vergessen, da durch die Missionsbewegung der Begriff "Heide" neu gefüllt wurde mit der Bedeutung "Nicht-Christ".
In der Predigt kann man versuchen, diesen Sachverhalt zunächst darzustellen. Der Begriff "Heide" fasst Christen und Nichtchristen zusammen und bedeutet schlicht "Nicht-Jude". Wenn dies klar ist, kann man versuchen, den Blick für die weltweite Gemeinschaft zu öffnen. Da sind Menschen, die Gott um Hilfe anrufen, und die sie nicht bekommen. Was zurückbleibt, ist das Gefühl, dass Gott tot ist, dass er nicht helfen will oder kann. Denn Gott verlässt sich dabei auf uns, denen es gut geht. Wir können das vermitteln, worum jene Menschen bitten.

Liedvorschläge zur Predigt:


Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
*Allein zu dir, Herr Jesu Christ (EG 232)
Ich will dir danken, Herr (EG 291)
*Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293)
*Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
*Ich habe nun den Grund gefunden (EG 354)
Alle Knospen springen auf (EG 637)

Fürbittengebet

Herr Gott, himmlischer Vater. Du hast uns das Wort des Heils zugesprochen, und doch müssen wir uns immer wieder vergewissern. Wir bitten dich: sprich du zu uns, damit uns dein Heil stärkt und wir den Mut bekommen, deine Liebe weiterzutragen in diese Welt. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Sprich dein heilsames Wort zu denen, die zu viel haben, damit sie die Not all derer erkennen, die zu wenig haben. Sprich, damit die Reichtümer dieser Welt gerechter verteilt werden und alle Menschen in gleicher Weise etwas davon haben. Lasst uns den Herrn anrufen:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Sprich dein heilsames Wort zu denen, die sich verloren und hilflos vorkommen, und schenke ihnen Hoffnung und Mut. Sprich, damit deine Liebe spürbar wird in dieser Welt, die oft so trost- und hoffnungslos ist. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Sprich dein heilsames Wort zu denen, die nicht vergeben können, und lass sie erkennen, dass sie dadurch nur sich selbst zerstören. Sprich, damit das Opfer deines Sohnes, durch das du uns vergeben hast, nicht vergeblich bleibt. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Sprich dein heilsames Wort zu denen, die mit Waffengewalt Frieden erzwingen wollen und so unzählige Menschen in Elend und Not stürzen. Sprich, damit Mut zum Vertrauen wächst, denn nur durch Vertrauen kann wahrer Friede entstehen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Alles, was uns sonst bewegt, Ereignisse, die uns zu Herzen gehen, und Menschen, um die wir Sorge tragen, bringen wir vor dich in der Stille. ...
Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott, wir vernehmen dein Wort, das uns heil macht. Dafür sagen wir dir Lob und Dank. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen



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