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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe III - Apg 17, 22-34

Liebe Gemeinde! Ich finde die Apostelgeschichte ausgesprochen spannend. Sie liest sich genauso wie ein Roman, auch wenn man sich hier und da noch etwas mehr Spannung wünschen würde. Aber man fühlt sich dennoch mit hineingenommen in das Geschehen und kann sich manches recht gut vorstellen.
Man erlebt die Spannungen, in denen die ersten Christen lebten und mit denen sie zurecht kommen mussten. Man erfährt von Verfolgung und Bekehrung und nimmt wahr, wie unkompliziert es damals war: „Was hindert's, dass ich mich taufen lasse?”, fragt z.B. der Kämmerer aus Äthiopien, nachdem er nur wenige Stunden lang durch Philippus in den grundlegenden Dingen des christlichen Glaubens unterwiesen worden war. Und Philippus sagt nicht: „Hm, da musst Du aber erst noch wenigstens ein paar Tage lang Unterricht bekommen”, sondern er tauft ihn auf der Stelle.
Und dieser getaufte Mensch, der wenige Stunden vorher nichts von alledem verstanden hatte, trug das Evangelium in die Welt hinaus genauso, wie die Apostel es taten, obwohl Philippus sofort nach der Taufe wieder verschwunden war. Also auch keine Nachsorge, keine Anbindung an eine Gemeinde, nein, alles noch ganz neu, frisch, aufregend.
Oder die Bekehrung des großen Christenverfolgers, Saulus, von der das Sprichwort stammt: „Vom Saulus zum Paulus werden.”, was ein Stück weit die Verwandlung beschreibt, die in einem Menschen mitunter vorgehen kann.
Es sind Geschichten, in denen wir trotz der Kürze, in der sie erzählt werden, ganz deutlich die Kraft des Geistes Gottes wahrnehmen und erfahren, wie Gott seine Kirche, d.h. die Gemeinschaft der Heiligen, nicht nur trägt, sondern auch leitet und wachsen lässt.
Und nun steht dieser Paulus auf dem Areopag. Es ist ein Platz von historischer Bedeutung, der aus der Stadt Athen herausragt und nicht weit von der Akropolis entfernt ist. Man erzählte sich, dass dort die Götter Gericht gehalten hätten über ihresgleichen.
Zu Zeiten des Paulus hatte der Platz an Bedeutung verloren, und man vermutet, dass in der Erzählung der Apostelgeschichte nicht der Ort Areopag, sondern das Gremium, das die gleiche Bezeichnung trug und weiterhin für Rechtsfragen zuständig war, gemeint ist.
Das schließt nicht aus, dass sich das Ganze auch auf dem Areopag ereignete, aber der erste Satz müsste dann heißen: Paulus stand inmitten des Areopag, also inmitten des Rates, der sich Areopag nennt. Das ist auch sinnvoller, denn sonst müsste man ja berechtigterweise fragen, wem Paulus eigentlich seine Rede dort auf dem Areopag vortrug. Waren es nur Menschen, die zufällig dort waren? Das ist eher unwahrscheinlich, denn er wurde ja dorthin gebracht, damit er von einflussreichen Leuten gehört würde.
Paulus hatte sich gut vorbereitet. Er kannte die Griechen recht gut, hatte er doch selbst auch griechische Philosophie studiert. Er hatte sich auch nicht gescheut, in die Tempel zu gehen und zu sehen, welche Götter dort angebetet und verehrt wurden. Es ging ihm darum, die Menschen mit ihren Nöten und Ängsten, aber auch mit ihren Hoffnungen und Freuden kennen zu lernen.
Und dann stieß er auf einen Tempel, der dem unbekannten Gott gewidmet war.
Wie merkwürdig. Oder auch nicht: sollte man sich nicht unbedingt des Beistandes aller Götter versichern? Nachdem man also all den Göttern des Olymp seine Opfer dargebracht hatte, konnte man noch zu diesem Altar gehen und zu dem Gott beten, den niemand kannte, der aber vielleicht doch existierte und womöglich noch mächtiger war als alle anderen bekannten Götter.
Es erinnert mich an eine Erfahrung, die ich in Indien machte, wo ich an vielen Orten neben Bildern von Shiva und Vishnu, die eigentlich schon im hindustischen Glauben zwei rivalisierende Götter sind, auch ein Bild von Jesus und evtl. auch noch weitere Bilder von Heiligen anderer Religionen
fand. Alle Bilder wurden in gleicher Weise geehrt: sie bekamen jeden Morgen eine frische Blumengirlande umgehängt und brennende Räucherstäbchen wurden an ihnen befestigt, während ein Gebet gesprochen wurde.
Nur immer auf der sicheren Seite sein.
Oft wird gesagt, Prediger sollten sich an dieser Areopagrede ein Vorbild nehmen. Die Art und Weise, wie Paulus sich vorbereitete, sei meisterhaft. Aber was auf seine Einleitung folgt, die die Menschen ja im Grunde tatsächlich dort abholt, wo sie sich befinden, nämlich in einer großen Unsicherheit darüber, wie ihnen welcher Gott nun eigentlich gesonnen ist, ist alles andere als das, was wir heute von vielen Kanzeln hören.
Paulus zieht klare Grenzen. Das ist eigentlich ein Unding nach heutigen Maßstäben. Denn danach ist Gott doch der liebe Gott, der Niemandem etwas zu Leide tut, sondern alle willkommen heißt, egal, was in ihren Herzen vorgeht.
Aber Paulus findet da andere, sehr deutliche Worte: „Gott hat über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.” - d.h. alle Menschen auf der ganzen Erde sollen umkehren und sich Gott zuwenden – dem Vater Jesu Christi.
Buße, das heißt eben nicht nur mal in sich gehen, sondern es heißt, sich zu dem lebendigen Gott bekehren, eben dem einen, der Himmel und Erde gemacht hat, der über beiden Herr ist, der nicht in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind, der jedermann Leben und Odem und alles gibt, und der sich auch nicht dienen lässt, weil er keinen Dienst braucht. Gott muss nicht von uns versorgt werden, er lebt nicht davon, dass wir ihn anbeten, sondern er lebt aus sich selbst, weil er alles in allem ist.
Da mag man natürlich auch fragen, warum wir eigentlich Gottesdienst feiern – denn auch das ist doch ein Dienst an Gott und nach diesen Worten des Paulus völlig überflüssig. Ich möchte jedoch das Wort „Gottesdienst” ganz anders verstehen. Nicht wir dienen Gott, sondern Gott dient uns: er wendet sich uns im gemeinsamen Gottesdienst zu, was wir besonders in der Feier des Abendmahls erfahren können. Da dienen nicht wir Gott, sondern er dient uns. Und das hat er ja auch getan, als er sich ans Kreuz schlagen ließ um unserer Sünden willen.
Unser Gottesdienst hilft uns, den Dienst Gottes an uns wahr zu nehmen und anzunehmen.
Und dann ist der Gottesdienst nur unsere Antwort, unser Dank für Gottes Handeln an uns.
Paulus nimmt die griechische Philosophie auf, indem er sagt: „In Gott leben, weben und sind wir, wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.” Es ist ein Lehrgedicht, das bereits über dreihundert Jahren vor seiner Zeit entstand. Man nennt das Pantheismus, wenn Gott in allen Dingen gegenwärtig ist, sie durchdringt und auf diese Weise heiligt.
Paulus entwickelt aus diesem Gedanken die Erkenntnis über den unbekannten Gott weiter: wenn wir göttlichen Geschlechts sind, dann kann unmöglich das, was wir mit unseren Händen
herstellen, über uns stehen. Die Götterbilder können nicht Götter sein, sie können auch nicht die Götter in irgendeiner Form verkörpern und ebensowenig ihre Gegenwart in den Tempeln garantieren. Das Anbeten der Götterbilder kann darum nicht helfen, es führt zu nichts.
Auch das erinnert mich an die Situation vieler Menschen in Indien, und ich kann mir denken, dass die ersten Missionare, die sich vor Jahrhunderten dorthin aufmachten, sich ganz wie Paulus auf dem Areopag gefühlt haben, nachdem sie die vielen Götterbilder in den zahlreichen Tempeln und an den Straßen gesehen hatten. Auch sie stellten sich auf die Marktplätze und begannen davon zu sprechen, dass die Götterbilder unmöglich Gott fassen können.
Aber das ist dann doch etwas zu kurz gegriffen. Zumindest wenn man gelehrte Hindus fragt, dann werden sie antworten, dass das Götterbild nur eine Hilfe ist, den wahren Gott anzubeten, der in seiner Form ganz frei ist und sich nicht an Ort oder Zeit binden lässt. Gott scheint gewissermaßen durch das Götterbild hindurch, aber es ist nicht Gott.
Genauso nutzen wir ja auch z.B. die Kruzifixe hier in unserer Kirche: sie erinnern uns an das Handeln Gottes, das zwar in Jesus Christus sehr konkret und abbildbar wurde, aber weit über jede Darstellung hinaus geht. Die Darstellung, das Bild hilft uns, die Liebe Gottes nachzuvollziehen, aber sie ist nicht die Liebe Gottes.
Und dann passen die Worte des Paulus plötzlich nicht mehr. Es kann mit der besten Logik nicht weitergehen, und das muss Paulus auch in seiner Rede auf dem Areopag erkennen.
Er kann noch nicht einmal mehr den Namen „Jesus Christus” nennen, und vielleicht will er das auch nicht, weil man sich vielleicht schon sein Bild von Jesus Christus gemacht hatte und das ganz anders aussah, als es eigentlich aussehen sollte. Und so spricht Paulus nur von „einem Mann, den Gott von den Toten auferweckt hat.”
Genau an dieser Stelle ist es mit der Kunst der Predigt des Paulus vorbei. Die Auferstehung treibt einen Keil in die Zuhörerschaft. Bei den einen weckt sie verborgene Hoffnungen, bei den anderen Argwohn und Skepsis, ja, sogar Spott.
Die Realität des Todes ist allen gegenwärtig, auch was aus den Toten wird. Niemand hat je einen Menschen von den Toten erwachen sehen, aber man weiß, dass sie alle verrotten und nichts bleibt, was wieder lebendig werden könnte – es sei denn in den Pflanzen, die aus der Erde wachsen, in der die Menschen begraben wurden. Warum sollte man da einem Fremden glauben, der von einem unbekannten Menschen behauptet, dass er von den Toten auferstanden sein?
Vielleicht machte es da auch „Klick” bei den Zuhörern: ach, das ist auch einer von diesen Jesuanern. Da sind wir uns doch schon längst einig geworden, dass das alles Humbug ist, weil das mit der Auferstehung unmöglich wahr sein kann.
Und so beginnen einige, Paulus zu verspotten: Wir dachten, Du würdest uns etwas Neues verkünden, und jetzt kommst Du mit Kinderkram!
Andere sind etwas sensibler, sie versprechen, später noch einmal zu zu hören, aber das bedeutet ja doch meist nur: du kannst lange warten, bis du wieder zu uns sprechen darfst. Du hast deine Chance gehabt. Aber wir wollen nicht unhöflich sein, darum stellen wir eine zweite Chance in Aussicht – in ferner Zukunft.
Aber dann ist doch einiges auf fruchtbaren Boden gefallen, und die Saat ging auf, unmittelbar durch diese Rede, oder eigentlich besser gesagt: durch den Heiligen Geist, denn die Apostelgeschichte ist ja eigentlich nicht eine Geschichte der Apostel, sondern des Heiligen Geistes, wie er unter den Menschen wirkt und das Evangelium langsam, aber stetig über den ganzen Erdkreis ausbreitet.
Und so sind da einige, wenige, die mehr wissen wollen, die sich Paulus anschließen, als er – vielleicht enttäuscht – sich abwendet und wieder seiner Wege gehen will.
Der letzte Vers unseres Predigttextes bietet da auch noch eine Besonderheit: „Einige Männer”, so heißt es, „schlossen sich ihm an und wurden gläubig: unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat (des Areopag), und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.”
„Einige Männer” sagt er, und dann nennt Lukas nur einen Mann und eine Frau neben einigen anderen, die unbekannt bleiben. Vielleicht waren die Übrigen alle Männer, aber warum nennt er dann nur einen Mann und eine Frau mit Namen?
Es wird ganz automatisch aus seiner Feder geflossen sein, aber es ist doch merkwürdig, dass am Anfang des Satzes diese eine Frau sogleich unter den Tisch fällt, obwohl man sie mit Namen kennt. Er hätte ja auch sagen können: ‚Einige Männer und Frauen schlossen sich ihm an.’ Dabei ist das ja gerade das Besondere, was für mich die Apostelgeschichte so interessant macht: Dies sind Personen, die man kannte – sonst wäre die Nennung ihrer Namen nicht nötig und auch nicht möglich gewesen. Dionysius und Damaris, sie beide hatten sich in der damaligen Zeit unter den Christen einen Namen gemacht. Vermutlich hatten beide in ihren Häusern eine Gemeinde gegründet und geleitet, und wahrscheinlich hatten sie die Verkündigung des Evangeliums auch auf den Marktplätzen fortgeführt. Die Gemeinde in Athen wenigstens wusste, wer gemeint war, wenn man von Dionysius und Damaris sprach.
Von Dionysius wissen wir, dass er der erste Bischof von Athen wurde, also tatsächlich eine bedeutende Stellung innerhalb der frühen Christenheit einnahm.
Von Damaris weiß man nicht mehr, und dass sie später zur Frau des Dionysius gemacht – ich will nicht sagen: degradiert – wurde, zeugt eigentlich nur davon, wie schnell die Emanzipationswelle, die durch das Evangelium ausgelöst wurde, verebbte.

Das Evangelium ist eine Herausforderung, die nur wenige Menschen annehmen. Das erfahren wir auch heute, oder vielleicht besonders heute. Ich denke, dass die Situation des Paulus damals in Athen der unseren heute so ähnlich ist wie zu kaum einer anderen Zeit. Die meisten Menschen wollen sich nicht in ihren Glauben hinein reden lassen, sie haben es sich bequem zurecht gemacht. Da ist kein Raum für Buße, denn Gott liebt ja jeden und alles, und da gibt es auch kein Gericht, denn es ist uns durch die Taufe ja sowieso schon alles vergeben. Da kann mir niemand vorschreiben, ich müsse an den Gottesdiensten teilnehmen, denn Gott kann ich überall erfahren, dazu muss ich nicht am Sonntag morgen früh aufstehen.
All diese Aussagen haben etwas Wahres an sich, aber es sind nur Halbwahrheiten. Denn der Glaube ist keine Privatsache. Von Anfang an war der christliche Glaube eine Sache der Gemeinschaft, des Miteinanders, das sich zwar auf vielfältige Weise ausdrückt, aber im Gottesdienst für alle deutlich sichtbar wird. Ohne die Gemeinschaft mit anderen ist der christliche Glaube nutzlos.
Und immer wieder wünsche ich mir, dass wir uns öfter die Zeit nähmen, um in uns zu gehen und uns neu ausrichten zu Gott hin, der allein Leben schenken kann. Denn unser Gott ist kein Weichspül-Gott, der allen irgendwie, egal wie, gerecht wird. Er ist vielmehr der Gott, der ganz konkret in unsere in Sünde verstrickte Existenz hinein gewirkt und die Bande der Sünde zerrissen hat, damit wir frei werden zu einem Leben in der Gottes- und der Nächstenliebe.
Das Evangelium fordert uns heraus – es ist kein bequemes Ruhekissen. Und ein Teil der Herausforderung ist, dass wir wie Paulus hingehen und weitersagen, was wir an uns erfahren haben: dass Gott will, dass wir nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.
Dass nicht alles auf fruchtbaren Boden fällt, damit müssen wir rechnen. Wir dürfen aber auch darauf vertrauen, dass der Heilige Geist seinen Teil dazu beiträgt, dass das, was wir tun und sagen, seinen Weg findet und Neues entstehen lässt – eine Gemeinde, die getragen und geleitet wird eben von diesem Heiligen Geist, der derselbe ist wie damals vor fast 2000 Jahren.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 107)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Gelobet sei der Herr (EG 139)
Gott ist gegenwärtig (EG 165)
Nun jauchzt dem Herren, alle Welt (EG 288)
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)

Predigtvorschläge zu Reihe IV - 1. Mose 1, 1-4a(4b-25)26-28(29-30)31a(31b); 2, 1-4a

Liebe Gemeinde!
Wie ist die Welt entstanden? Die meisten Menschen, auch Christen, würden heute ganz selbstverständlich auf diese Frage antworten: alles hat mit dem Urknall begonnen.
Das ist eine wissenschaftlich fundierte These, die sich die Mehrheit der Menschheit heutzutage zu eigen machen. Auf den Urknall folgt dann die Milliarden Jahre dauernde Evolution, aus der – vielleicht einzigartig auf unserer Erde – der Mensch hervorgeht.
Die Chance, dass es Planeten wie diese gibt, auf denen nach unseren Maßstäben Leben möglich ist, ist schon recht gering. Die Möglichkeit, dass wir jemals solche Planeten besuchen werden, ist nach unserem Wissen nicht existent.
Der Urknall: das ist, stark vereinfacht gesagt, eine ungeheure Menge an Energie, die explosionsartig eine ebenso ungeheure Menge an Masse entstehen lässt.
Es gibt verschiedene Theorien, wie es von dort weiterging. Für den Urknall selbst wird nur festgestellt, dass die uns bekannten Naturgesetze da noch nicht wirksam waren, sondern erst kurz nach dem Urknall in Kraft traten – allerdings wohl sehr kurz danach.
Milliarden Jahre später war die Erde so weit, dass auf ihr Leben entstehen konnte, und zwar zunächst die Pflanzen (die im Wasser ihr Dasein begannen, dann aber bald auch auf's Land wanderten), wenig später dann Mikroben. Es dauerte eine Weile, bis die ersten komplexeren Lebewesen mit Skelett, ebenfalls im Wasser, entstanden. Das wären dann Krebse und Fische. Schließlich hatten die Pflanzen an Land eine Atmosphäre geschaffen, die Leben außerhalb des Wassers ermöglichte, was dann auch die Entstehung solcher Lebewesen auslöste.
Am Ende der Entwicklung stand der Mensch.

Wenn man sich das so anhört, dann kann man wohl staunen, wie groß die Übereinstimmung mit dem biblischen Bericht ist. Eigentlich passt alles, bis auf einige wenige Details, die man aber nicht als Fehler bewerten muss. Denn diese Abweichungen geben Antworten auf Fragen, auf die die Physiker und Evolutionstheoretiker bis heute keine Antwort wissen, sondern höchstens Theorien entwickeln können. Es ist gut möglich, dass sie nie eine schlüssige Antwort auf diese Fragen finden werden.
Da ist vor allem die Frage, wo die ungeheure Energie herkam, die am Anfang des Universums stand. Die Bibel antwortet darauf nahezu lapidar: es ist das Wort Gottes. Denn es heißt dort: Gott sprach: es werde Licht.
Licht ist der Ausfluss geballter Energie. Unsere Sonne produziert so viel Energie wie über eine Billion Atomkraftwerke zusammen. Und das ist nur ein minimaler Bruchteil der Energie, die wohl am Anfang des Universums existierte. Das Licht der Sonne scheint uns jeden Tag und macht unsere Herzen froh, je wärmer es scheint.
„Es werde Licht” – da ist die Energie des Urknalls, da ist ihr Ursprung: In Gottes Wort.
Damit begann die Existenz der Naturgesetze. Die Bibel berichtet, wie die Erde entstand, das Wasser nicht konfus durcheinanderwirbelte, sondern sich zum Meer sammelte, während trockenes Land den Boden für das irdische Leben bereitete. Pflanzen entstanden auf der Erde, die die Lebensbedingungen formten, und es entstanden nach und nach die verschiedenen Arten von Lebewesen – fast genau so, wie es die Evolutionstheorie beschreibt.
Nur mit dem Unterschied, dass bei jedem Schritt Gottes Wort vornean steht: „Es werde...”
Dass die Reihenfolge nicht 100%ig mit den Vorstellungen der Evolutionstheorie übereinstimmt, mag man verzeihen – immerhin wurde der biblische Schöpfungsbericht vor rd. 2500 Jahren geschrieben, lange bevor Charles Darwin geboren wurde.
Eines ist wohl sicher: wenn wir heute einen Schöpfungsbericht schreiben wollten, dann würde er wohl auch mit der Aussage beginnen, dass Gott selbst der Auslöser des Ganzen gewesen ist. Damit haben wir die Antwort auf die Frage, was denn am Anfang diese Unmenge an Energie hervorgebracht hat. Und auch sonst sähe der Bericht nicht viel anders aus als der, den wir am Anfang unserer Bibel finden.
Nur in einem sind sich wohl die meisten Christen und vor allem die Evolutionisten einig: Das mit den sieben Tagen geht überhaupt nicht.
Wie sollte die Welt in sieben Tagen geschaffen worden sein? Archäologische Funde beweisen eindeutig, dass sich die Erde über Milliarden von Jahren entwickelte und Lebewesen und Menschen erst in den letzten Sekunden der Weltentwicklung entstanden, würde man die gesamte Zeit der Erdexistenz in einen 24-Stunden-Zeitraum pressen.
Diese sieben Tage sind der Grund, warum der biblische Bericht häufig belächelt wird und man Menschen, die daran glauben, dass Gott hinter der Entstehung des Universums steckt, für naiv, wenn nicht dumm, hält.
Dabei sind diese sieben Tage überhaupt nicht das Entscheidende in Bezug auf den Schöpfungsprozess. Vielmehr tritt zur Erschaffung der Welt etwas, das da eigentlich nicht reinpasst: die Erschaffung des Ruhetages.
Man stelle sich vor, man wollte den Ruhetag nach dem Evolutionskalender einrichten. Es gäbe wohl gar keinen, aber nur mal die Zeit von der Entstehung der Erde bis zum ersten Menschen genommen, würden wir auf etwa 4,5 Milliarden Jahre kommen. Also gäbe es alle 4,5 Milliarden Jahre einen Ruhetag.
Ich glaube, da würden die Gewerkschaften heftig protestieren, auch wenn dieser Ruhetag im Verhältnis dann vermutlich rd. 750 Millionen Jahre lang wäre (da würde dann die Arbeitgeberseite auf die Barrikaden springen).
Als vor 2500 Jahren dieser Schöpfungsbericht entstand, ging es darum, eine soziale Komponente in das menschliche Dasein einzufügen und sie mit der Autorität Gottes zu untermauern. Erholung von der Arbeit, Entspannung, Ruhe.
Wir alle wissen, wie wichtig es ist, solch einen Ruhetag zu haben. Man kann nicht immer nur durcharbeiten. Und doch ist es so gewesen, viele Jahrhunderte, ja, Jahrtausende lang. Die Menschen mussten sich abrackern, Tag für Tag, ohne Pause, oft auch, um ihren Herrschern die Kornspeicher und die Schatzkammern zu füllen. Das war so in den vielen Hochkulturen der damaligen Zeit, in Assur, in Babylonien, in Ägypten, in Indien, bei den Griechen und im römischen Reich, bei den Germanen usw. Zwar gab es Feiertage, aber die waren unregelmäßig verstreut und boten nicht immer auch die Möglichkeit der Entspannung und Ruhe.
Einzig das jüdische Volk und später die Christenheit kannten diese Einrichtung der 7-Tage-Woche, die einen Ruhetag enthält, der für alle verbindlich ist. Inzwischen hat sich dieses System in der ganzen Welt durchgesetzt.
Was für eine Errungenschaft, schon vor 2500 Jahren!
Heute redet man von dem sogenannten Wochenende, obwohl es eigentlich Wochenende und Wochenanfang zugleich ist, denn der siebte Tage, den wir aus dem Schöpfungsbericht kennen, ist der Sabbat, also der Sonnabend, während der Sonntag der erste Tag der Woche ist. Unsere Gewerkschaften haben es geschafft, für einen Großteil der Bevölkerung die 5-Tage-Woche durchzusetzen. Für mich gab es damals selbstverständlich noch am Sonnabend Schulunterricht, und die meisten Fabriken schalteten erst am Sonnabend mittag ihre Maschinen ab.
Der Sonnabend, d.h. der Sabbat, der eigentliche Ruhetag, war bei uns also lange Zeit noch ein Arbeitstag, denn für uns Christen wurde der erste Tag der Woche als Tag der Auferstehung Christi so wichtig, dass er der primäre Ruhetag wurde. Am Prinzip der 7-Tage-Woche halten wir fest, nur eben nicht mit dem siebten Tag als Ruhetag, sondern dem ersten Tag.
Ruhe – das drückt sich bei vielen dann durch langes Ausschlafen aus. Aber eigentlich war der siebte Tag der Woche – oder heute der erste Tag – für etwas anderes bestimmt: Gott zu loben und zu danken für seine Wunder, die wir überall entdecken können, die uns ja gewissermaßen entgegen springen.
Die Natur erzählt beständig von den Wunderwerken Gottes, unsere Existenz ist an sich schon ein Wunderwerk. Da kann man eigentlich nur staunen! Und dazu (zum Staunen) sollte man sich auch die Zeit nehmen! Es nicht einfach nur verschlafen!
Gott, der Allmächtige und Ewige, hat diese Welt großartig gemacht. Er hat ihr eine Ordnung gegeben, er hat sie mit einer immensen Vielfalt beschenkt. Auch wenn er nur die Grundlagen dafür gelegt haben sollte – es ist doch sein Wille, der diese Welt ins Leben gerufen hat durch sein Wort, und er ist es, der das Zusammenleben so vielfältiger und unterschiedlicher Geschöpfe ermöglicht.
Als Wissenschaftler würde man sich mit solchen Aussagen natürlich nicht zufrieden geben. Man würde versuchen wollen, herauszubekommen, wer oder was Gott ist. Man würde versuchen, den Ursprung der massiven – man sagt übrigens „unendlichen” - Energie, die da am Anfang unseres Universums existierte, zumindest theoretisch zu definieren.
Aus Sicht der Wissenschaft sind die Aussagen der Bibel rückständig, weil sich die Existenz Gottes nicht beweisen lässt. Ich würde das Gegenteil sagen. Denn wir haben bereits eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung dieser unendlichen Energie – die Schöpfung, die ganze Welt, das Universum ist der Beweis für die Existenz Gottes.
Gott, der Allmächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang! (Ps 50, 1) Überall können wir seinen Ruf hören! Immer, wenn wir beginnen zu staunen, hören wir ihn.
Wenigstens einmal in der Woche, jeden Sonntag, können wir auch darauf antworten – in unseren Gottesdiensten, mit unserem Lobgesang, mit unseren Gebeten.
Natürlich auch in der Woche, aber dieser Tag ist ja ganz besonders dem Lob Gottes gewidmet. Die Möglichkeit, sich in der Gemeinschaft aller Gläubigen zu sammeln und gemeinsam das Lob Gottes zu singen und seinen Namen zu preisen, ist das Geschenk, das Gott uns gemacht hat – schon vor 2500 Jahren.
Wir sollten es nicht achtlos links liegen lassen, sondern immer neu dankbar ergreifen. Denn durch diese Möglichkeit erfahren wir die Nähe und die Liebe Gottes auf ganz besondere Weise.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:
Das ist ein köstlich Ding (EG 285)
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326)
Liebe, die du mich zum Bilde (EG 401)
Gott gab uns Atem, damit wir leben (EG 432)
Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht (EG 506)