das Kirchenjahr

Kantate

Die singende Gemeinde

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Kantate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Cantate Domino canticum novum, quia mirabilia fecit!. (Ps 98, 1a; deutsch s. Antiphon).
Der Sonntag Kantate ist der Singesonntag, was allerdings nicht durch das Evangelium deutlich wird. Andere Perikopen gehen schon eher auf die singende Antwort der Gemeinde auf Gottes Taten ein, d.h. sie berichten vom Lobpreis der Gemeinde. Der Sonntag Kantate befasst sich, so wie schon der Sonntag Jubilate, mit einer Form der Antwort der Gemeinde, was im Gottesdienst dann auch zum Tragen kommen soll.

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IV - Kol 3, 12-17

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 15 Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Paulus verwendet ein schönes, brauchbares Bild, auch wenn man natürlich kritisch anmerken könnte, dass man Kleidung auch jederzeit ausziehen kann. Sie ist nicht wie eine zweite Haut mit einem Menschen fest verbunden. Man wechselt sie vielmehr nach Belieben, passend zur Situation, oder nach Notwendigkeit. Aber mit dieser Kritik überfrachtet man das Bild, denn natürlich geht ja Paulus auch nicht davon aus, dass man sich Socken, Unterwäsche, Hose und Hemd oder Bluse und Kleid anzieht, sondern er hat den Umhang im Blick, den Kaftan, das einzige Kleidungsstück der damaligen Zeit. Und so schlägt er vor, sich einen nach dem anderen überzuwerfen, natürlich nur symbolisch - es würde ja doch viel zu warm werden.
Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld - die wichtigsten Eigenschaften im Umgang miteinander. Einander ertragen, und nicht nur das, sondern auch einander vergeben. Zusammengebunden werden all diese Eigenschaften mit der Liebe. Man fragt sich unweigerlich, ob man diese Eigenschaften so einfach anziehen kann, besonders wenn es um die Liebe geht, über die man nicht so einfach verfügen kann. Es dürfte aber dem leichter fallen, die Liebe an zu ziehen, der die Liebe Gottes bereits am eigenen Leib erfahren hat. Paulus schreibt auch vom Frieden Christi, der unsere Herzen regieren soll. Dieser Friede kann nur von Christus her kommen. Aber wer diesen Frieden erfährt, muss doch zwangsläufig all das ablegen, das Streit und Hass verursacht.
Letztlich aber wird der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hergestellt durch den Vers 16, indem zum gemeinsamen Singen zum Lobe Gottes aufgefordert wird. Und gewiss ist es so, dass auch das gemeinsame Singen mit dazu beiträgt, dass die Gemeinde miteinander in Frieden und Vollkommenheit lebt, ohne Streit oder Missgunst oder gar Hass.
Letztlich beschreibt Paulus in diesem Abschnitt den Weg zum Gottesdienst genauso wie die Frucht des Gottesdienstes. Denn wer auf das Wort Gottes hört und die darin anklingende Ermahnung annimmt, wird auch im Alltag danach handeln. Wer sich aber dem Gottesdienst entzieht, vergisst mit der Zeit, was es bedeutet, als Christ zu leben.
Es wird schwierig sein, diesen Gedanken zu verdeutlichen, denn letztlich stellt der Prediger damit sich selbst in den Mittelpunkt der Gemeinde, was heutzutage immer weniger gewünscht wird. Und doch ist es ja der Pfarrer, der diese Aufgabe hat, der Gemeinde das Wort so zu vermitteln, dass sie eine Leitlinie für ihr gemeinsames Leben und Wirken vor Augen hat.

Liedvorschläge zur Predigt:


Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)
MIt Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Singt das Lied der Freude über Gott (EG 305)
Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324)
Dir, dir, o Höchster, will ich singen (EG 328)
Danke für diesen guten Morgen (EG 334)
Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein (EG 417)
Dass du mich einstimmen lässt (KHW-EG 580)



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