das Kirchenjahr

Kantate

Die singende Gemeinde

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Kantate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Cantate Domino canticum novum, quia mirabilia fecit!. (Ps 98, 1a; deutsch s. Antiphon).
Der Sonntag Kantate ist der Singesonntag, was allerdings nicht durch das Evangelium deutlich wird. Andere Perikopen gehen schon eher auf die singende Antwort der Gemeinde auf Gottes Taten ein, d.h. sie berichten vom Lobpreis der Gemeinde. Der Sonntag Kantate befasst sich, so wie schon der Sonntag Jubilate, mit einer Form der Antwort der Gemeinde, was im Gottesdienst dann auch zum Tragen kommen soll.

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III - Lk 19, 37-40

Und als er [Jesus] schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
39 Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Es ist schon bemerkenswert, dass die Pharisäer, die man so gerne in eine Schublade der Verächtlichkeit verfrachten möchte, doch an dieser Stelle ein hohes Maß an Achtung für Jesus zeigen. Immerhin sprechen sie ihn mit „Meister” an, ein Titel, der nur demjenigen gegeben wurde, der kundig in der Schrift war und sie mit Weisheit auslegte. Mit diesem Titel verband sich die Vollmacht zur Lehre, und diese Vollmacht hatten auch die Pharisäer offenbar in Jesus erkannt. Aber doch erkennen sie nicht das Ganze, denn sie erkennen in Jesus nicht den Sohn Gottes, sondern nur einen Menschen, dem viele nachfolgen. Darum muss ihre Bitte abgewiesen werden.
Es ist der Einzug Jesu in Jerusalem, von dem hier berichtet wird. Eigentlich vorösterlich, jetzt auch nachösterlich, warum nicht, denn es geht ja um den Lobpreis Gottes und seiner wunderbaren Taten.
Es wird noch wunderbarer: Jesus weist die Bitte, seine Jünger zum Schweigen zu bringen, ab mit der Aussage, dass die Steine hinausschreien würden, was hier geschieht: der König kommt im Namen des Herren, der Messias, der Frieden bringt für die ganze Welt!
Uns wird vor Augen geführt, dass es unmöglich ist, angesichts der Wundertaten Gottes zu schweigen. Wenn es Menschen nicht tun, gäbe es andere Quellen des Lobpreises. Nur eins ist wichtig: Gott muss gelobt und gepriesen werden, daran führt kein Weg vorbei.
Leider strahlt der Gesang in unseren Kirchen häufig alles andere als Freude und Dankbarkeit aus, im Gegenteil: manches Mal hat man das Gefühl, dass niemand wagt, die Lippen aufzutun. Warum ist das so? Manche Menschen meinen, sie könnten nicht singen, andere sagen, die Lieder würden sie nicht kennen (dagegen hilft ein häufigerer Gottesdienstbesuch), wieder andere scheuen sich schlicht aus Angst, aufzufallen.
In der Predigt können solche Einwände zur Sprache gebracht werden.
Wichtig ist, dass die Predigt die Kernaussage des Predigttextes, dass der Lobpreis Gottes nicht verstummen kann, betont wird. Der Gemeinde ist mit ihrem Gesang schon eine priesterliche Aufgabe zugeteilt (Priestertum aller Gläubigen), und dessen muss sie sich bewusst sein bzw. werden. Mit ihrem Gesang tritt die Gemeinde in die Verkündigung ein, auch wenn sie nicht eigene Texte und Melodien verwendet. In jedem Fall muss sie wissen, dass Gott die Steine zum Singen bringen wird, wenn wir Menschen aufhören, ihn zu loben.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist schon recht klar, auch wenn im Text nicht unbedingt von „Singen”, sondern eher von „Sprechen” und „Schreien” die Rede ist. Gemeint ist jedoch der Lobpreis Gottes und seines Sohnes Jesu Christi, welcher von uns Menschen am besten singend erfolgt. Insofern ist der Text eine Ermutigung, Gott singend zu loben und zu ehren.

Liedvorschläge zur Predigt:

Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18)
Ehre sei Gott in der Höhe (EG 26 - Kanon)
Ihr Kinderlein, kommet (Eg 43)
Herbei, o ihr Gläub'gen (EG 45)
Allein Gott in der Höh sei Ehr (Eg 179)
Herr, nun selbst den Wagen halt (EG 242)
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326)



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