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Reminiszere
Gott und Mensch - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der Name des Sonntags Reminiszere leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: "Reminiscere miserationum tuarum, Domine, et misericordiarum tuarum quae e saeculo sunt." (Ps 25, 6; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Reminiszere" hervorgehoben)
Der Sonntag Reminiszere hat das Gleichnis von den bösen Weingärtnern zum Thema. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Wohl wissend, was sie tun, bringen die Weingärtner den Sohn des Besitzers um, hoffend, dass sie dann den ganzen Besitz für sich einstreichen können. Ganz offensichtlich soll das Gleichnis darauf hindeuten, dass die Menschen, die eine Verantwortung von Gott übertragen bekommen haben (jeder), das ihnen Anvertraute lieber als ihr Eigentum ansehen wollen und dabei die Rechte Gottes zu mißachten (und damit auch seine Macht). Die Frage dieses Sonntags und dieser Woche ist daher die nach unserem Verhältnis zu Gott. Sie wird allerdings schwierig zu beantworten sein, denn wie mißt man ein solches Verhältnis? Sobald man zu messen beginnt, ist man ja nicht mehr Betroffener, sondern "Richter", und stellt sich damit jenseits dessen, was einen zutiefst persönlich angeht. Und das kann nicht gut gehen. Soll man andere den Maßstab anlegen lassen? Auch das ist nicht im Sinne des Evangeliums. Bleibt nur das "Innewerden", das "Auf-Sich-Besinnen", als Möglichkeit, über das eigene Verhältnis zu Gott nachzudenken und, falls nötig, Konsequenzen zu ziehen.

IV - Jes 5, 1-7
Rev. 2014: Hebr 11, 8-16 (teilweise s. Reihe VI)

Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.
2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. 3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? 5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. 7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

[Die Perikopenrevision von 2014 sieht folgenden Text vor:] Hebr 11, 8-16
Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. 9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. 10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. 11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte. 12 Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.
13 Diese alle sind gestorben im Glauben und haben das Verheißene nicht erlangt, sondern es nur von ferne gesehen und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind. 14 Wenn sie aber solches sagen, geben sie zu verstehen, dass sie ein Vaterland suchen. 15 Und wenn sie das Land gemeint hätten, von dem sie ausgezogen waren, hätten sie ja Zeit gehabt, wieder umzukehren. 16 Nun aber sehnen sie sich nach einem besseren Vaterland, nämlich dem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott zu heißen; denn er hat ihnen eine Stadt gebaut.

Dieser Text ist schon von seiner Gestaltung her etwas eigenartig. Während er wie ein Lied eingeleitet wird (1a), geht er alsbald in ein Gleichnis über (1b-2), dann in eine direkte Ansprache der Bürger Jerusalems und der Männer Judas (3) mit einer Personalisierung des Gleichnisses: nun ist plötzlich nicht mehr der Freund, sondern der Erzähler (Gott?) der Besitzer des Weinbergs. Er fragt anklagend, es sind rhetorische Fragen, denn jeder weiß, dass es nichts mehr zu retten gibt (4). Dementsprechend gibt der Erzähler dann auch gleich selbst die Antwort: der Weinberg wird zerstört und vermichtet werden (5-6). Vers 7 löst auf, was noch aufzulösen ist: Gott gehört der Weinberg, der Weinberg sind die angesprochenen Männer Judas und das Volk Israel. Der letzte Satz konkretisiert, worin der "Weinberg" gefehlt hat, nämlich Recht zu üben.
So stehen wir vor einem radikalen Urteilsspruch, der so unzweideutig ist, dass es schwerfällt, darin eine Spur der Gnade zu erkennen. Sollte sie vielleicht doch darin zu finden sein, dass der Anfang so zögerlich, so freundlich ist? Man könnte darin eine Liebe spüren, die Liebe Gottes zu seinem auserwählten Volk, die, je mehr er der Vergehen des Volkes bewusst wird, von Zorn - oder Enttäuschung? - überdeckt wird. Darum stößt er, wie ein liebender Vater, dann diese massive Drohung aus, von der wir heute wissen, dass sie wahr wurde (angemerkt sei die übliche Auslegung, dass dem Verfasser bereits bekannt war, dass ein solches Gericht verübt wurde oder gerade zu seiner Zeit verübt wird - er schreibt also diese Androhung als Interpretation des Geschehenen oder Geschehenden).
Jesaja erklärt: das, was euch widerfährt, ist nur recht und billig. Kommt endlich herunter von euren hohen Rössern und gebt zu, dass ihr eure Berufung missbraucht habt! Gott will doch nicht euren Untergang! Er will euch doch erhalten! Aber ihr wollt es offenbar nicht.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird schnell deutlich: es geht hier um das spannungsreiche Verhältnis Gottes zum Menschen genauso wie des Menschen zu Gott. Während Gott eine schreckliche Drohung ausspricht, um seinem Volk - den Menschen - eine letzte Chance zu geben, kümmert sich der Mensch kaum darum. Die Gottesbeziehung, wenn sie überhaupt existiert, manifestiert sich in mechanisierten Vorgängen des Opfers und Gottesdienstes, die nicht ins Leben der Menschen hineinreichen.
Für die Predigt wäre es wichtig, auch und gerade den gnadenreichen Aspekt mit hineinzunehmen. Immerhin hat Gott sein Volk nicht gänzlich verworfen. Im Gegenteil: er hat es wieder gesammelt und zurückgeführt in das heilige Land, wo dann noch einmal ein Tempel errichtet wurde. Aber darüber hinaus hat Gott ja die ganze Menschheit im Blick, was durch seinen Sohn Jesus Christus sichtbar wird. Auch wenn das nicht explizit im Predigttext deutlich wird, halte ich es doch für angemessen, hier auf Christus zu verweisen, denn Gottes Verhältnis zum Menschen hat ja einen Wandel erfahren: vom zornigen, strafenden zum erbarmenden Gott. Denn Gott achtet die Freiheit des Menschen, und diese Freiheit kann sich nur dann voll entfalten, wenn es keine Züchtigungen mehr gibt. Anstelle dessen stellt Gott das Kreuz vor unsere Augen und beschämt uns.
Auf keinen Fall darf die Predigt darauf hinauslaufen, das Volk Israel abzuwerten gegenüber den Christen, denn grundsätzlich sieht es ja so aus, dass die Christen keinen Deut besser sind. Wir durchleben die gleichen Erfahrungen, die die Israeliten lange vor uns machten, nur unter anderen Vorzeichen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Ehre sei dir, Christe (EG 75)
Aus tiefer Not lasst uns zu Gott (EG 144)
Wach auf, wach auf, du deutsches Land (EG 145)
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)
Herr Jesu, Gnadensonne (EG 404)
Es kommt die Zeit (KHW/HN-EG 560)
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen (KHW/HN-EG 640)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Orgelmeditation für die Fastenzeit. Audio-CD v. Pater Dominikus spielt Werke alter Meister. 2003 - 1. Auflage.
  • Passion und Ostern. Agende II/1 v. VELKD (Hg.). Lutherisches Verlagshaus 2011, 344 S. - 1. Auflage.
    Umfassendes Material für Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern.
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  • NEU! Aus Trauer wird Freude. Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Passions- und Osterzeit v. Stefan Vogt. Neukirchener Aussaat Verlag 2017, 144 S. - 1. Auflage.
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  • Zuletzt überarbeitet: 27 Mai 2018
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