das Kirchenjahr

1. Sonntag nach Epiphanias

Die Taufe Jesu

Predigtanregung

Am 1. Sonntag nach Epiphanias steht die Taufe Jesu im Mittelpunkt, die früher auch am Epiphaniastag selbst gefeiert wurde. Hiermit wird Jesus aus seinem einfachen Menschsein herausgenommen und von Gott berufen. Es ist Teil des großen Geheimnisses der Gottheit und Menschheit in Jesus Christus, dass diese Berufung und Taufe mach Jesu eigenen Worten notwendig ist. Jedoch ist eigentlich nur das Evangelium dieses Sonntages mit der Taufe Jesu "beschäftigt". Die anderen Texte haben die Botschaft im Mittelpunkt, die durch Jesus die Welt veränderte: Tut Buße, kehrt um, wendet euch Gott zu, der durch Jesus eure Sünden getilgt hat.

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IV - Jes 42, 1-9

Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. 4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung. 5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen: 6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, 7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker. 8 Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. 9 Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören.


Zur Auslegung: Es dreht sich bei diesem Text um den Gottesknecht. Allzu leichtfertig wurde dieser Text auf Jesus gedeutet, schon in der neutestamentlichen Literatur ist dies geschehen (z.B. Vers 1 in Mt 12, 18-21; Vers 7 in Lk 4, 18-21). Dass Jesus aber nicht dieser Gottesknecht sein kann, erkennen wir schon daran, dass die hier gemachten Prophetien höchstens andeutungsweise in Erfüllung gingen, und dann nur in der unmittelbaren Umgegung von Jesus. Noch längst nicht ist das Recht auf Erden aufgerichtet, die Gefangenen sind nicht befreit, die Blinden sind nicht sehend, die in Finsternis sitzen, sind nicht frei.
Es ist also nicht ganz klar, um wen es hier eigentlich geht. Allgemein vermutet man, dass der Prophet selbst mit dem Gottesknecht gemeint ist, aber jüdische Auslegung sieht darin das gesamte Volk Israel, das hier als Gottesknecht bezeichnet wird und dessen Leiden Konsequenzen für die übrige Welt hat.
Mit hundertprozentiger Sicherheit werden wir wohl kaum herausbekommen, wen der Gottesknecht nun wirklich darstellt. Die Gestalt aber gibt uns Aufschluss darüber, was für eine Figur der Erlöser ist, wenn man den Gottesknecht mit dem Messias, dem Erlöser, gleichsetzen darf, was ja auch fraglich ist. Wir erkennen eine Gestalt, die das Recht aufrichtet (Vers 4), Unterdrückung beendet (Vers 7), heilt (Vers 3+7), die Wahrheit an den Tag bringt (Vers 6). Bemerkenswert ist schon, dass dieser Knecht Gottes dazu nicht etwa laut rufen wird, sondern man wird seine Stimme nicht hören (Vers 2). Wie kann er dann diese Sachen alle vollbringen? Es wäre nun ein leichtes, auf Jesus hinzuweisen, der sich wie ein Lamm schweigend zur Schlachtbank führen ließ und dessen Tod am Kreuz doch die Erlösung der Menschheit bewirkt hat. Aber, wie schon gesagt, Jesu Leben und Handeln war höchstens eine Andeutung dessen, was dieser Knecht vollbracht haben wird, wenn er denn erscheint.
Es wäre aber dennoch nicht allzu abwegig, denn wir, wie das jüdische Volk, glauben daran, dass der Messias kommen wird - für uns zum zweiten Mal - für das jüdische Volk zum ersten Mal. Können wir also letztlich doch "die Kurve kriegen"?
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang macht es uns bei der Beantwortung dieser Frage nicht viel einfacher. Der einzige Zusammenhang zur Taufe Jesu wird hergestellt durch den 1. Vers, der abgewandelt auch in der Taufe Jesu erklingt. Von daher sollten wir also schon im Gottesknecht die Gestalt Jesu erkennen - dann aber mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass vieles nur angedeutet, nicht aber verwirklicht wurde.
Die Predigt kann sich in diese Richtung bewegen. Sie sollte das Ziel, die Aufgabe dieses Gottesknechtes deutlich artikulieren. Gewagt wäre, aber sicher nicht ganz abwegig (da es das jüdische Volk selbst auch tut), die Gemeinde selbst in die Pflicht zu nehmen bezüglich der Aufgaben des Gottesknechtes. Natürlich kann auch die Gemeinde für Recht und Gerechtigkeit eintreten, und zumindest im bildlichen Sinne Blinde von ihrer Blindheit heilen und Gefangene aus den Gefängnissen führen. Dabei fällt dann natürlich das Thema des Sonntags einigermaßen unter den Tisch. Das kann wieder gutgemacht werden durch einen Hinweis darauf, dass wir dies nur deswegen vermögen, weil Jesus Christus uns den Weg dazu gewiesen hat.

Liedvorschläge zur Predigt:


Tröstet, tröstet, spricht der Herr (EG 15)
Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
Christus, das Licht der Welt (EG 410)
Schalom, Schalom! Wo die Liebe wohnt (EKHW/EKHN-EG 627)



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