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Exaudi
Die wartende Gemeinde - Predigtanregung

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Der Name dieses Sonntags leitet sich ab von dem Beginn der lateinischen Antiphon: Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te; miserere mei, et exaudi me! (Ps 27,7; deutsch s. Antiphon). Der Sonntag ist schon deutlich auf Pfingsten bezogen dadurch, dass er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht, und von daher eigentlich nicht mehr Bestandteil des Osterfestkreises, der mit Christi Himmelfahrt abschloss. Allerdings hat man sich im neuen Evangelischen Gottesdienstbuch nicht dazu durchringen können, als liturgische Farbe violett zu wählen, obgleich diese Farbe sicherlich angemessen wäre.
Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln.
In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt.

IV - Röm 8, 26-30

Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. 27 Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt. 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. 29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Dieser Text ist uns wohl allen vertraut, aber er ist dennoch schwer zu verdauen. Das sollte uns aber nicht abhalten, dennoch die Luther-Version zu benutzen, denn, wie gesagt, dieser Text ist vertraut.
Zunächst ist der Gedanke, dass uns der Geist " mit unaussprechlichem Seufzen" vertritt, sehr beruhigend. Denn wenn wir falsch beten, dann tut es der Geist richtig. Darüber hinaus weiß Gott natürlich auch, was der Geist bitten wird. Und nun wird das Ganze schon wieder etwas gefährlich: wie leicht könnte man sich zurücklehnen und bei sich denken: es ist ja sowieso alles egal, Gott weiß alles, ich brauche mich nicht bemühen. Es ist alles in seinen Händen - das ist eine grundsätzlich gute Vorstellung, solange sie nicht dahin führt, dass man sich selbst mehr oder weniger als Marionette oder Spielball einer größeren Macht, auf die man selbst keinen Einfluss hat, sieht. Denn den Einfluss können wir ja durch unser Gebet geltend machen! Gott sieht in das Herz - das meint ja, dass er die Wünsche und Vorstellungen eines jeden kennt. Und er achtet auf sie.
Dennoch kann es dazu kommen, dass Wünsche nicht erfüllt werden. Darum dieser so wichtige Vers 28. Auch das größte Übel dient denen zum Besten, die nach seinem Ratschluss berufen sind, die zu ihm gehören, die sich in Gott geborgen wissen. Diesen Menschen ist klar: das, was ihnen wiederfährt, ist nur der Teil eines Weges, der sie zur Gemeinschaft mit Gott führt und der sie diese Gemeinschaft schon jetzt - wenn auch undeutlich - erfahren lässt.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird deutlich in der Spannung zwischen dem "Schon-Jetzt" und dem "Noch-Nicht", das darin erkenntlich wird, dass sich an den Auserwählten, den Berufenen, Dinge ereignen, die ihnen eigentlich nicht widerfahren dürften, weil doch der allmächtige Gott sich ihrer angenommen hat. Aber wir sind noch Gefangene der von uns selbst geschaffenen Not (kann man das auch auf Krankheiten und Naturkatastrophen ausdehnen?), und darum wird die Berufung nicht so sichtbar, wie wir es uns eigentlich wünschen würden. Die Berufenen sind eben keine Supermenschen, die vor allem Bösen gefeit wären!
In der Predigt kann darauf eingegangen werden, dass wir in der oben bezeichneten Spannung leben. Wichtiger aber ist wohl, diesen Trost weiterzugeben, den Paulus ausspricht: der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Die Widrigkeiten des Lebens bleiben nicht unbeachtet, Gott nimmt sich ihrer und vor allem unser an, auch und gerade dann, wenn wir selbst hilflos geworden sind und nicht mehr wissen, woran wir eigentlich sind. Dann springt der Geist ein, er macht weiter, wo wir aus Ratlosigkeit, Angst, Verzweiflung nichts mehr tun können - oder wollen.

Liedvorschläge zur Predigt:


O Heilger Geist, kehr bei uns ein (EG 130)
Geist des Glaubens, Geist der Stärke (EG 137)
Dir, dir, o Höchster, will ich singen (EG 328)
Ist Gott für mich, so trete (EG 351)
Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens (EG 373, 1.4-5)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

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  • Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
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