das Kirchenjahr

Ostermontag

Auf dem Weg*

Predigtanregung

Der Ostermontag nimmt Bezug auf die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung. Die Reaktion der Jünger und die ersten Erscheinungen Jesu stehen nun im Mittellpunkt, wobei auch die Konsequenzen der Auferstehung schon deutlich werden.

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II - Lk 24, 36-45

Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. 40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. 41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43 Und er nahm's und aß vor ihnen. 44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.

„Weg mit allen Zweifeln!” Das scheint das Thema dieses Textes zu sein. Jesus erscheint den Jüngern und führt ihnen demonstrativ vor, dass er leiblich unter ihnen ist, und nicht nur als Geist. Er läßt sich von ihnen anfassen, er ißt vor ihren Augen. Nun könnte freilich ein anderer Zweifel auftauchen, nämlich dass Jesus gar nicht richtig tot war. Aber dem wird gewehrt, indem dieses Ereignis dicht auf die Kreuzigung folgt: alles geschieht innerhalb eines Tages, dem Tag, an dessen Morgen "die Frauen" zum Grab gegangen waren und feststellen mussten, dass Jesus nicht mehr darin war. Es wäre wohl kaum möglich gewesen, dass innerhalb von drei Tagen sich ein Mensch so weit erholen könnte von den Strapazen der Kreuzigung (Blutverlust usw.), dass er schon wieder ganz souverän herumlaufen könnte. Nein, dieser ist Jesus, der Sohn des Allerhöchsten, der am Kreuz gestorben ist und von seinem himmlischen Vater wieder auferweckt wurde! KEIN Zweifel!
Die Original-Perikope schließt mit dem Hinweis auf die Schrift und der Feststellung, dass Jesus sie ihnen öffnete. Es ist gewiß nicht verboten, die nachfolgenden Verse 46 und 47 ebenfalls zu lesen, so dass man weiß, worum es dort geht; es scheint sogar geboten, denn wenigstens diese zwei Verse gehören in den Zusammenhang. Freilich ist der Text, auf den sich Jesus bezieht (Hosea 6, 2), nicht auf den Messias bezogen, sondern auf das Volk Israel, so dass man diesen Aspekt nicht zu wichtig nehmen sollte. Es ist klar, dass es hier darum ging, den Lesern noch einen weiteren Beweis zur Ausräumung aller Zweifel zu liefern, nämlich die Schrift, deren Autorität unter den Juden nicht angezweifelt wurde. Nun geht es nur noch darum, sie auf Jesus anzuwenden.
Wir alle sind voller Zweifel. Mit dem ständigen Wachsen unseres Wissens, das uns nun sogar fähig gemacht hat, Lebewesen "herzustellen", also Gottes Stelle einzunehmen als Schöpfer, wird die Schlußfolgerung immer logischer, dass wir einen Gott nicht brauchen. Gibt es ihn? "Wohl kaum, denn wenn es ihn gäbe, gäbe es doch nicht so viel Elend in dieser Welt!", ist eine beliebte Antwort. Oder: "Wenn es ihn gibt, dann kümmert er sich nicht mehr um uns, wir sind ihm egal." Zweifel, oft schon zementierte Überzeugungen. Gottesdienstbesucher werden solche Überzeugungen nicht teilen, aber sie werden immer wieder mit Zweifel konfrontiert werden. Dieser Text antwortet dem Zweifel mit Beweisen, die wir nicht liefern können. Wir können nicht plötzlich einen Jesus produzieren. Uns bleibt nur die Erfahrung und die Schrift (das sogenannte Neue Testament), um Zweifel auszuräumen.
Aber ist dies überhaupt nötig? Ist das Auftreten Jesu unter den Jüngern wirklich nur als Beweisproduktion zu sehen? Wohl kaum. Jesus kommt zu ihnen, um ihnen zu sagen, dass alles erfüllt wurde, was von ihm gesagt wurde. Dass Gott sein Erlösungswerk vollendet hat. Dass nun ein neues Kapitel der Menschheit begonnen hat, ein Kapitel, das von Vertrauen und Liebe gekennzeichnet ist, Vertrauen und Liebe zu Gott und dem Nächsten.
Dass dem noch nicht weltweit so ist, mag man damit erklären, dass eben nicht jeder Jesus angenommen hat, dass viele in Gottesferne leben und entweder die Gottesnähe, die Jesus geschaffen hat, nicht wollen, oder aber nicht wissen, wie sie dorthin kommen. Der Vers 47, auch wenn er nicht original in der Perikope mit eingeschlossen ist, ist gewiß sehr wichtig: er redet von der Konsequenz des neuen Wissens, dass Gott Nähe zum Menschen gesucht und gefunden hat: die Verkündigung der Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Diese Welt ist immer noch in Dunkelheit, also geht hinaus und predigt, sagt es allen weiter, verkündigt die Liebe Gottes! Das ist es, worauf es ankommt; das ist, was die neue Welt werden läßt, die neue Menschheit, die mit Jesus begonnen hat.

Liedvorschläge:

Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100 - Wochenlied!)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 107)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)

Fürbittengebet

Gott, du Schöpfer der Welt und unser Vater: du hast deinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Du hast dem Tode die Macht genommen, Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. Darüber freuen wir uns und sind dankbar.
Wir kommen zu dir mit unserem Gebet und bitten dich für alle, die du berufen hast, deinem Sohn nachzufolgen: Lass die Kirchen in der Welt lebendige Gemeinschaften sein, in denen du selbst zu Wort kommst. Wo sie leiden, hilf ihnen, bei der Wahrheit zu bleiben. Wo sie zu sicher sind, führe sie zur Umkehr. Wo sie verfolgt werden, gib ihnen Kraft und Mut, an dem Zeugnis deiner Liebe festzuhalten. Wir denken dabei besonders an die Christen in Ägypten, die durch terroristische Anschläge viel Leid erlitten haben. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich um das Wachstum des Friedens, um das Ende sinnloser Gewalt. Fall denen in den Arm, die auf Menschen einschlagen. Entmachte, die durch Völkerverachtung groß geworden sind. Gib Frauen und Männern, Mädchen und Jungen den nötigen Mut, für Gerechtigkeit einzutreten und selbst Verantwortung zu übernehmen. Lehre uns, die Stimmen der Opfer zu verstehen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich für die Familien in unseren Gemeinden. Gib den Eltern Weisheit, den Kindern die Freiheit zu gewähren, die sie brauchen, um zu verantwortlichen Menschen heranzuwachsen. Hilf den Kindern, ihre Verantwortung zu erkennen und wahrzunehmen. Erfülle sie alle mit deiner Liebe. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich für die Selbstbewussten, Mutigen und Zuversichtlichen, denen alles zu gelingen scheint, die sich um Anerkennung und Erfolg nicht mühen müssen. Bewahre sie vor Leichtsinn, Übermut und Hochmut. Gib ihnen das rechte Gespür für die Empfindlichkeit ihrer Mitmenschen. Lass sie ihre Gaben zum Wohle aller einsetzen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Gott, du kennst die Not eines jeden Menschen und willst auch in schweren Zeiten an unserer Seite sein. Stärke die Geduld und die Hoffnung der Kranken. Sei ihnen nahe. Tröste alle, denen der Tod zu nahe gekommen ist. Gib ihnen neuen Mut. Führe ihnen Menschen zu, die ihnen helfen und sie verstehen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Alles, was uns außerdem bewegt, bringen wir vor dich in der Stille.
Stille
Nimm dich unser gnädig an. Rette und erhalte uns, denn dir allein gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen



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