das Kirchenjahr

Ostermontag

Auf dem Weg*

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe I - Jes 25, 6-9

Liebe Gemeinde!
Lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.
Der Prophet Jesaja spricht von einer Zeit, die in der Zukunft liegt – von ihm aus gesehen, aber vielleicht auch von uns aus gesehen. Denn was er vorhersagt, ist ja auch in unserer Zeit nicht Wirklichkeit geworden. Zumindest sehen wir überall auch Tod und Trauer. Es gehört zu unserem Leben dazu, ist unser Alltag. Die Tränen sind längst nicht abgewischt von allen Angesichtern.
Aber da ist auf der anderen Seite die Osterbotschaft. „Der Herr Zebaoth wird den Tod verschlingen auf ewig.“ Ist das nicht bereits geschehen? Hat nicht Jesus Christus das bewirkt, hat er nicht dem Tod die Macht genommen, ihn verschlungen auf ewig?
Doch, das hat er. Das ist der Kern christlicher Botschaft, die sich in den paradox klingenden Worten Jesu manifestiert: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.
Der Tod ist noch da, aber er ist nur eine leere Hülle, bedeutungslos geworden. Trauer: ja, sie ist noch da, aber viel mehr ist da auch die Freude darüber, das der Tod nicht das letzte Wort hat, dass er unsere Lieben und auch uns selbst wieder freigeben muss.
Die Zeit ist da, die Zeit, in der man sagen wird: „Lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil!“ Aber das ist leichter gesagt als getan.
Gottesdienste, so sagen viele, leiden darunter, dass sie so ernst seien, dass nie oder viel zu selten Raum da ist für die Fröhlichkeit, die doch durch die Osterbotschaft in allen gläubigen Menschen geweckt werden müsste. Manche Besucher aus der weltweiten Kirche sind tief betroffen, wenn sie unsere Gottesdienste miterleben. So erleben sie in ihrer Heimat den christlichen Glauben nicht.
Freuen wir uns denn gar nicht? Ist uns die christliche Botschaft wirklich so ernst, dass es unmöglich erscheint, ein Lachen über die Lippen zu bringen? Oder ist es nur der Raum, der uns Ehrfurcht einflößt und das Gefühl vermittelt, dass man sich hier nur mit ernster Mine aufhalten darf?
Sicher, unsere Kirche atmet inhaltsschwere Geschichte, die, wenn man es genau betrachtet, kaum Grund zum Jubeln lässt. Aber da ist doch immer noch die Osterbotschaft und dazu die Aufforderung des Propheten: „Lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil!
Ich möchte an dieser Stelle auf eine Tradition hinweisen, die uns wohl kaum mehr bekannt ist: das sogenannte „risus pascalis“ oder zu Deutsch: das Osterlachen. In früheren Jahrhunderten stellten die Pfarrer alles mögliche an, um die Gemeinde am Osterfest zum Lachen zu bringen. Sie erzählten Witze, schnitten Grimassen oder alberten herum, nur damit die Gemeinde wirklich einmal was zu lachen hätte.
Verboten wurde es dann im 19. Jahrhundert, weil die Methoden allzu vulgär wurden. Der Basler Pfarrer und Reformator Johannes Ökolampad schrieb in einem Brief an seinen Kollegen Wolfgang Capito über die Oster-Prediger: „Einer schrie immer Kuckuck. Ein anderer legte sich auf Rindermist, tat, als sei er im Begriff, ein Kalb zu gebären. Wieder einer zog einem Laien eine Mönchskutte an, machte ihm dann vor, er sei nun Priester und führte ihn zum Altar. Wieder einer erzählte, mit welchen Mitteln der Apostel Petrus die Wirte um die Zeche betrog.“ Ja, sogar zu Obszönitäten sei es gekommen. Er, Ökolampad, verabscheue das und witzle auf der Kanzel nicht über Dinge, „die Eheleute in ihrer Kammer und ohne Zeugen zu tun pflegen.“ Capitos Antwort fiel weniger theologisch als pragmatisch aus: Immerhin hindere das Osterlachen die Leute in der Kirche am Einschlafen. Und es sei besser vor lachenden Menschen zu predigen als in leeren Kirchen!
Damit hat er nicht ganz unrecht. Auf der anderen Seite darf es natürlich nicht nur darum gehen, die Menschen zum Lachen zu bringen. Die Botschaft, das Evangelium, muss erkennbar bleiben. Und das ist, so vermute ich, damals nicht mehr der Fall gewesen.
Unser Predigttext sagt voraus, was sich zu Ostern ereignet, und schildert die völlig logische Konsequenz: da wird keine Trauer mehr sein. Der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen. Und man wird sagen: das ist unser Gott. Lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.“ Der Tod ist besiegt.
Fröhlichkeit und Jubel, das kann nicht verordnet werden, das geschieht aus dem Herzen heraus. Und weil in unseren Herzen oft neben dieser Osterbotschaft noch andere Dinge sind, die uns bedrücken und belasten, darum fällt es uns meist so schwer, zu jubeln und fröhlich zu sein.
Nun hat aber gerade das Lachen die Eigenschaft, diese Lasten, und wenn auch nur für einen kleinen Moment, vergessen zu machen. Lachen kann helfen, etwas von der Freude zu erfahren, was Ostern wirklich ausmacht, indem es das Bedrückende und Traurige in unserem Leben beiseite schiebt. Es erleichtert unsere Seele.
Und darum habe ich es mir für diesen Tag einmal erlaubt, ein paar Witze auszuwählen – nichts vulgäres, und auch nichts unkirchliches – die uns vielleicht wenigstens ein Schmunzeln, viel lieber aber ein herzliches Lachen entlocken sollen.
Wem das nicht so recht behagt, den bitte ich, dennoch da zu bleiben. Die Predigt wird nicht mit einem Witz enden, und auch das anschließende Beten füreinander und der Segen am Ende sind sehr ernst gemeint und sollen niemandem vorenthalten bleiben.
Aber jetzt ist erst einmal Lachen erlaubt.
• Dass die Länge der Predigt nicht immer angemessen ist, ist bekannt. So erging es auch einem Gottesdienstbesucher, dem es schließlich zu lang wird, so dass er sich aus der Kirche heraus schleicht.
Er trifft im Vorraum einen anderen, der ebenfalls geflüchtet ist. „Na“, fragt der, „ist er endlich mit der Predigt fertig?“ „Schon lange“, lautet die Antwort. „Aber er hört trotzdem nicht auf.“
• Viele Predigten sind recht allgemein gehalten, aber manche Prediger wagen es und sprechen ganz konkret aus, worauf es ihrer Meinung nach ankommt. „Brüder und Schwestern in Christus, ich warne euch vor der Zigarette!“ rief der eifrige Volksmissionar sozusagen als „Kurzfassung des sündigen Weges“ der Gemeinde zu. „Die Zigarette ist die Wurzel allen Übels. Auf diese Zigarette folgt unweigerlich das erste Glas Schnaps. Und auf den Schnaps folgt unweigerlich die erste Frau. Und schon seid ihr der Lust der Sünde verfallen...“ Von hinten ruft ein Zuhörer: „Wo bekommt man denn diese sagenhafte Zigarette her?“
• Einmal beschrieb Abraham a Sancta Clara, ein berühmter und wortgewandter Prediger des 17. Jahrhunderts, in seiner Predigt die Hölle in den schauerlichsten Farben und schloss mit den Worten: „Da wird Heulen und Zähneklappern sein unter jenen, die nicht wohlgetan haben auf Erden.“ Nach der Predigt zeigte ihm einer seinen Mund und sagte: „Ich habe schon lange keine Zähne mehr.“ Da donnerte ihn der Prediger an: „Verlass dich darauf: Für Zähne wird in der Hölle gesorgt!“
• Und nun will ich Ihnen noch sagen, warum ein Busfahrer wohl schneller in den Himmel kommt als ein Pfarrer.
Da kommen ein Busfahrer und ein Pfarrer nach ihrem Tod gleichzeitig an das Himmelstor. Petrus mustert beide, dann sagt er zu dem Busfahrer: „Du kommst sofort in den Himmel.“ Und zum Pfarrer sagt er: „Tut mir leid, aber du musst vorher noch ein bisschen ins Fegefeuer.“
Natürlich beschwert sich der Pfarrer über diese Benachteiligung. „Ich habe mein ganzes Leben der Verkündigung gewidmet, und das ist der Dank?“ „Tja“, sagt Petrus, „während du gepredigt hast, haben die Leute immer geschlafen, aber wenn er gefahren ist, dann haben alle gebetet.“

Haben Sie es etwas spüren können? Diese Momente, in denen man alle Sorgen, alles Leid vergisst? Haben Sie die Macht des Lachens verspürt, dieses Befreiende und Erleichternde? Bewahren Sie sich es.
Denn das gleiche will die Osterbotschaft in uns bewirken. Es mag wohl Kummer und Leid in unserem Leben geben. Es mag ehrfurchtgebietende Räume geben, in denen das Lachen eigentlich nicht angebracht ist. Aber: Gott hat den Tod verschlungen, und er wischt die Tränen ab von allen Angesichtern. Darum lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil!
Amen

oder

Liebe Gemeinde!
„Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“, wurde mir im Kindesalter oft gesagt, z.B. wenn ich mit dem Kopf gegen die Tischplatte gestoßen war oder das Knie aufgeschürft hatte und natürlich Schmerz empfand.
Bei dieser Aussage ging es darum, die Reaktion auf den Schmerz, das Schreien und Weinen, auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Indianer kennt keinen Schmerz – natürlich kennt er ihn, aber er zeigt nicht, dass er ihn empfindet.
Ganz ähnlich die andere Aussage: „Jungen weinen nicht.“ Mädchen durften das, taten es aber merkwürdigerweise viel seltener.
Aber abseits von solchen unsinnigen Sprüchen gab es noch eine andere, wohltuende Erfahrung, wenn ich nichts anderes als Schmerz empfand:
meine Mutter nahm mich auf den Schoß, umarmte mich, pustete an der Stelle, an der es weh tat, und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.
Ihre Nähe fühlte sich schlicht gut an. Da fühlte ich mich sicher und geborgen, und sah war es eine durchaus wirksame Methode, den Schmerz vergessen zu machen.
Sicher erinnern Sie sich auch an ähnliche Szenen aus Ihrer Kindheit. Vielleicht ist der Schmerz nicht ganz weg, wenn wir so getröstet werden, aber er verliert an Bedeutung, er ist nicht mehr so beherrschend.
Aber wie ist das, wenn man erwachsen geworden ist? Dann scheint es sowohl für Frauen wie für Männer ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass man in der Öffentlichkeit nicht weinen dürfe.
Einzig wenn der Tod in unser Leben eingreift, erlebe ich es, dass auch Erwachsene weinen. Wenn wir einen lieben Menschen zu Grabe tragen, dann tut das unsäglich weh – und natürlich nicht so, wie wenn man sich ein Knie aufschürft oder den Kopf stößt. Der Schmerz sitzt ganz tief in einem drin, und eigentlich ist es auch nicht wirklich Schmerz, sondern eher eine dumpfe Leere.
Aber diese Leere tut weh. Es ist, als ob etwas fehlte, was zu einem gehört hatte – es wurde herausgerissen, fortgerissen aus unserem Inneren, aus unserem Herzen, aus unserer Seele.
Der Prophet Jesaja ruft uns nun ein Wort zu, dass in seiner Zeit durchaus ungewöhnlich war:
Der Herr Zebaoth wird den Tod verschlingen auf ewig!
Daraus lese ich zunächst einmal dies: Gott weiß um die Wirkung des Todes auf uns. Er weiß, wie sehr es schmerzt, einen lieben Menschen für immer weggeben zu müssen. Er weiß auch von der Angst, die der Tod in uns Menschen verursacht: die Angst, über ihn zu reden, die Angst, sich darauf vorzubereiten, und natürlich auch die Angst vor dem Sterben selbst.
Es war nicht immer so. Zu Beginn der Menschheit, so berichtet die Bibel, lebte der Mensch frei von jeder Angst. Erst indem er die Frucht vom Baum der Erkenntnis aß, änderte sich dies schlagartig. Das Wort „Furcht“ im Sinne von „Angst“ kommt danach das erste Mal in der Bibel vor.
Und diese Angst wurde zum Bestandteil unseres Lebens. Sie hat Auswirkungen auf alle Entscheidungen, die wir fällen. Der Umgang der Menschen untereinander wird von Angst beeinflusst.
Manchmal sind es dabei ganz banale Dinge, die uns Angst machen – z.B. die Frage, was man an diesem Tag anziehen soll, gehört mitunter dazu. Man würde dann natürlich kaum von Angst reden, aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, merkt man doch, dass es im Grunde Angst ist, die einen dazu treibt, über dieses Detail nachzudenken. Denn man bemüht sich ja darum, so auszusehen, dass andere einen angenehmen Eindruck bekommen und sich nicht abgestoßen fühlen. Der Wunsch nach Anerkennung paart sich mit der Angst vor der Ablehnung und dem Außenseiter-Sein.
Wenn man den Bogen weiter spannt, steckt da im Hintergrund immer die Angst vor dem Tod. Weil wir den Tod als das Ende unserer irdischen Existenz wahrnehmen, wird die Gestaltung dieser Existenz für uns besonders wichtig – es ist schließlich das Einzige, worauf wir etwas Einfluss ausüben können. Nach dem Tod wird es für uns unkontrollierbar.
Die Angst, dass unsere irdische Existenz bedeutungslos sein könnte, ist ein treibender Motor für unser Handeln.
Und so ist es also die Angst vor dem Tod, die letztlich unser Leben und unser Handeln bestimmt.
Und nun haben wir diese Zusage durch den Propheten, dass Gott, der Herr Zebaoth, der Herr der Heerscharen, den Tod verschlingen wird auf ewig.
Es ist kein vorübergehendes Aussetzen des Todes, sondern eine endgültige Handlung, die man in dem Sinn, wie ich es gerade beschrieben habe, auch so wiedergeben könnte:
Gott nimmt alle Angst von uns. Er führt uns wieder in den Zustand des Paradieses zurück. Der Tod wird bedeutungslos, er verliert seine Macht, er kann unserer Existenz kein Ende mehr machen. Das Leben wird nicht mehr von Angst bestimmt, sondern von dem Wissen, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben.
Das ist eine frohe Osterbotschaft, die aber eigentlich mit Ostern gar nichts zu tun hat!
Denn der Prophet Jesaja lebte schließlich einige Jahrhunderte vor Christus! Seine Worte sind für die damalige Zeit revolutionär gewesen, noch viel radikaler, als sie später zur Zeit Jesu gewesen wären. Denn die meisten Menschen gingen zur Zeit des Propheten davon aus, dass mit dem Tod alles aus ist. Nur das irdische Leben sei von Bedeutung – danach begibt man sich in das Reich der Toten, eine Welt des Vergessens – und des Vergessenwerdens.
Zur Zeit Jesu hingegen gab es schon viele Menschen, die daran glaubten, dass es eine Auferstehung geben würde. Jesus selbst ging darauf ein, als er von den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung der Toten glaubten, zu dem Thema befragt wird. Paulus machte sich diesen Umstand zunutze, als er sich vor dem Hohen Rat verantworten musste, in dem sich sowohl Sadduzäer als auch Pharisäer befanden, und verursachte eine Spaltung in der Versammlung, indem er als Kern seiner Verkündigung die Auferstehung angab. Denn die Pharisäer glaubten durchaus an die Auferstehung als ein zukünftiges Handeln Gottes an den Menschen.
Nun gibt es allerdings noch einen kleinen Unterschied zwischen dem, was der Prophet Jesaja sagt, und der Auseinandersetzung um die Frage der Auferstehung. Denn der Prophet redet nicht davon, dass die Toten auferstehen würden, sondern dass Gott den Tod verschlingen wird auf ewig. Mit anderen Worten: niemand wird mehr sterben. Der Tod ist nicht mehr!
Mir kommen dabei die Wort Jesu in den Sinn:
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.
In diesem Wort wird die Spannung zwischen unserer eigenen Erfahrung und der Zusage Gottes deutlich.
Wenn Gott den Tod verschlungen hat – warum sterben wir dann noch?
Jesaja hätte damit keine Schwierigkeiten. Er könnte sagen: das kommt ja erst noch. Der Tod ist noch nicht von Gott verschlungen. Der Tod übt noch seine Macht über uns aus.
Aber wir leben nach Jesus Christus, Anno Domini 2013, nach dem Osterern, also nachdem er auferweckt wurde und damit sichtbar wurde, dass dieses Zukünftige bereits vollzogen ist. Paulus brachte dies auf den Punkt mit den Worten: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ (1. Kor 15, 52)
Unsere Lebenserfahrung bleibt zwar unverändert: wir sterben nach wie vor. Aber darüber steht dieses große Wort Jesu, dass wir leben, auch wenn wir sterben.
Und damit fällt alle Angst von uns. Der Tod kann unser Leben nicht mehr bestimmen, denn er ist machtlos geworden. Gott hat den Tod verschlungen!
Das sind große und schöne Worte. Aber weil der Tod bleibt, bleibt auch die Trauer um einen lieben Menschen, der von uns genommen wird.
Und da sind die Worte des Jesaja dann doch wieder besonders tröstlich, wenn es heißt: Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.
Ich fühle mich bei diesem Bild schon ein Stück zurück versetzt in meine Kindheit und bin dankbar, dass da jemand ist, zu dem ich gehen kann, wenn ich verletzt und traurig bin, der mich in seinen Armen birgt, mich tröstet und die Tränen von meinem Angesicht abwischt. Denn ich weiß: dann tut es nicht mehr so weh.
Es tut gut, zu wissen, dass ich mich darauf verlassen kann.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Singen wir heut mit einem Mund (EG 104)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Die ganze Welt, Herr Jesus Christ (EG 110)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (EG 150)
Der Gottesdienst soll fröhlich sein (EG 169)

Predigtvorschläge zu Reihe II - Lk 24, 36-45

Liebe Gemeinde!
„Ey, Klaus, ich habe eine Kuh gesehen, die ist auf einen Baum geklettert.” Klaus schaut Max verwundert an. „Du spinnst doch.”, sagt er. „Kühe können doch nicht auf Bäume klettern.”
Schon will er sich abwenden, da sagt Max: „Warte, ich habe ein Foto davon gemacht.” Er zückt sein Smartphone, und tatsächlich sieht man auf dem Foto eine Kuh, die auf einem recht dicken Ast eines großen Baumes ausruht. Das Maul ist leicht verschoben, offenbar ist sie gerade am Wiederkäuen.
Klaus schaut sich das Foto eine Weile an, dann sagt er: „Das ist doch eine Fotomontage.” „Nein!”, ruft Max, „das ist echt!”
„Wer's glaubt, wird selig!”, sagt Klaus und geht weiter.
„Wer's glaubt, wird selig!”, so lautet eine Redewendung, die gerne verwendet wird, wenn man etwas für vollkommen unglaubwürdig hält. Das, worum es geht, widerspricht offensichtlich allen bekannten Tatsachen – so wie die Kuh, die auf Bäume klettern kann.
Komisch aber, denn eigentlich meinen diese Worte ja nur Positives: „Wer's glaubt, wird selig” bedeutet doch, dass, wer das glauben kann, ein wunschlos glücklicher Mensch sein wird – oder schon ist, indem er es glaubt. Denn selig sein, das ist ein Glückszustand, in dem keine Wünsche mehr offen sind. Man ist rundum zufrieden.
Irgendwann hat diese positive Bedeutung eine negative Bewertung bekommen, so als ob selig sein kein erstrebenswerter Zustand wäre.
Eigentlich liegt die Betonung aber auf dem Wort „glauben”. Denn es ist praktisch unmöglich, das zu glauben – und dementsprechend ist es praktisch unmöglich, selig zu sein oder zu werden.
Und tatsächlich sind doch die meisten Menschen weit davon entfernt, wunschlos glücklich zu sein.
Man merkt es eigentlich überall: es wird verglichen. Was hat der andere? Wie weit ist das, was ich habe, davon entfernt? Um wieviel ist es schlechter? Um wieviel besser? Was muss ich tun, damit ich mithalten kann?
Nicht nur bei jungen Menschen geht es oft um's Smartphone. Modelle, die älter als zwei Jahre sind, sind schon deswegen out, weil bei vielen Verträgen nach Ablauf von zwei Jahren und entsprechender Verlängerung ein neues Smartphone gleich dabei ist. Aber natürlich gibt es auch immer eine Person, die ein neueres, besseres Smartphone hat.
Bei anderen Menschen, häufiger wohl bei Männern, geht es ums Auto. Manchmal ist es auch der Rasenmäher (einer, auf dem man sitzen kann, zeugt ja auch schon davon, dass man ein recht großes Grundstück besitzt, kann sich also zu so einer Art Statussymbol entwickeln), oder es geht um irgend ein anderes technisches Gerät.
Bei wieder anderen spielt die Kleidung eine große Rolle – was man übrigens auch schon bei Schulkindern beobachten kann. Welche Marke? Welche Herkunft? Wenn die Kleidung bei C&A oder einem Kleiderdiscounter gekauft wurde, wird meist schon die Nase gerümpft.
Welche Kritierien beim Vergleich jeweils eine Rolle spielen, ist mir nicht so geläufig. Es geht aber immer nach dem gleichen Prinzip: irgendwie möchte man beweisen, dass das eigene wenigstens mithalten kann mit dem, was der andere hat, und wenn das nicht der Fall ist, wird man insgeheim schon anfangen, nach einem upgrade, d.h. einer Verbesserung, zu suchen.
Kurz: wir sind unzufrieden. Sobald das, was wir haben, nicht mehr dem entspricht, was unsere Nachbarn und Freunde haben, fühlen wir uns abgehängt und spüren wir die Notwendigkeit, mitzuhalten, nachzubessern.
Keine Spur von Seligsein also.
Wer's glaubt, wird selig – das höre ich zwar nicht direkt, aber doch indirekt manches Mal von Menschen, die sich selbst als Christen verstehen, aber häufiger natürlich von solchen, die sich als Atheisten bezeichnen. Jesus von einer Jungfrau geboren? Wie soll das möglich sein? Jesus von den Toten auferstanden? So ein Unfug!
Mit solchen Vorwürfen mussten wir Christen uns nicht erst in unserer Zeit auseinandersetzen, sondern schon damals, als die ersten Christengemeinden entstanden waren – zu der Zeit, als die Evangelien niedergeschrieben wurden.
Man sieht Spuren dieser Auseinandersetzung vor allem in der Art und Weise, wie in den Evangelien von der Auferstehung Jeus erzählt wird. Im Grunde werden da die Menschen, die es nicht glauben können (und auch nicht glauben wollen), mit einbezogen, indem man deren Argumente durch die explizite Beschreibung bestimmter, sonst vielleicht unbedeutender Sachverhalte entkräftet. Da sind z.B. die Wachen, die das Grab bewachen und die von den Römern gestellt werden, also von einer in der Sache völlig neutralen, glaubwürdigen Institution. Da ist aber auch die Offenheit im Blick auf das eigentliche Ereignis der Auferstehung, indem auf die Unzulänglichkeiten ausdrücklich hingewiesen wird: niemand hat gesehen, wie Jesus auferstanden ist. Nur das leere Grab bleibt, und nur davon wird geschrieben.
Und da sind die Jünger selbst, die voller Zweifel sind und deren Zweifel in keiner Weise unter den Teppich gekehrt, sondern sogar ausdrücklich benannt werden.
Diese Zweifel werden schon in der frühen Christenheit immer wieder diskutiert. Lukas nimmt einige Argumente derer, die die leibhafte Auferstehung Jesu anzweifeln, mit seiner Erzählung auf.

Die zwei, die wir nur als Emmaus-Jünger kennen, haben davon berichtet, wie ihnen Jesus auf dem Weg begegnet ist und wie er ihnen das Brot brach.
„Wer's glaubt, wird selig”, werden wohl einige der Jünger gedacht haben, auch wenn sie bereits die Berichte der Frauen und einiger anderer Jünger gehört hatten, die zumindest vom leeren Grab und den Engeln, die die Botschaft von Jesu Auferstehung verkündeten, erzählen konnten.
Wer's glaubt – aber niemand glaubt es...weil man es nicht glauben kann. Es widerspricht doch allen Tatsachen, es ist unmöglich.
Wohlgemerkt, das ist die Haltung der Jüngerinnen und Jünger damals – vielleicht mit Ausnahme derer, die das leere Grab und die Engel gesehen hatten.
Und da tritt Jesus mitten unter sie. Allein schon wie er da auftritt, ist bemerkenswert. Er klopft nicht an die Tür, sondern er ist unvermittelt da und räumt endlich mit all den Zweifeln auf. „Warum kommen solche Gedanken in euer Herz?”(Lk 24, 38b) Ja, warum eigentlich? Warum traut Ihr Gott dieses Wunder nicht zu?
Und dann dürfen sie ihn anfassen und besehen, sie dürfen die Wundmale der Kreuzigung sehen, es kann also gar keinen Zweifel mehr geben. Und doch gibt es immer noch welche, die es nicht glauben können. Sie meinten wohl, dass sie halluzinierten. Das kann doch unmöglich echt sein – obwohl sie ihn ja auch anfassen durften.
Um die Beweisführung zu vollenden, setzt sich Jesus also noch hin und isst einen gebratenen Fisch.
Wer's jetzt noch nicht glauben kann, der ist hoffnungslos verloren. Mehr Beweise kann es doch beim besten Willen nicht geben.
Und doch wurden die Berichte derer, die dem Auferstandenen leibhaftig begegnet waren, schnell in Zweifel gezogen – auch von Christen. Die ersten Jahrhunderte der Christenheit sind geprägt von Diskussionen darüber, was von dem, was man sich über Jesus erzählte, wahr ist und wie man es dann auch glaubwürdig vermitteln kann.
Unsere Glaubensbekenntnisse sind Zeugnisse dieser Diskussionen und gewissermaßen ihr Endergebnis. Sie enthalten unaufgebbare Glaubensaussagen.
Und doch ist man heute, fast zweitausend Jahre später, der Ansicht, dass all das Gerede von Auferstehung usw. nur Wunschdenken war, dass es sich in Wahrheit ganz anders zugetragen habe. Als ob man es 2000 Jahre später besser wissen kann als damals zu einer Zeit, in der Augenzeugen unzählige Male danach befragt worden waren und ihr Zeugnis schließlich aufgeschrieben wurde.
„Wer's glaubt, wird selig!” - ja, nur wer es glauben kann, wird selig. Das ist das Einzige, was Gott von uns erwartet, dass wir es glauben:
Dass [Jesus] Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.” (1. Kor 15, 3b-5)
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100 - Wochenlied!)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 107)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)

Predigtvorschläge zu Reihe III - Offb 5, 6-14 (s. Predigtreihe M am 1. Adventssonntag)

Liebe Gemeinde!
Es geht um ein Buch. Nein, es geht um das Buch: das Buch mit sieben Siegeln.
Sprichwörtlich ist es geworden. Wann immer man etwas nicht versteht, kann man das mit einem Hinweis auf dieses Buch zum Ausdruck bringen: das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Mit anderen Worten: ich habe keine Ahnung.
Wir bewegen uns in der phantastisch anmutenden Welt der Offenbarung des Johannes. Es ist eine Welt der Visionen und der Symbole, die wir heute, 2000 Jahre später, nur noch mit Mühe deuten können.
Da tauchen verschiedene Zahlen auf:
Die Vier: Symbol für die Welt: die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten, die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.
Die Sieben: Als Summe der Drei und der Vier stellt diese Zahl die Gemeinschaft von Gott und Welt dar, denn die Drei ist Symbol für das Göttliche. Die Sieben schlägt die Brücke zwischen dem Himmel (im Sinne von Gottesreich) und der Erde. Wir finden die Sieben an verschiedenen Stellen in unserem Predigttext, auch hier: Das Lamm ist würdig zu nehmen (1) Kraft und (2) Reichtum und (3) Weisheit und (4) Stärke und (5) Ehre und (6) Preis und (7) Lob. Die Sieben ist die Zahl der Vollendung.
Die Vierundzwanzig: Damit wird die zwölf bekräftigt, indem sie verdoppelt wird. Die Zwölf steht für die Zwölf Stämme Israels bzw. die zwölf Apostel, und meint damit die Gesamtheit des Gottesvolkes. Das himmlische Jerusalem hat zwölf Tore: in ihr hat das Gottesvolk seine Heimat.
Das sind nur die Zahlen aus unserem Predigttext. Doch es geht weiter:
Da ist zunächst das Buch mit den sieben Siegeln.
Von innen und außen ganz beschrieben ist es ein Buch, zu dem nichts mehr hinzugefügt werden kann. Alle Seiten sind beschrieben, wobei wir es uns wohl eher als eine Schriftrolle vorstellen dürfen, die tatsächlich auf der Außenseite genauso viel Platz bot wie auf der Innenseite. Bei einem Buch, so wie wir es heute kennen, wäre das außen ja nur der Einband, und da lässt sich so viel auch nicht unterbringen.
Das Buch birgt Geheimnisse, die sich erst durch das Brechen der Siegel erschließen. Und dazu bedarf es eines „würdigen“ Menschen. Das ist das, worum sich dieses ganze Kapitel der Offenbarung dreht: „Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?“ (Offb 5, 2)
Das Buch macht neugierig. Was für Geheimnisse birgt es?
In den folgenden drei Kapiteln wird dargestellt, was geschieht, wenn die sieben Siegel gebrochen werden. Es kommen die vier apokalyptischen Reiter, dann das Gebet der Märtyrer, weiter die Katastrophen in der Welt, die auch als Strafe Gottes interpretiert werden, sowie die Offenbarung des Gottesvolkes aus allen Völkern, und schließlich das jüngste Gericht. Das ist die Bilderwelt, die zu vielen Spekulationen und Interpretationen geschichtlicher Ereignisse geführt hat, die aber alle das Ziel verfehlt haben.
Gewiss geht es wohl in dem Buch mit den sieben Siegeln um die Geschichte des Menschen bzw. der ganzen Menschheit, die sowohl äußerlich als auch innerlich betrachtet werden kann.
Äußerlich, das wäre das bloße Betrachten der menschlichen Geschichte als der Abfolge von Ereignissen, die sicherlich auch einander bedingen, aber völlig losgelöst sind von Gott.
Innerlich, das ist die Geschichte im Kontext des Willens Gottes, der jedem Ereignis seinen Sinn gibt.
Ich neige dazu, mir diese innerliche Geschichte der Menschheit wie ein gewaltiges Mosaik vorzustellen. Jedes Ereignis ist nur ein einzelnes Steinchen in diesem Mosaik. Wir selbst sind mit unserer Lebensgeschichte Teil dieses Mosaiks, irgendwo eingesetzt, und sind so natürlich nicht in der Lage, das Ganze zu sehen.
Doch von außen betrachtet - und diesen Blickwinkel kann wohl nu Gott selbst einnehmen - ergibt dieses Mosaik, dieses Sammelsurium von unzähligen verschieden gefärbten Steinchen. ein wunderbares Bild, und man erkennt dann, wie jedes Steinchen seinen Sinn und Platz bekommt.
Dieses Gesamtbild wird offenbar, wenn die Geschichte der Menschheit von innen betrachtet wird, wenn dieses Buch mit sieben Siegeln aufgetan und von innen her gelesen wird. Dann erkennen wir, dass in allem der Wille Gottes wirksam wurde und wird.
Es ist klar, dass, wenn die Siegel erbrochen werden, auch die Kräfte, die die Geschichte der Menschheit beeinflusst haben, offenbar werden müssen.
Und so ist es auch klar, dass nicht jeder x-beliebige dieses Buch auftun kann, sondern nur einer, nämlich der, der den Willen Gottes bis zum Letzten erfüllt hat, der in vollkommenem Gehorsam dem Willen Gottes gefolgt ist.
Und damit kommen wir zurück zum Kern unseres Predigttextes, zur Frage, wer würdig ist, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen.
„Würdig sein“ bedeutet dabei natürlich nicht, möglichst würdevoll dazustehen. Es geht um die schlichte Frage, wer in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen für das, was sich durch das Öffnen dieses Buches ereignen wird.
Kein Wunder, dass sich niemand findet, um dieses Buch aufzutun. Niemand will sich dieser Verantwortung stellen.
Doch ist die Frage, die so wichtig zu sein scheint und Johannes die Tränen in die Augen treibt, wohl eher rhetorischer Natur, denn einer von den Ältesten beruhigt den Seher. Denn er weiß schon, dass es doch einen gibt, der die Siegel brechen und das Buch aufschlagen kann. Es ist der Löwe aus Juda, die Wurzel Davids.
Mit diesen Symbolen kennen wir uns nun einigermaßen aus. Vom Löwen in Bezug auf Juda ist in der Segnung Jakobs die Rede am Ende des Buches Genesis: „Juda ist ein junger Löwe! … Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert.“ (Gen 49, 9) Der Löwe ist Zeichen der Majestät, wie in der Segnung dann auch weiter festgestellt wird: „Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen.“ (Gen 49, 10)
Die Worte „Wurzel Davids“ spielen an auf den Text aus dem Buch des Propheten Jesaja im 11. Kapitel, wo es heißt: „Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jes 11, 1)
Die Christenheit hat hier immer den Hinweis auf Christus gesehen, wie auch in den bekannten Liedern „Es ist ein Ros entsprungen“ (EG 30) und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (EG 70) erkennbar wird. In beiden ist von einer Wurzel die Rede, aus der der Nachkomme Davids, Jesus, hervorgeht.
Und so gelingt dann auch der Übergang vom Löwen zum Lamm, denn etwas merkwürdig erscheint es ja schon, wenn zuerst vom Löwen die Rede ist, dann aber ein Lamm, wie geschlachtet, auftaucht.
Wir beten im Abendmahl Jesus an als das Lamm Gottes, so wie Johannes der Täufer auf Jesus hinweist: „Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ (Joh 1, 29)
Dieses Lamm, das sich ganz dem Willen Gottes hingegeben hat, ist allein würdig, das Buch zu nehmen und die Siegel zu brechen. Denn trotz seiner scheinbaren Schwachheit ist dieses Lamm einzig in der Lage, die Geheimnisse der menschlichen Geschichte zu offenbaren. Denn das Urteil Gottes, das über die ganze Menschheit gefällt werden müsste, wurde von diesem Lamm aufgenommen, gewissermaßen aufgehoben im doppelten Sinn des Wortes. Es wurde auf Jesus gelegt und verliert somit seinen Schrecken für die Menschheit.
In unserem Urlaub waren wir in der Bretagne, ganz am westlichen Ende Frankreichs. Eine Menge der Kirchen dort haben wir uns angeschaut.
Wenn man die Kirchengebäude von außen betrachtet, bekommt man den Eindruck, dass sie aus der Erde gewachsen oder zumindest mit der Erde verwachsen sind. Dieser Eindruck entsteht durch die Flechten, die sich auf dem Gemäuer der meisten Kirchen ausgebreitet haben. Die Landschaft hat sich gewissermaßen die Kirchen einverleibt, ist mit ihnen eine Symbiose eingegangen. Das alleine hat mich schon tief beeindruckt, und man könnte es als Symbol dafür nehmen, wie eng die irdische Geschichte der Menschen mit dem Willen Gottes verwoben ist.
Anders scheint es beim Gottesdienstbesuch zu sein: die Gemeinde, die sich da versammelt, ist klein, nur wenige finden Sonntags den Weg in die Kirche. In vielen der meist katholischen Kirchen findet der Gottesdienst auch nur einmal in der Woche oder sogar seltener statt, im Gegensatz zu früher, wo es in jeder Kirche auch Gottesdienste in der Woche gab.
Unter den Kirchen, die wir besuchten, war eine in Locronan, an deren Altar das Buch mit den sieben Siegeln abgebildet ist. Auf diesem Buch liegt ein Kreuz, und auf dem Kreuz wiederum liegt ein Lamm. Darüber schweben zwei kleine Putten.
An dieses Bild musste ich denken, als ich mir den Predigttext vornahm, und habe versucht, in dem Bild wieder zu erkennen, was wir eben gehört haben.
Aber so richtig will mir das nicht gelingen. Denn das Lamm ruht förmlich auf dem Buch, es sieht aus, als ob es schlafe, obwohl seine Augen geöffnet sind. Es wird nicht aktiv, sondern es erweckt eher den Eindruck, als wolle es das Buch bewachen. Kein Siegel ist gebrochen. Zwar hat das Lamm das Buch an sich genommen, aber mehr eben auch nicht.
Nun sind Kirchen ja keine Touristenziele, sondern Orte des Gebetes und des Gottesdienstes.
Und in diesem Zusammenhang hat dieses Bild eine klare Funktion: es bringt den Himmel, genauer: es bringt diese Himmelsvision des Johannes zu den im Gottesdienst versammelten Menschen.
Wir erinnern uns, dass, als das Lamm das Buch nahm, die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten niederfielen und ein neues Lied sangen: „Du bist würdig zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht.“ (Offb 5, 9.10)
Und dazu stimmt der Chor der Engel ein, viel tausendmal tausend: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“ (Offb 5, 12)
In diesen Lobgesang des Lammes stimmt die Gemeinde mit ein, jedesmal, wenn sie Gottesdienst feiert. Deswegen ist der Gottesdienst so wichtig, so zentral im Leben einer Gemeinde: er nimmt vorweg, was kommen wird, er stellt die Verbindung her zwischen Himmel und Erde.
Der Gottesdienst ist Symbol für das „Schon-Jetzt“ und das „Noch-Nicht“, in dem sich die christliche Gemeinde befindet. Wir sind noch fest verwurzelt in der menschlichen Geschichte und können das Ganze nicht erkennen, und doch haben wir schon Teil an der Herrlichkeit Gottes, indem wir einstimmen in den himmlischen Lobgesang.
So führt uns der Predigttext letztlich zu dem, was wir heute feiern: Dem Fest der Auferstehung, an dem wir den Sieg über den Tod feiern und uns immer wieder schmerzlich bewusst wird, wie schwer es ist, den Blick auf das Reich Gottes, zu dem wir durch die Taufe schon gehören, zu richten und vor allem gerichtet zu halten. Denn es ist leichter, sich von den Sorgen dieser Welt und ihren Grenzen vereinnahmen zu lassen, als die Freiheit anzunehmen, zu der uns Christus berufen hat. Wir erwarten darum die Erfüllung aller Verheißung und bitten mit den Worten, mit denen das Buch der Offenbarung und damit die gesamte Bibel abschließt:
Ja, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22, 20)
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100 - Wochenlied!)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 107)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)
Gott, aller Schöpfung heilger Herr (EG 142)
Großer Gott, wir loben dich (EG 331)

Predigtvorschläge zu Reihe VI - 1. Kor 15, 50-58

Liebe Gemeinde!
Wenn man auf dem Weg ist, ist es gut, einen Weggefährten zu haben. Man kann sich einander Dinge erzählen, und wenn man sich noch nicht so gut kennt, auch einfach besser kennenlernen. Der Weg wird kürzer in Gesellschaft, weil man die Bewegung kaum wahrnimmt. Die Unterhaltung lenkt einen ab, unter ihr zerrinnt gewissermaßen der Weg. Und dann ist man plötzlich schon am Ziel.
Andererseits ist natürlich auch der Weg, den man alleine geht, interessant und kurzweilig. Es kommt immer darauf an, welches Ziel man hat, und manchmal ist der Weg das Ziel. Wenn es so ist, dann macht man sich besser allein auf den Weg, weil man dann auch selbst bestimmen kann, wann man innehalten möchte, um einen bestimmten Augenblick, der wichtig geworden ist, festzuhalten.
Nun haben wir gerade die Erzählung von den sogenannten „Emmaus-Jüngern“ gehört, die uns nur vom Evangelisten Lukas überliefert wird. Es ist eine Geschichte des Weges. Und das kann man sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn verstehen.
Im wörtlichen Sinn ist es offensichtlich: sie sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Im übertragenen Sinn kann man vom Lebensweg sprechen, auf dem uns Gott begegnet und es nun darauf ankommt, ob wir ihn erkennen oder nicht.
Mich rührt diese Erzählung jedesmal an, wenn ich sie höre. Es regen sich Fragen, die ich bis heute nicht beantworten kann. Aber ich kann Deutungen versuchen, und das will ich auch tun.
Zunächst einmal fällt mir auf, dass nur einer der beiden Jünger einen Namen trägt. Das ist deswegen von Bedeutung, weil die Evangelisten sonst schon Wert auf die Nennung von Namen legen, wenn sich etwas Besonderes ereignet und bekannte Personen involviert sind.
Und das hier ist natürlich etwas ganz Besonderes! Die beiden gehören ja immerhin zu den ersten Zeugen der Auferstehung!
Dass nun nur einer von beiden mit Namen genannt wird, lässt vermuten, dass es auch nur einer von ihnen zu Ruhm gebracht hatte in der frühen Christengemeinde.
Was ist wohl aus dem zweiten geworden? Ist er vielleicht vom Glauben abgefallen? Oder hatte er sich einer Sekte angeschlossen? Oder war er ein Kollaborateur oder Spion? Oder war es vielleicht Lukas selbst, der sich nur nicht zu erkennen geben will? Das würde vielleicht erklären, warum wir die Geschichte nur im Evangelium des Lukas finden. Aber nach aller Kenntnis dürfte er es wohl nicht sein, denn Lukas beschreibt am Anfang des Evangeliums, dass er die über Jesus überlieferten Geschichten zusammengetragen hat. Es gibt da keinen Hinweis darauf, dass er jemals Jesus selbst begegnet wäre.
Über Kleopas erfahren wir sonst nichts. Johannes erwähnt einen Klopas, aber ob das derselbe ist, bleibt offen, denn es ist sonst nichts über ihn überliefert. Man weiß nur, dass Kleopas und Klopas zwei verschiedene Schreibweisen des gleichen Namens sein können.
Nun, das sind alles Spekulationen, aber vielleicht doch interessante Gedankenanstöße. Eigentlich steht aber nur eines fest: die beiden gehören nicht zu den elf Jüngern des engsten Kreises, denn am Ende wird davon erzählt, dass sie den Elf von ihrem Erlebnis berichten. Sie dürften aber zu dem Kreis der größeren Jüngerschar gehört haben.
Lukas berichtet davon, dass Jesus 72 weitere Jünger einsetzte (Lk 10, 1); vielleicht gehörten die beiden zu dieser Schar.
Nun sind also diese beiden auf dem Weg, und offenbar ist es der Nachhauseweg, denn am Ende erleben wir sie ja, wie sie in Emmaus Jesus ins Haus bitten. Das geht wohl nur, wenn es ihr Zuhause ist. Also sind es Geschwister? Diese Vermutung liegt nahe. Vielleicht sind sie aber auch nur etwas entfernter miteinander verwandt. Auch dann wäre es möglich, dass sie unter dem gleichen Dach ihr Zuhause haben.
Sie gehen also ihren Weg. Es ist ein Weg, der ihnen vertraut ist. Wer in Emmaus lebt, geht öfter nach Jerusalem, denn es ist zu Fuß nur etwa eine halbe Tagesreise. Das war für die Menschen damals kein großes Ding, man bewegte sich ja in der Regel zu Fuß fort. In Jerusalem war das Feiern der großen Feste etwas Besonderes, ganz anders, als wenn man zu Hause wäre. Alleine das wird sie oft diesen Weg geführt haben. Und dann sind sie irgendwann auf Jesus gestoßen. Vielleicht auf diesem Weg, vielleicht auch in Jerusalem, vielleicht erst wenige Tage vor seiner Kreuzigung, vielleicht aber auch schon damals, als er die 72 einsetzte. Denn das geschah, als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war.
Welches Ereignis dazu geführt hatte, dass sie zu den Jüngern gezählt werden, bleibt uns aber letztlich verschlossen. Sie dürften aber einen engen Kontakt zu den Aposteln gehabt haben, denn sie kehrten ja nach der Begegnung mit Jesus gleich zu den Aposteln zurück, um ihnen davon zu erzählen – also mussten sie wissen, wo sie sich aufhielten, und das geht ja nur, wenn sie vorher schon bei ihnen waren.
Damit der Weg nicht lang wird, tauschen sie sich über die letzten Ereignisse aus: Die letzten Reden Jesu vom Ende Jerusalems und der Zerstörung des Tempels, die Tempelreinigung, die plötzliche Gefangennahme (auch wenn sie vermutlich nicht dabei waren, so hatten sie doch sicher durch die Elf davon gehört) und schließlich die Kreuzigung. Ja, und dann das leere Grab – auch von diesem Ereignis hatten sie erfahren, wie sie ja wenig später selbst berichten...
Das ist reichlich Gesprächsstoff. Es ist aber vor allem Enttäuschung, die sie da bei ihrem Gespräch bewegt haben dürfte. Denn alle Hoffnungen waren zerstört: Jesus war nicht der Messias, weder der politische noch der geistliche. Er hatte keine Revolution ausgelöst, und er hatte auch die religiöse Praxis nicht reformieren können. Er war tot.
Die Nachricht vom leeren Grab, die sie noch gehört hatten, bevor sie sich auf den Heimweg machten, war eher verstörend gewesen als hoffnungsvoll. Wer wusste schon, was dahinter steckte. Es hatte ihnen allen Angst gemacht, denn höchstwahrscheinlich steckten ja jene dahinter, die mit aller Macht versuchen wollten, dem Ganzen ein Ende zu setzen und Jesus ein für allemal aus dem Gedächtnis der Menschen zu tilgen. Auch darum hatten sie sich auf den Weg nach Emmaus gemacht, denn so waren sie deren Zugriff entzogen.
Und da kommt ein Mann und gesellt sich zu ihnen. Es ist Jesus. Aber sie wissen es nicht. „Ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.“ (Lk 24, 16)
Es lag also nicht an ihnen, dass sie ihn nicht erkannten, sondern Gott verschloss gewissermaßen ihre Augen. Konnte das sein? Sie kannten doch seine Stimme, und sie wussten, wie er aussah. Sicher haben sie ihn doch angeschaut, und ihm zugehört haben sie auf jeden Fall, denn davon wird uns ja berichtet. Das Vertraute, das ihnen kurz zuvor noch Hoffnung gegeben hatte, war jetzt aber nicht mehr da.
Denn sie wussten es anders. Die mit der Vernunft fassbare Wahrheit stand ihnen gewissermaßen im Weg. Jesus konnte gar nicht da sein, denn er war ja am Kreuz gestorben. Selbst wenn der Fremde, der sich da zu ihnen gesellt hatte, eine frappierende Ähnlichkeit mit Jesus hatte, konnte er es doch nicht sein.
Kennen wir das nicht auch? Weil wir etwas für unmöglich halten, kann es auch nicht sein. Und wenn es dann doch da ist, nehmen wir es nicht wahr.
So mag es vielen Menschen mit Gott gehen. Sie halten seine Existenz für wenigstens unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich. Und darum können sie ihn auch nicht wahrnehmen, obwohl er präsent ist und auch in ihr Leben auf seine Weise hinein wirkt.
Jesus gibt sich aber auch nicht zu erkennen. Er sagt nicht: 'Ich bin's, erkennt ihr mich denn nicht?' Sondern er tut auch noch so, als ob er's nicht wäre. 'Was ist passiert?', fragt er, so als sei er ahnungslos und wüsste nichts von dem, was geschehen war.
Er will es aus ihrem Mund hören. Den ersten Schritt müssen sie machen, damit ihre Augen wieder aufgetan werden können. Aber dann steht als nächster Schritt nicht seine Offenbarung als der Auferstandene an, sondern die Erklärung, warum das alles geschehen musste.
Es ist ein Weg, auf dem sie sich befinden und auf dem man nun mal nicht gleich alles auf einmal sehen kann.
Die Erklärung, die sie für die vergangenen Ereignisse erhalten, hat nichts mit logischen Gründen zu tun, denn damit käme man sicher nicht sehr weit. Jesus zitiert die Schriften des Bundes, er zieht die Propheten heran, und er zeigt dabei eine ausgesprochene Schriftkenntnis, die sie an ihm zu seinen Lebzeiten sicher auch schon feststellen konnten. Vielleicht hätten sie ihn daran erkennen können. Aber ihre Augen bleiben geschlossen.
Dennoch haben seine Worte ihren Gemütszustand verwandelt. Sie sind nun nicht mehr enttäuscht, sondern es rührt sich wieder Hoffnung in ihnen, und die Angst ist von ihnen gewichen.
Bleibe bei uns,
denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneigt.
“ (Lk 24, 29)
Es klingt fast wie die Poesie eines Psalms, wo in zwei Zeilen das gleiche auf verschiedene Weise gesagt wird:
Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand,
und auf Tröster, aber ich finde keine.
(Ps 69, 21b)
oder:
Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse uns sein Antlitz leuchten.
(Ps 67, 2)
Es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.
Es ist auch eine Frage der Gastfreundschaft. Der Fremde hatte ihnen neue Hoffnung gegeben, nun wäre es unhöflich gewesen, sich an der Haustür von ihm zu verabschieden und ihn ohne ein Essen weiter ziehen zu lassen. Sie wussten ja auch nicht, ob er in Emmaus wohnte oder vielleicht noch einen längeren Weg vor sich hatte, etwa nach Lydda oder Joppe.
Vielleicht hatte er es erwähnt, aber die Unterhaltung hatte sich ja doch auf das konzentriert, was sich mit Jesus ereignet hatte dort in Jerusalem.
Der Tag hat sich geneigt. Das Licht verlischt. Der Morgen der Auferstehung steht zu dieser Stunde des geneigten Tages in starkem Kontrast, denn es ist die Stunde der Grablegung. Ob das eine Bedeutung hat?
Wenn sie ihn hätten gehen lassen, wäre er für sie wohl tatsächlich gestorben gewesen, ein für allemal begraben.
Aber das ging nicht. Denn da war etwas, was sich nicht beschreiben ließ, ihnen aber dennoch das Gefühl gab, dass da noch etwas kommen könnte. Und so baten sie ihn herein. Die Hoffnung trieb sie. Wenigstens etwas zu essen wollten sie ihm geben.
Nach der Gewohnheit baten sie den Gast, das Brot zu teilen. Und das tat er – gerade so, wie er es damals beim Abendmahl getan hatte. Ob sie auch dabei waren? Das kann eigentlich nicht sein, denn die Schar, die sich mit Jesus zum Abendmahl zusammenfindet, besteht nur aus den Aposteln, so berichtet es uns Lukas wenigstens (Lk 22, 14).
Es kann also nicht ein plötzliches Erinnern sein, sondern es ist Gott selbst, der ihnen plötzlich die Augen öffnete (Lk 24, 31).
Und genau in diesem Moment verschwindet er vor ihren Augen. Ist das nicht grausam? Da, wo sie ihn erkennen, wo sie endlich wissen, dass der Herr bei ihnen ist, verabschiedet er sich. Aber genügt das nicht? Wer den Herrn erkennt, hat doch alles, was nötig ist. Zwar möchten wir uns gerne in seiner Gegenwart sonnen, aber im Grunde können wir das ja in jeder Sekunde unseres Lebens. Denn Gott ist da, daran besteht kein Zweifel.
Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ (Lk 24, 32)
Brannte nicht unser Herz... Das Feuer der Liebe, der Hoffnung, der Sehnsucht – es brannte, es loderte in ihnen, und sie hatten ihn doch nicht erkannt.
Ja, so geht es uns wohl oft. Unser Herz brennt, und wir merken nicht, dass Gott am Werk ist.
Ich nehme aus der Geschichte drei Dinge mit:
1. Die Hoffnung nicht aufgeben
Die Emmaus-Jünger waren hoffnungslos und voller Angst. Aber dazu gab es keinen Grund. Denn alles, was da geschehen war, musste so geschehen. (Lk 24, 26)
Gottes Plan ist ein anderer als der unsere. Gott handelt auf seine Weise. Und darum gibt es keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben, auch dann nicht, wenn alles hoffnungslos zu sein scheint. Gottes Plan ist vollkommen.
2. Im Kontakt bleiben
Es ist gut, immer wieder die Bibel aufzuschlagen und darin zu lesen. Denn Gott redet durch sein Wort zu uns.
Es ist gut, immer wieder den Gottesdienst zu besuchen und in der Gemeinschaft mit anderen Christen Gott zu loben, auf sein Wort zu hören und zu ihm zu beten.
Es ist gut, mit anderen Christen Gemeinschaft zu haben und sich über seine Erfahrungen mit Gott auszutauschen. Denn so geben wir Gott die Möglichkeit, uns gewissermaßen zu erklären, warum die Dinge nicht so geschehen, wie wir es uns vorgestellt haben.
3. Auf mein Herz hören
Unser Herz sieht manchmal besser, als unsere Augen es je könnten. Aber wir verlassen uns meist nur auf das, was wir mit unseren eigenen Augen sehen können. Wir sollten mehr auf unser Herz achten, denn damit sehen wir das, was unsere Augen nicht sehen können. Wir sehen Gott am Werk. Und das gibt uns Kraft und Hoffnung und Zuversicht.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Frühmorgens, da die Sonn aufgeht (EG 111)
O Tod, wo ist dein Stachel nun (EG 113)
Singen wir heit mit einem Mund (EG 104)
Jesus, meine Zuversicht (EG 526)
Der Herr ist auferstanden (KHW-EG 548)