das Kirchenjahr

Quasimodogeniti

Die neue Geburt

Predigtanregung

Der Name des Sonntags Quasimodogeniti leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite. (1. Petr 2, 2; deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch).
Der Sonntag Quasimodogeniti, der auch „Weißer Sonntag” genannt wird, erinnert uns an die neue Geburt, die wir „durch Wasser und Geist” erfahren, d.h. den Anfang eines neuen Lebens in Christus, nach unserer physischen Geburt. Die Perikopen haben aber, mit Ausnahme der Epistellesungen, nur wenig damit zu tun. Die Evangelien erzählen weiter von dem Geschehen nach Ostern.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - Joh 21, 1-14

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriß doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, dass es der Herr war. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Das Kapitel 21 des Johannes-Evangeliums erscheint wie ein Anhang, nachdem das Evangelium in den Versen 30 und 31 des 20. Kapitels eigentlich einen würdigen Abschluß gefunden hat.
Die Geschichte ist wohlbekannt: Nachdem Simon Petrus und seine Gefährten die ganze Nacht hindurch nichts gefangen haben, beweist sich Jesus nochmals mit einem Wunder. Eigentlich ist dieser erneute Beweis völlig überflüssig, denn Jesu leibhaftige Gegenwart wiegt doch viel schwerer also ein so banales Wunder, das man auch noch u.U. auf Zufall zurückführen könnte.
Es gibt dennoch einige interessante Elemente. Zunächst fragt Jesus, ob sie etwas zu essen hätten. Sollte er hungrig sein? Wohl kaum. Es ist wahrscheinlicher, dass hier erneut die Sorge um seine "Kinder", seine Nachfolger, zum Vorschein kommt. Er fragt, ob sie Essen für sich haben, und da sie es verneinen, verhilft er ihnen zu einem guten Fang. Damit wird die Fürsorge Gottes für seine Jünger deutlich. Wichtig ist, dass die Jünger hier nicht widersprechen in Besserwisserei, sondern schlicht und einfach tun, was ihnen gesagt wird. Es könnte sein, dass sie schlicht einer "Eingebung" folgten.
Auch die Reaktion des Petrus auf die Erkenntnis, dass es sich um Jesus handelt, ist beachtenswert. Er benimmt sich wie ein kleiner Junge, springt vom Boot ins Wasser, um schnell zu Jesus zu gelangen. Das macht Petrus, den Fels, auf dem die Kirche stehen soll, sehr menschlich, und ergänzt das Bild, das man von ihm bekommen musste, nachdem er Jesus verleugnet hatte.
Weiter ist die Zahl 153 interessant. Dass dies viele Fische wären, kann man wohl kaum sagen, es sei denn, jeder Fisch brächte mehr als 1 kg auf die Waage; dann wäre das Gesamtgewicht schon beachtlich. Gezählt hatte die Fische wohl auch keiner, so dass hier von einer Symbolzahl ausgegangen werden darf. Darüber zu spekulieren, wäre aber in einer Predigt wohl kaum angemessen. Wichtig ist gewiß die nachfolgende Aussage, dass das Netz nicht zerriss, obwohl es so viele waren. Vielleicht ein Hinweis auf die Menschenfischerei, die bald beginnen sollte?
Schließlich ist noch bemerkenswert, dass Jesus schon ein Feuer gemacht hat und darauf Fische und Brot zubereitet. Wo er die Fische her hat, wird nicht erwähnt, sie sind einfach da, so wie die Brote. Hätten die Jünger gar nicht fischen brauchen? Hatte Jesus schon das Essen für sie bereit? Wäre es denkbar, dass anstelle der Geschichte vom Fischfang es ursprünglich nur einfach so war, dass Jesus sie ans Ufer rief und ihnen ein Mahl bereitete, nachdem er feststellen musste, dass sie nichts gefangen hatten? (Das NT-Graece läßt einen solchen Schluß textkritisch wohl kaum zu)
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist schwer zu erkennen. Da dieser Sonntag sein Thema von der Antiphon und der Epistel her bekommen hat, ist die Einordnung zumindest problematisch, denn der Text hat mit einer "neuen Geburt" oder Wiedergeburt scheinbar nichts zu tun. Man könnte versuchen, einen Bezug zu Petrus Verhalten herzustellen, der ja plötzlich bei der Erkenntnis der Gegenwart des Herrn sich wie ein kleines Kind benimmt und unbedacht ins Wasser springt. Vielleicht ist aber das Element der Fürsorge Gottes in diesem Text wichtiger. Durch die Frage "Habt ihr nichts zu essen?" und die Tatsache, dass Jesus dann Essen für sie bereitet, kann man eine Parallele ziehen: Jesus kümmert sich wie Eltern um ihre Kinder, er sorgt für sie, dass sie zu essen haben usw.

Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus Christus, unser Heiland (EG 102)
Christ lag in Todesbanden (EG 101)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
O Tod, wo ist dein Stachel nun? (EG 113)
Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
Der schöne Ostertag (EG 117)
In dir ist Freude (EG 398)
Gott des Himmels und der Erden (EG 445)



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