das Kirchenjahr

Quasimodogeniti

Die neue Geburt

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe I - 1. Petr 1, 3-9

Liebe Gemeinde!
Gott gebe euch viel Gnade und Frieden – dieser Gruß mag einem etwas merkwürdig vorkommen – vor allem das mit der „vielen Gnade“. Mir allerdings tut er erst einmal richtig gut.
Gott gebe euch viel Gnade und Frieden. Die viele Gnade stelle ich mir vor wie ein Sonnenbad. Die wärmenden Strahlen der Sonne, die mich umgeben und alles hell machen. Und davon eben ganz viel, nicht nur eben mal zwischen zwei Wolken; so viel, dass es auch keinen Schatten gibt.
Was aus diesem Sonnenbad folgt, ist ein ungeheures Wohlgefühl. Alles Schwere fällt von einem ab. Denn Gnade – und davon ganz viel – bedeutet ja, dass alles weggenommen wird, was uns von der Liebe Gottes trennt. Gott nimmt es von uns.
So also könnte man sich das vorstellen mit der vielen Gnade, die uns Petrus da wünscht. Und dazu Frieden.
Es ist merkwürdig und bedauernswert, dass sich der Friedensgruß bei uns nie eingebürgert hat. Salam aleikum, so begrüßen sich Muslime: Friede sei mit dir. Wünschen wir uns keinen Frieden? Müssen wir uns allem und jedem immer erst mit einer Portion Argwohn nähern?
Zumindest die Briefeschreiber des Neuen Testaments sahen das anders und wünschten den Empfängern immer auch Frieden. Und Jesus tat es auch – immer, wenn er seine Jüngerinnen und Jünger aufsuchte, sagte er erst diese Worte: Friede sei mit euch.
Von der Kanzel gibt es auch einen Friedensgruß, und wenn wir das Abendmahl feiern, ebenfalls – dann allerdings recht ritualisiert. Immerhin – wenn wir es mit dem Herzen einander wünschen, dann hat auch der ritualisierte Friedensgruß seinen Zweck erfüllt.
Gott gebe euch viel Gnade und Frieden – wollen wir uns auf diesen Wunsch einlassen, wollen wir uns darauf einlassen, dass Gott bereit ist, beides zu geben: Gnade und Frieden.
Dann können wir auch weitergehen und als jene, die Gnade und Frieden von Gott empfangen, unser Dasein als Christen in dieser Welt betrachten.
Wiedergeboren sind wir, sagt Petrus, daran besteht kein Zweifel, durch die Auferstehung Jesu Christi. Das ist ganz so, wie es Paulus formulierte, dass, wenn durch einen Menschen, nämlich Adam, alle Menschen den Tod erleiden müssen, so auch alle durch einen Menschen, nämlich Jesus, auferstehen werden.
Aber diese Auferstehung wird schon jetzt erfahrbar, wir haben Teil an ihr. Wir sind Wiedergeborene, in dem Sinn auch Auferstandene, und zwar durch die Taufe, durch die wir geboren werden in ein neues Leben, das sich nun auch in irgendeiner Weise zeigen wird.
Und dieses neue Leben, zu dem wir wiedergeboren sind, eröffnet uns Einzigartiges.
Petrus beschreibt es nur vage: zu einer lebendigen Hoffnung sind wir wiedergeboren, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für uns.
Eine lebendige Hoffnung - anders als eine tote Hoffnung, die letztlich zu nichts führt, weil sie auf etwas hofft, das es nicht gibt, ist die Hoffnung, die zum Leben führt. Es ist das Leben, das den Tod nicht fürchtet, das vielmehr in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten seinen Ursprung hat und darum auch nicht vergehen kann.
Es ist ein unvergängliches, unbeflecktes, unverwelkliches Erbe, das uns erwartet im Himmel, wobei wir immer daran denken sollen, dass, wenn von Himmel geredet wird, nicht der Himmel über uns gemeint ist, sondern das Reich Gottes.
Dieses Erbe wird für uns aufbewahrt, es ist dort, bei Gott, sicher aufgehoben nur für uns – deswegen auch redet Petrus von der lebendigen Hoffnung, weil er ganz sicher weiß, dass es daran keinen Zweifel gibt: das Erbe ist da, es erwartet uns, denn Gott bewahrt es für uns auf und nicht irgendein Bankmanager.
Man hat immer dazu geneigt - und die Vorstellung legt es ja auch nahe - diese Erwartung, diese lebendige Hoffnung auf das Leben nach dem Tod zu projizieren. Mit anderen Worten: in diesem Leben habt ihr keine Chance, davon etwas abzubekommen. Ihr bekommt es erst, wenn ihr gestorben seid.
Es scheint auch, dass Petrus selbst diesen Gedanken unterstützt, wenn er die Offenbarung dieses Erbes und der Seligkeit, zu der wir bewahrt werden, erst für „die letzte Zeit“ in Aussicht stellt.
Aber was wäre das für eine Hoffnung, die mit dem Tod rechnen muss, um erfüllt zu werden?
Es ist doch eine lebendige Hoffnung, die wir haben, eine Hoffnung, die vom Tod nichts wissen will und auch nichts wissen muss. Also kann ihre Erfüllung nicht jenseits des Todes liegen, die Bedingung für die Hoffnung kann nicht der Tod sein. Sie ist schon jetzt, in diesem Leben; wir haben schon jetzt Teil daran an dem unvergänglichen, unbefleckten Erbe.
Denn wir sind ja Wiedergeborene; wir leben, auch wenn wir sterben, denn Christus ist die Auferstehung und das Leben. Daran glauben wir, daran halten wir fest, das ist unser Erbe. Ein lebendiges Erbe, wenn man so will, so, wie unsere Hoffnung lebendig ist.
Der Tod ist nicht mehr, er hat nichts zu sagen. Er hat seine Grenze erreicht, ein für alle Mal.
Nun gibt es aber dennoch das Leben, das vom Tod gezeichnet ist. Er lässt sich nicht gänzlich ausblenden, wir können auch nicht so deutlich wahrnehmen, wie das Reich Gottes in unser Leben hineinreicht, wie wir es uns wohl wünschen würden.
Petrus weiß davon. Ihr seid traurig für eine kleine Zeit in mancherlei Anfechtungen, sagt er. Das ist unsere Zeit. Genauer: das ist irdische Zeit, an den Tod gebundene Zeit.
Da gibt es natürlich auch Grund zur Trauer, denn wir erleben ja, wie tote Hoffnung das Leben vieler Menschen zerstört, manchmal auch in unserem eigenen, persönlichen Umfeld. Da ist die Hoffnung auf schnellen Gewinn durch Spekulationen an der Börse, die Hoffnung auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz, auch die Hoffnung auf einen billigen Einkauf, die Hoffnung, der Krebserkrankung noch ein Schnippchen zu schlagen, die Hoffnung, lange zu leben, um dies oder jenes nicht zu verpassen – in all dem und vielem mehr steckt die Macht des Todes noch drin. Solche Hoffnung führt zum Tod, denn sie kennt nur das Hier und Jetzt, von dem sie sich alles erhofft; sie will vom Reich Gottes nichts wissen, genauso wenig wie von der Auferstehung, die uns zur Wiedergeburt geführt hat.
Solche Erkenntnis kann auch uns unsere lebendige Hoffnung nehmen, zumal wir ja nichts von all dem, was Petrus uns da beschreibt, wirklich sehen können. Darum neigen wir ja auch dazu, uns in dieser Welt abzusichern, indem wir Schätze sammeln, die unseren Fortbestand hier garantieren – wenigstens bis zum Tod, aber eben: nur bis zum Tod.
Diese Schätze sind vergänglich, während wir schon in uns einen unvergänglichen Schatz haben, nämlich unseren Glauben. Petrus beschreibt ihn als viel kostbarer als vergängliches Gold, und das ist er auch. Denn der Glaube gibt uns Kraft durch die finstersten Zeiten hindurch, auch dann, wenn alle Schätze dieser Welt versagt haben. Er gibt uns Kraft, Hoffnung und Mut in Krankheit, in Ausweglosigkeit, auch in der Stunde des Todes.
Was wir jetzt nicht sehen können, das glauben wir. Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht, hat der Schreiber des Hebräerbriefes formuliert (Hebr 11, 1). Und darum ist der Glaube mehr wert als alles Gold und Silber, alle Aktien und sonst aller Reichtum dieser Welt, weil er bereits das Erbe, das Gott für uns aufbewahrt, in Händen halten kann, weil es für den Glauben sichtbar wird.
Von der letzten Zeit redet Petrus, die letzte Zeit, in der das, was unsere lebendige Hoffnung begründet, offenbar werden wird. Ich frage nun: wann ist denn die letzte Zeit, wenn nicht jetzt?
Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen, hat Jesus gesagt. Er ist dann noch weiter gegangen: es ist mitten unter uns. Wir können es greifen, wenn schon nicht mit unseren Händen, dann aber doch wenigstens mit unserem Glauben.
Es ist da, und damit der Grund zur lebendigen Hoffnung, die den Tod nicht kennt. Die letzte Zeit ist angebrochen, der Schritt in das Reich Gottes, der Schritt zur Ewigkeit ist kein großer Schritt mehr. Denn wir haben bereits einen Fuß drin.
Wir sind wer, habe ich am Ostermontag gesagt, und dieser Faden wird hier noch einmal aufgenommen: Wir sind Wiedergeborene, wiedergeboren zum Leben.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Christ ist erstanden (EG 99)
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)
Jesus Christus, unser Heiland (EG 102 - Wochenlied!)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
Nun saget Dank und lobt (EG 294)
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
Gib dich zufrieden und sei stille (EG 371)
Ich steh in meines Herren Hand (EG 374)
Einer ist unser Leben (KHW-EG 552)

Predigtvorschläge zu Reihe II - Jes 40, 26-31

Liebe Gemeinde!
Hebt eure Augen in die Höhe und seht – da werde ich gleich etwas kribbelig. Kann man das so sagen? Wohin soll der Blick denn konkret wandern? In den Himmel? Was sollen wir da denn sehen?Haben wir nicht gelernt, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist?
Oder geht es hier viel mehr um die Heiligtümer und Opferstätten, die es all die Jahre, als das Volk Israel im Land Kanaan noch frei war und unabhängig lebte, auf den Bergkuppen gab, obwohl Gott nur einen Ort, Jerusalem, auserwählt hatte, an dem er seinem Volk in besonderer Weise begegnen wollte und wo alleine Opfer dargebracht werden konnten?
Immerhin lebte man im Babylonischen Land – Israel war nicht mehr unabhängig, die Oberschicht war deportiert worden, und nun musste man unter Heiden leben, die ihre Heiligtümer nahezu an jeder Ecke – oder besser: auf jeder Bergkuppe – errichtet hatten und dort ihre Opfer, allen voran dem Marduk, darbrachten.
Aber warum sollte das Volk auf diese Heiligtümer schauen?
Oder meint der Prophet die Vögel am Himmel, die ihre Bahnen ziehen, die in Schwärmen umherfliegen, die die Schwerkraft auf wunderbare Weise überwinden und darum Gott näher zu sein scheinen, als ein Mensch je sein könnte?
„Wer hat dies geschaffen?“, fragt der Prophet und hilft uns damit schon etwas weiter. Wenn wir unsere Augen erheben, wenn wir in die Höhe schauen, dann sind die Geschöpfe, die wir sehen, doch wohl die Vögel, die dort so unbeschwert umherfliegen.
„Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.“ Man kann die Schwärme förmlich am Himmel fliegen sehen!
Bei solchen Worten denken wir unweigerlich an Worte Jesu aus der Bergpredigt, wo er uns dazu ermutigt, alle Sorge fallen zu lassen, weil ja auch die Vögel am Himmel, die weder säen noch ernten, von ihrem himmlischen Vater ernährt werden. (Mt 6, 26) Dabei sind sie viel weniger wert als wir Menschen: Für einen Groschen kann man zwei Sperlinge kaufen, und nicht einer von ihnen fällt vom Himmel ohne den Willen des himmlischen Vaters. Darum fällt auch keines unserer Haare auf die Erde, ohne dass Gott davon wüsste – so wichtig sind wir unserem Gott. (Mt 10, 29f)
Der Mensch wird mit der übrigen Schöpfung verglichen, und in diesem Vergleich wird deutlich: Zwar kümmert sich Gott um alle seine Geschöpfe, aber am meisten kümmert er sich doch um den Menschen, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, und noch wichtiger ist ihm natürlich das Volk, das er sich zu seinem Erbteil auserwählt hatte.
Was soll da noch das Zweifeln? Es mag zwar Zeiten geben – so wie jene Zeit in der Gefangenschaft in Babylonien – wo man das Gefühl hat, dass Gott einen vergessen hätte. Und es mag sogar Zeiten geben, in denen man Gottes Existenz in Frage stellt, weil er so wenig – oder so gar nicht – sichtbar ist, weil er überhaupt nicht für das eintritt, was er andererseits von uns erwartet, weil er die Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse in gleicher Weise.
Aber, so mahnt der Prophet, Gott vergisst uns nicht, und er ist auch nicht teilnahmslos. Nur: Wer sind wir, dass wir Gottes Handeln oder seine Existenz in Frage stellen?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
In diesen Worten liegt die Antwort. Gottes Macht kennt keine Grenzen. Er ist, er wirkt und webt, er setzt seinen Plan um, nur dass wir mit unserer ach so begrenzten Vorstellungskraft noch nicht einmal ahnen können, wie sich das alles entwickeln wird. Wie können wir uns da anmaßen, zu wissen, wie Gott handeln wird?
Seit den Worten des Propheten sind rd. 2550 Jahre vergangen, und das Volk Israel hat wieder Heimat gefunden, kann selbstbestimmt seine Geschicke lenken, wobei das allerdings auch nicht immer so geschieht, wie wir es uns gerne wünschen würden, denn der Konflikt mit den Palästinensern scheint sich unendlich fort zu entwickeln.
Aber noch einmal: können wir über den Willen Gottes bestimmen? Können wir sagen, was geschehen soll und wie es zum Frieden zwischen den Völkern kommen kann? Woher sollen wir wissen, welchen Weg Gott für die Menschheit vorgesehen hat?
Sicher sollen wir alles tun, was in unserer Macht steht, damit Menschenrechte geachtet werden und alle Menschen in Frieden miteinander leben können, denn das ist es ja, wozu wir durch Jesus Christus aufgefordert sind.
Aber wir können den Plan nicht wissen, den Gott gefasst hat, und darum müssen wir offen bleiben für das Unerwartete. Wir wissen nur eins: das Ziel Gottes ist die Versöhnung der Menschen untereinander und vor allem mit Gott. Darum ist ja Jesus Christus gestorben, damit dieses Ziel endlich Wirklichkeit werden kann. Aber wie es dazu kommt, und wie lang der Weg dahin noch ist: wir wissen es nicht, das liegt in Gottes Hand.
Doch deswegen dürfen wir nun auch nicht daher gehen und sagen: wenn sowieso alles in Gottes Hand liegt, können wir doch einfach abwarten und unser Leben so leben, wie wir es gewohnt sind. Wenn wir das täten, würden wir ja auch den Willen Gottes missachten, der auf vielfältige Weise bekannt gemacht wurde und in dem Doppelgebot der Liebe eine aussagekräftige Zusammenfassung erfährt:
Du sollst Gott lieb haben von ganzem Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst.
Diese Liebe, zu der wir aufgerufen sind und die uns durch Jesus Christus vorgelebt wurde, führt uns auf einen Weg, der uns vor immer neue Herausforderungen stellt. Wer ist unser Nächster? Es ist der Mensch, der unsere Hilfe braucht, so antwortet das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. Und davon gibt es reichlich.
Das ist der Weg der Liebe, den wir zu gehen berufen sind. Dass das nicht immer leicht fällt und wir mitunter dabei auch müde werden, weil wir erfahren, wie wenig das, was wir tun, im Großen austrägt: der stete Tropfen höhlt den Stein, und das bedeutet: nur durch Beharrlichkeit wird sich etwas ändern. Es kann uns also ganz egal sein, ob das noch zu unseren Lebzeiten geschieht oder erst viel später. Wir bauen mit am Reich Gottes, und da spielt Zeit überhaupt keine Rolle. Vielleicht aber ist es unser Tun, das einen Stein ins Rollen bringt, der irgendwann nicht mehr aufgehalten werden kann und die Menschheit dem Reich Gottes wieder ein Stück näher bringt.
Ich glaube, dass dazu z.B. auch die Bemühungen des Fairen Handels gehören, durch die langsam ein Bewusstsein für die Situation der Menschen in den Entwicklungsländern und unsere Verstrickung damit durch unser Wirtschaftssystem entwickelt wurde und wird.
Da macht sich eine kleine Gruppe von Menschen auf, tritt für den fairen Handel ein, schafft ein entsprechendes Bewusstsein hier in ... und ist nun dabei, einen Laden zu eröffnen, in dem es nur Waren aus dem Fairen Handel gibt. Ein fairer Laden, wenn man so will.
Wer weiß, wie die Welt heute aussähe, wenn diese Bewegung des Fairen Handels nicht in den 1950er Jahren ihren Anfang genommen hätte. Wie würden wir heute wohl auf die Menschen in den Entwicklungsländern blicken? Würden wir sie weiterhin kaum beachten, es sei denn als Rohstofflieferanten, denen man alles für wenig Geld abkaufen kann? Und wie würden die Menschen von dort auf uns blicken? Würden sie uns als Ausbeuter und Menschenschinder betrachten?
Es sind immer lange Wege, die dazu führen, dass es in unserer Welt vielleicht etwas gerechter zugeht, und es werden immer wieder auch neue Wege sein, die andere Aspekte in den Blick der Menschen bringen. Es kommt eben darauf an, nicht müde zu werden, sondern stets die Augen offen zu halten für die Nöte in dieser Welt.
Jesaja will uns dazu Mut machen. Nachdem er davon gesprochen hatte, dass Gott nicht müde noch matt wird, verkündet er nun: „Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jes 40, 29)
Aus der Kraft Gottes heraus kommt die Kraft, die uns den Weg der Liebe gehen hilft. Wir erfahren Ermutigung und Stärkung, damit wir in der Zuversicht auf die Liebe Gottes anderen Menschen diese Liebe vermitteln können.
Beachtlich ist, dass sogar der unvermögende Mensch, also der, der eigentlich gar keine Kraft und keine Möglichkeiten hat, noch zu Kräften kommt und dann doch Möglichkeiten findet, den Weg der Liebe zu gehen. Die Kraft Gottes ist unerschöpflich, und sie wird gerade in den Schwachen mächtig, wenn wir ihn nur durch uns wirken lassen.
Gott schenkt uns Kraft, die sogar die Schwerkraft überwinden kann – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber wenn Jesaja sagt, dass die, die auf den Herrn harren, auffahren mit Flügeln wie Adler, dann meint er genau das: Durch Gottes Hilfe wird das Unmögliche möglich.
Wir brauchen nur auf diese Kraft Gottes zu vertrauen, und darum ruft uns Jesaja auf: Hebet eure Augen in die Höhe und seht. Seht die Vögel, wie sie mit Leichtigkeit durch die Lüfte fliegen – Gott hat sie geschaffen, und keines von ihnen fällt ohne seinen Willen zu Boden. Wieviel mehr als diese Vögel seid ihr. Sollte Euch Gott darum nicht alles schenken – wirklich alles? (Röm 8, 32)
So lasst uns mit Freude unser Werk beginnen und dabei darauf achten, dass alles, was wir tun, Gott zur Ehre dient.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Die ganze Welt, Herr Jesu Christ (EG 110)
Du meine Seele, singe (EG 302)
Sollt ich meinem Gott nicht singen (EG 325)
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326)
Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)
Besiegt hat Jesus Tod und Nacht (KHW-/HN-EG 553)
In Gottes Namen wolln wir finden (KHW-/HN-EG 631)

Predigtvorschläge zu Reihe III - Joh 21, 1-14

Die nachfolgende Predigt wurde in einem Konfirmationsgottesdienst gehalten.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!
Ich kann mir vorstellen, dass der Predigttext vorhin beim ersten Hören nicht nur einige Fragen aufwarf, sondern auch nicht vollständig aufgenommen wurde. Es sind so viele Details darin, dass man schnell mit seinen Gedanken hängenbleibt und erst nach einer Weile wieder in der Lage ist, weiter zu zu hören.
Ich will den daher noch einmal lesen, allerdings in kürzeren Abschnitten, und dazu ein paar Gedanken weitergeben, die uns beim Verstehen hoffentlich etwas helfen.
Nach seiner Auferstehung offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
Der Evangelist, der uns diese Geschichte erzählt, wird Johannes genannt. Bei ihm gibt es einige Eigentümlichkeiten. Vor allem unterscheidet er sich sehr von den anderen drei Evangelisten, Matthäus, Markus und Lukas.
Er beginnt seine Erzählung gewissermaßen mit einer Überschrift: Jesus offenbart sich den Jüngern. Dabei ist wichtig, dass es um den auferstandenen Jesus geht. Diese Geschichte ereignet sich, nachdem Jesus gekreuzigt worden war.
Klar, dass es da Zweifel gibt. Das kann doch gar nicht sein! Wie kann ein Toter wieder lebendig werden! Nun, die christliche Kirche ist davon überzeugt, dass Jesus von den Toten auferstand – das bekennen wir auch im Glaubensbekenntnis.
Das Interessante an der Erzählung des Johannes ist: es scheint fast, als hätten die Jünger ganz ähnliche Zweifel. Denn wären sie überzeugt, dass Jesus auferstanden ist, würden sie wohl kaum untätig herumsitzen. Solch eine Nachricht schreit ja förmlich danach, weitergegeben zu werden in die ganze Welt hinein.
Aber nein. So ganz sicher sind sie sich nicht. Wer weiß, ob ihnen da in den ersten Tagen nach der Kreuzigung Jesu nicht das Gehirn etwas vorgesponnen hat, was gar nicht wirklich passiert ist.
Also wird das Nächstliegende angepackt. Zu mehr ist man nicht in der Lage.
Man muss ja mal seinen Magen füllen. Wie wär's mit Fisch? Petrus ist Fischer, das hatte er gelernt. Also sagt er: ich will fischen gehen. Und die anderen, die bei ihm sind, wollen jetzt nicht unbedingt allein zurückbleiben. Das ist ja auch eine willkommene Abwechslung. Also gehen sie mit.
Üblicherweise fischt man nachts, denn die Fische sind dann dichter unter der Wasseroberfläche und leichter mit den Netzen zu fangen. Aber in dieser Nacht: Pustekuchen. Kein einziger Fisch geht den Jüngern Jesu ins Netz. Das ist ernüchternd, und inzwischen dürfte der Hunger auch schon ganz schön nerven.
So geht es uns auch manchmal: dass wir uns mühen und mühen, der gewünschte Erfolg aber doch ausbleibt. Wie bitter enttäuschend es ist, wenn man nach langem Büffeln doch nur eine vier oder gar eine fünf bekommt. Das ist frustrierend. Da verliert man alle Lust.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Es wird hell. Sie waren nicht weit mit dem Boot hinausgefahren. Man konnte sie vom Ufer aus noch sehen. Und man konnte sehen, wenn sich etwas am Ufer tat. Sie sahen eine Gestalt. Aber zum Erkennen reichte es nicht. Es war ja noch dämmrig.
„Kinder“, ruft diese Gestalt zu ihnen rüber. Kinder! Gestandene Männer, alle um die dreißig Jahre – sollten sie sich das gefallen lassen? Man muss bedenken, dass man damals selten älter als 50 Jahre wurde. Also hatten die sieben, die da beieinander waren, schon längst die Mitte ihres Lebens überschritten. Zumindest statistisch gesehen. Da ist die Anrede „Kinder“ wohl mehr als unpassend.
Aber, wenn man es anders herum bedenkt: wir sind ja immer Kinder. Wir sind Kinder unserer Eltern, bis zu unserem Tod. Nur kann diese Gestalt am Ufer wohl kaum für sich in Anspruch nehmen, der Vater dieser sieben zu sein.
Aber da ist noch ein Gedanke: wir sind immer die Kinder Gottes. Aber wer hat das Recht, uns deswegen als Kinder zu bezeichnen? Doch eigentlich nur einer: Gott selbst.
Doch solche Gedanken gingen den sieben damals wohl nicht durch den Kopf. Sie wussten noch immer nicht, wer das eigentlich ist, und schienen sich an dieser Anrede auch nicht zu stören.
„Habt ihr etwas zu essen?“ fragt Jesus sie. Ja, das hätten sie schon gerne, immerhin hatten sie die Nacht hindurch gearbeitet. Aber sie hatten ja nichts gefangen. Also ist ihre Antwort ein enttäuschtes und einsilbiges „Nein!“.
Man mag sich fragen, warum Jesus sie ausgerechnet nach etwas zu Essen fragt. Er als Auferstandener, als Sohn Gottes, hat doch eigentlich kein solches Bedürfnis, oder?
Die Antwort auf diese Frage, die ja nur von uns gestellt wird, folgt sogleich:
Jesus aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Jesus sagt das fast so, als ob sie sonst immer nur das Netz zur linken Seite ausgeworfen hätten. Oder die Jünger reagieren so. Jedenfalls sagen sie nicht: du hast ja keine Ahnung vom Fischen. Wir haben die ganze Nacht durch gefischt, da ist nichts!
Nein, sie vertrauen diesem – NOCH – Fremden und tun, was er sagt. Eigentlich tun sie es, obwohl sie es besser wissen. Aber manchmal ist es so: wir meinen es besser zu wissen, aber es ist dennoch gut, auf den Rat eines anderen zu hören.
Und das beherzigen die sieben Männer, werfen das Netz aus und haben es im Nu so voll, wie sie es wohl noch nie gehabt hatten. Sie konnten es nicht mehr ziehen, so schwer war es!
Dabei ging es darum, das Netz ins Boot zu ziehen. Denn üblicherweise füllte man das Boot mit dem Fang, sortierte die unbrauchbaren Fische aus und warf sie zurück ins Wasser. Aber das ging jetzt nicht.
Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr!
Das ist so eine Einzigartigkeit vom Evangelisten Johannes: der Jünger, den Jesus lieb hatte. Nirgends im ganzen Evangelium bekommt er einen Namen. Er ist immer der Jünger, den Jesus lieb hatte. Manche meinen, es handele sich dabei um den Schreiber des Evangeliums, also um Johannes. Aber es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen. Andere meinen, es handele sich um eine fiktive Gestalt. Und wieder andere meinen, es sei der Heilige Geist selbst, der da schon unter den Jüngern wirkt.
Denn eins ist wohl sicher: so fromm die Jünger sein mögen, wenn es so einen herausgehobenen unter ihnen gibt, einen, den Jesus lieb hat – also hat er die anderen nicht, oder mindestens nur weniger, lieb – dann müsste es eigentlich immer Zoff gegeben haben unter ihnen. Sie hätten versucht, diesen Jünger zu überbieten, um in der Gunst Jesu zu steigen.
Aber nichts dergleichen. Vielmehr ist gerade dieser kurze Abschnitt ein Hinweis darauf, dass hier der Heilige Geist gemeint sein könnte:
Petrus hört eine Stimme. Plötzlich geht ihm ein Licht auf. Das ist der Herr! Das ist Jesus! Natürlich, wer sonst kann solche Wunder vollbringen als der Sohn Gottes?
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Warum Simon Petrus nackt war? Nun, die Gewänder, die die Menschen damals trugen, waren weit. Sie bauschten sich im Wind auf, und so konnten sie sich leicht in den Seilen verfangen, mit denen man als Fischer nun mal reichlich zu tun hat. Also zog man seine Kleidung aus, das machte alles nicht nur einfacher, sondern vor allem sicherer. Denn wenn sich die Kleidung in den Seilen verfing, konnte es leicht passieren, dass man in das Wasser gezogen wurde und im schlimmsten Fall ertrank.
Aber darauf kommt es hier nicht wirklich an. Wenn man diesen Abschnitt etwas genauer betrachtet, kommt einem der weitere Verlauf ziemlich merkwürdig vor: Petrus wirft sich ins Wasser, und was dann? Das Tun der anderen Jünger wird recht ausführlich beschrieben, aber wie Petrus nun ans Land kommt, wissen wir nicht. Er muss es wohl zügig geschafft haben, sie waren ja auch nicht so weit vom Ufer entfernt.
Er ist immer noch ein Hitzkopf, der Petrus, so wie damals, als er sagte, er würde Jesus nie verlassen, und dann doch wenig später weglief und dreimal behauptete, Jesus nicht zu kennen.
Er ist spontan, und manchmal ist das auch nötig. Hier wäre es sicher nicht nötig gewesen. Aber was soll's.
Ob wir zu solch einer Spontaneität bereit wären? Ob wir stehen und liegen lassen können, was wir gerade tun, um Gemeinschaft mit Jesus zu haben?
Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.
Und niemand von ihnen hatte vorher Fische gehabt. Brot vielleicht, aber Fische? Nein. Jetzt müssten sie ja alle wissen, dass es sich hier um Jesus handelt. Brot und Fische, das sind die Symbole der Christen, mit denen sie sich in den ersten Jahrhunderten untereinander auswiesen.
Und das Kohlenfeuer ist auch ungewöhnlich. In so kurzer Zeit kriegt man ein Kohlenfeuer eigentlich nicht zustande. Ganz abgesehen davon, dass man ja irgendwoher die Kohle besorgen muss.
Jesus ist am Werk – in ganz kleinen, alltäglichen Dingen. Das ist eine wichtige Aussage. Die Kleinigkeiten, die uns manchmal ärgern, aber manchmal auch erfreuen: sie bekommen eine ganz andere Wirkung, wenn wir in ihnen das Wirken Gottes suchen und erkennen.
Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriß doch das Netz nicht.
Eigentlich bräuchten sie die Fische, die sie da noch so spektakulär gefangen hatten, gar nicht. Aber Jesus will sie trotzdem. Vielleicht sind die Fische und das Brot auf dem Feuer dann doch nicht genug, aber vielleicht geht es auch um etwas ganz anderes.
Jedenfalls gehorcht Petrus sofort und zieht das Netz an Land. Es ist schon etwas merkwürdig, dass sie es zu siebt nicht geschafft hatten, das Netz an Bord des Bootes zu ziehen, und jetzt ein Einzelner es schafft, das Netz an Land zu ziehen.
153 große Fische sind in dem Netz. Wenn jeder Fisch nur ein Kilo wiegt, sind das schon 153 Kilo. Das will erstmal bewegt werden. Und die Bezeichnung „große“ Fische legt ja nahe, dass sie mehr wogen. Vielleicht zwei oder drei Kilo? Petrus muss ein starker Mann sein.
Viel interessanter ist aber diese Zahl 153. Wie kommt Johannes auf solch eine merkwürdige, krumme Zahl? Mathematiker werden rasch feststellen, dass diese Zahl durchaus etwas Außergewöhnliches an sich hat. Zum Beispiel entsteht sie aus der Summe der Zahlen 1 bis 17. Oder wenn man die Dreier-Potenzen der einzelnen Zahlen addiert, also 1³ + 5³ + 3³, kommt man ebenfalls auf 153.
Es gibt noch manche andere Rechenakrobatik, die man aus dieser Zahl ableiten kann, und es lassen sich schöne geometrische Figuren damit erstellen. Wer Lust hat, kann ja mal nach dem Stichwort „153 Fische“ googeln. Es gibt einiges zu entdecken.
Wir wollen es für heute bei den beiden Beobachtungen, die ich eben nannte, belassen.
Betrachten wir kurz die Zahl 17, so fällt auf, dass sie sich aus der Zahl 10 und 7 zusammensetzt. Man könnte dies als Hinweis verstehen etwa auf die zehn Gebote und die sieben Gaben des Heiligen Geistes, wie sie bei Jesaja genannt werden, oder die sieben Tage der Woche, die ja in der Schöpfung festgelegt wurden. Es sind beides Zahlen, die von Gott her kommen.
Gehen wir auf die Dreier-Potenz der drei Einzelzahlen ein, so werden wir an die Trinität erinnert, die Dreieinigkeit Gottes: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Mit der Dreieinigkeit haben wir uns ziemlich ausführlich beschäftigt.
Alle diese Überlegungen führen uns zu nur einem Schluss. Gott steckt in allem, was geschieht. Er ist da. Ganz gleich, ob es sich um scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten handelt oder um ganz große Dinge: er ist dabei!
Und das dürft Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, gerne auch als Zusage mit auf euren weiteren Lebensweg nehmen.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische.
Kommt und haltet das Mahl. Diese Einladung scheint so banal, so einfach, und doch ist sie ungeheuer tiefgründig und bedeutend.
Wir erinnern uns: das letzte, was die Jünger mit dem irdischen Jesus unternahmen, war das Seder-Mahl zum Passahfest. Jesus nahm das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.
Die Geschichten, die von ihm nach seiner Auferstehung, nach dem großen Osterereignis berichten, haben häufiger mit Essen zu tun. Und das ist nicht nur ein einfaches Essen: es ist eine Erinnerung an dieses letzte Mahl, in dem Jesus seine Jünger und damit auch uns aufforderte: solches tut zu zu meinem Gedächtnis.
Kommt und haltet das Mahl. Und die Jünger wagten nicht zu fragen, wer er ist, denn sie wussten, dass es der Herr war.
Heute werdet Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, durch die Konfirmation zum Abendmahl zugelassen. Ihr werdet das Abendmahl empfangen, ein Mahl der Gemeinschaft, in dem wir die Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus erfahren können. Er gibt sich uns in Brot und Wein.
Wir haben Gemeinschaft mit ihm, aber auch miteinander, und was vielleicht noch bedeutender ist: auch mit all denen, die vor uns im Glauben von uns gegangen sind. Man könnte es auch so sagen: Der Himmel feiert mit uns!
Gott ist gegenwärtig. Und das muss man nicht hinterfragen – das kann man getrost annehmen (nicht im Sinn von „vermuten”, sondern im Sinn von „akzeptieren”), so wie es die Jünger damals annahmen, als Jesus unter ihnen das Brot und die Fische teilte.
Es ist eine wunderbare, stärkende, hilfreiche und tröstliche Gemeinschaft, diese Gemeinschaft des Abendmahls. Dass ihr das immer wieder erleben mögt, das wünsche ich Euch von Herzen.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Jesus Christus, unser Heiland (EG 102)
Christ lag in Todesbanden (EG 101)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
O Tod, wo ist dein Stachel nun? (EG 113)
Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
Der schöne Ostertag (EG 117)
In dir ist Freude (EG 398)
Gott des Himmels und der Erden (EG 445)

Predigtvorschläge zu Reihe IV - Kol 2, 12-15

Liebe Gemeinde,
Das Osterfest liegt hinter uns. Gerade sieben Tage ist es her, dass wir es gefeiert haben.
Der Frühling ist da, auch wenn es ruhig noch etwas wärmer sein könnte. Besonders die Nächte sind noch sehr kalt. Aber die Narzissen, die ja auch Osterglocken genannt werden, haben pünktlich zum Fest geblüht, und auch andere Boten des Frühlings haben uns schon so manchen Gang verschönt.
Alles ist voller Hoffnung auf einen warmen Sommer. Und natürlich hoffen wir auch jetzt schon auf ein paar schöne, warme Tage.
Die Natur spiegelt im Lauf des Jahres ein Stück weit wider, was Paulus uns in dem heutigen Predigttext vermitteln will.
Es geht um Sterben und Auferstehen. Im Herbst erleben wir, wie scheinbar alles stirbt, und den Winter über ist die Natur fast leblos.
Zwar sind da die Vögel, die den Winter über bei uns bleiben, und auch ein paar andere Lebenwesen werden wir beobachten können – mal abgesehen von den Menschen, die natürlich immer da sind. Aber im Vergleich zum Sommer sind es doch verschwindend wenig Lebewesen im Vergleich zu der Vielfalt, die wir dann im Sommer erleben. Und vor allem: die Bäume sind kahl, die Blumen sind meist vollständig verschwunden.
Im Frühling ist dann das Erwachen, fast so wie eine Auferstehung. Es hat schon was, das Osterfest in dieser Zeit zu feiern.
Und doch ist es nicht das Gleiche. Denn wie schon gesagt, ist der Tod im Winter ein nur scheinbarer Tod, so manches Leben können wir ja doch beobachten, und wir wissen schon, dass sich das Leben wieder regen wird. Es ist eben nur ein „Winterschlaf”, nicht mehr.
Paulus ist da radikaler. „Ihr seid begraben worden”, sagt er, und meint damit einen wirklichen Tod. Er bezieht sich dabei auf den Kreuzestod Jesu und sein Begräbnis, an dem wir teilhaben.
Ich finde es aber schon etwas merkwürdig, dass er dieses „Begrabenwerden” in der Taufe geschehen lässt.
Ich möchte die Taufe lieber als Symbol der Auferstehung wahrnehmen. Wie kommt Paulus auf eine so merkwürdige Aussage?
Vielleicht hilft uns ein Blick auf den Römerbrief, wo Paulus im 6. Kapitel ebenfalls von der Taufe redet:
Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.” (Röm 6, 3f)
Das hört sich ja eigentlich sehr ähnlich an wie das, was wir heute im Kolosserbrief gelesen haben.
Die Taufe ist für Paulus das Ende einer Ära – und zugleich der Beginn einer neuen. Wir lassen etwas hinter uns, das es nicht wert ist, fest gehalten zu werden, und treten in etwas Neues ein, das es so noch nicht gegeben hat.
Wenn ein Mensch sagt: 'da ist etwas in mir gestorben', dann bezieht er es meist auf etwas, das ihm lieb und wert ist und das er jetzt verloren hat. Häufig sagen Menschen so etwas, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, dass sie eine Hoffnung aufgegeben haben. Die Hoffnung – oder der Anlass zur Hoffnung – ist gestorben.
Wir kennen auch die Redewendung, dass eine Welt zusammengebrochen ist – damit beschreiben wir meist die Erfahrung, dass unsere Vorstellungen sich als falsch erwiesen haben.
Ein Beispiel (so etwas passiert gar nicht so selten): da finden sich zwei Menschen. Es wächst Vertrauen zwischen ihnen, sie sind glücklich miteinander und teilen für eine Weile auch ihr Umfeld, indem sie gemeinsam in eine Wohnung ziehen. Eines Tages ist einer von beiden nicht mehr da – spurlos verschwunden. Erst jetzt wird dem anderen Menschen bewusst: immer hatte sich jener schadlos gehalten, hatte sich alles bezahlen lassen. Man ist schamlos ausgenutzt worden – unter dem Deckmantel der Liebe.
Da bricht eine Welt zusammen. Das Vertrauen ist zutiefst erschüttert, die Fähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen, schwindet, und mit ihr die Bereitschaft, andere Menschen zu lieben.
Es gibt in unserem Leben also immer dieses zerstörerische Moment, dass etwas stirbt, aber wir erfahren es meist so: etwas Gutes wird vernichtet, das Gute findet den Tod.
Vielleicht schaffen wir es noch, es wieder zum Leben zu erwecken, aber es wird nie so sein wie vorher, bevor wir die Erfahrung gemacht haben. Immer wird etwas Misstrauen zurückbleiben oder wenigstens Angst.
Ganz ähnlich meint es Paulus, aber eigentlich genau umgekehrt: die Taufe macht ein Ende, aber nicht mit dem Guten, sondern mit der Sünde. Alles Böse liegt hinter uns – es ist vernichtet durch die Taufe. Auch wenn es das Böse in unserer Welt noch gibt: es kann uns nicht mehr beherrschen.

Paulus denkt bei der Taufe nicht an das „Wasser des Lebens”, sondern an das „Wasser des Todes”.
Zur Zeit (2012) sind die Medien voll von Erinnerungen an das wohl tragischste Schiffsunglück der Menschheitsgeschichte: vor 100 Jahren sank die Titanic, das als unsinkbar bezeichnete Schiff, und riss rund 1500 Menschen mit in den Tod.
Das Wasser brachte den Tod. Niemand konnte lange in dem eiskalten Wasser überleben. Das Meer wurde ihr Grab. Wenn sie nicht erfroren, dann ertranken sie.
Diese tödliche Wirkung des Wassers will Paulus uns vor Augen führen, denn sie war natürlich auch ihm vertraut. So sehr Wasser Leben spenden und erhalten kann, so tödlich kann es auch sein. Und so tödlich ist das Wasser der Taufe, indem es alles Böse in uns vernichtet.
Und dann kann das neue Leben beginnen. Die Taufe verbindet uns mit Jesus in einer besonderen Weise. Wir haben Teil an seinem Tod, aber auch an seiner Auferstehung.
Der Tod Jesu ist es, der der Sünde ein Ende macht. Wir müssen diesen Tod mit erleiden, damit wir an seiner Frucht teilhaben können.
Die Frucht ist das ewige Leben in der Gegenwart Gottes.
Nach diesem Tod ist der Schuldbrief getilgt – Gott hat den Schuldbrief an das Kreuz geheftet.
Der Schuldbrief ist das Dokument, das ich dem aushändige, dem ich etwas schuldig bin. Im Amerikanischen wird solch ein Schuldbrief auch „IOU” genannt, das heißt soviel wie „Ich schulde dir” und bezeichnet den Anfang des Schuldbriefes.
Was schulden wir Gott? An erster Stelle wohl „Gehorsam”. Zwar halten wir uns in der Regel an die Gesetze, die ja weitgehend die 10 Gebote Gottes abbilden. Aber das geschieht ja nur im Blick auf das 4. bis 10. Gebot, und auch da gibt es schon so manche Lücke, die dann natürlich auch ausgenutzt wird. Die ersten drei Gebote sind viel schwerer zu befolgen:
Haben wir wirklich keine anderen Götter neben Gott? Was ist z.B. mit dem Wohlstand, den wir – vor allem im Vergleich zu vielen Menschen in den Entwicklungsländern – genießen? Bestimmt er nicht unser Leben mehr als alles andere?
Und gehen wir wirklich so achtsam mit dem Namen Gottes um, wie wir es sollten?
Und schließlich: wie heiligen wir den Feiertag? Meinen wir, dass der Spaziergang im Wald schon ausreicht? Wo bleibt die Besinnung auf das Wort Gottes, die Rückkehr zur Quelle des Lebens?
Eine andere Schuld, die auf dem Schuldschein stehen dürfte, ist die Hybris, die Überheblichkeit des Menschen – das Verlangen, wie Gott zu sein. Wir wollen doch alles kontrollieren können. Die Forschung geht immer weiter und weiter und kennt keine Grenzen – und wenn ihr dann Grenzen gesetzt werden: früher oder später werden auch diese Grenzen fallen. Was vor 100 Jahren noch undenkbar war, ist heute oft selbstverständlich. Bei Manchem mag man sagen, dass es auch durchaus gut so ist, aber bei manchen anderen Dingen können einen schon Zweifel überkommen.
Wie oft wir da wohl schuldig werden?
Wenn wir in uns gehen, dann werden wir merken: Der Schuldschein ist gut gefüllt. Wir hätten sicher mehr als ein Leben lang damit zu tun, diese Schuld abzugelten. Doch jetzt hat Gott diesen Schuldschein genommen und an das Kreuz geheftet. Damit ist zwar die Schuld nicht von der Welt. Aber neben die Schuld tritt die Vergebung durch das Kreuz Jesu Christi.
Damit ist die Schuld gewissermaßen tot, und es kann ein neues Leben beginnen.
Aber wie soll das möglich sein? Die Welt um uns herum ändert sich ja nicht mit uns und vor allem nicht auf einen Schlag, und wenn unsere Mitmenschen nicht mitziehen, wie können wir dann nach anderen Maßstäben leben als sie?
Nun, Jesus hat es getan – er hat den Menschen gezeigt, dass sie nicht beständig irgend welchen Sachzwängen nachgeben müssen, sondern dass sie frohgemut den Willen Gottes mit dem Herzen befolgen können.
Und nun schreibt Paulus diesen Satz:
Gott hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.
Mächte und Gewalten – damit sind alle Mächte gemeint, die Einfluss auf uns ausüben wollen. Dazu gehören die sogenannten Sachzwänge, das Eigentum, aber auch wir selbst mit unserer Geltungssucht, mit dem Neid, mit unseren Vorurteilen, die überaus mächtig werden können, oder auch mit unserer Gleichgültigkeit.
Gott hat sie alle bloßgestellt und ihrer Macht entkleidet. So wie man ein Kleid auszieht, wurde alle Macht von ihnen genommen. Sie müssen uns nicht mehr kontrollieren, ja, sie können es nicht mehr.
Wenn sie es dann doch tun, dann liegt es nur daran, dass wir sie lassen. Aber das muss nicht sein. Denn wir sind quasi modo geniti – wie die neugeborenen Kinder.
Die Losung dieses Tages passt gut zu diesem Gedankengang, und ich will sie darum heute auch vorlesen. Da schreibt der Prophet Jesaja bereits gute 500 Jahre vor Jesus im 60. Kapitel: Ich will den Frieden zu deiner Obrigkeit machen und die Gerechtigkeit zu deiner Regierung. (Jes 60, 17)
Wir erleben also gewissermaßen einen Regierungswechsel, oder besser noch: wir haben ihn schon erlebt durch die Taufe. Die neue Regierung ist Frieden und Gerechtigkeit, die beide ihre Wurzeln haben in der Tat Gottes, dass er den Schuldbrief getilgt und an das Kreuz geheftet hat.
So lasst uns also sein wie die neugeborenen Kinder, die nichts anderes kennen als die Liebe ihres himmlischen Vaters.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
Singen wir heut mit einem Mund (EG 104)
Erschienen ist der herrlich Tag (EG 106)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Er ist erstanden (EG 116)
Der schöne Ostertag (EG 117)
Nun freut euch, lieben Christen g'mein (EG 341)

Predigtvorschläge zu Reihe VI - Joh 20, 19-20(21-23)24-29

Die nachfolgende Predigt wurde anlässlich einer Konfirmation eines einzelnen Konfirmanden zu Joh 20, 24-29 gehalten.

Lieber N., liebe Gemeinde!
Dass wir nur einen Konfirmanden haben, hat durchaus auch Gutes. Für mich als Prediger bedeutet es: ich kann mich ganz auf den einen Konfirmationsspruch konzentrieren.
Um noch einmal das Feeling vom Konfirmandenunterricht aufkommen zu lassen, könnte ich jetzt fragen, in welchem Zusammenhang die Worte deines Konfirmationsspruches eigentlich vorkommen. Aber diese Frage hast Du Dir vielleicht schon selbst gestellt und mal nachgeschaut.
Ich lese den Text darum einfach mal vor – es ist das Evangelium des vergangene Sonntags und steht bei Johannes im 20. Kapitel:

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20, 24-29)
„Der ungläubige Thomas“, so wurde dieser Abschnitt meist überschrieben, obwohl der Apostel Thomas ja gar nicht ungläubig ist. Er will es nur wissen. Er muss Jesus leibhaftig gesehen haben. Er will sich nicht auf die Aussagen anderer verlassen müssen, denn vielleicht will man ihn ja doch nur auf den Arm nehmen. Und darum sagt er:
Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. (Joh 20, 25)
Im Grunde sagt er seinen Gefährten: Euch kann ich nicht glauben, sondern alleine Gott.
Thomas bringt damit ein Problem zum Ausdruck, das die Christenheit eigentlich immer beschäftigt hat und noch beschäftigt. Da ist die Rede von der Auferstehung als dem wichtigsten Geschehen für den christliche Glauben, wie auch der Apostel Paulus selbst sagt (1. Kor 12-19), aber niemand kann beweisen, dass das, was da erzählt wird, tatsächlich geschehen ist. Selbst die Evangelien führen keine Beweise an, sondern lassen diesen Zweifel zu.
Die Frauen haben das leere Grab gefunden, die Jünger konnten diesen Befund bestätigen, aber dann? Es folgen Erzählungen, wie einzelne Menschen dem Auferstandenen begegnet sind, dann auch, wie er einer Gruppe von Menschen erschien, aber kann das genug sein?
Und schließlich entzieht er sich auch dieser Möglichkeit der Begegnung durch seine Himmelfahrt – Jesus ist nicht mehr greifbar.
Das war die Frage der frühen Christenheit und aller Menschen, die das Evangelium gehört hatten und deren Verstand sich schlicht quer stellte: das kann doch gar nicht sein! Ich glaube erst, wenn ich es mit meinen eigenen Sinnen wahrnehmen kann.
Thomas beschreibt es im Johannes-Evangelium recht drastisch – ich glaube, ich würde das nicht wollen, meine Finger in die Wundmale Jesu legen. Es reicht doch, wenn ich einmal genau hinschaue. Aber nein, es muss auch die sinnliche Erfahrung dazu kommen, die Berührung. Erst dann ist der Beweis vollkommen, so scheint es.
Und so beginnt eine Zeit des Wartens. Ich denke, dass in dieser Zeit die Jünger sich weitgehend so verhielten, als sei gar nichts geschehen, wenn auch mit einer gewissen Hoffnung, denn einmal hatten sie ihn ja schon gesehen – aber nur einmal.
Acht Tage dauert es – die Zahl Acht hat eine besondere Bewandtnis im Neuen Testament, denn der achte Tag ist der Tag der Auferstehung, der neuen Schöpfung, die durch Jesus Christus ihren Anfang genommen hat.
Und dann ist Jesus da, zum zweiten Mal, genauso unerwartet und eigentlich unmöglich wie beim ersten Mal. Die Türen sind verrammelt, doch er steht da, als sei es das natürlichste der Welt, und sagt: Friede sei mit euch!
Diesen Gruß muss man sich erst einmal bewusst machen. Wir begrüßen uns ja heutzutage meist mit einem „Hallo“. Früher hat man damit einen Menschen herbeigerufen oder auf einen aufmerksam gemacht, es galt aber als recht unhöflich. Heute ist es der übliche, sehr unpersönliche und eigentlich auch unbedeutende Gruß. Manchmal wünscht man sich noch einen guten Tag, immerhin, aber auch das ist ja recht unpersönlich. Ein „Friede sei mit dir“ geht wohl niemandem über die Lippen.
Oder doch: die Muslime grüßen sich so. Salam aleikum heißt ja nichts anderes als „Friede sei mit dir“.
Wäre es nicht schön, wenn wir uns auf diese Weise grüßen würden? Nachher, vor dem Abendmahl, werden wir Gelegenheit dazu haben. Und vielleicht motiviert das auch den einen oder die andere, es hin und wieder auch außerhalb dieses Rahmens, außerhalb des Gottesdienstes zu tun: Friede sei mit dir.
Friede. Das bedeutet: man muss keine Angst haben. Nichts soll mir schaden. Der mir da begegnet, ist mir freundlich gesonnen. Er will Frieden.
So begegnet also Jesus seinen Jüngern, und so sollen auch wir einander begegnen. Das kann wohl nur gelingen, wenn wir die Gnade Gottes wirklich ernst nehmen, wenn wir uns bewusst machen, dass sie nicht nur uns, sondern auch unseren Mitmenschen gilt. „Friede sei mit dir“ - der Friede, den nur Gott geben kann: vollkommener Friede. Er gilt auch denen, mit denen wir uns gerade erst gestritten haben, oder die wir schlicht und ergreifend nicht mögen. Denn dieser Friede geht von Gott aus, der sich allen Menschen in Liebe zuwendet.
Doch im Mittelpunkt der Geschichte steht die Begegnung mit Thomas. Jesus fordert ihn direkt auf, das zu tun, was er selbst zuvor schon angekündigt hatte, dass er es tun wolle. Und er schließt die Aufforderung mit den Worten ab: „sei nicht ungläubig, sondern gläubig.
Also doch der ungläubige Thomas? Jesus macht jedenfalls deutlich, dass es jetzt keinen Grund mehr gibt, nicht dem zu glauben, was gesagt worden ist. Und es hat den Anschein, als ob Thomas schlagartig vergessen hat, was er zuvor noch begehrt hatte.
Sofort bekennt er: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20, 28)
Da ist der Glaube. Seine Augen haben ihn gesehen, seine Ohren haben ihn gehört, mehr braucht er nicht. Er muss nicht seine Finger in die Wundmale legen. Der Herr ist da, er hat sein Herz angerührt.
Und dennoch ist es etwas Materielles, das den Glauben herbeiführt, auch wenn weder die Gestalt noch die Stimme greifbar sein müssen. Augen können auch Dinge sehen, die nicht wirklich da sind – denken wir nur an die Fata Morganas. Und Ohren können sich täuschen, sie können Geräusche falsch interpretieren.
So gut man Thomas verstehen kann mit seinem Verlangen, einen Beweis für den Glauben zu bekommen: letztlich kann es diesen Beweis gar nicht geben. Denn Gott handelt jenseits unserer Vorstellungsmöglichkeiten, und darum sind auch unsere Sinne gar nicht in der Lage, dieses Handeln Gottes in irgendeiner Weise zu erfassen.
Thomas hat Jesus gesehen und gehört, aber das ist nicht der Grund für seinen Glauben. Vielmehr hat er endlich verstanden, dass es nicht auf diese Beweise ankommt. Darum verzichtet er darauf, seine Finger in die Wundmale zu legen.
Gott hat sich ihm offenbart, und mit dem Herzen, mit seinem Wesen hat Thomas begriffen, dass es der Auferstandene ist, der Lebendige, der den Tod überwunden hat.
Und dazu muss man weder sehen noch fühlen. Denn Gott muss sich nicht den Sinnen offenbaren – er wird der Seele sichtbar, dem Wesen des Menschen. Und darum sagt Jesus dann auch: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29b)
Das ist Dein Konfirmationsspruch.
Es kommt also nicht auf den Beweis an, mit dem man die ganze Welt auf einen Schlag überzeugen könnte, sondern darauf, dass ich mit Gott rechne, obwohl es keine Beweise für seine Existenz gibt.
Einem Menschen, der sich so zu Gott stellt, der ihn nicht aus seinem Leben ausschließt, sondern das Unbeweisbare für möglich hält, wird zugesprochen: Selig bist du.
Nun mag man noch fragen, was dieses „Selig sein“ eigentlich bedeutet.
Von der römischen Kirche kennen wir die Seligsprechung, die der Heiligsprechung vorausgeht. Aber das ist nicht gemeint. Wenn Jesus sagt, dass ein Mensch selig ist, dann meint er: diesem Menschen fehlt es an nichts, denn ihm steht durch Gott alles zur Verfügung. Er kann alle Hindernisse überwinden, er kann tiefes Leid ertragen, er braucht den Tod nicht zu fürchten, denn er ist getragen von der Gnade und Güte Gottes.
Dieser Erfahrung wünsche ich Dir und auch uns allen.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)
Frühmorgens, da die Sonn aufgeht (EG 111)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Halt im Gedächtnis Jesus Christ (EG 405)

Predigtvorschläge zu Reihe M - Mk 16, 9-20
Joh 17, 9-19

Zu Mk 16, 9-20:

Es war doch wohl ein schöner Tag:
Die Sonne noch im Osten lag,
sie hob sich langsam, und nicht schnell,
es wurde alles ziemlich hell.
Da kamen schon die Frauen an,
sie suchten den geliebten Mann,
geliebt nicht so wie Mann und Frau,
vielmehr mit Ehrfurcht und Beschau.
Sie wussten wohl, er ist nun tot,
die Sonne leuchtete noch rot.
Sie kamen, sahen, ach du Schreck!
Das Grab ist auf und er ist weg!
Ein Jüngling redet ihnen zu,
doch finden sie so keine Ruh,
Zu glauben fällt es ihnen schwer,
dass er nun auferstanden wär,
Und so, wer kann es nicht verstehn,
als sie vom Grabe wieder gehn,
beschließen sie, noch ganz entsetzt,
und auch die Stirn von Schweiß benetzt,
dass sie nicht sagen nur ein Wort,
auch nicht den Jüngern, die weit fort
noch ängstlich harren weinend aus
in ihrem kleinen, dunklen Haus.

Bis hierher ging einst die Geschicht
nach Markus, doch das reichte nicht.
Es dauerte rund fünfzig Jahr,
bis mancher fand: das ist nicht wahr,
natürlich haben sie's gesagt,
denn mindestens hat sie geplagt
die Sache, dass der Leib nicht dort
gewesen ist an jenem Ort
an dem er erst gelagert war.
Das hatte ja gesehn die Schar
der Frauen, die, wie man hier sagt
das nie zu sagen hab'n gewagt.

Drum hängte man an dieses End
noch etwas an, wie man erkennt,
denn dieses ist nun, wie man weiß,
der Text der Predigt, der mit Fleiß
und sicher auch der Wahrheit nah,
damals noch nachgeschrieben war.
Man nennt das "zweiten Markusschluss",
das mache niemandem Verdruss,
denn es tut gut, davon zu lesen,
was damals wichtig ist gewesen.
Was wär' das Evangelium denn,
wenn man nicht auch dies eine kenn,
dass unser Herr erstanden ist,
und von vielen gesehen ist.

So hören wir von der Geschicht,
allein, so mancher glaubt es nicht,
denn wie kann das denn schon geschehn,
dass Tote aus dem Grab erstehn,
und wieder ganz lebendig sind,
so dass man sie im Grab nicht find't?
Nun, hier geht's ja um einen nur,
von dem fehlt freilich jede Spur,
doch Markus wusste sehr genau,
und war darin auch ganz schön schlau,
wie er den Menschen nahe bringt,
was nur durch Glaub ins Herze dringt.
Darum verschwieg er die Geschicht,
wo man vom Auferstand'nen spricht.

Die andern schriebens später nieder,
und sangen fröhlich Osterlieder.
Denn ihnen war es längst schon klar,
und tief im Herzen, wunderbar
ist ihnen dieses aufgegangen -
und dazu viele Glocken klangen -
dass nun der Tod nicht länger kann
festhalten - weder Frau noch Mann.
Der Tod hat alle Macht verlorn,
wir kommen weg ganz ungeschorn,
wenn wir erfassen Christi Hand,
und glauben, dass er auferstand.

Doch dann, so haben wir gehört,
steht eine Liste, die verstört,
sie sagt uns, was ein Christ wohl kann,
und das ist viel, da staune man:
Wenn einer böse Geister hat,
der Christ treibt aus sie in der Tat,
Sie werden sprechen ohne Scheu,
in Zungen, wenn man ist getreu,
und Schlangen sind ganz harmlos hier,
man hebt sie auf wie zahmes Tier,
und Gift wirkt nicht, ist das denn wahr?
Es krümmt den Christen nicht ein Haar!

Das alles scheint doch recht gewagt,
so mancher wird dann auch verzagt,
denn glaubt er zwar, doch so etwas
scheint eher wie ein schlechter Spaß.
Ein Christ ist doch kein Supermann,
der alles das vertragen kann,
genauso wie die Superfrau,
Ein Christ ist Mensch. Das war's. Genau.

Ein Christ verlässt sich ganz auf Gott,
dann wird er leiden keinen Spott,
denn Gottes Hilf, die kommt gewiss,
dann fehlt den Spöttern selbst der Biss,
doch kommt sie nicht, wann es uns passt,
den Plan, den hab'n wir nicht verfasst.
Es liegt allein in Gottes Hand.
Ganz ihm vertraun, das ist Verstand.
Das ist die Klugheit, die uns trägt,
auch wenn ein andrer Zweifel hegt.

Und dann wird eines sicher wahr:
wenn Christen füreinander da
und dazu auch versammelt sind,
und beten für das liebe Kind,
das krank im Bette niederliegt,
dann wird's geschehn: der Herr obsiegt!
Er nimmt die Trauer von uns weg,
den Zweifel, jeden dunklen Fleck,
er schenkt uns Leben, auch im Tod,
er macht uns frei von aller Not.
Er führt uns durch das Dunkel her,
macht's leicht, wenn uns die Seele schwer.

Wenn wir nur sehn des andern Leid,
und dazu seine Einsamkeit,
wenn wir ihm Nachbar, Freunde sind,
dann sind wir wahrlich Gottes Kind',
Dann ist Er da, ganz nah dabei,
dann hilft er, wie ist einerlei.
Es wird wohl besser mit uns gehn,
wir werden es nicht immer sehn
am ersten Tag, in einer Stund,
so manches Mal, da geht es rund.
Da dauert es noch viele Jahr,
vielleicht, bis grau wird unser Haar,
doch schließlich wird es hell und licht,
Gott war stets da; vergiss es nicht.

Es ist doch gut, dass es so ist,
und auch, wenn man den Herrn vermisst,
denn das, so hören wir am End,
ist wahr, er stieg wohl ganz behend
gen Himmel - hier sagt man "hinauf"
doch alles nimmt nur seinen Lauf.
Der Herr zur Rechten Gottes lebt,
er nicht nur ganz da oben schwebt,
der Himmel ist, wie ihr wohl wisst,
das Reich des Herren Jesus Christ,
Und das, das ist uns auch wohl klar,
ist jedem ja nun wirklich nah,
denn das hat unser Herr gesagt,
als er den ersten Schritt gewagt
in diese Welt als Menschenkind,
als er zu predigen beginnt.

So ist Er mit uns jede Stund,
erhält uns unsre Seel' gesund,
und auch wenn wir ihn gar nicht sehn,
so werden wir es wohl verstehn,
dass er uns Leben schenkt fürwahr,
die Macht verlor der Teufel Schar.
So wollen wir ihm ganz vertrau'n,
und stets auf seine Hilfe bau'n.

Doch ist es nicht für uns allein,
so soll es ganz und gar nicht sein,
der Herr uns allen dies gesagt,
dass ihr sein Wort wohl weiter tragt,
hinaus zu jedem, Groß und Klein,
zu Alten, Jungen, insgemein
zur ganzen, großen Menschenschar,
wenn die Gelegenheit ist da.
Wenn offen ist der Menschen Ohr,
dann sagt der Geist die Worte vor,
es braucht nur wenig Mut dazu,
und auch ein bisschen inn're Ruh,
doch wenn wir glauben tief und fest,
dann macht der Geist den ganzen Rest.
So sagt es weiter, sagt es laut,
dass ihr dem Herrn euch anvertraut,
dass ihr die Kinder Gottes seid,
und darum stets dazu bereit,
dem Nächsten freundlich beizustehn;
so wird es allen gut ergehn.

Die Welt soll sehen euer Licht,
versteckt es unterm Scheffel nicht,
tragt fröhlich in die Welt hinaus,
die Botschaft rein in jedes Haus,
dass unser Herr erstanden ist,
er wahrlich unser Heiland ist.
So sagen wir in seinem Namen
nun froh und munter unser Amen.

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Liedvorschläge zur Predigt:
Christ ist erstanden (EG 99)
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (EG 108)
Frühmorgens, da die Sonn aufgeht (EG 111)
Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin (EG 114)
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)