das Kirchenjahr

24. Sonntag nach Trinitatis

Der Überwinder des Todes

Predigtanregung

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IV - 1. Kor 9, 16-23 (s. Reihe M am 2. und 19. S. n. Trinitatis

Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! 17 Täte ich's aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich's aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut. 18 Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.
19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. 20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damitich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. 21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. 22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. 23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.

Der Christ gibt sich als Chamäleon, so mag einem dieser Text erscheinen. Er passt sich der Umgebung an, um nur nicht aufzufallen. Doch nein, so sind die Worte des Paulus nicht zu verstehen. Im Gegenteil. Paulus äußert ein ganz spezifisches Ziel: das Evangelium allen Menschen zu verkündigen. Dazu ist er berufen, das muss er tun. Aber er tut es nicht, indem er sich voll Ignoranz irgendwo hinstellt und drauflos predigt, sondern indem er sich mit der Umwelt, in der er sich befindet, ausgiebig befasst. Er bemüht sich, Ansatzpunkte zu finden (s. die Areopagrede, Apg 17), an denen er mit seiner Verkündigung anknüpfen kann. Denn nur, wenn die Hörer sich in ihrer Situation verstanden fühlen, sind sie auch bereit, zuzuhören.
Paulus hat diese Notwendigkeit erkannt und passt sich dementsprechend an, immer mit dem einen Ziel, das Evangelium zu verkündigen.
Dabei weist er darauf hin, dass die Verkündigung des Evangeliums seine Pflicht ist, an der er nicht vorbeikommt. Es scheint fast, als sei es ihm aufgezwungen. Aber das ist wohl eher so zu verstehen, dass er die Wahrheit des Evangeliums erkannt hat und deswegen auch die zwingende Notwendigkeit sieht, diese Wahrheit weiterzusagen, weil er weiß, dass die Menschen diese Wahrheit brauchen. Nach einem Lohn fragt er dabei nicht, er ist frei geblieben, unabhängig, damit ihm niemand vorschreiben kann, wie er das Wort verkündigt.
An dieser Stelle wäre ein kleiner Exkurs denkbar: Volkskirche oder Freiwilligkeitskirche? Die Volkskirche sichert den Predigern ihr Einkommen, wobei der Prediger frei bleibt, das Evangelium so zu predigen, wie er es für richtig hält. Natürlich gibt es Kontrollmechanismen, die auch eingesetzt werden müssen, aber es ist letztlich nicht die Gemeinde, die dem Prediger, wenn er ihr nicht gefällt, einfach das Auskommen verweigern kann. Bei einer Freiwilligkeitskirche ist die Verbindung zwischen Prediger und Gemeinde viel enger: wenn der Prediger nach Ansicht der Gemeinde schlecht ist (was auch und gerade dann der Fall sein kann, wenn der Prediger die Wahrheit zu sagen versucht), wird ihm einfach sein Gehalt verweigert. Zwar ist dies nur sehr skizzenhaft und oberflächlich dargestellt, aber dieser Text hilft dazu, darüber nachzudenken.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist zwar nicht offensichtlich, aber doch erkennbar: Paulus bemüht sich, Wege zu finden, die Menschen einzuladen, das Evangelium anzunehmen. Dabei respektiert er das kulturelle und soziale Umfeld der Adressaten seiner Verkündigung vollkommen. Er zeigt keine Arroganz, sondern Verständnis, und kann so auch einladend wirken.
Ähnlich muss eigentlich jede Predigt sein. Sie muss die Menschen da abholen, wo sie sind. Das sollte gerade in dieser Predigt besonders deutlich werden. Sie sollte einladen zur Liebe Gottes, die sich auf vielfältige Weise offenbart, und dazu ermutigen, sich vertraut zu machen mit dem Fremden, um dann auch selbst über den eigenen Glauben reden zu können.

Liedvorschläge zur Predigt:


Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
Man lobt dich in der Stille (EG 323)
O dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)
Wo ein Mensch Vertrauen gibt (EG 630; NB-EG 604)



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