Der 3. Sonntag nach Trinitatis stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom „Verlorenen” oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen.
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II - Mi 7, 18-20Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! 19Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 20Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.
Gott steht zu seinen Zusagen, er steht zu seinem Bund, den er mit Abraham
geschlossen hat. Es geht auch nicht anders, denn sonst wäre Gott ein Meineidiger, ein
Lügner. Es ist wichtig, dass wir uns bei der Predigt über einen Text aus dem Buch des
ersten Bundes immer bewusst bleiben, dass hier nicht von Gott als dem Gott aller Menschen,
sondern von Gott als dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gesprochen wird. Diese innige
Beziehung, die vor tausenden von Jahren begann, wird nie aufgehoben, und wir Christen
stehen da zunächst einmal außen vor, denn wir gehören schlicht nicht zum Volk Israel.
Erst durch Christus hat sich die Tür zu den Heiden, zu denen wir gehören, geöffnet, wurde
ein neuer Bund (s. Abendmahlsworte) geschlossen, der den alten aber nicht ersetzt, sondern
nur ergänzt.
Die Worte des Propheten richten sich an das nachexilische Volk Israel, das in sein Land zurückkehrt
und erkennt, dass Gottes Zorn nicht ewig ist.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang führt uns allerdings eher auf den Aspekt der
Sündenvergebung. Gott ist barmherzig, das ist die klare Aussage, die der Prophet Micha
hier formuliert, und dies sollte auch der Kern der Predigt sein. Dabei werden wir vielleicht
Schwierigkeiten haben mit dem Aspekt des „Zornes Gottes”, doch müssen wir uns auch
das gefallen lassen: Gott leidet unter unser Engherzigkeit, unter unserem Kleinmut, aber auch
unter unserem Hochmut und unserer Arroganz. Und dementsprechend sucht er nach Wegen, uns
wieder zu ihm zu führen. Doch wie das geschieht, bleibt sein Geheimnis. Es gibt keine so einschneidenden
Ereignisse wie das damalige Exil (außer vielleicht die Corona-Pandemie, die tatsächlich so etwas
wie ein Exil auch für die Christen bedeutete, da keine Gottesdienste möglich waren), und selbst wenn
es sie gibt, wäre es sicher zu einfach, in ihnen einen Ausdruck des Zornes Gottes erkennen zu wollen.
Gott will unsere Antwort auf seine Einladung, seinen Willen zu tun. Er will unser Reden und Handeln so,
dass es unseren Mitmenschen förderlich und nicht schädlich ist. Er zwingt uns aber nicht mit
schrecklichen Ereignissen zu dieser Antwort, auch wenn uns solche Ereignisse widerfahren. Ihm ist es
lieber, dass wir uns ihm ohne irgendeinen Schrecken im Nacken zuwenden, als dass wir es nur in der Not tun.
Die Predigt wird versuchen, den Aspekt der Liebe Gottes trotz aller entgegenstehenden Eigenschaften
des Menschen in die Mitte zu rücken, ohne sie billig zu machen. Am Ende darf es nicht heißen: Gott liebt
uns, egal was wir tun. Sondern: Gott liebt uns so sehr, dass wir nicht still bleiben können, sondern
diese Liebe weitergeben und -sagen müssen. Gottes Liebe (nicht seine schrecklichen Taten) provoziert eine Antwort.
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)
Gott, der Vater, steh uns bei (EG 138)
Und suchst du meine Sünde (EG 237)
Hoch hebt den Herrn mein Herz und meine Seele (EG 309)
O gläubig Herz, gebenedei (EG 318)
Ich freu mich in dem Herren (EG 349)
Jesus nimmt die Sünder an (EG 353)
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Eine gute Predigt lebt davon, den vorgegebenen Bibeltext in die Sprache der Menschen heute zu übersetzen. Seit mehr als 50 Jahren sind die Predigtstudien bei dieser Herausforderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jeder Predigttext wird jeweils von zwei Autoren im Dialog bearbeitet.