das Kirchenjahr

6. Sonntag nach Trinitatis

Leben aus der Taufe

Predigtanregung

Der 6. Sonntag nach Trinitatis konzentriert sich diesmal auf die Taufe als dem Beginn eines neuen Lebens. In diesem Zusammenhang wird auch der Gedanke eines "lebenslangen Bundes" aufgenommen. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als "Sakramentssonntage" bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in seiner Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.

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I - 1. Petr 2, 2-10

So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede 2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, 3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. 4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. 5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. 6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.” 7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, 8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses” (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. 9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; 10 die ihr einst „nicht ein Volk” wart, nun aber „Gottes Volk” seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Heutzutage sind wir solche Bildersprache kaum noch gewohnt. Was soll das Gerede von der "vernünftigen, lauteren Milch", oder dem "lebendigen Stein"? Wenigstens ist uns als Christen das Wort vom Eckstein vertraut, und viele verstehen wohl, was damit gemeint ist. Aber dann begegnet uns das Wort von der "königlichen Priesterschaft" mit der sich wieder wenig anfängen lässt. Einfach über diese Bilder hinwegzugehen, wäre wohl nicht angemessen. Wollte man sie aber erklären, würde man dem Charakter des Textes nicht mehr gerecht.
Das erste, was Säuglinge suchen, ist die nahrhafte Milch der Mutter, die alles enthält, was das Kind zum Schutz und Wachstum braucht. Das hatten die Menschen damals begriffen, das wissen wir auch heute. An dieser Vorstellung lässt sich leicht anknüpfen, nur dass es nicht so leicht fällt, sich Gott als stillende Mutter vorzustellen. Vielleicht ist das aber ein guter Anlass, einmal von den gewachsenen patriarchalischen Denkmustern abzuweichen und von Gott in ebendieser Weise zu reden. Dann ist Gott nicht mehr "er", sondern "sie", nicht mehr Vater, sondern fürsorgende und vor allem versorgende Mutter. Nirgendwo erfährt jedenfalls ein Säugling mehr Schutz und Geborgenheit als bei seiner Mutter. Das Verlangen nach der Milch entsteht aber in unserem Predigttext nicht aus Instinkt heraus, sondern weil wir schon einmal davon gekostet haben. Die Milch schmeckt nach mehr. Wir wollen bei der Quelle bleiben.
Diese Quelle wird nun umdefiniert. Gott ist plötzlich nicht mehr Mutter, sondern ein lebendiger Stein. Das Attribut "lebendig" ist wohl notwendig geworden, weil ein Stein sonst für Kälte und Härte bekannt ist. Ein lebendiger Stein aber ist nicht kalt und hart. Insoweit zerstört im Grunde das zusätzliche Attribut das eigentliche Bild, denn man kann die Frage stellen, ob ein lebendiger Stein überhaupt in der Lage ist, die Funktion des Ecksteins, der einen ganzen Bau zusammenhält, wahrzunehmen. Dazu muss man sich den Bau selbst näher anschauen: es ist ja auch kein gewöhnlicher Bau, sondern ebenfalls ein Bau aus lebendigen Steinen, die nun die Gemeinde darstellen. Die Gemeinde wird also als ein wohl geplantes Gebäude verstanden - alle Teile gehören zusammen und ergeben nur so ein Ganzes. Das stellt die Spaltung der Kirche in viele verschiedene Gruppen in Frage.
Schon hier wird der Gedanke der "heiligen Priesterschaft" eingeführt, später nun, nachdem etwas über den Eckstein nachgedacht wurde, wird die Gemeinde sogar als "königliche Priesterschaft" bezeichnet. Priester dienen Gott - die Gemeinde dient Gott auf vielfältige Weise, im Gottesdienst genauso wie im alltäglichen Leben. Diese alltägliche Leben ist Verkündigung, wobei man nicht unbedingt von verbaler Verkündigung reden muss.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nicht ganz deutlich, da der Bezug zur Taufe eigentlich fehlt. Man könnte eine Brücke von den neugeborenen Kindern her schlagen, da man dort ja am ehesten an Taufe denkt, aber das würde dem Text wohl Gewalt antun. Vielmehr könnte man die Taufe als das erste Probieren der "lauteren Milch" ansehen, woraufhin ein Streben nach Gott einsetzt. In diesem Streben kommt es darauf an, dass wir uns bemühen, teilzunehmen am Bau des geistlichen Hauses und an der heiligen Priesterschaft. Das ist Leben aus der Taufe.
Die Predigt sollte auf jeden Fall die Bildsprache aufnehmen und nicht in Erklärungen der Bilder steckenbleiben. Wichtig ist, dass der Zuhörer sich selbst mit den Bildern identifizieren kann und nicht distanziert über die Bilder nachdenkt. Es ist gut, wenn man sich für seinen Alltag ein Bild bewahren kann, das einem Geborgenheit und Freude vermittelt.

Liedvorschläge:

Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200 - Wochenlied!)
Preis, Lob und Dank (EG 245)
Ich lobe dich von ganzer Seelen (EG 250)
Sonne der Gerechtigkeit (EG 262)
Ist Gott für mich (EG 351)
Komm, bau ein Haus (KHW/HN-EG 589)



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