das Kirchenjahr

Rogate

Die betende Gemeinde

Predigtanregung

Der Name dieses Sonntags rührt von den Bittumgängen her, die in vergangener Zeit (und manchenorts noch heute) auf den Feldern für eine gute Ernte vollzogen wurden. Diese Bittumgänge begannen am Sonntag Rogate (= Betet!) und wurden in der damit beginnenden Woche fortgeführt.
Der Sonntag Rogate wird in der evangelischen Kirche als Missionssonntag begangen. Mit ihm beginnt die "Missionsopferwoche".
Der Sonntag Rogate ist der Betsonntag. Dieses Thema wird in den Perikopen vielfach beleuchtet. Auch dieses Thema ist eine Antwort auf das Ostergeschehen: Die Gemeinde ist nun frei durch Jesus Christus, Gott direkt zu bitten, ohne jeglichen Mittler, wie es zuvor notwendig gewesen war. Die Perikopen beleuchten das Thema Gebet nur von dem Aspekt des "Bittens" her, was wohl angemessen ist. Wir sollten aber nicht vergessen, dass zum Gebet auch Dank gehört!

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - Sir 35, 16-22a od. Dan 9, 4-5.16-19

Sir 35, 16-22a:
Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. 17 Er verachtet das Gebet der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie klagt. 18 Die Tränen der Witwen fließen die Backen herab 19 und schreien gegen den, der sie hervorgerufen hat. 20 Wer Gott dient, wie es ihm gefällt, der ist ihm angenehm, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. 21 Das Gebet der Elenden dringt durch die Wolken und lässt nicht ab, bis es vor Gott kommt, und hört nicht auf, bis der Höchste darauf achtet.
22 Und der Herr wird recht richten und bestrafen und nicht säumen noch Langmut zeigen.

Dan 9, 4-5.16-19:
4Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen.
16 Ach Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. 17 Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Antlitz über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr! 18 Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. 19 Ach Herr, höre! Ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, merk auf! Tu es und säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

Zu Sir 35, 16-22a:
Zunächst nur ein paar kurze Gedanken, die mir bei dieser Perikope kamen. Es ist bezeichnend für die „Macher” der neuen Perikopenordnung, dass sie sich bemühen, anstößige Texte möglichst vom Leser fern zu halten. Ich habe z.Zt. nur die Versanagaben vorliegen und weiß nicht, ob die Perikope nun wirklich da endet, wo ich sie habe enden lassen, oder vielleicht schon nach dem Wort „richten” endet. Wie dem auch sei: es lohnt sich, noch weiter zu lesen. Denn im ursprünglichen Entwurf der Perikopenrevision war dies auch vorgesehen - da erstreckte sich die Perikope bis zum Vers 26. Und das wäre m.E. ein besseres Ende gewesen als das, was uns jetzt vorgelegt wird. Jede/r Prediger/in ist frei, den Predigttext auch über die Grenze 22a hinaus zu lesen und auszulegen.
Allerdings kommen einem bei dem Text schnell Fragen, denn er reiht Feststellungen aneinander, die man aus eigener Erfahrung nicht so ohne Weiteres bestätigen kann. Ist es wirklich so, dass Gott das Gebet der Unterdrückten erhört? Müsste dann nicht längst jede Unterdrückung aufgehört haben? Ist es wirklich so, dass er den Armen hilft? Müsste es dann nicht keine Armen mehr geben? Bei den Feststellungen zu den Klagen der Witwe muss man wissen, dass eine Witwe zur Zeit des Autoren keinen Besitz hatte und in der Regel um ihren Lebensunterhalt betteln musste. Müsste ihr Klagen nicht aufgehört haben, wenn Gott das Klagen der Witwen erhört?
Weiter bereitet natürlich das alte Weltbild, nach dem Gott im physischen Himmel wohnt, also irgendwo über den Wolken, Schwierigkeiten. Denn natürlich befindet sich das Reich Gottes nicht hinter den Wolken, sondern mitten unter uns.
All die Schwierigkeiten, die sich mit dem Text verbinden, können zwar aufgelöst werden, indem man die Feststellungen etwas aufweicht: Gott hört die Gebete, aber das heißt noch lange nicht, dass er tut, worum gebeten wird. Denn Gott handelt ja nicht nach dem Willen der Menschen, sondern nach seinem eigenen Willen. Aber kann es das sein? Wozu soll man dann noch beten?
Diese Frage lässt sich zwar auch leicht beantworten, sie darf aber in der Predigt zunächst mal gestellt werden. Und der Predigttext gibt ja auch die Antwort darauf: eben weil Gott die Gebete erhört, darum beten wir. Das Problem besteht darin, dass sich unsere Erwartungen nicht mit dem Willen Gottes decken. So schwer es fällt, dies zu sagen: Das Leiden gehört zum Leben eines Menschen dazu. Man kann es sich nicht durch ein Gebet wegzaubern. Man kann aber Gott seine Not klagen und darf darauf vertrauen, dass Gott diese Klage hört. Oft ist es so, dass wir erst nach langer Zeit, erst wenn die Not schon vorüber ist, erkennen, wie Gott geholfen und uns aus der Not herausgeführt hat. Es ist gut, in der Predigt darauf hinzuweisen, dass wir auch die Sinne schärfen müssen für das Handeln Gottes in unserem Leben. Denn nicht immer, ja eigentlich meist ist es nicht so leicht erkennbar, weil es eben nicht dem entspricht, was wir erwarten. Denn auch wenn Gott der Allmächtige ist, so will er doch auch, dass wir nicht zu seinen Marionetten werden, sondern unser Leben entsprechend seinem Willen gestalten.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist offensichtlich. Es geht in diesem Text ja ums Gebet, und dies ist das Thema dieses Sonntags.

Liedvorschläge zur Predigt:

zu Sir 35, 16-26
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens (EG 416)
Brich dem Hungrigen dein Brot (EG 418)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
Brich mit den Hungrigen dein Brot (EG 420)
zu Dan 9, 4-5.16-19
Aus tiefer Not lasst uns zu Gott (EG 144)
Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (EG 297)
Wenn der Herr einst die Gefangnen (EG 298)
Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299)



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