das Kirchenjahr

16. Sonntag nach Trinitatis

Der Herr über den Tod

Predigtanregung

Der 16. Sonntag nach Trinitatis ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger und Menschenfreund. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden deutlich sichtbar.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

II - 2. Tim 1, 7-10

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Es ist ganz gut, wenn man sich zunächst den Zusammenhang dieses Textes anschaut. Es ist ein sehr persönlicher Brief, dieser zweite Brief des Paulus an Timotheus. Er bezeichnet ihn als seinen Sohn (Vers 2). Er hat ihn gewissermaßen großgezogen. Dann erinnert er an die Wurzeln, von denen er kommt. Es sind nicht die Apostel, sondern seine jüdischen Vorfahren, die diese Wurzeln bilden. Genauso gibt es auch eine Glaubenstradition in der Familie des Timotheus: seine Mutter Eurike und seine Großmutter Lois haben beide bereits im christlichen Glauben gestanden (Vers 5). Dieser Glaube nun, so sagt Paulus mit fester Gewissheit, ist auch in Timotheus lebendig. Paulus bezeichnet des Glauben des Timotheus als "ungefärbt", dieses Wort könnte man wohl auch mit "ungeheuchelt" oder "nicht überheblich" wiedergeben. Dann beschreibt Paulus einen Vorgang, der auch heute noch in unseren Kirchen üblich ist: die Handauflegung. Was Paulus dazu schreibt, könnte den Einstieg in die Predigt bilden: Die Handauflegung ist gewissermaßen der Akt, in dem ein Same gelegt wird, der erst durch den Menschen, der diesen Samen empfangen hat, zum Leben erweckt werden muss, indem er ihm die entsprechende Umgebung gewährt. (Vers 6)
Nun beginnt der eigentliche Predigttext, und der hat es in sich. Da ist zunächst der als Taufspruch beliebte Vers 7, über den allein schon eine Predigt möglich wäre. Paulus beschreibt den Geist und stellt dabei der Furcht drei Eigenschaften gegenüber: Kraft, Liebe und Besonnenheit. Dabei scheinen sich Kraft und Besonnenheit auf den ersten Blick zu widersprechen, denn Kraft beinhaltet auch etwas Ungestümes. Jedoch ist die Kraft wohl mehr als innere Kraft zum Durchhalten zu verstehen, denn als äußere Kraft zum Kämpfen oder bewältigen von (körperlich) schweren Aufgaben. Dieser Geist könnte auch die Gabe sein, die durch die Handauflegung in Timotheus gelegt wurde.
Dieser Geist ist die Begründung für alles Weitere: es kann keinen Grund geben, sich des Evangeliums zu schämen, denn der Geist räumt alles aus, was diese Scham verursachen könnte. In Vers 8 spricht Paulus kurz seine Situation an: er ist Gefangener, bereut es aber nicht. Für das Evangelium zu leiden, scheint ihm ein hohes Ziel zu sein, das zu erreichen er auch Timotheus ermutigt. Denn was Paulus getan hat (die Verkündigung des Evangeliums) ist das, wozu er durch Gott berufen wurde, als er selbst die Gnade Gottes in Jesus Christus empfing. Diese Gnade, die durch Jesus Christus vermittelt wird, wird sichtbar in der Überwindung der Todesmacht. Diese Tatsache macht es überhaupt erst möglich, furchtlos zu sein auch angesichts von Verfolgern und Schmähern.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird sichtbar im letzten Vers des Predigttextes, der gewissermaßen die Brücke zum ersten Vers (7) schlägt: die Furcht ist weggenommen, an ihre Stelle tritt Hoffnung auf das unvergängliche Wesen, das in Jesus Christus sichtbar wurde. So sollte auch die Predigt diese Hoffnung zum Ausdruck bringen, die unseres Lebens Grundlage und Sinn darstellt.

Liedvorschläge:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden (EG 66)
Gelobt sei Gott im höchsten Thron (EG 103)
Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)
O Heilger Geist, kehr bei uns ein (EG 130)
In dir ist Freude (EG 398)
Christus spricht: Ich bin die Auferstehung (EG 652)

Fürbittengebet

Himmlischer Vater, Du hast uns mit deinem Geist erfüllt, der uns Kraft schenkt und Liebe und Besonnenheit. Lass nicht zu, dass wir ihn einengen und aus unserem Herzen verdrängen. Schenke uns vielmehr die Weisheit, auf ihn zu hören und nach deinem Willen zu handeln. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich (EG 178.11)
Dein Geist mache uns stark, in Liebe für die einzutreten, die schwach geworden sind und keine Hoffnung mehr haben. Lass uns die Not der Menschen und ihre Ursachen erkennen und anprangern, damit die Not gelindert wird. Hilf uns, Wege zu erkennen, auf denen wir gehen können, ohne selbst zu dieser Not bei zu tragen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich (EG 178.11)
Dein Geist mache uns stark, in Liebe denen Trost zu zu sprechen, die voller Trauer sind, weil sie einen lieben Menschen verloren haben. Erfülle uns und sie mit der Gewissheit, dass du dem Tod die Macht genommen und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht hast. Erfülle uns alle mit der Hoffnung und Zuversicht, dass nichts uns von deiner Liebe trennen kann. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich (EG 178.11)
Dein Geist mache uns stark, in Liebe für Frieden und Verständigung zu werben und ein zu treten. Lass uns aufstehen gegen die Politiker, die glauben, mit Waffengewalt die Probleme unserer Welt lösen zu können. Lass nicht zu, dass sie es sich zu einfach machen, indem sie alles, was ihnen im Weg ist, als Terrorismus bezeichnen. Mache uns sensibel für die Ungerechtigkeit, die diese Welt beherrscht, und lass uns für Gerechtigkeit für alle Menschen eintreten. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich (EG 178.11)
Dein Geist mache uns stark, in Liebe deinen Namen zu verkünden bei denen, die glauben, ohne dich auskommen zu können. Lass sie erkennen, wie leer und sinnlos ihr Leben ohne dich ist. Erfülle uns mit dem Mut, den du allein geben kannst, der uns in Bewegung setzt, das Evangelium in die Welt zu tragen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich (EG 178.11)
Dein Geist erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit. So hilf uns, dass wir in deinem Geist wandeln, der du mit deinem Sohn Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn, regierst in Ewigkeit. Amen



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