das Kirchenjahr

16. Sonntag nach Trinitatis

Der Herr über den Tod

Predigtanregung

Der 16. Sonntag nach Trinitatis ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger und Menschenfreund. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden deutlich sichtbar.

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III - Klgl 3, 22-26.31-32

Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Denn der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Aus dem Text klingt heraus, dass sich der Verfasser in einer ausweglos erscheinenden Situation befindet. Eigentlich müsste es schon zu Ende sein. Die Tatsache, dass es (noch) nicht so ist, ist einzig der "Güte des Herrn" zuzuschreiben.
Die Erfahrung einer ausweglosen Situation machen wir alle in unserem Leben, sie taucht aber gerade im Alltag eines Pfarrers immer wieder auf. Vielen erscheint das Gebet sinnlos, weil keine Antwort zu kommen scheint. Viele Menschen glauben, auch wenn sie zur Kirche gehören, dass Gott entweder weit entfernt ist oder gar nicht existiert.
Dieser Text geht das Leben von der anderen Seite her an: Wenn die Güte Gottes nicht wäre, wäre alles noch viel schlimmer. Der Verfasser regt sich nicht über unbeantwortete Gebete auf, sondern geht ganz selbstverständlich vom Handeln Gottes aus, das allerdings kein "Superleben" garantiert. Aber es steht fest, dass Gott treu ist und barmherzig, und dass beides nicht abnimmt. Auch wenn er dies in der bestehenden Situation nicht erfährt, so glaubt er doch daran und hält daran fest.
Weiter folgt der Lobpreis der Geduld, wie man die Verse 24 bis 26 betiteln könnte. Klar, der Verfasser weiß wohl, dass es zunehmend schwerer wird, an Gott zu glauben, je länger man keine Besserung verspürt. Er preist die Geduld, denn in der Geduld selbst schon findet der Mensch Frieden.
Mit den letzten zwei Versen wird dies unterstrichen: der Herr verstößt nicht ewig. Selbst das schlimmste Übel wird irgendwann vergehen, Gott wird einen nicht ewig in der großen Not lassen.
Wichtig ist wohl der Gedanke, dass das Bedrückende auch von Gott kommt. Es wird hier aber nicht als "Test" beschrieben. Dieser Gedanke ist wichtig, weil wir dazu neigen, Gott den Teufel gegenüber zu stellen, als sei der Teufel eine selbständige Macht, die sich gegen Gott durchsetzen könnte. Diesen Gedanken verwirft der Verfasser. Er ist überzeugt, dass es keinen Stärkeren als Gott selbst gibt, und da Gottes herausragendes Charakteristikum seine Güte und Barmherzigkeit ist, gibt es eben nichts besseres, als in seiner Hand zu sein.
Der Zusammenhang zum Thema ergibt sich daraus, dass der Verfasser die Hoffnung nicht aufgibt, dass er davon überzeugt ist, dass die Güte und Barmherzigkeit Gottes unvergänglich sind. Beharrlich hält er daran fest, voller Zuversicht, dass die von ihm gesandte Betrübnis vorübergehen wird.
Für die Predigt wäre vor allem der Aspekt der Geduld im Leiden wichtig, die belohnt wird. Wie der Lohn aussieht, wird nicht definiert. In gewisser Weise hat der Verfasser aber schon einen Lohn, wenn er sagt, dass der Herr sein Teil ist. Die Barmherzigkeit Gottes nimmt vielfältige Gestalt an. Wichtig ist für uns, dass wir mit dem Verfasser sagen können: "Der Herr ist mein Teil", selbst wenn wir in einer ausweglosen Situation stecken oder wenn wir jemandem begegnen, der die Hoffnung auf Gott ganz aufgegeben hat..

Liedvorschläge zur Predigt:

Du meine Seele, singe (EG 302)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Was mein Gott will, gescheh allzeit (EG 364)
So nimm denn meine Hände (EG 376)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
Freunde, dass der Mandelzweig (EG 613)

Fürbittengebet

Allmächtiger Gott, du rufst uns in die Gemeinschaft mit dir. Wir bitten dich: lass uns deinen Ruf hören, dass wir den Weg finden, der zum wahren Leben führt, und in der Gemeinschaft, zu der du uns durch Jesus Christus berufen hast, bleiben.
Wir bitten dich für alle, die dich vergessen haben, weil sie glauben, dich nicht zu brauchen: lass auch sie deine Stimme hören. Gib, dass ihre Wege gekreuzt werden von Menschen, die deine Liebe bezeugen, und lass uns solche Menschen sein, wenn es dein Wille ist.
Wir bitten dich für alle, die den Glauben an dich verloren haben, weil sie das Elend und die Not in dieser Welt sehen: Hilf ihnen erkennen, dass auch wir unseren Teil dazu beitragen, und zeige uns Wege, Not zu lindern und zu helfen, wo es nötig ist.
Wir bitten dich für alle, die verzweifelt sind angesichts ihres eigenen Schicksals: schenke ihnen die Erfahrung, dass du sie nicht allein lässt.
Erfülle du uns mit deiner Liebe, damit die Welt sieht, dass wir deine Kinder sind.
Amen



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    Lesepredigten sind ausformulierte Kanzelreden und werden weit im Voraus verfasst. Sie sind an eine unbekannte Gemeinde gerichtet, sollen unterschiedliche Menschen ansprechen und dabei theologisch fundiert, zeitgemäß und allgemein verständlich sein, damit der »fremde« Prediger sich inspirieren lassen und den »fremden« Text für seine Gemeinde umsprechen kann. Für diesen Prozess sind die hier vorgestellten Lesepredigten eine über Jahrzehnte bewährte und beliebte Arbeitshilfe. Alle Texte stehen als Download bequem zur Weiterverarbeitung zur Verfügung.
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