das Kirchenjahr

1. Sonntag nach Trinitatis

Apostel und Propheten

Predigtanregung

Der 1. Sonntag nach Trinitatis hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weitertragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstössig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor "falschen Propheten", die den Glauben an die Existenz solcher Menschen mißbrauchen und schamlos ausnutzen.

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IV - Lk 16, 19-31

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. 20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren 21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. 22 Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. 23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. 27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; 28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. 29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. 30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. 31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus ist den meisten Menschen vertraut. Dabei führt diese Vertrautheit oft auch zu einer Abflachung, vor der man sich in Bezug auf die Predigt unbedingt hüten sollte.
Für Hölle wird im Urtext das Wort Hades verwendet, das aus der griechischen Mythologie bekannt ist und den Ort der Toten bezeichnet. Es ist in gewissem Sinn eine tote Welt. Und in diesem Sinn wird das Wort auch in diesem Gleichnis verwendet. Der Arme wird von Engeln in Abrahams Schoß getragen - ein Bild des Gegensatzes, denn der Hades wird in der Tiefe, unterhalb der Welt der Lebenden, vorgestellt. Interessant ist nun, dass es offenbar Blickkontakt gibt. Der tote Reiche weiß sehr wohl, wie gut es dem armen Lazarus nun geht - er sieht es sogar. Dennoch ist die Grenze zwischen dem Totenreich und dem Ort, wo Lazarus sich aufhält, unüberwindbar. Vielleicht besteht die größte Qual der Hölle darin, dass in ihr den Menschen bewusst wird, was sie hätten haben können, aber nun niemals erlangen werden. Denn das ist letztlich die Aussage dieses Gleichnisses: der Tod setzt einen Schlussstrich. Danach lässt sich nichts mehr ändern.
Darüber hinaus gibt es noch die ergänzende Bitte des reichen Mannes, die nicht erfüllt wird. In dieser Bitte wird nun der Bogen zu Jesus geschlagen, der sicher mit dem Hinweis auf einen, der von den Toten auferstand, gemeint ist. Nur muss man sich fragen, ob dieser Teil zum ursprünglichen Gleichnis gehört. Es scheint eher so, als ob diese Frage nachträglich eingefügt wurde, um das im Grunde grausame Urteil, das in dem Gleichnis anklingt, etwas ab zu mildern. Das gelingt aber nicht, sondern macht das Gleichnis eher unschlüssig.
Das Gleichnis bietet viele Ansatzpunkte, von denen aber m.E. die unüberbrückbare Kluft zwischen den "toten Toten" und den "lebenden Toten" der richtige Ansatzpunkt wäre. Es gilt also, im jetzigen Leben alles so zu richten, dass man gar nicht erst diesen Tod erleidet, also nicht in den Hades geschickt wird. Denn letztlich weist doch jedes Gleichnis auf das Leben hin, und nicht auf den Tod. Und dafür gilt die Botschaft, dass derjenige, dem es gut geht, für die, die in Armut leben, eine Verantwortung hat, die weit über das hinaus geht, was der reiche dem Lazarus zugedachte.
Leider gibt der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang diesem wichtigen Grundgedanken des Gleichnisses kaum Raum, sondern legt den Schwerpunkt auf den abschließenden Abschnitt, der m.E. sekundär ist. Auch gipfelt dieser Abschluss ja in dem Hinweis auf Jesus selbst, es geht also sogar hier gar nicht mal so sehr um die Apostel und Propheten, sondern wenn, dann um die Gestalt Jesu und um seine Verkündigung, die missachtet wird.
Ich halte es für angemessen und richtig, die Predigt auf dem eigentlichen Schwerpunkt des Gleichnisses aufzubauen, nämlich auf dem Gedanken, dass wir unser Leben nach dem Willen Gottes gestalten sollen - in Gerechtigkeit. Dazu kommt dann allerdings auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang in dem Sinn, dass die christliche Gemeinde selbst prophetische, d.h. mahnende, Aufgaben übernimmt: sie soll ja das in Jesus Christus lebendig gewordene Wort hinaustragen zu denen, die es nicht hören.

Liedvorschläge zur Predigt:


*Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
*Herr, dein Wort, die edle Gabe (EG 198)
So wahr ich lebe, spricht dein Gott (EG 234)
Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ (EG 246)
In dir ist Freude (EG 398)
Komm in unsre stolze Welt (EG 428)
*Valet will ich dir geben (EG 523)
*Wer weiß, wie nahe mir mein Ende (EG 530)
*Herr, wir stehen Hand in Hand (NB-EG 602)
*Wo ein Mensch Vertrauen gibt (NB-EG 604)

Fürbittengebet

Herr, allmächtiger Gott, du willst, dass wir es uns hinter die Ohren schreiben, dass wir es immer vor Augen haben, dass wir nichts tun, ohne daran zu denken: du bist unser Gott, du bist es alleine. So hilf uns, dass wir all die falschen Götter ablegen, die uns mit Angst erfüllen und den Horizont verengen.
Wir bitten dich, hilf uns die Furcht ablegen, die uns hindert, von dir zu erzählen. Lass uns mutig sein, damit wir die Botschaft von der Torheit des Kreuzes den Klugen dieser Welt vorhalten können: den Politikern, den Mächtigen in der Wirtschaft, denen, die ihr Vertrauen allein auf's Geld setzen.
Hilf uns, dass wir frei werden von der Angst, die der Tod uns macht. Lass uns das Leben spüren, das über diese Zeit hinaus geht, das geborgen ist in dir und aus der Quelle des Lebens Kraft schöpft und Hoffnung, auch über den Tod hinaus.
Hilf uns, dass wir frei werden von der Angst vor dem sozialen Abstieg durch Arbeitslosigkeit, durch steigende Kosten. Lass uns erkennen, dass wir dir wert sind, dass du uns liebst und trägst, auch dann, wenn wir in dieser Welt nichts mehr haben. Du sorgst für uns. So sorge du auch für die, die weniger haben als wir, die sich vor dem Morgen fürchten. Lass uns bereit sein, zu teilen.
Hilf uns, dass wir frei werden von der Angst vor der Einsamkeit, wenn wir alt werden und gebrechlich. Lass uns deine Nähe spüren, auch durch Menschen, die du zu uns sendest als Boten deiner Liebe. Lass uns selbst solche Boten sein für die Menschen, die in Einsamkeit vergehen.
Lass uns Gemeinde sein, indem wir uns auf deinen Geist einlassen und uns von ihm antreiben lassen, Liebe zu üben, damit Friede werde.
Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen



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