das Kirchenjahr

20. Sonntag nach Trinitatis

Die Ordnungen Gottes

Predigtanregung

Der 20. Sonntag nach Trinitatis widmet sich der Frage nach dem Sinn von Ordnungen. Dabei werden auch die unumstößlichen Zusagen Gottes berücksichtigt, die uns den Rahmen geben, in dem wir uns bewegen können. Vom Evangelium her klingt deutlich die Prämisse durch: Der Mensch ist nicht um des Gesetzes willen, sondern das Gesetz um des Menschen willen gemacht.

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III - Pred 12, 1-7

Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallen mir nicht”; 2 ehe die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden und Wolken wiederkommen nach dem Regen, – 3 zur Zeit, wenn die Hüter des Hauses zittern und die Starken sich krümmen und müßig stehen die Müllerinnen, weil es so wenige geworden sind, und wenn finster werden, die durch die Fenster sehen, 4 und wenn die Türen an der Gasse sich schließen, dass die Stimme der Mühle leiser wird, und wenn sie sich hebt, wie wenn ein Vogel singt, und alle Töchter des Gesanges sich neigen; 5 wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; – 6 ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt. 7 Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Das Buch des Predigers ist ein poetisches Buch, wie man auch an diesem Abschnitt erkennen kann. Wir blicken auf die Vergänglichkeit des Menschen - ein Grundthema des Predigerbuches. Meist vermeidet man in unserer Gesellschaft dieses Thema, der Tod und das Sterben werden ausgeklammert. Wenn Angehörige sterben, möchte man möglichst wenig erinnert werden. Das zeigt das hohe Bedürfnis nach Begräbnissen, wo eine Grabpflege nicht mehr nötig ist. Denn jeder Gang zum Grab fällt schwer, weil er einen selbst daran erinnert: ich bin sterblich.
Aber gerade darum wäre dieser Gang so wichtig, und darum wird uns heute dieser Text vorgelegt. Es ist ein natürliches Geschehen, nichts Schreckliches, und es wäre gut, würden wir das wieder verinnerlichen können: der Tod gehört zum Leben. Nun bietet uns dieser Text aber doch einen schönen und hoffnungsvollen Ausblick: der Geist kehrt wieder zurück zu Gott, der ihn gegeben hat.
Aber eigentlich wendet sich der Text an junge Menschen, die von Tod und von Gott in der Regel wenig bis gar nichts wissen (wollen). Ihnen ruft der Prediger (Salomo?) zu: Denke an deinen Schöpfer!
Ist es uns bewusst, dass wir Geschöpfe sind? Nicht das Produkt eines Geschlechtsakts, sondern gewollte, geliebte Geschöpfe unseres himmlischen Vaters?
Unter der Kanzel werden vermutlich überwiegend ältere Menschen sitzen, die all das erleben, was im weiteren Verlauf des Predigttextes beschrieben wird. Aber daran sollte sich die Predigt nicht festhalten, sondern auf das Ziel hinsteuern. Auch im Alter gibt es schöne Tage, und seien es nur die Erinnerungen an die Zeit der Jugend.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich wohl daraus, dass der Lauf des Lebens von der Zeugung bis zum Tod zu den wunderbaren Ordnungen Gottes gehört, die wir zwar wissenschaftlich ergründen, aber nie letztgültig werden verstehen und erklären können. Der Tod ist von der Bibel aus betrachtet eine Strafe für die Ursünde, wie Gott sein zu wollen, und insofern erinnert er uns auch an die uns ewig anhaftende Sünde, derer wir nur ledig werden durch das Kreuz Jesu Christi. Es ist der Verstoß gegen die Grundordnung Gottes. Und so bleibt auch im Alter der Ruf: Gedenke deines Schöpfers.

Liedvorschläge zur Predigt:

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)
Wenn mein Stündlein vorhanden ist (EG 522)



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