Der 20. Sonntag nach Trinitatis widmet sich der Frage nach dem Sinn von Ordnungen. Dabei werden auch die unumstößlichen Zusagen Gottes berücksichtigt, die uns den Rahmen geben, in dem wir uns bewegen können. Vom Evangelium her klingt deutlich die Prämisse durch: Der Mensch ist nicht um des Gesetzes willen, sondern das Gesetz um des Menschen willen gemacht.
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II - Mk 2, 23-28Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.
Diese Erzählung gibt zu denken, und sie ist
gefährlich. Gefährlich vor allem deswegen, weil sie sich leicht dazu
missbrauchen lässt, gute Ordnungen aus den Angeln zu heben. Denn das macht
Jesus hier ja vor. Aber es sollte deutlich sein: es ist die Not, die Jesus dazu
veranlasst, das Gesetz niedrig zu hängen. Er hebt es nicht auf. Durch sein
Eintreten für die Jünger aber macht er es all denen schwer, die die
Einhaltung der Ordnungen Gottes für lebenswichtig halten.
Problematisch könnte
natürlich die Tatsache sein, dass von einem Hunger der Jünger nicht die
Rede ist. Nur in dem Beispiel, das Jesus dann anführt, wird deutlich, dass
die Not den Bruch des Gesetzes rechtfertigt. Hier könnten Verfechter der
absoluten Freiheit einhaken. Sie könnten fordern, dass jeder für sich
selbst entscheiden darf, ob ein Gesetz für sie oder ihn gilt oder nicht.
Aber diese Haltung erscheint mir sehr problematisch und fragwürdig, denn
sie ignoriert vollkommen das Wohl der Gemeinschaft.
An der Erzählung
fällt auf, dass die Jünger offenbar keine Klärung suchen, bevor
sie beginnen, Ähren zu raufen. Es ist, als sei schon lange vorher,
für uns nicht erkennbar, das Thema Sabbat ausführlich von Jesus
behandelt worden. Denn es gehört in einer durch und durch von
Gesetzeswächtern getränkten Gesellschaft schon einiges dazu, sich
über die von Kindheit an eingeprägten Gebote Gottes hinwegzusetzen, zumal
das hier gebrochene zu den elementarsten gehört. Es ist also
unwahrscheinlich, dass sie sich ohne nachzudenken über die Ähren
hergemacht haben - mindestens einer hätte sie an das Sabbat-Gebot
erinnert. Und vielleicht ist es tatsächlich so gewesen, nur dass Markus
diese Geschichte etwas provokanter erzählt.
Stellen wir uns vor, es sind nicht
Pharisäer, die da plötzlich auf das Vergehen der Jünger
hinweisen (denn wo kämen diese Pharisäer wohl her, an einem
Sabbattag, außerhalb der Stadt?), sondern Jünger, die dazu
gehören und erkennen, dass hier gegen ein Gebot verstoßen wird. Dann
wäre diese Erzählung tatsächlich eine Jüngerbelehrung, aus
der wir dann auch richtiger erkennen, dass Jesus selbst (der Menschensohn) Herr
über den Sabbat ist. Denn diese Aussage würde Pharisäern, die
zufällig da sind, wenig helfen. Den Jüngern aber würde sie Mut
machen, sie würden sich sicher fühlen in ihrem Handeln, und die, die
das Gesetz hochhalten wollten, würden erkennen, dass in diesem Fall eine
Ausnahme durchaus angemessen ist, zumal Jesus, der Herr über den Sabbat,
ja bei ihnen ist. Wichtig ist: es bleibt eine Ausnahme!
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht
deutlich, es geht um die Ordnungen Gottes, und wollten wir dem oben
beschriebenen Gedanken folgen, dann sicher um unsere Haltung zu diesen
Ordnungen. Aus dem Predigttext wird uns deutlich, dass es Situationen gibt, in
denen es nicht verkehrt ist, die Gebote zu missachten, wenngleich gerade dieses
Beispiel problematisch ist: so groß wird der Hunger der Jünger nicht
gewesen sein. Unsere Gesellschaft ist es gewohnt, gerade die auf Gott bezogenen
Gebote zu missachten, weil es niemanden gibt, der auf ihre Einhaltung achtet.
Das Sabbatgebot wird vom Gesetzgeber schon lange nicht mehr unterstützt
(wobei es vielleicht sinnvoll ist, sich zu erinnern, dass der Sabbat eigentlich
der Sonnabend und nicht der Sonntag ist), und auch wenn der Sonntag als freier
Tag genossen wird, dann nur zum eigenen Wohl, und nicht, um sich an Gottes
Taten zu erinnern und ihm die Ehre zu erweisen (denn das ist das Wesen des Sabbats).
Viel problematischer wird es beim Tötungsverbot (auch in politischen
Auseinandersetzungen), beim Verbot des Ehebruchs usw.
Die Predigt muss daher deutlich
machen, dass hier wirklich eine situationsbedingte Auslegung des Gebotes
erfolgt, und dass die Gebote nach wie vor einen guten Sinn haben, denn sie
dienen dem Schutz nicht nur unseres Nächsten, sondern natürlich auch
unser selbst.
Sollt ich meinem Gott nicht singen (EG 325)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)
In dir ist Freude (EG 398)
Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt (EG 413, 1-4.8)
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Eine gute Predigt lebt davon, den vorgegebenen Bibeltext in die Sprache der Menschen heute zu übersetzen. Seit mehr als 50 Jahren sind die Predigtstudien bei dieser Herausforderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jeder Predigttext wird jeweils von zwei Autoren im Dialog bearbeitet.